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Langdistanz Frodeno vs. Sanders: Meister der Selbstinszenierung

18. Juni 2021


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Beim „Battle Royale“ kommt es am 18. Juli zu einem unerwarteten Kampf der Giganten: Jan Frodeno und Lionel Sanders treten im Allgäu gegeneinander auf der Langdistanz an. Klingt komplett surreal und wie ein viel zu schöner Traum, ist aber tatsächlich wahr. Und obwohl bisher kaum Details bekannt sind, steht jetzt schon fest, dass der Triathlonsport noch nie etwas vergleichbares gesehen haben wird. Ein Kommentar. Titelbild: Felix Rüdiger

Staunend und sprachlos sitze ich auf dem Sofa und starre auf den Bildschirm meines Smartphones. Ich rutsche auf die Polsterkante, stütze meine Ellbogen auf die Knie, schüttle den Kopf und schaue ins Leere. Er hat es schon wieder geschafft. Dieser verdammte Teufelskerl hat es tatsächlich schon wieder geschafft! An einem x-beliebigen Donnerstagabend stellt Jan Frodeno einmal mehr die Triathlonwelt auf den Kopf.

Aus Trotz erwische ich mich dabei, wie ich ihn und all seine viel zu richtigen Aktionen, Ideen und Projekte schlagartig überflüssig und unnötig finden möchte. „Jan Frodeno nervt doch nur noch“, wettert mir mein innerer Misantroph entgegen. Aber es klappt nicht. Ich kann es einfach nicht. Dieser Typ ist ein Genie. Schwer beeindruckt, fast schon fassungslos, lasse ich mich zurückfallen und beginne, meine Gedanken zu sortieren.

Battle Royale: Triathlon-Wahnsinn hat einen Namen

Also: Jan Frodeno und Lionel Sanders treffen sich zum Duell Mann gegen Mann. Langdistanz. 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42,195 Kilometer Laufen. Im Allgäu. Am 18. Juli 2021. Liveübertragung. Alle Performancedaten öffentlich. Drei Mal lasse ich mir die überschaubare Faktenlage durch den Kopf gehen. Als ich zum vierten Mal ansetze, lache ich mich beinahe kaputt. Diese Aufzählung klingt so bekloppt und wahnsinnig, dass plötzlich ein einziges Wort über meine Lippen kommt: „Genial.“ Außer mir ist übrigens niemand sonst im Raum.

Ich versuche dahinter zu kommen, wodurch diese Begeisterung für das „Battle Royale“ in mir ausgelöst wird. Erstaunlicherweise interessiert mich im ersten Moment überhaupt nicht, wer am Ende gewinnt oder ob irgendein neuer Rekord aufgestellt wird. Es ist also nicht nur das Duell zweier Athleten, von denen ich großer Fan bin, oder die sportliche Herausforderung, der sich beide stellen, was mich packt.

Ich spüre, wie mich das „Battle Royale“ herausfordert: Was finde ich so gut daran? Woher kommt das Kribbeln in mir, wenn ich an diesen Showdown denke? Ich liege als Triathlonfan auf dem Sofa und versuche mich zu besinnen, was mich an dieser aberwitzigen Sportart fasziniert und seit mittlerweile 15 Jahren begeistert. Was ist es, das mich immer wieder aufs Neue in einen Bann zieht?

Faszination Triathlon neu gedacht

Eine Überlegung, die mir nicht nur fremd ist, sondern die ich so bewusst auch zum ersten Mal anstelle. Und dann, es ist nur ein Geistesblitz, öffnet sich eine neue Perspektive: Es ist die Sache selbst. Das „Battle Royale“ ist etwas Größeres als das Duell zwischen den Protagonisten Frodeno und Sanders – jedenfalls in meiner Wahrnehmung. Triathlon war für mich schon immer ein unperfekter Beweis dafür, dass wir oftmals zu viel mehr im Stande sind, als wir glauben oder uns selbst zutrauen. Und das „Battle Royale“ wird die nächste Lehrstunde.

In diesem Moment beginne ich – Schritt für Schritt – das Ganze zu sehen, die Signalwirkung zu verstehen. Die Aktion ist derart facettenreich, dass es mir schwer fällt, alle Teile zusammen zu bringen. In jedem Fall wird es eine eindrucksvolle Demonstration dessen, wozu die Maschinerie Frodeno in der Lage ist – in allen Bereichen: sportlich, medial, wirtschaftlich. Am 18. Juli wird der Triathlonsport etwas erleben, das es danach in dieser Form nie wieder geben wird.

Frodeno’s Meisterstück

Das „Battle Royale“ wird das vorläufige Meisterstück von Jan Frodeno und seinem Team. Selbst ein weiterer Sieg beim Ironman Hawaii dürfte nicht mehr in solch eine Dimension gelangen, denn dort scheint längst vergessen, dass es im Triathlon, so sehr wie in keinem anderen Sport auf der Welt, darum geht, neue Maßstäbe zu setzen und die Grenzen wieder und wieder und wieder zu verschieben – in allen Bereichen.

Bereits bei seinem „Tri@home“ wurde der Werbewert auf rund zwölf Millionen Dollar bestimmt. Der Hawaii-Sieg 2019 wurde mit 13,4 Millionen bewertet. Die FAZ berichtete: „Allein in Deutschland erreichten die Bilder 28 Millionen Menschen, auf Facebook gab es Livestreams mit insgesamt 1,5 Millionen Zuschauern und 560.000 Interaktionen. Print- und Onlinemedien in 50 Ländern erreichten 240 Millionen Leser.“ Für all das braucht Jan Frodeno nichts, außer sich selbst und sein Team.

Beim Rennen im Allgäu wird das öffentliche Interesse größer sein, die Berichterstattung vielfältiger und aufwendiger, die Leistung beeindruckender und spannender. Wir werden Triathlon sehen, wie wir ihn noch nie gesehen haben. Und weil es sich um eine Frodeno-Aktion handelt, wird es mit dem 18. Juli 2021 in vielen Bereichen eine neue Benchmark geben.

Spannende Wochen liegen vor uns

Bisher gibt es nicht viel mehr als Andeutungen, was beim „Battle Royale“ wirklich passieren wird. Im Zwift-Chat haben Frodo und Sanders zwar gestern versucht die Illusion noch ein bisschen zu bewahren, aber zu glauben, dass ein ein „schneller Kurs“ und eine „gesperrte Schnellstraße“, dazu eine Liveübertragung – bei der alle Leistungsdaten veröffentlicht werden sollen – mal eben so im Handumdrehen organisiert sind, wäre eine Utopie. Auch deshalb werden die nächsten vier Wochen bis zum Wettkampf so spannend, denn neben vielen Vorschusslorbeeren und hohen Erwartungen gibt es noch jede Menge unbekannte Details zum Showdown und Drumherum.

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