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Triathlon und Herzschwäche: was geht, was nicht?

22. Juni 2022


Triathlon Herzschwäche

Ausdauersport ist gut fürs Herz. Stimmt. Aber nicht immer. Was zu tun ist, wenn das Herz schwächelt und inwiefern Triathlon dann noch möglich ist, erklärt Sportkardiologin Dr. Susanne Berrisch-Rahmel.

Wer Triathlon betreibt, der fürchtet vielleicht, dass die Achillessehne vom Lauftraining zwickt oder der Nacken von der Zeitfahrposition auf dem Rad schmerzt. Daran, dass das Herz Probleme machen könnte, dürften die wenigsten denken.

Eine Herzschwäche (im Fachjargon: Herzinsuffizienz), so die gängige Meinung, bekommen doch nur Menschen, die keinen Sport treiben, übergewichtig sind, rauchen oder viel Alkohol trinken. Das stimmt – und auch wieder nicht. Extreme Belastungen sind für das Herz nämlich ähnlich schlecht wie wenig Bewegung. Es gibt Beobachtungsstudien, die ein etwa fünffach erhöhtes Risiko dafür gezeigt haben, dass bei sehr intensivem Ausdauersport wie Marathon oder Triathlon Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern auftreten.

Laut Deutscher Herzstiftung „liegt die Häufigkeit des plötzlichen Herztods beim Sport zwischen 0,7 und 3,0 Todesfällen pro 100.000 Sporttreibenden pro Jahr“. Wobei bei Athlet:innen über 35 Jahren mit über 80 Prozent am häufigsten die koronare Herzkrankheit (KHK) die Ursache des plötzlichen Herztods beim Sport ist, bei unter 35-Jährigen überwiegen Erkrankungen des Herzmuskels und der Herzklappen.

Wie äußert sich eine Herzschwäche?

„Eine Herzmuskelentzündung, eine sogenannte Myokarditis, kann entzündliche Veränderungen des Herzmuskels verursachen und lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen. Das gilt auch für junge Sportler, es kann jeden treffen“, warnt Dr. med. Susanne Berrisch-Rahmel, Ärztin für Innere Medizin und Kardiologie, Sportmedizin und Sportkardiologie in der Düsseldorfer Praxis KardioPro.

Eine solche Herzmuskelentzündung, die bis zu einer Herzinsuffizienz führen kann, bleibt manchmal unbemerkt, bis sie bei einer Routineuntersuchung zufällig entdeckt wird. Manchmal stellen Betroffene Luftnot bei sich fest, ihre Leistungsfähigkeit sinkt und der Puls geht etwas schneller und unregelmäßig. Ähnliche Symptome treten auch bei einer Herzschwäche auf, nämlich

// geringere Belastbarkeit
// Atemnot
// Allgemeine Müdigkeit und Erschöpfung
// trockener Husten, vor allem nachts
// Wassereinlagerungen, zum Beispiel in den Beinen und um die Knöchel herum

„Man muss nicht gleich panisch werden, solche Beschwerden können auch nach einer Infektion oder Covid-19-Impfung auftreten. Allerdings sollten Athleten bei solchen Symptomen das Training sofort herunterfahren und die Symptome ärztlich abklären lassen“, rät Dr. Berrisch-Rahmel, die zudem einmal pro Jahr eine umfassende Gesundheitsuntersuchung empfiehlt, mittels derer sich feststellen lässt, ob das Herz-Kreislauf-System uneingeschränkt arbeitet. Sie sagt: „Hier kann man sich an den Profisportlern ein Vorbild nehmen, bei denen das auch so empfohlen wird.“

Wiedereinstieg ins Training

Zwar lassen sich laut Deutscher Herzstiftung Ergebnisse zur Herzbelastung im intensiven Ausdauersportbereich nur bedingt von Profis auf Hobbysportler übertragen, aber es sei „festzuhalten, dass Marathon oder Ultra-Ausdauerwettkämpfe eine hohe Belastung für Herz und Kreislauf darstellen. Deshalb sollten nur Sportler an den Start gehen, deren Herzgesundheit ärztlich nachgewiesen ist. Man kann davon ausgehen, dass der gut trainierte und gesunde Ausdauersportler sein Herz akut nicht schädigt. Liegen jedoch Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor, ist das Risiko für eine akute Herzschädigung oder gar einen plötzlichen Herztod deutlich erhöht.“

Entsprechend sollten Triathlet:innen, bei denen eine Herzschwäche diagnostiziert wurde, erst wieder anfangen sich körperlich zu belasten, wenn die Insuffizienz behandelt wurde und bekannt ist, ob sich die Herzfunktion wieder normalisiert hat oder die Herzschwäche weiterhin vorhanden ist. Vor dem Wiedereinstieg sollten sich Athlet:innen auf jeden Fall konkrete Empfehlungen von einem Sportkardiologen oder einer Sportkardiologin geben lassen, inklusive „Ultraschall und Belastungsuntersuchung mit maximaler Ausbelastung, um die maximale Herzfrequenz zu bestimmen“, erklärt Dr. Berrisch-Rahmel.

