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Tech-Nis – Das Material für das Projekt Midlifetrithis

Auch wenn ich mein Wettkampfprojekt Midlifetrithis mittlerweile beendet habe, habe ich doch viel Zeit in die Auswahl und das Zusammenbasteln meines Wettkampfmaterials gesteckt. Ich bin und bleibe da ein Freak. Und meine Auswahl und die Ideen dahinter möchte ich mit euch teilen – vielleicht findet ihr ja die eine oder andere Anregung. Oder ihr findet mich danach total bekloppt. An beiden Punkten sicher was dran.

Nis Sienknecht von Pushing Limits
Nis Sienknecht Echter Hamburger Jung
23. August 2018 BikeNerd bikeporn Equipment

In dieser kleinen Serie starte ich – natürlich – mit dem Rad. Und dabei muss man sich ja erstmal ein Rahmenset aussuchen. Dank meiner beruflichen Vergangenheit habe ich so ziemlich alles testen dürfen, was über die Jahrzehnte in diesem Bereich entwickelt wurde. Und darauf fußen natürlich meine Entscheidungen.

Die Wahl der Qual

Es gibt ja wirklich viele richtig gute Räder. Ich selbst bin bisher am besten mit Bikes von Canyon, Scott, Cervélo, BMC, Giant und meinem Lieblingsrahmenbauer rafael zurechtgekommen. Und auch wenn es jetzt nach einer schwierigen Auswahl klingt: Das war es nicht. Ich habe mich ziemlich schnell entschieden und bei Cube nach einem Rahmenset des neuen Aerium nachgefragt. Das habe ich als Leihgabe und Testrad auch bekommen, danke an dieser Stelle!

Warum dieses Rahmenset? Weil ich es derzeit für das Optimum im Triathlon halte. Ja, ich weiß: das muss ich jetzt begründen. Mach ich auch. Anschnallen.

Cube-Aerium-Test
Bolide: Nis hat sich bei der Wahl seines Wettkampfmaterials für das Cube Aerium C:68 entschieden

Dafür schweife ich kurz ab. Mit den Experten von Swiss Side habe ich schon mehrfach zu tun gehabt und bin von deren aerodynamischem Know-how absolut überzeugt. Und von ihnen kommen das entsprechende Wissen beim Aerium. Außerdem hatte ich, psssst, frühzeitig schon ein paar Windkanaldaten gesehen und… ALTER SCHWEDE!

Dass das neue Aerium quasi als Maßanzug für Andreas Raelert gebaut wurde, Andi Böcherer damit unterwegs ist und ich durch enge Kontakte mit beiden aus mehreren Blickrichtungen von den Entwicklungsschritten mitbekommen habe, hat meine Entscheidung bekräftigt. Und dann sind auch noch Ideen eingeflossen, die ich aus Entwicklersicht absolut nachvollziehen kann.

Gehen wir das Cube Aerium C:68 doch einfach mal durch

Cube-Aerium-Steuerrohr

Diesen Schlitz hinter dem Steuerrohr finde ich besonders interessant! Ich verstehe ihn so: Bei frontaler Anströmung verlängert er die Fläche, die der Wind umfließt und verbessert dadurch die aerodynamischen Eigenschaften. Noch besser: Bei Seitenwind bricht er mit folgendem Muster:

Wind so: „Ich hau dich um“

Ich so: „Ha! Ich lehn mich einfach dagegen“

Vorderrad und Rahmen: „Gute Idee! Da machen wir mit“

Wind: „Leckt mich am Arsch, ich hau ab“

Alle anderen: „Aaaaaaargh. Widerstand weg. Gegengelehnt. Blöd.“

Tatsächlich lässt dieser Schlitz einen Teil des Windes durch und kann einen Gegensog erzeugen, der das ganze System stabilisiert. Das heißt nicht, dass ich damit freihändig über Lanzarote bügeln möchte. Aber in der Praxis ist das Rad bei Seitenwind eines der stabilsten, die ich bisher fahren durfte.

Cube-Aerium-Tretlager

Neben der Form der Rohre, die eindeutig vor allem nach aerodynamischen Gesichtspunkten gestaltet wurden, überzeugen mich zwei weitere Ideen: Die Box über dem Tretlager bringt Ruhe in die vielen Verwirbelungen rund um diesen durch Beine, Füße, Komponenten und die Anströmungen von Vorderrad und Rahmen arg durcheinandergewirbelten Bereich. Vielleicht hätte man hier sogar Platz für einen Ersatzreifen oder Getränke schaffen können. Aber vielleicht wäre das auch auf Kosten der deutlich spürbaren Verwindungssteifigkeit gegangen.

