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Tannus Aither Rennrad-Reifen im Test

Tannus Aither Rennrad-Reifen im Test: So fährt sich das Vollgummi

Nie wieder einen Platten im Training?! Durch einen Bericht auf BikeRadar bin ich neugierig geworden: Der Vollgummi-Reifen-Hersteller Tannus attestiert seinen Reifen mit dem Namen „Aither“ die Rennradtauglichkeit. Weniger Gewicht, weniger Rollwiderstand und höherer Komfort als bisherige Vollgummireifen. Das Ganze auch bestätigt vom Ukrainischen Bahnrad-Team. Ich hab‘ mir umgehend einen Satz Tannus Aither 1.1 Rennrad-Reifen bestellt, um selber zu testen.

Jan Peiniger von Pushing Limits
Jan Peiniger Stillstand ist Rückschritt
18. April 2018 BikeNerd Equipment

Nie wieder einen Platten dank Vollgummireifen

Eine Vorstellung die wohl für jeden Radsportler und Triathleten ziemlich verlockend klingt. Vollgummi- oder besser Vollschaum-Reifen lassen diesen Traum Wirklichkeit werden. Tannus setzt bei seinen Reifen nämlich auf einen speziellen Kunststoff-Schaum, welcher vom Prinzip her dem Sohlenmaterial von Laufschuhen ähnelt. Es gibt die Reifen in dutzenden Farben und die Rennrad-Varianten in 23, 25 und 28mm Breite. Ich hab mir die 25er zugelegt.

Klingt ein bisschen zu gut um wahr zu sein? Wo ist der Haken bei der ganzen Sache? Glaubt man den Aussagen des Herstellers dürfte ja wirklich kein Wunsch offen bleiben. Denn ohne die Gefahr eines Plattens brauche ich auch keine Pumpe, Ersatzschläuche, Reifenheber und sonstiges Zeugs im Training mitschleppen.

Tannus Aither auf der Rennrad Felge
Die Tannus Aither sind kaum von „normalen“ Reifen zu unterscheiden

Dass ich auch mit luftbefüllten Reifen im Jahr bei knapp 8.000 Radkilometern nur 3 bis 4 Platten habe tut meinen euphorischen Gedanken keinen Abbruch. Denn allein schon das Wissen über die Pannensicherheit und das damit verbunden gute Gefühl reizen mich enorm.

Kein Ventil mit Vollgummi Reifen
Ohne Ventil in der Felge sieht das Ganze schon ein bisschen komisch aus

Ich habe es also einfach selber ausprobiert: Wie fährt sich so ein Reifen und wo liegt der Haken?

Die Montage des Tannus Aither 1.1 am Rennrad

Das Aufziehen eines Vollgummireifens hat wirklich überhaupt nichts mit dem Aufziehen eines normalen Reifens zu tun. Es war ein schwieriges Unterfangen und am Ende war meine linke Oberschenkelinnenseite gespickt mit blauen Flecken.  Nachdem man die Reifen ausgepackt hat, muss man zwischen drei Größen an kleinen festen Kunststoffkeilen wählen. Es gilt die richtige Breite für die eigene Rennradfelge zu finden. Mit diesen Keilen krallt sich der Reifen später in die Nut der Felge und hält das Gummi somit auch auf selbiger.

Hat man die richtigen Keile gewählt und alle nach Anleitung in die Löcher im Gummi eingesetzt – eine echte Sisyphus-Arbeit – hieft man den Reifen mittels des mitgelieferten Werkzeugs – eine Art Monster-Reifenheber – auf die Felge. Ohne den Einsatz von Gaffertape als Festhaltehilfe hatte ich hier keine Chance.

Tannus Aither Montage am Rennrad
Mit speziellen Keilen wird der Reifen in der Felge befestigt

Dann kommt der schmerzhafte Teil: Mit super viel Druck presst man nun die Keile – erneut mit dem Spezialtwerkzeug – von oben in den Felgennut. Das funktionierte bei mir nur mit sehr viel Druck indem ich dabei die Felge gegen meinen Oberschenkel presste. Am Ende waren die Reifen aber drauf und ich mein Oberschenkel um einige blaue Flecken reicher.

