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Im Ziel beim Ironman Frankfurt

Jans Tagebuch – Mein Ironman Frankfurt: Von Euphorie und Ernüchterung

Nein, mit meiner Endzeit von 10:38:21 Stunden beim Ironman Frankfurt bin ich aus sportlicher Sicht nicht zufrieden. Dennoch bin ich mit einem Lächeln im Gesicht eingeschlafen, denn das großartige Erlebnis Ironman Frankfurt konnte auch die ernüchternde Zeit, wenn überhaupt, nur minimal schmälern.

Jan Peiniger von Pushing Limits
Jan Peiniger Stillstand ist Rückschritt
10. Juli 2018 Ironman Ziele

Mit meinen liebsten Menschen und einem großartigen Publikum

Zu meiner sportlichen Leistung komme ich gleich erst. Erst einmal möchte ich ein paar Worte, die meine Gefühle auf der Laufstrecke beschreiben, finden. Es ist eine ganz spezielle Atmosphäre, die auf der Laufstrecke beim Ironman Frankfurt herrscht. Anders als bei jedem anderen Sportevent auf dem ich bisher war. Es ist ein bisschen so, wie auf dem letzten Kilometer beim Venloop Halbmarathon in Venlo, nur halt 42 Kilometer lang… die gaaaaaanze Zeit.

Das Ziel beim Ironman Frankfurt

Frisch in die Laufschuhe geschlüpft kam ich aus der Wechselzone. Nach nur wenigen Metern erblickte ich mein Lieblingslächeln, von meinem Schatz Aylin, sowie meine Eltern und meinen Bruder. Bevor es so richtig auf der Laufstrecke los ging war es Zeit für einen dicken Kuss, welcher mit großem Applaus von hunderten Zuschauern drumherum „gefeiert“ wurde. Gänsehautmoment Nummer eins könnte man sagen.

Es war toll, meinen Schatz und meine Familie an der Strecke zu wissen. So war für mich klar, dass ich – egal was an diesem Tag noch passiert – auf jeden Fall die Ziellinie sehen werde. Denn dort werden sie auf mich warten.

Vollkommen euphorisiert ging ich so auf die Laufrunde. Der Geräuschpegel und der Zuspruch entlang der gesamten Strecke schwankte auf einer Skala von „großartig“ bis „absolut gigantisch“ hin und her. Einen Meter auf dem man nicht von irgendjemanden angefeuert wurde oder seinen eigenen Namen hörte gab es quasi nicht.

Es war sportlich mein bisher wohl schlechtestes Rennen, das Erlebnis und die Euphorie an der Strecke war aber dennoch ein absolut außergewöhnliches Erlebnis. Ich weiß immer noch nicht wovon ich stärker beeindruckt bin, dem gigantischen Zieleinlauf oder der durchgehend euphorisierenden Stimmung entlang der gesamten Strecke.

Danke, danke, danke! An alle die an der Strecke waren, meinen Namen gerufen haben und mich nach vorne gepusht haben, vor allem auf der für mich katastrophalen zweiten Marathon-Hälfte.

Mein Rennen aus sportlicher Sicht: Für einen guten Ironman musst du cool bleiben und bereit sein dich zu quälen

Unabhängig von diesem sehr speziellen und auf jeden Fall tollen Tag in Frankfurt war das, was ich sportlich abgeliefert habe meine bisher schlappste Ironman-Performance. Das muss man ohne Umschweife so sehen. Doch gehen wir erstmal chronologisch durch das Rennen.

Das Schwimmen: Solide Leistung mit Sichtproblemen

Bis wenige Moment vor dem Start war ich noch sehr entspannt. Als der Rollingstart dann endlich losging fuhr auch bei mir das Adrenalin in die Adern. Wie ich es geplant hatte bin ich das Schwimmen sehr kontrolliert angegangen. Die Zeit von 1:03 Stunden ist ok, nicht mega gut, aber auch nicht schlecht. Die Sicht hat mir nach den Wendepunkten im Wasser ein paar Schwierigkeiten bereitet, denn es wurde quasi genau in die Sonne geschwommen. So hab ich sicher ein paar extra Schlenker gedreht. Alles aber kein Weltuntergang. Ich kam mit einem guten Gefühl aus dem Wasser und bin dann konzentriert und mit dem nötigen Zug durch die Wechselzone geeilt.

Vor dem Start beim Ironman Frankfurt

Neoprenanzug und Schwimmbrille aus, Helm auf, Radschuhe an, Startnummer um. Wechselbeutel abgegeben und los zu meinem Rad. Die erste Wechselzone in Frankfurt ist verdammt lang und zieht sich ein wenig wie Kaugummi unterm Schuh.

