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Digitale Athleten - Sind wir bald alle Cyborgs

Digitale Athleten: Sind wir bald alle Cyborgs?

Meine alte GPS Uhr hat ihren Geist aufgegeben, so war es Zeit für eine Neue! Bei der Recherche nach dem perfekten Modell stellte sich mir die Frage, wo es mit der Digitalisierung im Sport wohl noch hin geht. Die Gedanken kamen natürlich nicht ganz von ungefähr, schließlich bin ich nicht nur Hobby-Triathlet, sondern ich gehe auch noch einem Beruf nach und dort dreht sich Alles um unsere digitale Welt. So gibt es hier jetzt meine verrückten, teilweise überzogenen und auch etwas zynischen Überlegungen zu uns angehenden Triathlon-Cyborgs.

Die perfekten Early-Adopters

Wir Triathleten sind ja besonders gut darin viel Geld für technischen „Schnickschnack“ auszugeben und damit wohl auch prädestiniert als technische Early-Adopters.

Bei mir ist es jetzt die neue Garmin Forerunner 920 XT geworden. Da ich bereits über meine alte Uhr und meinen Bike-Computer im Garmin-System „gefangen“ war, wollte ich diese mittlerweile sehr große Datenbank meiner Aktivitäten nicht aufgeben oder mühevoll übertragen. Wenn man sich die Featureliste der Uhr so durchliest bekommt man das Gefühl man bräuchte selber kaum noch etwas tun, alles wird von seinem digitalen Helfer erledigt. Auch Polar oder Sigma lassen sich in dem Bereich nicht lumpen… es wird eine Menge versprochen.

Das brachte mich dazu einmal bewusst darüber nachzudenken, welche Menge an Daten von mir erfasst wird. Hier also der jetzigen Stand meiner digitalen Körperüberwachung beim Sport:

Die Liste der Geräte ist noch überschaubar: GPS Uhr samt Puls- oder besser Messgurt, denn das Ding hat mittlerweile gefühlt mehr Sensoren als mein iPhone, sowie GPS-Bikecomputer inklusive Leistungsmesser.

Die daraus resultierenden Daten sind Position, Geschwindigkeit, Distanz, Herzfrequenz, Trittfrequenz, Schrittlänge, Bodenkontaktzeit und sicher noch Vieles mehr… Das Alles wird natürlich entlang der Zeitachse aufgezeichnet und gibt somit Aufschluss über die Entwicklung der Leistungsfähigkeit und den aktuellen Körperzustand. Soweit so gut, sicher nichts Besonderes in Triathlon Kreisen. Schließlich kann die Hälfte davon auch schon jedes Smartphone mit einer entsprechenden App auswerten.

Aber ist das wirklich Alles? Da muss doch noch was gehen…

…und das tut es auch. Dafür muss man nur einmal den Blick über den Rand der sportlichen Aktivitäten hinaus schweifen lassen. Digitale Körperwaagen erfassen das Gewicht, den Körperfett- und Muskelanteil, spielen diese Daten dann an eine zentrale Datenbank. Diverse Fitnessarmbänder oder auch Smartphones sind in der Lage den Schlafrythmus aufzuzeichnen und auszuwerten. Über spezielle Apps wie MyFitnessPal oder Lifesum kann man seine gesamte Nahrungsaufnahme dokumentieren. Damit erhält man einen kompletten Überblick über seinen Energiehaushalt und eine differenzierte Auswertung zur Zusammensetzung aus Kohlenhydraten, Eiweißen und verschiedenen Arten von Fetten.

Jetzt gibt es noch ein Problem: All diese Daten wandern nicht in ein gemeinsames großes System, sondern alle Anbieter kochen bisher noch ihr eigenes Süppchen. Würde man all diese bereits bestehenden Möglichkeiten nutzen und in eine zentrale Datenbank spielen, dann entsteht ein fast schon gruselig genaues Bild von uns als Mensch aus biologischer Sicht. Wie scharf wohl beispielsweise Krankenkassen auf diese Daten wären 😉 Teilweise versuchen diese aktuell schon mit Hilfe von eigenen Apps an ein paar Aktivitätsdaten der Kunden zu kommen.

Aber auch auf dem Gebiet der zentralen Datenauswertung tut sich im Moment Einiges. So gibt es mittlerweile einige Schnittstellen zwischen den verschiedenen System und Apple versucht mit Apple Health gar den ganz großen Wurf und will alle Daten zu einer Person zentral sammeln.

