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Gregor bloggt – WTS Bermuda: Analyse zur „Flucht in der Karibik“

Bermuda hat gehalten, was es versprochen hat. So überraschend der Sieger Dorian Coninx  (FRA) bei den Männern, so überlegen die Siegerin Katie Zaferes (USA) bei den Frauen. Auch unsere deutschen Starter Lasse Lührs und Jonas Schomburg haben sich wacker geschlagen. Gerade mit Jonas habe ich bei seiner beherzten Attacke auf dem Rad mitgefiebert.

Gregor Buchholz bei Pushing Limits
Gregor Buchholz Gemeinsam ist's leichter
  • Titelbild: ITU Media / Janos Schmidt

Ausreissversuche sind immer eine Prestigesache, auch wenn nur sehr selten die Sieger aus ihnen hervorgehen. Die meisten Versuche dem Feld zu entfliehen, schaffen es nicht bis in die Wechselzone und werden bereits vor dem Laufen vom Rest des Feldes wieder eingefangen. Außerdem ist die Gefahr groß, dass der Ausreißer – erst recht als Solist – seine Körner zu früh verpulvert und auf der Laufstrecke wieder weit zurückfällt. Für Zuschauer sind Fluchtversuche aber immer bestes Entertainment und in dieser Hinsicht hat uns Jonas Schomburg am Samstag viel geboten. Daher möchte ich Jonas couragierte Flucht nach vorn als Beispiel nutzen um zu analysieren, was einen erfolgreichen Ausreissversuch ausmacht.

Gewusst wann

Es ist vor allem wichtig den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Für die erste Gruppe, in die es Jonas nach dem Schwimmen geschafft hatte, ging es lange Zeit nicht um Fluchtversuche, sondern darum die Verfolgergruppe auf Distanz zu halten. Allen voran bemühten sich zum Beispiel der Belgier Marten Van Riel und der Brite Jonathan Brownlee um ein hohes Tempo. Letztlich stellte die Verfolgergruppe, in der sich auch die norwegische Mannschaft befand, jedoch nach rund 25 Kilometern den Anschluss her.

Ab diesem Zeitpunkt belauerten sich die Favoriten. Für viele weitere Athleten waren die verbleibenden zehn bis fünfzehn Kilometer nicht genug, um einen wirksamen Vorsprung herauszufahren. Hauptsächlich warteten die meisten Athleten nun auf das abschließende Laufen und keiner wollte sich zusätzliches Laktat in die Beine fahren. Diese Pattsituation nutzte Jonas zusammen mit Jorik Van Egdom und dem späteren Überraschungssieger Dorian Coninx aus.

Gewusst wo

Bei Kilometer 30 ist es den Dreien gelungen sich etwas vom Feld abzusetzen. Beispielhaft ist hier, wo sie sich absetzen konnten. Zwar brachten sich Jonas und Co am Corkscrew Hill in Stellung, aber wirklich lösen konnten sie sich erst in der seichten Abfahrt. Dort, wo es jeder Athlet nach dem Anstieg etwas lockerer rollen lässt, drückte Jonas mächtig aufs Pedal und machte die meiste Zeit gut. Nicht umsonst ermahnt Einen die alte Radsportweisheit, über die Kuppe zu drücken.

Gewusst wie

Auch wenn man den richtigen Riecher hat und zum richtigen Zeitpunkt, sowie am richtigen Ort die Chance ergreift, ist das noch kein Garant für eine erfolgreiche Flucht.

Das Feld ließ die drei Ausreißer nicht freiwillig fahren und stellte sie dann wieder am Corkscrew Hill – jedenfalls fast. Nun kommt die Beharrlichkeit ins Spiel. Oft sind mehrere Versuche notwendig um motivierte Verfolger zu demotivieren. Jonas investierte am Corkscrew Hill alles was er noch in Reserve hatte und probierte es allein. Zu diesem Zeitpunkt waren es nur noch sechs Kilometer zu fahren. Dennoch riss er eine entscheidende Lücke und konnte einen Vorsprung von 35 Sekunden mit auf die Laufstrecke nehmen.

Am Ende steht für Jonas ein 17. Platz. Lasse Lührs agierte unauffälliger im Hauptfeld, erwischte leider einen schlechten zweiten Wechsel und kämpfte sich noch auf den 23. Platz vor. Das kann am Ende des Tages vielleicht ernüchternd klingen und sicherlich hatten sich beide im Vorfeld mehr ausgemalt. Ich ziehe aber nach Bermuda ein positives Fazit, denn mir gefällt die Richtung, in der sich die Beiden präsentiert haben.

Inspiration im Frauenrennen

 

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Foto: ITU Media / Janos Schmidt

Zum Schluss möchte noch meine Anerkennung dem gesamten Frauenfeld gegenüber kundtun. Als während des Schwimmens Starkregen und Gewitter einsetzte, wurde die Strecke wirklich übel. Die Straße des Corkscrew Hill war zwischenzeitlich in ein Gebirgsbach verwandelt. Zu sehen, wie die Athletinnen diesen Bedingungen trotzten, war eine wahre Inspiration.

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