Das Radfahren: Man muss sich zügeln können

Der Wechsel und das Aufsteigen liefen ohne Probleme. So ging es auf die Bundesstraße in Richtung Frankfurt City. Losgelegt habe ich genau nach Plan mit einer Leistung von um die 230 Watt. 15 bis 20 Minuten warm fahren, um dann auf 245 Watt Leistung hochzufahren. Das Rad lief wie eine Eins, am Material gab es an diesem Tag überhaupt nichts auszusetzen.

Mein Bike war gut in Schuss und pfeilschnell.

Mein Rad in der Wechselzone

Einen ersten kurzen Schreckmoment gab es nach ungefähr 10 Kilometern, noch bevor ich in der City angekommen war. Irgendetwas krabbelte mir die Stirn runter und dann brannte es auch schon an selbiger Stelle. Eine Biene oder Wespe hatte sich unter mein Visier verirrt und sich entschieden mich einfach mal in die Stirn zu stechen. Zum Glück hab ich ein magnetisches Visier und so konnte ich das Tierchen schnell los werden. Das Brennen des Stichs lies auch nach ein paar Minuten nach und so war der Schreck auch schnell wieder vergessen.

Die restliche erste Runde verlief dann ziemlich nach Plan. Die Athleten in meinem Umfeld verhielten sich alle sehr fair und man konnte wirklich gut fahren. So brachte ich die erste Runde mit einer sehr guten Zeit hinter mich. Ich hab mich genau nach Plan regelmäßig verpflegt, gut getrunken und den Körper auch von außen permanent weiter gekühlt.

Auf der zweiten Runde bin ich nicht cool geblieben

Den Grundstein für die spätere miese Laufperformance habe ich wohl hauptsächlich auf der zweiten Radrunde gelegt. Es wurde wärmer und der Wind nahm ordentlich zu. Das Fahren wurde für mich zunehmend zäher. Ich hatte das Gefühl, dass ich kaum vom Fleck kam, was natürlich totaler Blödsinn war, und ich hätte es besser wissen müssen. So habe ich meine Coolness zu oft über Board geworfen und es mehr oder weniger mit Gewalt gegen den Wind probiert. Einen Kampf, den man nur verlieren kann.

Auf dem Rad beim Ironman Frankfurt

Nach 5:07 Stunden auf dem Rad kam ich die zweite Wechselzone. Eine richtig gute Radzeit… eine zu gute Radzeit!

Der Marathon: Wenn die Kraft und der Wille fehlt…

Der zweite Wechsel verlief ohne Probleme. Auch hier war die Wechselzone wieder ziemlich lang. Zum ersten Mal musste man sein Bike selbst abstellen und bekam es nicht von einem Helfer abgenommen. Nach 3 Minuten war ich raus aus dem Wechselzelt. Cap und Sonnenbrille auf und ab auf die beste Ironman-Laufstrecke die ich mir vorstellen kann.

Wechselzone beim Ironman Frankfurt

Die Euphorie der Zuschauer, die mir entgegenschlug habe ich ja oben bereits geschildert. Bleiben wir also beim Sportlichen. Im Wechselbeutel hatte ich für den Start eine 0,5 Liter Flasche mit Energie und Elektrolyten. Planmäßig hab ich diese auf dem ersten Kilometer leer gemacht, hab einen kurzen planmäßigen Toilettenstop eingelegt und mich auf meinen Laufrhythmus eingeschossen.

Der ersten Kilometer waren zäh, garnicht mal wegen der Beine, sondern weil ich ein leichtes Seitenstechen bekam. Ich lief also erstmal an der „Seitenstichgrenze“, was ganz vernünftig zu meinem geplanten Pacing passte.

Immer cool bleiben, ein Marathon ist lang, die Seitenstiche gehen auch wieder weg.

Das war der Gedanke der mich durch die erste Runde getragen hat und so kam es dann auch. Gegen Ende der Runde verschwanden die Seitenstiche und ich konnte mein Tempo noch besser finden. Die Schritte waren flach aber gleichmäßig.

Auf der Laufstrecke in Frankfurt

… und dann kam Runde drei

Ich hab den Moment noch genau vor Augen. Ich kam gerade von der Brücke wenige Meter bevor es auf die dritte Runde ging, da fuhr mir die Erschütterung beim bergab laufen bis in die Oberschenkel-Muskeln und sagten mir…

Hi Jan, wir sind’s, deine Oberschenkel und wir sind hier und jetzt raus aus dem Spiel.

Bis zu diesem Zeitpunkt war ich noch ganz gut auf Kurs. Und eigentlich war es ein Moment den es in jedem Ironman gibt. Ein Moment in dem man mental eine Antwort parat haben muss, wenn man seine sportlichen Möglichkeiten ausschöpfen will.