Was soll’s – dachte ich mir. Im Optimalfall musst du den Reifen ja nie wieder wechseln

Rennrad-Fahren mit dem Tannus Aither 1.1

Meine Vorfreude vor der ersten Ausfahrt war groß. Die Reifen unter großer Kraftaufwendung montiert – nun sollen sie mich im Training auf Ewigkeiten mobil halten. Die ersten Meter sind ganz entspannt. Ich fahre gemütlich vor mich her, mache ein paar Schlenker, um zu sehen ob die Reifen vielleicht doch direkt von der Felge springen oder so. Nichts passiert… fühlt sich alles bekannt an. Auch die Härte und der gefühlte Komfort der Reifen ist vergleichbar mit dem was ich bisher kannte.

Zeit ein bisschen kräftiger in die Pedale zu treten. Ich hatte eine Runde von knapp 80 Kilometern geplant. Ich will ja schließlich wirklich etwas über die Reifen rausfinden und nicht nur ein paar mal auf der Straße hin und her fahren.

Lauffläche des Tannus Aither
Am Grip des Tannus Reifen gibt es wenig auszusetzen. Dieser Steg in der Mitte fährt sich sicher recht schnell raus.

Nach den ersten paar Kilometern wurde mir nach und nach klar, warum niemand wirklich ernsthaft mit diesen Reifen auf dem Rennrad fährt.

Man kann es nicht anders sagen: Rollwiderstand auf der Hölle!

Eine ganze Weile dachte ich noch es liegt vielleicht am leichten Gegenwind auf den ersten Kilometern. Bei circa 220 Watt Leistung kam ich einfach nicht über 25 bis 26 km/h hinaus. Es fühlte sich zäh an. Das änderte sich dann allerdings auch nach einem Richtungswechsel nicht wirklich. Der Rollwiderstand ist einfach unfassbar hoch. Ich werde das Gefühl nicht los, dass mich irgendjemand festhält oder ich etwas hinter mir her schleppte.

Vollgummi Reifen nicht zu erkennen
Optisch fällt zumindest die schwarze Variante des Tannus Aither nicht ins Gewicht.

Jetzt kann man sagen: Ist doch egal, wenn man 2 Stunden lang 220 Watt fährt spielt es doch keine Rolle wie schnell man dabei ist. Das dachte ich mir die erste Hälfte meiner Tour auch und so hielt ich mich motiviert.

Fazit: Auf dem Stadtrad JA – auf dem Rennrad NEIN

Ja, für den eigentlichen Trainingseffekt spielt der Rollwiderstand keine Rolle. Für den Spaß am Rennrad fahren spielt er bei mir aber sehr wohl eine große Rolle. Das tolle Gefühl der Leichtigkeit und der Geschwindigkeit kommt einfach nicht auf. Dieser riesige Widerstand nahm mir einfach ein großes Stück der Faszination Rennradfahren.

So war die Euphorie über die Pannensicherheit schnell verflogen und ich wechselte einen Tag später wieder auf meine luftbefüllten Reifen zurück. Dennoch muss ich sagen: Wäre der Rollwiderstand nicht so katastrophal, könnte es was werden – denn Handling und Komfort empfand ich durchaus als tauglich. Aber so gehört dieser Reifen für mich einfach nicht auf ein Rennrad.

Allerdings: Hätte ich ein Rad, welches ich einfach nur als Transportmittel von A nach B nutze, sprich: Ein Stadtrad, um damit Erledigungen zu tätigen oder zur Arbeit zu fahren. Ich würde definitiv auf die Vollgummireifen von Tannus zurückgreifen. In diesem Einsatzbereich sehe ich wirklich überhaupt keinen Grund noch auf luftbefüllte Reifen zu setzen.

Bist du schon einmal Vollgummi-Reifen gefahren? Wie sind deine Erfahrungen?

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