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Ultratrail in Eigenregie? Klar, lass laufen!

Im Sommer eines jeden Jahres steht bei uns meist ein Ultratrail im Laufkalender, am liebsten beim Zugspitz Ultratrail – kurz ZUT. Dieses Jahr aus bekanntem Anlass leider nicht möglich. Schade, aber auch egal, dann machen wir das halt selber! Was wir uns vorgenommen haben und wie es denn gelaufen ist, erfahrt ihr jetzt. Außerdem gibt es noch ein paar Tipps, wenn ihr so eine Aktion nachmachen möchtet.

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Jan Running Culture is life

Die Absage vom Zugspitz Ultratrail kam wie erwartet, da alle Events in diesem Sommer ausgefallen sind. Dementsprechend nüchtern nahmen wir die Info auf. Lässt sich nicht ändern. Wir hatten daraufhin direkt die Idee im Kopf unseren eigenen Ultratrail zu starten. Da wir unsere längeren Läufe meist in der Sächsischen Schweiz absolvieren, kam uns die Idee den Malerweg in Angriff zu nehmen. Beim Malerweg handelt es sich um einen Wanderweg durch die Sächsische Schweiz mit einer Gesamtlänge von 112 Kilometern und 4.000 Höhenmeter. Ist auf den ersten Blick nicht so „anspruchsvoll“ wie die gleiche Distanz im alpinen Gelände, jedoch im gesamten schon ein gutes Paket.

Planung und Vorbereitung

Nachdem wir eine kleine Gruppe von vier Läufern formiert hatten, teilten wir uns die Strecke auf zwei Tage auf. Mit Unterkunft in Schöna, als Zwischenpunkt der Strecke, waren am ersten Tag 70 Kilometer mit 2.500 Höhenmetern und am zweiten Tag 42 Kilometer mit 1.500 Höhenmetern geplant. Da die Strecke zum Wandern ausgelegt ist, waren auch Stops zum Auffüllen von Wasser und Snacken gut verteilt entlang der Route. Zusätzlich ist der Wanderweg ausreichend beschildert und mit dem GPX-Track auf der Uhr sollte das Verlaufen auch nicht infrage kommen.

Ja, eine gute Vorbereitung für so einen Ultratrail geht über einige Wochen, mit viel Umfang und natürlich Höhenmetern. Da wir das Datum vom ursprünglichen geplanten Wochenende des ZUT favorisierten, ging ich meinen zurechtgelegten Trainingsplan an. Die ersten drei Wochen liefen gut nach Plan, aber dann bekam ich Probleme mit meiner Achillessehne und musste das Training stark herunter fahren.

Die Ursache war eine typische Überlastung. Nach zwei Monaten Training auf Sparflamme, Abschlussarbeit schreiben und nebenbei noch Arbeiten ließen die Zeit einfach nicht mehr zu und das Ergebnis nach dem Wiedereinstieg waren nun die Probleme mit der Achillessehne. Für die Umfänge wechselte ich primär aufs Fahrrad und arbeitete mit meinem Physio an meiner Achillessehne. Nach und nach wurde es besser, aber es ging nun viel mehr darum am Tag des Ultras wieder halbwegs beschwerdefrei zu sein, als mit einer optimalen Grundlage einen Ultra zu starten. 

Der typische Tag davor

Ich mag die Stimmung vor solchen Events sehr, nur würde es bei uns keine Startnummerabholung und kein entspanntes Schlendern über die Expo geben. Dafür blieb uns ein gemeinsames Kohlenhydrate tanken beim Italiener am Abend davor – ist sowieso besser als zwei Teller Instant-Pasta. Beim einchecken in unserer Jugendherberge kamen die gleichen Gefühle wie sonst bei längeren Wettkämpfen auf.

Eine Mischung aus Bock und Respekt vor der Distanz, wir packten unsere Trailrucksäcke und ließen den Abend noch bei ein, zwei Bier entspannt ausklingen.

