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Gedanken zu „gechicked“ – Primitiver Sexismus oder zum Schmunzeln?

Für alle die das Wort „gechicked“ nicht direkt einordnen können: Es handelt sich um eine Herabwürdigung, die sich in der Regel von einem Mann, an einen Mann richtet, der von einer Frau in einem Triathlon oder auch einer anderen Ausdauersportart überholt wurde. Es soll sagen: Was bist du für eine Lusche, du wurdest sogar von einer Frau überholt. Um es direkt unmissverständlich zu sagen: Für mich ist das Sexismus und oben drauf noch ein Armutszeugnis – nicht für denjenigen dem es passiert – sondern für denjenigen der es äußert.

Jan Peiniger von Pushing Limits
Jan Peiniger Der Weg zählt!
14. Januar 2019 Personality Triathlon
  • Hinweis: Das hier sind meine – Jans – eigenen Gedanken zu diesem Thema und ich in mir sicher, es wird auch ganz andere Meinungen geben.

Ist es nicht OK, wenn es eigentlich lustig gemeint ist?

Welche Gedankenkette geht der Formulierung voraus? Die eigentliche Absicht – warum auch immer – ist es, einen Mann zu verspotten, der – warum auch immer das überhaupt ein Problem sein sollte – von einer Frau überholt wurde. In der Regel geäußert von Mann zu Mann. Nun tut man dies nicht, indem dem Mann etwa eine abwertende Formulierung angedichtet wird, nein – man wertet lieber den Menschen, mit den man ihn vergleicht ab. Dann wird aus der Frau ein „Chick“, denn das macht die Aussage „lustiger“ und „stärker“, denn das Wort „Frau“ ist dafür nicht provokant genug.

Nun kann es noch so lustig gemeint sein – und ich räume ein: in einem eventuell passenden Kontext z.B. im eigenen Freundeskreis mögen vielleicht sogar alle gemeinsam drüber lachen können – doch wird die Formulierung aus einem solchen Kontext herausgenommen und verallgemeinert, ist es für mich eine klare Form von Sexismus und die starke Verbreitung dieses Wortes im Triathlon hat für mich schon irgendwie einen faden Beigeschmack.

Kommt ein Mann und sagt: Also für mich ist das kein Sexismus.

Ich finde es immer wieder kurios, wenn Männer daher kommen und meinen sagen zu können, was Frauen denn als abwertend zu empfinden haben und was nicht. Nun gibt es allerdings auch Frauen, die sich in dem Kontext auch selber als „Chick“ bezeichnen oder so in ihrem sozialen Umfeld untereinander kommunizieren. Vielleicht erzählen sie sogar selber: „Ich hab da heute ein paar Jungs gechicked“.

Und ich glaube da sind wir dann beim Kern der Sache. Es kommt auf das Umfeld an. Denn jeder darf natürlich über sich selbst und in auch in seinem oder einem vertrauten Personenkreis – in dem man weiß wie der andere tickt – die Formulierungen wählen, die in der Gruppe funktionieren und richtig verstanden werden und über die man gemeinsam lachen kann.  Aber ich denke, dass gibt nicht automatisch allen anderen das Recht, das als Rechtfertigung zu nehmen, diese Kommunikation guter Dinge auf die Allgemeinheit zu übertragen.

Jetzt kann man mir als Mann an dieser Stelle natürlich genau so vorwerfen, dass ich hier über ein Thema schreibe, welches lieber eine Frau beantworten sollte. Das kann sein, für mich geht es bei dem Thema aber im allgemeinen um Respekt und eine gewisse Sensibilität seinen Mitmenschen gegenüber. Was für einen selber lustig ist, ist nicht immer lustig für jeden. Was einen selber nicht verletzt, kann sehr wohl andere verletzen. Respekt und ein wenig Rücksicht!

Was steckt dahinter?

Spinnen wir es doch mal weiter, und dann schauen wir mal, ab welchem Level die jeweils eigene „Schmerzgrenze“ bei solchen Vergleichen erreicht ist. Denn wieso denn dann den Vergleich auf Frauen beschränken? Nutzen wir doch noch ein paar weitere Gruppen von Menschen, um jemand anderen abzuwerten.

Ich hab schon jemanden gesehen, der von einem behinderten Athleten überholt wurde. Hätte ich ihm hinterherrufen sollen: „Haha, Alter du wurdest gemongot“?

Auch habe ich es mehrfach gesehen, wie Leute von übergewichtigen überholt wurden. Ruft man dann am besten hinterher: „Boah, du wurdest gefettsackt du Lappen“?

Es gibt unzählige homosexuelle Athleten, richtig gute Athleten, die jede Menge Anderer locker in die Tasche stecken. Sind dann alle die hinter diesen Sportlern ins Ziel kommen „gehomot“ worden?

Was fühlt sich da noch lustig an und was nicht?

Mit Respekt und Rücksicht ist es schöner!

Sorry liebe Machos im Triathlon und Ausdauersport. Ihr wollt vielleicht lustig sein, aber ihr seid es nicht. Ihr wollt euch selbst profilieren, gebt dabei dann aber ein verdammt schwaches Bild.

Ihr glaubt, männlich ist ausschließlich wer nicht von einer Frau überholt wird, alles andere ein Grund einen Spruch zu drücken? Man, man… wenn dem so wäre, dann blieben auf dieser Welt wohl nur eine Hand voll „echter“ Männer übrig.

Es ist doch garnicht so schwer, sich im Wettkampf respektvoll zu messen, die Leistung und vor allem den Menschen zu respektieren und nicht zu diskreditieren, ganz egal ob Frau, Behinderter, Übergewichtiger, etc.

Finale Gedanken:

Der all zu oft sehr unreflektiert und unbedarft genutzte Begriff „gechicked“ repräsentiert für mich einen, wenn auch so hoffe ich kleinen Teil der Triathlonwelt, mit der ich nicht auf einen Nenner komme. Ein Teil der Oberflächlichkeit propagiert. Ein Teil der ausstrahlt, dass jeder, der nicht einem gewissen Ideal entspricht minderwertiger ist. Frauen und Menschen mit ein paar Kilos mehr auf Rippen sind da nur stellvertretende Gruppierungen, die in diesem Teil der Triathlonwelt gerne belächelt und nicht für voll genommen werden.

Ich denke jeder Sport würde besser ohne solche Sichtweisen auskommen.

Nun bleibt für mich die abschließende Frage: Kann man es schaffen, solche Begrifflichkeiten los zu werden?

 

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