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Laufrad Langzeittest: Eine Saison Swiss Side Hadron Ultimate

Laufräder sind für den ambitionierten Triathleten ja sowas wie die glänzenden Alufelgen für den 3er BMW Fahrer. Der eigentliche Sinn, die bessere Aerodynamik und der geringere Rollwiderstand, tritt da ab und zu auch mal in den Hintergrund. Laufräder sind Statussymbol, sie müssen gut aussehen und Krach machen. 😉 Wer ein paar Zipps auf dem Rad hat muss ein ganz Großer sein und wenn sogar Lightweight Laufräder aufblitzen, ja dann… wow. Seit ein paar Jahren tummelt sich nun auch Swiss Side im Segment der High End Laufräder und zu Beginn dieser Saison hab ich meine Zipp 808 Firecrest gegen die neuen Swiss Side Hadron Ultimate 800+ getauscht.

Jan Peiniger von Pushing Limits
Jan Peiniger Der Weg zählt!
11. Oktober 2016 BikeNerd bikeporn Leistung

Swiss Side Hadron Ultimate 800+

Ausgangssituation war, dass ich von Schlauch- auf Faltreifen wechseln wollte – so hab ich mich eben auch genauer mit Swiss Side beschäftigt und das Fazit war: Ich stehe auf den technischen Ansatz, die Transparenz der Prozesse und die Mentalität von Swiss Side. Mittlerweile habe ich ein paar Tausend Kilometer mit meinen treuen neuen Wegbegleitern zurückgelegt, darunter die beiden Triathlon Langdistanzen beim Ironman Zürich und in Köln. Es folgt jeweils ein kurzes Fazit zu allen für ich wichtigen Kriterien die ein Laufradsatz erfüllen muss.

Speed: Das Beste oder Nichts 😉

Keine Frage, will man im High End Bereich mitspielen muss der Speed stimmen. Klar, wenn man von einem 0815 Trainingslaufrad auf ein Hochprofil-Aerolaufrad mit Keramiklagern wechselt, dann merkt jeder Depp den Unterschied im Speed. Dagegen ist der Umstieg von einem top Laufrad wie dem Zipp 808 auf die Hadron Ultimate subjektiv wohl nur sehr sehr schwer wirklich zu spüren, zumindest aus Sicht der reinen Geschwindigkeit.

Vorweg erstmal die technischen Daten:

  • Modell: Swiss Side Hadron Ultimate 800+
  • Tiefe: Vorderrad 80 mm • Hinterrad 85 mm
  • Lager: Enduro Ceramic Hybrid
  • Speichen: Sapim CX-Ray
  • Gewicht: Vorderrad 766g • Hinterrad 962g

Subjektiv kann ich sagen: Die Räder fahren sich ausgezeichnet und das Geschwindigkeitsgefühl ist großartig. Langsamer als vor dem Laufradwechsel bin ich definitiv nicht, eher umgekehrt. Um auf diesem Niveau aber objektive Unterschiede ausmachen zu können ist man als Athlet hauptsächlich auf Tests im Windkanal von Magazinen oder anderen neutralen Testern angewiesen – ich denke alles Andere wäre ziemlich vermessen. Der Anspruch von Swiss Side ist kein geringerer als das schnellste Laufrad auf dem Markt zu bauen. Das heißt also dass man sich unter Anderem mit den Zipp 808 NSW vergleicht und diesem Vergleich können die Swiss Side Hadron Ultimate 800+ durchaus standhalten.

Mehr Infos zu den Aerodynamik-Tests gibt es hier auf der Swiss Side Webseite.

Der Aufbau der Laufräder ist vom Grundsatz her etwas unterschiedlich zu den Zipp Rädern. Betrachtet man die Befestigungspunkte der Speichen kann man es direkt erkennen. Anstatt die ganze Laufradkonstruktion tragend zu bauen. haben die Swiss Side Räder, egal welche Tiefe die Flanken haben, alle die selbe tragende Konstruktion außen im Bereich der Bremsflanken. Dort setzen auch die Speichen an. Bei den Zipp Rädern sind die Speichen direkt an den Aero-Flanken selbst befestigt.

Sapim Speichen der Swiss Side Hadron Ultimate

Diese Konstruktion erlaubt es Swiss Side die Aero-Flanken komplett unabhängig von der Statik und rein mit Blick auf die aerodynamischen Eigenschaften zu designen.

Fahrverhalten: Gut auch bei Wind und Wetter

Wer schonmal 80mm Aero-Laufräder gefahren ist der wird es kennen: Kommt man in eine Passage mit ordentlich Seitenwind kann das Geradeausfahren teilweise zur Herausforderung werden. Im Wettkampf ist das für mich jetzt weniger ein Problem als im Training. Im Wettkampf hat man oft eine ganze Fahrbahn zur Verfügung und man kann auch mal einen ungewollten kleinen Schlenker fahren, wenn die Windböe von der Seite kommt. Im Training auf öffentlichen Straßen kann das aber schon mal gefährlich werden, denn man ist nicht alleine auf der Straße. Für mich als etwas schwererer Athlet mit über 80 Kilo ist das Problem nochmal geringer. Ich bringe genug Gewicht aufs Vorderrad um auch ein bisschen Seitenwind abzukönnen. 😉 Leichtere Athleten und vor allem Frauen haben hier größere Schwierigkeiten und weichen daher öfter auf niedrigere Profile beim Vorderrad aus.

