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Altbacken: Sportschau-Moderation zur PTO Championship

07. Dezember 2020


Kommentar-ARD-Sportschau

Es war das erhoffte Triathlonspektakel. Die PTO Championship-Rennen der Frauen und Männer waren einer Weltmeisterschaft mehr als würdig. Die Premiere einer neuen Alternative zum prestigeträchtigen Ironman ist gelungen, willkommen auf der Triathlonbühne! Für Gesprächsstoff sorgte auch – mal wieder – die Moderation der Übertragung auf sportschau.de von der ARD. Ein Kommentar.

Die ARD Sportschau ist eine Institution der Sportberichterstattung in Deutschland. Schafft man es als Sportler oder als Sportart in den Fokus und ins Interesse der Sportschau, hat man was geschafft. Berichtet die Sportschau, war das lange Zeit ein Gütesiegel. Nach wie vor ist es so, dass die Sportschau eine Plattform bietet, die dazu verhilft weit über den eigenen Tellerrand einer Sportart hinaus auf Interesse zu stoßen und Aufmerksamkeit zu kreieren.

Dass die PTO Championship also eine Onlinepräsenz zugesprochen bekommen haben, ist ein echtes Ding und für den Sport supergeil.

Als reichweitenstarkes Medium geht mit jeglicher Art der Berichterstattung eine große Verantwortung einher. Aus eigener Erfahrung wissen wir: Das kann großen Spaß machen. Das kann aber auch richtig nervig und anstrengend sein. In welche Richtung das Pegel ausschlägt, ist jedoch immer eine Frage des Anspruchs und der Erwartungshaltung der Zielgruppe. Beides ist im Triathlonsport ungemein hoch, die Szene ist kritisch, ehrlich und meinungsstark. Auch das haben wir schon oft zu spüren bekommen.

Und das ist vollkommen okay, weil wir selbst polarisieren, kokettieren, anecken, mal übers Ziel hinausschießen und eine Meinung haben, die wir mitteilen und zu der wir stehen.

Dass es dazu immer auch gegenteilige Meinungen und Ansichten gibt, ist klar. Kritik ruft Kritik hervor. Auch das ist doch das Schöne am Sport: Hitziges diskutieren, Meinungen austauschen, auf den Putz hauen – am Ende stets mit der Erkenntnis, dass es doch nur um Sport geht.

Expertise bleibt auf der Strecke

Mit Ralf Scholt und Dirk Froberg haben gestern zwei altbekannte Sportreporter das Rennen auf sportschau.de kommentiert und begleitet. Seit Jahren sind sie in den Öffentlich-Rechtlichen die Stimmen des Triathlons und engagiert bei der Sache. Jahre, die viele Veränderungen und schnelle Entwicklungen mit sich gebracht haben, die beide Reporter immer häufiger vor Herausforderungen und Probleme stellt.

Einem Fachpublikum – wie es im Triathlon weit verbreitet ist – fallen und stoßen die teils unangebrachten, teils unqualifizierten Moderationen schnell auf.

Es sind die kleinen und großen Fehler der Kommentatoren, die dem hohen Niveau der Sportschau nicht nur gestern rund um die Rennen in Daytona, sondern auch bei anderen Triathlonevents, wie dem Ironman Hawaii, immer öfter zur Stolperfalle werden. Nur darauf zu setzen, dass Bekannte sich von zuhause vor dem Bildschirm melden und die Fehler immer und immer wieder korrigieren, ist auf Dauer nicht nur nervig und anstrengend, sondern in dieser Häufigkeit auch nur schwer nachvollziehbar.

