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Pro:blog #2 – Wochenstruktur für mein Profileben – 33 Wochen bis Roth
Wir sind im Hier und Jetzt angekommen, das PRO:ject läuft. Für mich bedeutet das, dass ich mehr als 20 Stunden Training pro Woche, Familie und die Arbeit rund um Pushing Limits unter einen Hut bringen muss. Wie sieht die gesamte Wochenstruktur meines „Profilebens“ im Moment aus? Hier kommt PRO:blog Nummer zwei.
Immer wieder sonntags … sitzen Tamara und ich mit Stift, Zettel, Terminkalender und Trainingsplan am Esstisch und schmieden Pläne. Vor drei Jahren hätte ich noch gesagt: Sowas machen doch nur Erwachsene oder Langweiler! Heute sage ich: Es geht nicht ohne! Würden wir uns nicht Woche für Woche gemeinsam hinsetzen und besprechen, wie wir die kommende Woche meistern wollen, dann wäre das PRO:ject für mich bereits in der Anfangszeit zum Scheitern verurteilt gewesen.
Für mich wäre das Profidasein schlichtweg ein Ding der Unmöglichkeit, wenn ich es nicht geschafft hätte, Ordnung und Struktur in meinen, zuvor doch ziemlich chaotischen, Alltag zu bringen. Zwar hat immer alles funktioniert, was funktionieren musste – allerdings war auch vollkommen egal, wie es um meine körperliche Leistungs- und Belastungsfähigkeit stand. Ich hatte Familie auf der einen, Arbeit auf der anderen Seite. Sportliche Ambitionen oder Ziele existierten nicht, sodass es keinen Grund für mich gab, eine dritte Variable in meine Alltagsformel aufzunehmen. Eigentlich waren meine Rahmenbedingungen an Freiheit und Flexibilität nicht zu übertreffen.
Gemeinsam(e) Entscheidungen treffen
Als die Idee des PRO:jects entstanden ist, war ich zum einen Feuer und Flamme, zum anderen extrem zurückhaltend. Natürlich sah ich die immensen Vorzüge und die unglaublichen Bedingungen sowie Möglichkeiten, unter denen ich bis dato noch nie professionell Triathlon getrieben hatte. Gleichzeitig wusste ich aber auch, was in diesem Zuge nicht nur auf mich zukommen, sondern vor allem was das Commitment für meine Family heißen würde.
Die Entscheidung, dass ich aktiver Teil des PRO:jects und nochmal zum Profisportler werden möchte, ist sicherlich nicht aus einer Laune heraus entstanden. Ehrlicherweise hat sich die Anfangsbegeisterung bei Tamara ziemlich im Zaun gehalten und es hat einige Gespräche gebraucht, bis wir uns einig waren. Sie weiß schließlich, wie es ist, mit mir zusammen leben zu müssen, wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe und etwas „richtig“ machen will. Gleichzeitig war es für sie schwer vorstellbar, dass es mir gelingen würde, den Fokus nochmal komplett auf den Sport zu richten und die Arbeit rund um Pushing Limits dementsprechend herunterzufahren. Denn in einer Sache waren wir uns von Beginn an einig: es darf nicht zu Lasten der Familie gehen.
Veränderungen? Einmal Alles, bitte
Zur Einordnung: Als ich 2017 und 2018 als Profi unterwegs war, hat Tamara Vollzeit in der Versicherungsbranche gearbeitet und selbst Triathlon gemacht. Sie kennt die Ansprüche also. Damals hat jeder auf sich geschaut und seine Aufgaben so organisiert, dass alles funktioniert hat. Entscheidungen konnten wir größtenteils selbstständig treffen und schlussendlich hat eine kurze Info an den anderen gereicht. Wir hatten keine Verpflichtungen, außer unsere relativ kleine Wohnung einigermaßen in Schuss zu halten und für einen vollen Kühlschrank zu sorgen.
Mittlerweile sind wir verheiratet, haben einen anderthalbjährigen Sohn, leben in einem Haus und aus Pushing Limits ist ein funktionierendes Unternehmen geworden. Für mich hat sich also nicht nur Vieles in den letzten Jahren verändert, sondern Alles. Natürlich geht mit solchen Umständen und entsprechender Verantwortung auch eine persönliche Entwicklung einher.
