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So einfach geht Zwift: Mein langer Weg nach Watopia

17. November 2021


Zwift Anmeldung

Wie lange gibt es Zwift nun schon? Ich muss schnell nachschauen. Aha, seit 2012. Seit 2012 habe ich es also geschafft, mich gegen diese – im wahrsten Sinne des Wortes – Trendbewegung zu sträuben. Wie es dazu kam, dass ich mich nun doch angemeldet habe, lest ihr in diesem Blog. Inklusive Anleitung zu den ersten Schritt auf Zwift!

Zwift. Lasst mich doch einfach mit diesem neumodischen Quatsch in Ruhe. Radfahren auf der Rolle ist an sich schon bescheiden, aber wenn dann noch Apps und Technikkram dazu kommen, kann es schlimmer nicht mehr werden. Ich will damit nichts zu tun haben. Ende der Geschichte! Ob ich Zwiftgegener war? Ohja.

Wie oft habe ich mir diese Appelle anhören müssen? Zwift sei so super, der Heilsbringer fürs Rollefahren, der Revolutionär in Sachen Indoortraining. Mit jeder weiteren Lobeshymne und jeder verdammten Instagram-Story, in der mal wieder irgendjemand Spaß beim Training auf der Rolle hatte, wurde meine Abneigung gegen diese virtuelle Ausdauersport-Parallelwelt größer.

Goldene Regel fürs Rollefahren

Wenn ich zum Training auf die Rolle gegangen bin, dann war jede einzige Kurbelumdrehung erfüllt von purem Hass. Ich hatte eine goldene Regel: Niemals länger als 60 Minuten! Und so saß ich Jahr für Jahr mit innerem erhobenem Mittelfinger gegen das Regime von Zwift auf meinem analogen Rollentrainer und fühlte mich wie ein Gallier zwischen all den Avataren.

Die Botschaft ist angekommen, oder? Zwift war für mich wie ein rotes Tuch. Wenn ich nun aber auf Ursachenforschung gehe und ganz ehrlich zu mir bin, dann lag das vor allem an zwei Dingen, warum ich den Schritt nach Watopia nie gemacht hatte: meiner Faulheit, mich mit neuen Dingen zu beschäftigen, und an meiner generellen Skepsis (oder persönlichen Unfähigkeit) im Umgang mit Technik.

Nun kündigte sich ein langer und trainingsreicher Winter an und so kam es wie es kommen musste. Als letzten Schubser für den Sprung über die digitale Klippe bestellte ich mir einen Neo 2T Smart Trainer von Tacx nach Hause (der dann erstmal ein paar Wochen unausgepackt in der Ecke stand). Mittlerweile war es draußen kalt geworden und vor knapp zwei Wochen war es dann soweit. Mit den Worten „ich mach‘ das jetzt!“ bin ich aufgestanden und habe zum Rundumschlag angesetzt: Rolle aufbauen, Zwift einrichten und direkt die erste Einheit trainieren. Um mich unter Zugzwang zu setzen, zog ich mir meine Radhose sicherheitshalber schon an, bevor ich mich an die Aufbauarbeiten machte. Clever.

Was muss ich wissen, um zum Zwift-User zu werden?

Auf dem Weg in den Trainingsraum schaltete sich mein Kopf ein und bemerkte, dass ich eigentlich überhaupt nicht wusste, was ich nun zu tun haben würde. Ich setzte alle Hoffnung darauf, dass es mit gesundem Menschenverstand schon irgendwie funktionieren würde. Ich bin weder der Typ, der sich zuerst ellenlange Anleitungen durchliest, noch irgendwelche Tutorials auf YouTube anschaut.

Falls es unter euch allerdings ähnliche Neulinge wie mich geben sollte, ihr aber durchaus Interesse an einem fundierten Video-Tutorial habt, dann empfehle ich euch das entsprechende Video der PROBIKE Academy über alles, was ihr über die Basics, Einstellungen und so weiter wissen müsst:

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Meine Hoffnung sollte nicht enttäuscht werden: Im Handumdrehen war der Neo 2T aufgestellt, verkabelt und einsatzbereit. Ähnlich unkompliziert gestaltete es sich damit, das Bike einzuspannen. Handgestoppte 93 Sekunden hat es gedauert, bis ich das Hinterrad meines GIANT Propels ausgebaut und die Kiste auf dem Smart Trainer wieder eingespannt hatte. Es lief so verdammt rund, dass ich dem Braten nicht trauen wollte und so stellte ich mich auf einen nervenaufreibenden Installations- und Anmeldeprozess mit Zwift ein.