Laura Philipp mit Anne Haug zu verwechseln und ausschweifend über die neue Lackierung ihres Fahrrads und die Position der Trinkflaschen zu sinnieren, kann passieren. Die Race Suits waren definitiv auffällig ähnlich. Es ist aber eben nicht fachkundig. Oder drei Mal zu erwähnen, dass Caro Lehrieder im Mohrenwirt Hotel am Fuschlsee wohnt und lebt, was nicht nur falsch, sondern im weiteren Kontext sogar selbstredend ist: Caro sei erstmals aufgefallen, als sie „als Fahrerin im Team Sibbersen auf Hawaii gewesen ist“ und man dort beim frühmorgendlichen Schwimmtraining gewesen sei. Auweia. Auweia deshalb, weil Caro zwei Wochen vor besagtem Hawaii-Aufenthalt den Ironman Italy gewonnen hatte. Hätte man wissen können, aber kann passieren.

Gustav Iden im Rennverlauf vom Norweger zum Dänen zu erklären, kann passieren. Nicola Spirig im Rennverlauf mit Sven Riederer und nicht mit Reto Hug zu verheiraten, kann passieren. Alistair Brownlee im Rennverlauf auf ein ungebrandetes TT-Bike zu setzen, weil er mit dem Rad seines Sponsors nicht zurecht gekommen sei, obwohl er auf dem neuen Scott Plasma 6 unterwegs war, kann passieren. Festzustellen, dass 43 km/h ganz schön schnell „für Frauen“ ist, kann passieren. Laura Philipp beim Zieleinlauf den Einkaufstipp mit auf den Weg zu geben, dass sie sich von der Siegprämie ein neues Paar Schuhe und eine Handtasche kaufen kann, kann passieren. Vorher flappsig zu erklären, dass man Zeitstrafen beim Laufen nur bekommt, wenn man andere Athleten „weggrätscht“, kann passieren. Und außerdem, wie wurde so schön festgestellt: „Mann kann ja nicht alles wissen.“ Nun ja.

Wir sprechen aber immerhin über die Sportschau der ARD, nicht über irgendein daher gelaufenes Internetportal wie Pushing Limits.

Live-Moderation: Anspruchsvolle Aufgabe

Die Voraussetzungen für die Moderation waren denkbar schwierig. Es gab keine Möglichkeit, um auf die gezeigten und somit zu kommentierenden Bilder Einfluss zu nehmen. Die PTO hat die Bilder zur Ausstrahlung zur Verfügung gestellt, damit musste gearbeitet werden. Take it or leave it. Friss oder stirb. Aber gerade weil diese Art und Weise der Übertragung und der technischen Umsetzung bekannt war, wäre es doch umso wertvoller gewesen, wenn die Moderation einen gewissen Informationsgehalt parat gehabt hätte. Sei es über Ergebnisse oder Leistungen aus dem Vorjahr (nicht nur über das Pushing Limits Race in Ratingen), begründete Stärken-Schwächen-Profile der Athletinnen und Athleten, kleine Anekdoten oder Hintergründe. Irgendwas.

Ein Experte des aktuellen Zeitgeschehens hätte der Übertragung, den vielen gelieferten Informationen und den stabilen Bildern, gut getan. Von diesen Experten gibt es unheimlich viele: Till Schenk beispielsweise, der ein Wissen über Sport und Athleten besitzt wie aktuell kein Zweiter. Hartwig Thöne, der exzellente Ahnung hat, eloquent und unterhaltsam berichtet und außerdem hervorragend vernetzt und informiert ist – gut, er dürfte vermutlich durch seinen Arbeitgeber Sport1 gebunden sein. Alex Siegmund, der sich gewissenhaft, sorgfältig und detailliert auf Moderationsaufgaben vorbereitet und engen Kontakt in Athletenkreise hat. Oder Gregor Buchholz, der nicht nur Fachwissen und Expertise mitbringt, sondern sogar aus seiner aktiven Zeit als Profisportler spannende Insights gewähren kann.

Fazit: Immer weiter!

Hoffentlich hält die Sportschau an ihrem Kurs fest und gibt dem Triathlonsport einen Platz in den Öffentlich-Rechtlichen. Die Aufmerksamkeit tut der Sportart und den Profiathleten gut. Eine zeitgemäße Berichterstattung bedarf jedoch mehr als nur Sendezeit.

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