Was vielleicht erstmal dröge oder spießig klingen mag, ist genau das Gegenteil davon. Es ist eine große Herausforderung, die sicherlich dazu führt, manche Dinge ernster zu nehmen. Gleichzeitig gibt es dermaßen viele Situationen, die einem Locker- und Gelassenheit abverlangen, dass man gleichzeitig viel besonnener und weitsichtiger an manche Dinge herangeht. Eigenschaften, die durchaus auch zu einem neuen Umgang und einer neuen Herangehensweise an mein Training (und somit den Profisport) mit sich bringen.
Was hat das mit Profisport zu tun?
Warum erzähle ich euch all das? Weil es meiner Meinung dazu gehört, wenn wir im Zuge des PRO:jects ein Gesamtbild zeichnen wollen. Oben habt ihr meine Lebensumstände kennengelernt, die mitunter den größten Einfluss auf meine Leistung haben werden. Für mich ist ein funktionierendes Umfeld die Basis für alle Entwicklungsschritte und deswegen gab es jetzt auch den Rundumschlag.
Und wer bis hierher gelesen hat, der ist wahrscheinlich wirklich daran interessiert, wie die Wochenstruktur denn nun aussieht. Wie gesagt, los geht’s mit der gemeinsamen Planung am Sonntagabend. In diesen Schritten gehen wir die Sache an:
- Eintragen aller Termine, an denen Tamara und Eddy gemeinsam unterwegs sind (Spielgruppe, Kinderturnen, Schwimmen). In diesen Zeitfenstern versuche ich einen Teil meiner Trainingseinheiten zu absolvieren.
- Eintragen aller halben Tage (aktuell drei), an denen Tamara arbeiten geht. Zwei Mal davon übernehme ich Eddy, ein Mal seine Oma (in der Zeit erledige ich eine Trainingseinheit).
- Eintragen aller weiteren Trainingseinheiten sowie aller Arbeitszeiten für Pushing Limits auf die offenen Zeitfenster. Tamara kümmert sich in dieser Zeit um Eddy sowie Alltagsbesorgungen und -aufgaben.
- Eintragen aller Zeiten, an denen ich Eddy übernehmen kann, damit Tamara Zeit für sich hat (wir bleiben dafür in der Triathlonsprache und nennen das „TT“ – Tami Time). Etwa drei Mal eine Stunde pro Woche.
- Freiräume für gemeinsame Familienzeit ausfindig machen. Aktuell die schwierigste Aufgabe und definitiv eine Seltenheit.
Trainingswoche und Tagesablauf
Eine normale Trainingswoche umfasst bei mir aktuell 15 Einheiten (in Belastungsphasen 20 Stunden +). Das Schwimmen kann ich glücklicherweise beim Vereinstraining des RSC Kempten ziemlich frei gestalten und die genialen Bedingungen (unter der Woche jeden Tag eine Schwimmzeit von 6.00 bis 7.30 Uhr, zusätzliche Zeiten am Wochenende) helfen ungemein, um das gesamte Tagespensum zu schaffen. Leerlauf oder wirklich freie Zeit (für Mittagsschlaf oder andere Regenerationsmaßnahmen) bleibt zurzeit nicht.
An den Tagen, an denen ich in der Früh zum Schwimmen gehe, klingelt der Wecker um 5.00 Uhr. Ansonsten stehen wir gegen 6.30 Uhr auf. Das familiäre Tagesziel lautet immer, dass wir für die Hauptmahlzeiten gemeinsam am Tisch sitzen – klappt allerdings nur jedes zweite (oder dritte) Mal. Außerdem versuchen wir, abends um 22.00 Uhr im Bett zu liegen, damit der gesamte Load überhaupt machbar ist.
Wie ihr sehen könnt, ist die Woche von vorn bis hinten durchgeplant und -getaktet. Normalerweise liebe ich Spontanität und Flexibilität – zu den jetzigen Lebensumständen passen sie allerdings nicht. Stattdessen helfen mir klare Strukturen und verlässliche Absprachen extrem dabei, mich nicht zu verzetteln, Dinge zu vergessen oder nachlässig zu werden. Im Moment, würde ich sagen, ist die größte und wichtigste Komponente am Profisein, die Disziplin zu bewahren.
Der nächste PRO:blog ist schon in Arbeit
Eigentlich wollte ich im PRO:blog mit einem ganz anderen Thema weitermachen: Trainings- und Leistungsbereiche. Der Beitrag ist bereits so gut wie fertig, wird allerdings erst nächste Woche Montag erscheinen. Solltet ihr bis dahin Fragen oder Themenwünsche im Zusammenhang mit dem Profidasein haben, dann haut sie auf jeden Fall rüber. Im Laufe der Zeit werden wir sie sicherlich bearbeiten!
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