Was wird dann aber damit angestellt? Kann unser Trainings- und Ernährungsverhalten in Kombination mit den Schlafdaten dazu genutzt werden genau vorherzusagen, wann der Körper seine maximale Leistungsfähigkeit erreicht? Wann wir genau was zu essen haben um eine optimale Regeneration zu erreichen? Kann so ein System, mit genug Daten zu meinem Körper, über längere Zeit sogar Krankheiten oder Verletzungen voraussagen?

Das war erst der Status Quo. Was kann da noch kommen?

Allein die aktuellen Möglichkeiten sind schon mehr oder weniger krass, aber als Triathlet mit dem Bestreben nach stetiger Optimierung des eigenen Körpers will man natürlich mehr. Wann kommt die Pille oder das Implantat von Garmin oder Polar, welches sich direkt in die Blutbahn setzt und mir live Auskunft über Blutzucker, Laktatspiegel und alle anderen Körperdaten liefert? Ich könnte es mir doch direkt ins Handgelenk einsetzen lassen, die Stromversorgung könnte per Induktion über die dazugehörige Uhr, die direkt dadrüber sitzt, erfolgen. Der drahtlose Datenaustausch ist ja heutzutage wohl kein Problem mehr…

Die Daten will ich dann im Headsup-Display meiner Brille audiovisuell präsentiert bekommen. Vor ein paar Tagen hat die Firma Recon zu diesem Zweck gerade frisch die Recon Jet als Sportbrille auf Android Wear Basis vorgestellt. Nur für’s Schwimmen müsste sich die Industrie da noch was einfallen lassen.

Und wenn ich dann eh schon ein technisches Gerät in meinem Körper habe, kann es dazu dann nicht auch die Kapsel zum Schlucken geben, die in meinem Magen dafür sorgt, dass mir auf der Laufstrecke von den vielen Gels nicht mehr schlecht wird? Die könnte mir dann auch direkt mitteilen wann ich am besten das nächste Gel nehme damit es optimal wirkt… ach das wäre doch toll!

Bleibt bei all der Technik das Körpergefühl auf der Strecke?

Bei all den Möglichkeiten tun sich natürlich auch eine Menge Bedenken auf. Wo bleibt der eigentliche Gedanke des Sports? Das Gefühl für den eigenen Körper und die eigene Leistungsfähigkeit. Das Kennenlernen und auch mal Überschreiten der eigenen Grenzen. Wenn man in Zukunft immer die Technik an seiner Seite hat, die es ermöglicht sich permanent sicher an der Grenze zu bewegen, würde dem Sport doch irgendwas fehlen, oder?

Bleibt also die Frage nach dem Sinn. Meine bisherige Marathon-Bestzeit lief ich ganz ohne GPS, denn das war einfach ausgefallen… so musste ich mich schlicht und ergreifend auf die Stopuhrfunktion verlassen. Der Rest war Kopfrechnen von Kilometer zu Kilometer… ging auch…

Was sagen die Datenschützer dazu?

Ändert Facebook einmal mehr seine Datenschutzbedingungen ist ganz Deutschland für Wochen in nervöser Aufruhe, aber tausende Athleten geben bereitwillig sehr, sehr sensible Daten an die Anbieter ihrer Tracking-Devices weiter… und das über einen sehr langen Zeitraum. Da muss man sich jeden mal ein Bild von machen… ich weiß noch nicht was ich davon halten soll.

Gibt es in Zukunft digitales Doping?

Das Alles führt bei mir zur Frage ob wir uns in Zukunft mit so etwas wie „digitalem Doping“ auseinandersetzen müssen? Gibt es irgendwo eine Schwelle, die die Technologie überschreiten kann, die einzelnen Athleten einen unfairen Vorteil gegenüber anderen verschaffen kann? Ist dann ein gutes Bike aber nicht irgendwie auch schon genau das? Brauchen wir bald eine Ethik-Kommission zum Thema „Digitalisierung im Sport“? Je mehr ich über das ganze Thema nachdenke, desto gespannter bin ich, was noch Alles auf uns zu kommt.

Ich bin mir sicher in naher Zukunft wird zumindest eine Menge dazu zu diskutieren sein. Und mich würden brennend die Meinungen und Visionen von Unternehmen wir Garmin, Polar und Co. zu dem Thema interessieren.

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