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Ehrenamtlich Helfen bei lokalen Events

Jans Tagebuch – Ehrenamtlich Helfen: Wenn ein lokales Traditionsevent stirbt

Es ist der Dienstag nach Pfingsten 2019. Es liegen vier Tage hinter mir, die absolut gar nichts mit Triathlon zu tun hatten. Vier Tage lang drehte sich alles um Fußball. Ja genau, dieser böse Fußball über den viele Ausdauersportler oft und gerne lästern. Aber nein, ich rede nicht von Profifußball den man im Fernsehen konsumiert, ich rede von U19-Jugend-Fußball auf höchsten Niveau und einem lokalen, mit viel Herzblut organisiertem Turnier.

Jan Peiniger von Pushing Limits
Jan Peiniger Der Weg zählt!

Warum quatscht er uns hier mit Fußball voll?

Vielleicht stellt sich der ein oder andere genau diese Frage und überlegt an dieser Stelle den Artikel direkt wieder zu schließen. Stop! Denn mir geht es im Kern garnicht um Fußball, sondern um lokale, liebevoll organisierte Sportveranstaltungen im Ganzen. In meinem Fall ist es eben ein Fußballturnier. Doch ich bin mir sicher, so eine Geschichte gibt es nicht nur im Fußball zu erzählen.

Pfingsten = Fußball: 1999 fing für mich alles an

1999 war ich zum ersten Mal Teil der Orga unseres lokalen U19-Fußballturniers. Zwanzig Jahre später sollte es das letzte Mal gewesen sein, denn das Turnier kann nicht fortgeführt werden. Ich muss es nochmal aussprechen: Neunzehnhundert-Neunundneunzig, das ist scheiße lang her. Meine Güte komme ich mir, beim betrachten dieser Zahl, mit meinen fast 37 Jahren, gerade alt vor.

Seit dem verging kein Jahr, in dem ich nicht über Pfingsten in der Heimat in Ennepetal war. Dabei hatte ich nie etwas mit der Organisation des sportlichen oder logistischen Teils des Events zu tun. Wir, das sogenannte Medienteam, haben uns um Dinge wie das Turnierheft, die Technik im Stadion, den ersten Livestream aller Spiele im Jahr 2004, die Webseite und vieles mehr gekümmert.

Über die Jahre wurde das Orga- und Helferteam, vor allem über die Turniertage selbst, zu einer Art Familie.

Viele Ideen, Phantasie, Zeit und Herzblut hat das ganze Team über Jahrzehnte investiert – stets mit Freude und mit einem starken Wir-Gefühl. Dementsprechend kullerte gestern die ein oder andere Träne, als nach dem Finalspiel klar war: Das war’s!

Das Ende: Terminprobleme, Sponsoren, Helfer und Ansprüche

Warum endet nun überhaupt diese lange Ära? Ich selber war knapp 20 Jahre dabei. Das Turnier selbst wurde zum ersten Mal bereits 1974 ausgetragen. Da war ich noch nicht mal auf der Welt. Heute, im Jahr 2019, hat sich vieles geändert: Der Termin an Pfingsten ist ungünstig geworden, die Saison im Fußball ist mittlerweile oft noch im Gange und so ist es immer schwieriger die Clubs überhaupt zum Kommen zu bewegen.

Auch wird es schwerer und schwerer überhaupt Sponsoren und Helfer für so ein lokales Event zu finden. Eine Entwicklung die wohl so gut wie alle kleineren, lokal organisierten Sportevents betrifft.

Und auch die Professionalisierung macht mittlerweile vor dem hochklassigen Jugendfußball keinen Halt. So wachsen die Ansprüche der Vereine an Unterkunft, Essen und Infrastruktur. Als Veranstalter will man all das natürlich gerne bieten, doch wenn gleichzeitig die Finanzierung schwieriger wird, dann ist man quasi „gefangen“.

So kam es so, dass nach 46 Ausgaben, der Spax Cup – so heißt das Turnier seit 2006 – zu Ende geht. Ich muss schluchzen!

