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Mein Avatar und ich: Liebe auf den ersten Zwift

27. November 2021


Liebe auf den ersten Zwift

Wie sag‘ ich das jetzt am Besten? Also ohne, dass es komisch wird. Aber meine Vermutung verdichtet sich von Zwift-Ride zu Zwift-Ride, dass mein Avatar und ich unzertrennlich geworden sind. Schon nach den ersten drei Wochen in seinem schmalen, digitalen Windschatten kann ich sagen: Ich kann mir ein Leben auf der Rolle ohne ihn nicht mehr vorstellen. Eine Liebeserkältung, äh – … erklärung.

Okay, es wird komisch. Während der ersten Ausfahrt auf Zwift bemerkte ich schnell, dass ich den vor mir fahrenden Avatar nicht als mein virtuelles Ich akzeptieren kann. Weil das hätte ja bedeutet, ich würde zukünftig stundenlang mit mir selbst auf der Rolle Radfahren müssen. Diese Vorstellung erschien mir tierisch langweilig, also musste ich umdenken. Außerdem: Woher bitteschön soll ich wissen, ob dieser Avatar es überhaupt gewollt hätte, ich zu sein?

Während ich gedanklich also schon eine Demo auf den Straßen von Watopia anzettelte und die ersten Schilder mit „Gebt den Avataren ihr Leben zurück!“ und „Free the avatars!“ beschriftete, fühlte ich mich dennoch schlecht. Durch meine anfängliche Abneigung gegenüber Zwift, hatte ich mir überhaupt keine Mühe gegeben, mich auch nur ansatzweise so stilbewusst zu kleiden wie beim Training draußen.

Ganz im Gegenteil: Als ehemaliger Zwiftgegner hatte ich extra die lumpigste Hose rausgesucht, die ich finden konnte. Nimm‘ das, Zwift! Meine Socken passten weder zum Trikot, noch zur Hose, noch zu den Schuhen. Oder anders gesagt: Ich sah aus wie ein Karren Mist. Mit schlechtem Gewissen – und gottfroh, dass mich der Avatar auf der ersten Trainingsrunde gar nicht bemerkte – beendete ich die Einheit. Sowas würde mir kein zweites Mal passieren!

Schon beim nächsten Training saß ich gestriegelt und selbstbewusst wieder auf der Rolle. Es wurde Zeit, sich mit dem neuen Trainingsbuddy bekannt zu machen: „Hey, ich bin Bocki!“, telepathierte ich dem Avatar zu und fragte direkt: „Was steht heute bei dir auf dem Trainingsplan?“ Ich staunte nicht schlecht, als sich herausstellte, dass wir tatsächlich die gleiche Einheit zu absolvieren hatten. Es ist offensichtlich, dass er ein bisschen mehr Punch in den Beinen hat als ich – denn egal wie sehr ich mich anstrenge, ich komme dem Kerl einfach nicht näher. Ich sehe das gemeinsame Training also auch als mentale Herausforderung, da ich mich mit meiner Rolle im Windschatten abfinden muss.

Noch beim Einfahren erfuhr ich den Namen meines neuen Freundes: Ralf. Aber er meinte, dass er von allen nur der „Rollen Ralle“ oder der „Ride On Ralle“ genannt wird. Für den Rest der Session herrschte Stille zwischen uns. Jeder konzentrierte sich auf seine Werte und ging dem anderen nicht mit unnötigen Attacken oder dummen Sprüchen auf den Sack. Auch das ist das Schöne an Ralle: Er weiß, wann Zeit zum quatschen ist – und wann man auch einfach mal die Schnauze hält.

Einige Ausfahrten und Tage später verabredeten wir uns für den ersten gemeinsamen Long Ride: Drei Stunden Grundlage auf der Rolle. Ich war gespannt und auch ein wenig aufgeregt, denn aus der Erfahrung weiß ich nur zu gut, dass vor allem längere Trainingseinheiten eine echte Belastungsprobe für jede Beziehung werden können.

Nicht so bei uns! Es war ein herrlicher Tag auf den Straßen von Watopia, gute Selbstgespräche, tolles Wetter und jede Menge andere Radsportler, die ebenfalls unterwegs waren. Auch Ralle zeigte sich sichtlich begeistert. Insgeheim wusste ich natürlich, dass es vor allem daran lag, weil er an diesem Tag endlich Level 10 erreichen konnte und, wie viel ihm das bedeutete. Und auch für mich fühlte sich das toll an, schließlich war es die erste gemeinsame Errungenschaft. Sowas verbindet. Und macht Lust auf mehr!

 

 

 

6 Kommentare

  1. Na da hat aber einer Blut geleckt 😅Nalsehen wann du die Thron Bike challange in Angriff nimmst😁Ride On Bocki👍

  2. @Holzi: ob Bocki schon herausgefunden hat, wie man die verschiedenen Challenges aktiviert? Nachher macht er die ganzen Höhenmeter „umsonst“. Bin gespannt, wie entspannt Ralf das aufnehmen würde 😉

  3. …möchte hier einfach mal loswerden, dass ich Dir bzw. Euch im Podcast mega gerne zuhöre – und so gehts mir auch bei Blogeinträgen wie diesen 😉 . Vielleicht sammeln sich mit der Zeit weitere „Kapitel“, welche Du später in einem Buch veröffentlichen könntest. Titel(vorschlag): „Mit Ralle auf Achse“ oder so ähnlich 😉