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Gregor bloggt – Das ungleiche Duell zwischen Spitzen- und Verfolgergruppe

Das vergangene Rennen der World Triathlon Series (WTS) von Yokohama bietet die Gelegenheit ein besonderes Phänomen der Kurzstrecke zu erläutern: Das Duell zwischen Spitzengruppe, die sich bereits beim Schwimmen absetzen kann, und den Verfolgern, die zwar oftmals in Überzahl auf die Radstrecke wechseln, es aber dennoch nicht schaffen, den Anschluss nach vorne herzustellen.

Gregor Buchholz bei Pushing Limits
Gregor Buchholz Gemeinsam ist's leichter
20. Mai 2019 World Triathlon Series

Zwei Instagram-Zitate nach dem letzten WTS-Rennen in Yokohama beschreiben eines der Kernelemente im olympischen Triathlon perfekt. Der Sieger vom Wochenende und aktuell Gesamtführende, Vincent Luis, bedankt sich bei den Athleten in der Spitzengruppe auf dem Rad: “Schöner Sieg in Yokohama; eine solide Mitarbeit von allen Jungs in der Spitzengruppe hat es möglich gemacht.“

Eine ganz andere Sicht auf das Rennen hat Jacob Birtwhistle. Der Mitfavorit findet sich nach dem Schwimmen im großen Hauptfeld wieder und hadert mit der Verfolgungsjagd:
„Frustrating race, I will never understand why so many people in the chase pack are happy to sit in, not take a turn“ Was so viel bedeutet wie: „Frustrierendes Rennen! Ich werde nie verstehen, warum sich so Viele in der Verfolgergruppe hinten reinsetzen und keine Führung übernehmen, in der Hoffnung frisch für das Laufen zu sein. Vielen Dank an Casper [Stornes], Kristian [Blummenfelt] und Tom [Bishop] für ihre harte Arbeit bis zur zweiten Wechselzone“

Die zwölfköpfige Spitzengruppe ist an reiner Manpower dem 30-köpfigen Verfolgerfeld eigentlich unterlegen. In der Praxis war das Kräfteverhältnis jedoch: Zehn Fahrer in der Führung gegen vier Fahrer in der Verfolgung. Birtwhistle verpulvert zu viele Kräfte auf dem Rad und kann die Trümpfe in seiner stärksten Disziplin, dem Laufen, nicht mehr ausspielen. Am Ende reist Birtwhistle mit einen für ihn enttäuschenden 23. Platz ab.

Ausreißer gegen Verfolgergruppe, das ewige Duell lässt sich fast mit einer Sinuskurve beschreiben.

Nach Wettkämpfen, bei denen die Verfolgergruppe die Spitze ein ums andere Mal stellt, kommt wieder eine Phase, in der die schnellen Schwimmer wegkommen und einen satten Vorsprung zum Laufen mitnehmen. Wie dieses Duell ausgeht, ist vor allem von einer Variablen abhängig: Den Athleten!

Organisiert zum Erfolg

In der Spitzengruppe lässt sich der belgische Kreisel relativ einfach organisieren. In einer kleineren Gruppe ist es deutlich schwieriger sich zu verstecken und außerdem liegen die Vorteile für alle Beteiligten klar auf der Hand: Ein Sieg oder eine Top-Platzierung ist mit Vorsprung deutlich einfacher zu erreichen.

Problematischer gestaltet sich da Organisation in der Verfolgergruppe. Die Gruppe ist auf verwinkelten Kursen häufig zu groß und so manch ein laufschwächerer Athlet denkt sich: „Ich mache doch nicht die Arbeit, um einen Mola oder Birtwhistle zum Sieg zu fahren!“ Starke Läufer mit einem Rückstand nach dem Schwimmen, wie sie Mario Mola und Jakob Birtwhistle sind, müssen also vor allem zwei Dinge tun:

  1. Sie müssen selbst viel Führungsarbeit übernehmen, um mit gutem Beispiel voranzugehen. Da sie die größten Profiteure von einem Zusammenschluss mit der Spitzengruppe wären,  müssen sie auch am meisten Arbeit investieren.
  2. Es reicht nicht, wenn die Last der Verfolg auf zu wenigen Schultern lastet. Die Leader der Gruppe müssen sich Verbündete beschaffen (oder Notfalls auch lauthals „erschreien“). Dafür ist ein gewisses charismatisches Handeln nötig, um genügend Athleten für eine Zusammenarbeit zu ermutigen.

In Yokohama haben wichtige Arbeiter bzw. Mitstreiter  in der Verfolgungsgruppe gefehlt. Bei Mario Mola passt im Schwimmen zur Zeit gar nichts. Er befindet sich nach der ersten Disziplin noch hinter dem Hauptfeld, abgeschlagen bei den Nachzüglern und hat mit dem Rennen praktisch Nichts zu tun. Gleiches Schicksal musste Gustav Iden erleiden, der ebenfalls wichtige Power in die Verfolgergruppe gesteckt hätte. Beide wären dem Hauptfeld eine wichtige Stütze gewesen.

In dieser Dynamik wird der britische Überläufer, Alex Yee, noch eine wichtige Rolle spielen. Für den jungen Yee war Yokohama seine erste olympische Distanz in der World Triathlon Series überhaupt, weshalb ihm etwas „Welpenschutz“ zusteht. Allerdings wird dieser nach seiner fulminanten Aufholjagd auf den zehn Laufkilometern recht schnell verschwinden. Als Top-Läufer hatte Yee seine Nase in keiner Situation in den Wind gesteckt. Mit steigender Erfahrung wird ihm das zukünftig nicht mehr möglich sein, da dies der Motivation der Verfolger schwerwiegend schaden würde.

Die große Verfolgergruppe leidet zur Zeit an einem schwächelnden Weltmeister und einigen schnellen Läufern (nicht nur Yee), die keine Verantwortung übernehmen. Die schnellen Schwimmer der Spitzengruppe frohlocken und nutzen ihre Chance. So zum Beispiel Jonas Schomburg mit seinem elften Platz in Yokohama. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Dynamik über die weitere Saison entwickelt.

So sehr ich den Frust von Birtwhistle verstehen kann, so gelassen kann ich mich Sessel zurücklehnen und im Livestream verfolgen, ob und wann sich die Sinuskurve wieder verändern wird.

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