Für ein 80mm Rad ist das Handling der Hadron Ultimate ausgezeichnet.

Klar, man merkt den Seitenwind immer noch deutlich aber trotz einiger echt windiger Trainingssessions und auch Wettkämpfe bin ich nie in brenzliche Situationen gekommen. Die Räder sind ausreichend steif, so dass Lenkbewegungen sofort und direkt umgesetzt werden. Die Räder lassen Reifen bis zu 28mm Breite zu und ermöglichen so eine ordentliche Portion Komfort was die „Dämpfung“ angeht.

Ich selber fahre auf Empfehlung von Jean-Paul Ballard (Swiss Side Technical Director) vorne einen 23er und hinten einen 25er Reifen. So hat man vorne die beste Aerodynamik und hinten, wo das meiste Gewicht liegt, den höheren Komfort für den sensiblen Hintern. Die Kombination kann ich uneingeschränkt empfehlen.

Kemramiklager der Swiss Side Hadron Ultimate

Es folgen die Kriterien, die nicht voll und ganz erst zu nehmen sind und teilweise durchaus mit einem Augenzwinkern geschrieben sind.

Design: Schnell sein alleine reicht nicht

Die Zeiten in denen es egal war, wie ein Laufrad gestaltet ist sind vorbei. Einfach möglichst viele Aufkleber in grausigen Schriftarten – so sahen Laufräder früher aus – war ganz normal. Das reicht heutzutage nicht mehr. Das Laufrad muss vom Design und den Farben her natürlich zum restlichen Bike und auch dem Wettkampfoutfit passen. Zipp macht es hier vor und bietet die Logo-Aufkleber in allen möglichen Farben an. Von Neongrün bis Pink ist alles dabei!

Hier hat Swiss Side noch etwas Aufholbedarf. Das Design der Aufkleber ist zwar hochwertig, allerdings ist man bisher auf die Kombination Weiß/Rot beschränkt – das passt natürlich nicht zu allen Bikes und Athleten. Mir ist zum Beispiel das viele Weiß einfach too much und das Rot beißt sich etwas mit meinem Lieblingsblau.

Beim Ironman Zürich hab ich dazu mit Swiss Side Chef Jean-Paul Ballard gesprochen und gefragt ob sie hier im Stile von Zipp auch verschiedene Aufklebervarianten anbieten möchten. Und ja… es wird demnächst wohl die Laufradlabels in den verschiedensten Farben geben. Die erste Variante konnten wir in den letzten Tagen schon am neuen Kona-Bike von Andreas Raelert sehen. Er fährt nun die Hadron Ultimate im blauen Design… I like!

Sound: Mann muss die Räder am Sound erkennen können

Ein weiterer wichtiger Faktor für alle Statussymbolbesitzer: Der Sound der Laufräder. Dabei unterscheidet der zurückhaltende Triathlet zwei Arten von Sound. Der bollernde, röhrende Sound während des Fahrens und das möglichst laute Knattern des Freilaufs an der Hinterachse.

Beim ersten Punkt leisten die Swiss Side Hadron Ultimate ganze Arbeit. Da müssen auch meine bisherigen Zipp 808 den Hut ziehen.

Das Bollern und das Röhren während der Fahrt ist unschlagbar.

Die Geräuschkulisse kennt man sonst eher von einem Scheibenrad. Nähert man sich einer Gruppe Radfahrer wird sich sofort umgedreht. Dieser Sound wird ermöglicht durch die oben beschriebene Konstruktion der Räder. Das Carbon der Aeroflanken kann viel dünner sein und die Löcher durch die die Speichen ins Carbongehäuse eintreten wirken wie Flüstertüten… geil!

Punkt Zwei: Das Knattern des Freilaufs kann sich ebenfalls hören lassen, allerdings erreicht er nicht ganz die Lautstärke eines Zipp-Freilaufs. Dennoch hat er einen schönen metallernen Klang und ist recht einzigartig von der Akustik her. Wahrscheinlich könnte ich mittlerweile Swiss Side Laufräder rein am Geräusch des Freilaufs erkennen.

Preis / Leistung: Wieviel Geld will man ausgeben?

Ja, gute Laufräder sind teuer. Aber selbst im Bereich „teuer“ gibt es nochmal einige Abstufungen unter den Highend-Laufrädern. Zipp und Lightweight hauen hier ja ganz gut auf die Kacke. Setzt man jetzt mal die Performance in Verhältnis zum Preis so führt wahrscheinlich kein Weg an Swiss Side vorbei. Schaut also einfach mal im Shop rein:

Fazit: Ein richtig, richtig guter Laufradsatz

Mein Fazit aus meiner ersten Saison mit den Swiss Side Hadron Ultimate 800+ ist ein ausschließlich Gutes! Die Räder fahren sich ausgezeichnet, haben in Köln ihren Teil zu meinem Finish unter 10 Stunden beigetragen und lassen sich auch bei Wind und schwierigen Wetterbedingungen sehr gut fahren (Oh man… war dass ein Scheißwetter in Köln). Wenn ich nun demnächst noch die Laufradlabels in meinem Blau kaufen kann bin ich wunschlos Glücklich 🙂 Ich kann jedem, der sich nach einem Highend-Laufradsatz umsieht nur empfehlen sich auch ganz genau mit den Swiss Side Rädern zu beschäftigen. Gerade aus Preis-Leistungssicht kann man wahrscheinlich wenig falsch machen.

Top Laufräder im High End Bereich

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