Jugendsport: Begeisterung und Hingabe in ihrer reinsten Form

Ich sagte schon, auch der hochklassige Jugendfußball wird immer professioneller und so verliert sogar dieser wohl langsam aber sicher etwas von seiner unbekümmerten, puren Art. Trotzdem ist es noch kein Vergleich zum Event-Fußball im Fernsehen… es macht Spaß den immer noch unbekümmerten „Kids“ zuzusehen, die einfach nur zeigen wollen, was sie können und wie viel Freude sie dabei haben.

Um die Sache vielleicht noch etwas besser einordnen zu können. Wir durften bei unserem Turnier die unbekümmerten, jungen Versionen von ein paar Jungs bestaunen, die später noch das ein oder andere im Profifußball gerissen haben.

Zu den Spielern gehörten David Beckham, Paul Scholes, Manuel Neuer, Fernando Torres, Jürgen Klinsmann,  Stefan Effenberg, Andrei Schevtchenko, Dennis Bergkamp, Jens Lehmann, David Odonkor, Lars Ricken und noch ziemlich frisch: Joel Matip, der vor einigen Jahren, als Jugendspieler von Schalke 04, zum besten Spieler unseres Turniers gewählt wurde und seit letzter Woche nun Championsleague-Sieger mit Liverpool ist.

Bei uns waren diese Jungs, als sie noch vollkommen „unversaut“ vom großen Fußballkommerz waren. 😉

Warum sollte man sich bei lokalen Events engagieren?

Was ich mit dem ganzen Text hier eigentlich zum Ausdruck bringen will: Lokale Sportevents sind mehr als nur nice-to-have. Sie sind wichtig für die Akteure, genauso wie für die Orgateams, die Zuschauer und die jeweilige Region. Sie stiften Freude und für viele Menschen sogar einen Teil ihrer Identität.

Was hat man davon? Ist doch nur zusätzliche mehr Arbeit?! Man kann doch in der Zeit viel besser die Beine hoch legen.

Ich kann diese Frage für mich so beantworten: Ich habe in dieser Zeit unendlich viel gelernt. Generelle Dinge wie echtes Teamwork, gegenseitige Motivation trotz absoluter Verausgabung, Schlafentzug und viel Zeitaufwand.

Spezifische Dinge im Kontext des Medienteams. Zum Beispiel das stemmen eines Video-Livestreams im Jahre 2004, als es weder mit der Kameratechnik, noch mit der Streaming-Technologie besonders weit her war. Ich habe gelernt, wie man mit viel Ehrgeiz im Team Probleme löst und das man nicht lockert lässt, bis man das Problem im Griff hat.

Vor allen Dingen habe ich aber gelernt zu Improvisieren. Denn wenn ein Event einmal läuft, geht nie alles glatt. Etwas geht kaputt oder läuft einfach nicht so wie geplant. Ich habe gelernt in solchen Situationen cool zu bleiben, das Problem zu analysieren und direkt an einer schnellen Lösung zu arbeiten.

Ich würde die Fähigkeit mit Ruhe und dennoch hoher Geschwindigkeit zu Improvisieren heute zu einer meiner größten Stärken zählen.

Mein Fazit: Es gibt Menschen, die wollen gerne mal irgendwo ehrenamtlich helfen, damit sie dass in ihren Lebenslauf packen können, weil es sich halt gut macht. Diesen Leuten sagen ich: Fuck You! Was ist das für eine Motivation?

Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber engagiere dich ehrenamtlich in erster Linie für dich selbst! Dabei tust du dann automatisch auch etwas Gutes für viele andere Menschen. Am Ende wird es dich glücklicher und besser machen. Du wirst unendlich viel Lernen, und dazu beitragen eine gute Sache am Leben zu halten und sie eventuell sogar zu etwas absolut Außergewöhnlichem machen.

Mein Appell: Engagiert euch ehrenamtlich im Sport. Denn wer viel gibt, der bekommt am Ende noch mehr zurück!

2 Kommentare

  1. Hallo Jan,
    danke für den Artikel. Deine Ausführungen kann ich nur voll und ganz unterstützen und kenne das aus meiner Vergangenheit auch nicht anders. Ich musste grade wieder an ganz viele herausragende Erlebnisse denken.
    Schön das Du das mal so deutlich in Worte gefasst hast.

    Viele Grüße
    Klaus

  2. Pingback: Daniel bloggt - Einfacher und ehrlicher Sport

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