Begonnen wird dann zunächst einmal ganz sachte, mit Belastungen bis höchstens 60 Prozent der HFmax und häufigeren, kurzen Einheiten, denn „nach der Behandlung ist man erstmal wieder zurück auf Start. Man kann nicht einfach da anknüpfen, wo man vorher war“, so die Sportmedizinerin. Das bedeutet in den ersten beiden Wochen mitunter erst einmal „Training“ von fünf bis zehn Minuten täglich, danach zwei Wochen lang 10 bis 15 Minuten, ab Woche fünf dann bis zu 20 Minuten bei einer Intensität, bei der der Atem etwas schneller geht, Betroffene sich aber noch in ganzen Sätzen unterhalten können.

Der Puls als Steuerungsparameter

Ein wichtiger Parameter, um die Belastung zu kontrollieren, ist für Athlet:innen mit behandelter Herzinsuffizienz der Puls oder aber auch die Borg-Skala, die das individuelle Belastungsempfinden auf einer Range zwischen 6 und 20 einordnet und auf der Betroffene „nicht über Borg 14 gehen sollten“, sagt Dr. Berrisch-Rahmel. Generell findet sie es aber durchaus wichtig und sinnvoll, nach einer Herzinsuffizienz-Behandlung wieder aktiv zu werden, „Ausdauertraining und leichter Kraftsport sind empfehlenswert, denn ein fitter Körper mit guter Muskulatur macht es dem Herz leichter“.

Sie rät jedoch ab von hohen Intensitäten jenseits von 80 Prozent der maximalen Herzfrequenz, da „die Datenlage zu Hochintensiven Intervalltraining (HIIT) nicht so gut ist, dass ich das empfehlen würde“. Anders als vielleicht zu vermuten wäre, ist übrigens nicht das Schwimmen die Einstiegsdisziplin der Wahl nach einer Herzinsuffizienz-Behandlung – auch wenn das Wasser das Körpergewicht trägt, denn, so erklärt Dr. Berrisch-Rahmel: „Nach dem Wiedereinstieg ist zunächst die Gefahr von Kammerflimmern oder Rhythmusstörungen noch vorhanden. Passiert das im Wasser, kann das schnell tödlich enden. Besser ist es, mit Laufen oder Radfahren anzufangen.“

Zeit lassen und geduldig bleiben

Bleibt auch nach der Behandlung eine Insuffizienz bestehen, sollten Triathlet:innen dauerhaft auf Gesundheitssportniveau trainieren. Hat sich die Pumpfunktion des Herzens nach der Therapie jedoch normalisiert, hat die Sportkardiologin keine grundsätzlichen Bedenken zu versuchen, mittels vernünftigen Trainingsaufbaus wieder auf Wettkampfniveau zu kommen.

„Betroffene sollten sich aber Zeit lassen. Wer sein Kreuzband gerissen hat, der akzeptiert ja auch, dass er jetzt erstmal sechs Monate raus ist. Sollen sie wegen des Herzens Pause machen, ist meiner Erfahrung nach das Stöhnen unter Athleten oft groß“, weiß Dr. Berrisch-Rahmel. „Dabei lässt sich bei einer Herzmuskelentzündung oder Herzinsuffizienz der Verlauf nicht vorhersagen. Wer nicht aufpasst, riskiert einen bestehenden Schaden. Dann geht vielleicht noch Triathlontraining, aber das ist dann, wie wenn beim Ruder-Achter zwei Leute ausfallen: Auf individuelles Top-Level kommt man nicht mehr.“ Also: Vernünftig trainieren, auf den Körper hören und ihm Pausen gönnen. Denn auch wenn das Triathlontraining für so manchen den Zeitumfang eines Zweitjobs einnimmt, ist der Sport nach wie vor ein Hobby. Eines, das Spaß machen soll. Und nicht krank.

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