An diesem Tag hab ich nicht die richtige Antwort gehabt

Ich muss mir ehrlich und nüchtern selbst eingestehen: An diesem Tag hatte ich keine passende Antwort auf diese Aussage meines Körpers. Hatte mein Körper recht? Vielleicht… vielleicht auch nicht. Ich habe es aber nicht angetestet, sondern direkt klein beigegeben. Mir fehlte schlichtweg die mentale Stärke in diesem Moment zu sagen…

Hi Oberschenkel, das sagst du jetzt doch nur so, weil es der bequemste Ausgang ist. Du kannst doch eigentlich noch. Komm‘ lass uns rausfinden was wirklich noch geht.

Hätte, wäre, könnte… bla bla bla. So ist es nicht gekommen und so ging es für mich von diesem Moment an bergab. Generell kam dieser Moment aber natürlich auch schon viel zu früh, was wohl definitiv meiner fehlenden Coolness auf dem Rad zuzuordnen ist. Knapp über 4:20 Stunden hab ich dann für den Marathon gebraucht. Eine gute Stunde mehr als ich mir vorgenommen hatte.

Nachdem der Kopf beim Halbmarathon entschieden hatte, dass nix mehr geht hat auch der Körper nach und nach angefangen sich weiter abzuschalten. Da half es auch nicht Unmengen an Zucker in Form von Cola und RedBull in mich rein zu schütten. Das hat dann dafür gesorgt, dass ich noch vier weitere Male auf’s Klo musste.

Humorvoll könnte man sagen: Marathon verkackt. 😀

Im Ziel beim Ironman Frankfurt

Fazit: Brauche ich für Spitzenleistung ein klareres Ziel?

Diese Frage geistert mir nun so durch den Kopf. Ich denke ich kann sie mit „Ja“ beantworten. Als mich in den Tagen vor dem Rennen der ein oder andere nach meinem Ziel im Rennen gefragt hab hab ich gesagt „Ich hab kein Zeitziel, ich will nur ein gutes Rennen machen“.

Doch was ist eigentlich ein gutes Rennen? Bin ich ehrlich zu mir selbst, dann muss ich sagen, dass ich das selber garnicht so richtig wusste. Klar… ins Ziel kommen ist auf jeden Fall schonmal Bedingung dafür. Diesen Punkt konnte ich abhaken. Ich hab auch eine starke Radzeit hingelegt. Doch Triathlon ist kein Radfahren, und viel wichtiger wäre gewesen das Gesamte permanent im Kopf zu haben und die Taktik vom Coach, die absolut klar war, auch einzuhalten.

Allzu oft ist sie mir dieses Jahr beim Ironman Frankfurt allerdings entglitten. Nicht weil ich mir dachte „scheiß mal auf die Taktik vom Coach“. Sondern weil ich einfach nicht so konzentriert war, wie ich es von mir kennen. Vielleicht einfach nicht angespannt genug.

Ich habe gelernt, dass das Verhältnis von Anspannung und Coolness stimmen muss. Dieses Mal war ich wohl einfach ein bisschen zu „locker“.

Leid tut es mir, dass ich Coach Mario damit einfach nicht gerecht geworden bin. Er hat alles richtig gemacht und mir eine Strategie zurecht gelegt, die mich sicher sehr nah an den Erfolg gebracht hätte. Wäre ich bis dahin gekommen hätte die richtige mentale Stärke an einem guten Tag auch eine top Zeit zur Folge gehabt. Sorry Coach!

Fazit zum Fazit: Unzufrieden aber Glücklich

Weil ich nicht mit so einem negativem Eindruck abschließen will, will ich nochmal sagen, dass der Tag in Frankfurt dennoch ein ganz besonders schöner war. Dennoch will ich aus sportlicher Sicht vollkommen ehrlich mit mir selbst sein. Das nimmt mir aber dennoch nicht die Freude, die ich verspüre, wenn ich an den Sonntag zurück denke.

Das tolle Gefühl vor dem Schwimmstart. Der Geschwindigkeitsrausch und das grandiose Gefühl, wenn man auf dem Rad über die Landstraße düst. Das wahnsinnige Publikum an der Laufstrecke. Meine Familie, Niclas und mein Lieblingsmensch Aylin waren da, um an diesem Tag bei mir zu sein und mir Kraft zu geben. All‘ das bleibt bei mir im Herzen hängen und dazu hab‘ ich eben noch etwas über mich selbst gelernt.

Jan und Aylin

Es war ein Tag den ich auf keinen Fall missen will… in jeder Hinsicht!

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