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Andreas Niedrig: Der Ironman mit den zwei Leben

20. Januar 2021


Zieleinlauf Andreas Niedrig Triathlon

Zweifelsohne ist Andreas Niedrig der beste Beweis dafür, dass Triathlon alles ändern kann – vor allem das Leben. Seines teilt sich nämlich in zwei Parts: in eines vor dem ersten Triathlon und eines danach. Das eine hätte es ohne das andere vermutlich nicht gegeben. Das war’s dann aber auch an Einigkeit. Denn tatsächlich hat das Leben davor nicht viel mit dem danach zu tun.

Aber fangen wir vorne an, beim Leben vor dem ersten Triathlon. Geboren wird Andreas Niedrig am 12. Oktober 1967 in Recklinghausen. Er wächst in Oer-Erkenschwick auf und damit mitten „im Pott“, wie er seine Heimatregion standesgemäß nennt. Im Pott lebt er auch heute noch und daran wird sich auch nichts mehr ändern, zu groß ist die Liebe zu seinen Wurzeln und seiner Heimat.

So begann die Triathlon-Karriere von Andreas Niedrig

In den 1980er-Jahren beginnt für „Andi“ die erste seiner beiden Karrieren: die in der Drogenszene. Mit jugendlicher Risikofreude, Unbedarftheit und zuweilen Perspektivlosigkeit rutscht er immer tiefer ab, setzt seine Ehe, sein Dasein als Papa, sein Leben aufs Spiel. Eben so gut wie alles. In seinem Buch „Vom Junkie zum Ironman“ beschreibt er schonungslos ehrlich, wie weit unten er damals war. Verrückt, wenn man bedenkt, dass er es schließlich in den Himmel des Triathlons schaffte – und das alles dank eines Waldlaufs mit seinem Vater, zu dem er nicht immer das beste Verhältnis hatte.

Tatsächlich markiert besagter Waldlauf jedenfalls den Wendepunkt. Nicht etwa, weil er ihn so wahnsinnig gut gemeistert hätte, sondern weil das Gefühl beim Laufen das Erste ist, was ihn wieder beflügelt. „Mein Traum heißt Leben“, stellt er in diesem Schlüsselmoment fest. Der Rest ist Sport-Geschichte und der Beginn der zweiten Karriere von Andreas Niedrig: die in der Triathlon-Szene.

Andreas Niedrig: „Roth ist mein Zuhause!“

Aus der fixen Idee, als untrainierter Ex-Raucher, der gerade einen Entzug hinter sich hat, eine Langdistanz zu finishen, wird beispiellose Kraft. Was Niedrig ab Anfang der 90er schließlich aufs Parkett – oder besser gesagt auf die Rennstrecke – zaubert, sucht in der Triathlon-Welt seinesgleichen. Die Szene staunt nicht schlecht, als er von 1998 bis 2000 völlig überraschend Jahr für Jahr den dritten Platz in Roth (damals noch Ironman Europe) holt. Der Typ wirft Fragen auf: Wer ist das? Was treibt ihn an? Niemand ahnt, dass es die Sportwelt mit einem Junkie zu tun hat.

Niedrig nimmt den Spekulationen den Wind aus den Segeln und erzählt seine Geschichte. Es folgt die Krönung zum Medienstar und die Entmachtung zum „Junkie der Nation“. Der Boulevard liebt die Story, schlachtet sie aus, erste Sponsoren ziehen sich zurück. Immerhin: Sportlich ist er nicht zu stoppen – und mit seiner fulminanten Saison 2001 inklusive dem siebten Platz beim Ironman Hawaii sowie den Glauben an sich selbst bleibt er vorerst Vollzeit-Profi.

Und was macht Andreas Niedrig heute so?

Es folgen Verletzungen, erfolgreich geführte Kämpfe zurück in den Profisport, Event-Teilnahmen, die man heute vermutlich als „Lifegoals“ bezeichnen würde, so zum Beispiel das Race Across America.

So. An dieser Stelle müssten wir ja eigentlich so langsam zum Ende der sportlichen Karriere, also zum Leben „danach“ kommen. Allerdings kann bei Andreas Niedrig davon nicht die Rede sein. Auch wenn mehr als zwei Jahrzehnte Triathlon-Passion und -Profession hinter ihm liegen. Okay, die Profizeiten sind vorbei. Aber dass noch längst nicht alle Geschichten erzählt sind, beweist der 53-Jährige immer wieder. Oder wie sonst soll man seine durchaus spontane Teilnahme am Langstrecken-MTB-Rennen „Desert Dash“ bezeichnen, über die er im Podcast spricht? Ach, und: War da nicht noch ein bereits gesicherter Startplatz als Altersklassen-Athlet für den nächsten Ironman Hawaii?

Als Motivationscoach begeistert er inzwischen Schüler wie auch Top-Manager – und wer ihm einmal zuhört, kann damit so schnell auch nicht wieder aufhören. Liegt vermutlich daran, dass Andreas Niedrig weiß, wovon er spricht, wenn er sagt: „Zufriedenheit kommt aus drei Buchstaben: T-U-N!“ Denn der Mann hat nicht nur für sich, sondern auch für andere ganz schön viel getan – als Inspiration und Motivation. Aber so sind sie eben, diese „Willensschaffer“ …

Hier kannst du den Podcast mit Andreas Niedrig hören:

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