Cube-Aerium-Streben

Vor allem braucht aber das Neudesign der Kettenstreben sicher viel Halt. Denn diese verlaufen nicht von oben unterm Sattel irgendwo in Richtung Hinterradachse (in Dreieck ist eine wirklich stabile Form, ein Trapez eher nicht so). Sondern mehr oder weniger parallel zum Boden. Und aus aerodynamischer Sicht sind die Dinge, die dem Fahrtwind (= dem größten Faktor) am wenigsten Fläche entgegenstellen meist die schnellsten.

Nun nützt der beste und schnellste Rahmen ja wenig, wenn der Klops, der oben drauf thront, wie eine Kathedrale in den Himmel ragt. Denn für 80 Prozent des Luftwiderstandes ist nicht so sehr das Material (Anzug und Helm mal ausgenommen) verantwortlich, sondern der Fahrer. Schade, lässt sich doch daran nur eingeschränkt etwas drehen – und vor allem recht wenig über des Triathleten liebste Maßnahme, das Geldausgeben bewerkstelligen.

Deshalb muss ein Rad auf die Bedürfnisse des Athleten einstellbar sein. Punkt.

Und auch in diesem Punkt hat mich Cube überzeugt. Ich wusste, dass ich einen tendenziell eher langen Rahmen haben möchte, dessen Steuerrohr nicht zu kurz sein sollte. Denn dann wird eine angepasste Überhöhung nur über viele Spacer und lange Schrauben umsetzbar. Das bedeutet: Instabilität und Gewicht. Beides doof. Was dafür alles andere als doof ist, ist eine vielseitige und möglichst nicht allzu komplizierte Anpassung von Höhe, Länge, Pads, Extensions und Neigung. Haken dran. Geht alles.

Cube-Aerium-Spacer

Auch bei der Einstellung des Sattels wollte ich keine Kompromisse eingehen. Musste ich auch nicht. Eine solche breite Range ist zwar Nichts, was andere nicht auch können. Auch Cube hat es eben einfach (und deshalb gut) umgesetzt und angeboten.

Cube-Aerium-Sattel

Eine volle Integration der Komponenten und Bremsabdeckungen, sowie ein integriertes Trinksystem inklusive abnehmbarer Storage Box und mehrere Befestigungsmöglichkeiten für eine (Aero-)Flasche im Rahmen darf man mittlerweile von den Top-Herstellern erwarten. Deshalb gehe ich erst später im Testbericht genauer drauf ein und widme mich zum Abschluss denjenigen, die die mühsam errungene Geschwindigkeit zerstören.

Cube-Aerium-Bremsen

Denn das sich Cube serienmäßig für die hydraulischen Magura-Bremsen entschieden hat, finde ich besonders gut! Erstens lassen sie sich zuverlässig und mit wenig Kraft (auch am Hinterrad, was dank enger Radien bei der Bremskabelverlegung nicht bei jedem TT-Bike selbstverständlich ist) dosieren und zweitens passen sie sie durch mehrfaches Betätigen fast komplett automatisch an neue Laufräder an. Also: Bremsen am kleinen Hebel (siehe Foto) öffnen, Trainingslaufrad raus, ggf. Beläge wechseln,Race wheels rein, Bremse zu, bremsen, nochmal bremsen. Fertig. Echt.

Cube-Aerium-Hebel

Im nächsten Teil widme ich mich der Auswahl der Komponenten und erkläre genau, warum sich welches Teil am Bike wiedergefunden hat. Habt ihr bis dahin Fragen zum Frame-Kit? Oder meiner Auswahl? Her damit, ich versuche schnell und ausführlich zu antworten.

Bis bald, euer Tech-Nis

7 Kommentare

  1. Tolles Rad, keine Frage. Nur schade, dass der normale Agegrouper keinen Rahmen für 3.700 zur Verfügung gestellt wird.
    Hatte bei der Überschrift mehr erwartet.

  2. Servus Nis, wie sieht es mit dem Zerlegen der Lenkereinheit aus für den Transport mit dem Radkoffer, besonders hinsichtlich auch der Hydraulicbremsen. Was wiegt das Rad, so wie Du es da stehen hat? Viele Grüße uli

  3. Pingback: Tech-Nis – Teil 2: Laufräder und Anbauteile

  4. Hi Uli,

    Auseinander bauen ist nicht super einfach, weil nicht komplett dafür gebaut. Aber relativ unkompliziert. Ich mach für den noch folgenden Testbericht ein paar Fotos.

    Gewicht ist recht hoch. Ca. 8,9 kg. War mir immer egal, aber ich wiege gern nochmal.

  5. Pingback: Tech-Nis – Teil 3: Die Komponenten

  6. „Hi Uli,

    Auseinander bauen ist nicht super einfach, weil nicht komplett dafür gebaut. Aber relativ unkompliziert. Ich mach für den noch folgenden Testbericht ein paar Fotos.“

    Kann man diese Fotos schon wo finden?

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