Raceday, mehr oder weniger

Was mich am meisten an Ultras nervt, sind die sehr frühen Startzeiten, aber passend zur Eigenregie konnten wir unseren Start auf 10:00 Uhr verlegen. Das hieß:  Entspanntes Frühstück und dann zum Startpunkt fahren. Es ging los und die ersten Meter liefen locker von der Hand, das „Bock habe“n war noch groß geschrieben – „Vielleicht laufen wir heute doch alles auf einmal“…

Doch nach einer Weile spürte ich meine Achillessehne und schraubte das Tempo ein wenig herunter. Ohne Stress mit der Zeit zu haben, sammelten sich nun die Kilometer und die Pausen zum Wasserauffüllen nutzte ich für ein paar Dehnungseinheiten, um den Druck aus der Wade herauszunehmen.

Die Marathonmarke fiel und ein paar Peaks hatten wir auch schon in der Tasche – es lief soweit. Geholfen haben dabei auch eine Kaffeepause, wir hatten ja genügend Zeit und vor allem keinen Stress.

Nach und nach wurden die Beine schwerer und meine mehr schlecht als rechte Vorbereitung schlug sich nun so langsam auf den Körper aus. Auch Daniel merkte nun seine erste Ultraerfahrung und fiel in ein Hungerloch, somit trennte sich unsere kleine Gruppe immer mal wieder in „schlecht vorbereitet“ und „immer noch mega Bock“ .

Es ging zum höchsten Punkt des Malerwegs, den Winterberg. Nun wurde es mehr Kampf als Laufvergnügen. Die Anfangseuphorie war verfolgen und wir kämpften uns von Kilometer zu Kilometer. Was sich natürlich auch auf das Tempo auswirkte und es ging mehr ins „Speed“ Wandern über, immer mit dem Blick auf die Uhr – soweit kann es doch gar nicht mehr sein?

Der nagende Zahn der Zeit

Auf die Gefahr hin, die Fähre über die Elbe nicht mehr erreichen zu können, trennten wir uns passend zur aktuellen Energie im Tank. Daniel und ich kämpften uns mit den letzten Kräften über die letzte Peak, passend dazu war es auch schon dunkel geworden. Immer wieder kam mir mein Spruch vom Vorabend in den Kopf: „Die Stirnlampe brauchen wir sowieso nicht.“ Nun mussten wir uns mit der Taschenlampen-App durch die dunklen Wälder schlagen.

Nach 12,5 Stunden kamen wir in Schmilka an. Total fertig und die Bio-Brauerei hatte auch schon seit ein paar Stunden geschlossen – mega! Total verzockt. Völlig erschöpft fielen wir in Rene`s Bus und das Thema Ultra war für das Wochenende abgehakt. Ohne verdientes Finisherbier fielen wir ins Bett und von der restlichen Strecke am nächsten Tag hatten wir uns bereits verabschiedet. Renè und Flo liefen am Folgetag noch die restliche Strecke des Malerwegs – starke Leistung Jungs! 

Was bleibt am Ende?

In erster Linie natürlich das gute Gefühl, einen Ultratrail in Eigenregie gelaufen zu sein und mal wieder eine Erdung, dass immer eine gute Vorbereitung dazu gehört, egal wie viele Ultras bereits in den Knochen stecken.

Ultratrail in Eigenregie geht voll klar und tut am Ende genauso weh!

Tipps für deinen eigenen Ultratrail:

  1. Strecke mit genügend Verpflegungspunkten
  2. Laufgruppe mit ähnlichen Leistungsniveau
  3. Mach dir keinen Stress, gibt ja keine Cut-Off-Zeiten
  4. Orientiere dich an Packlisten für Ultratrails, Stirnlampe und Erste-Hilfe-Set sind Pflicht

Daten und Fakten zu meinem Ultratrail:

  • Distanz: 70 Kilometer
  • Höhenmeter: 2.339 m
  • Dauer: 12:25:55 Stunden
  • Trailschuh: Hoka One One Speedgoat 4
  • Streckenprofil:

Bilder: Rene Claußnitzer, eigene Aufnahmen

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