1. Schritt: Zwift-App runterladen

Als technisches Endgerät nutze ich ein iPad (man kann aber quasi alles nutzen: iOS, Android, Mac, Windows – irgendwas davon wird man heutzutage wohl zur Hand haben). Beim iPad bin ich einfach über den App Store gegangen. Wer erstmal schauen möchte, findet hier die Übersicht auf der Website von Zwift.

2. Schritt: Anmeldung

Nachdem die App heruntergeladen und installiert ist, kann man sich darüber anmelden und sein Nutzerprofil anlegen. Und was soll ich sagen? Ich habe es selten so leicht gemacht bekommen: Vorname, Nachname, Mailadresse, Passwort. Zackbumm, fertig. Natürlich muss man im weiteren Verlauf noch seine Kontoverbindung für die Bezahlung angeben (die ersten 7 Tage sind kostenlos zur Probe, danach kostet Zwift 14,99 Euro pro Monat) und kann seine persönlichen Angaben weiter verfeinern – aber die reine Anmeldung „um rein zukommen“ hätte einfacher nicht sein können.

3. Smart Trainer und Herzfrequenzsensor verbinden

Nun bin ich einer von ihnen. Zwift-User. Ich seufze kurz, tippe dann aber schnell auf mein Benutzerprofil. Auf dem Bildschirm wird mir nun eine ganze Reihe von Auswahlmöglichkeiten angeboten:

Zwift Anmeldung Auswahl

Ich verlasse mich auf meinen Instinkt, wähle im ersten Moment „Stromquelle“ und „Herzfrequenz“ aus, die mir umgehend via Bluetooth zum koppeln angeboten werden. Die „Trittfrequenz“ wird automatisch dazu geschaltet, was vermutlich an der Intelligenz des Neo 2T liegt. Ich streichle ihn kurz und tippe dann auf die Schaltfläche „Los geht’s“, die erscheint sobald man eine Auswahl getätigt hat.

P.S.: Für das komplette Zwift-Vergnügen empfehle ich euch, auch „Steuerbar“ auszuwählen. Ich konnte bei meinem ersten Versuch nichts mit dieser Schaltfläche anfangen und habe es einfach ausgelassen (auch weil das Symbol mit dem Hinterrad und Reifen auf der Rolle irgendwie nicht so passend aussah im Vergleich zu einem Smart Trainer). Allerdings funktionieren ERG- und SIM-Modus nur dann, wenn man diese Schaltfläche ebenfalls auswählt und somit aktiviert! Grundvoraussetzung ist natürlich, dass ihr einen entsprechenden Smart Trainer nutzt, der die technischen Voraussetzungen mitbringt. Logisch.

P.P.S.: Der ERG-Modus ist optimal für Trainingseinheiten, bei denen ein voreingestelltes Programm absolviert werden muss (bspw. Intervalle). Die Rolle regelt den Widerstand so, dass man als Fahrer:in nur noch treten muss und sich voll und ganz auf das Erreichen des Trainingsziels konzentrieren kann – man muss also nicht mehr schalten und unabhängig von der Trittfrequenz werden die Wattzahlen gleichmäßig gehalten. Der SIM-Modus hingegen ist fürs „freie Fahren“ bestens geeignet – die Rolle simuliert dann beispielsweise Steigungen und Abfahrten (der Widerstand wird schwerer bzw. leichter und durch Schalten kommt man dem Fahrerlebnis von draußen ein wenig näher) und ggf. sogar unterschiedliche Untergründe. Als es bei meiner ersten Passage über Kopfsteinpflaster gerattert hat wie bekloppt, hat es etwas gedauert, bis ich darauf gekommen bin, dass es an der Simulation liegt.

  • Zwischenfazit zu ERG- und SIM-Modus
    Meiner Meinung nach wird das Rollefahren dadurch nicht nur kurzweiliger (freies Fahren im SIM-Modus), sondern das Training auch noch deutlich effektiver durch genaueres Erreichen der Vorgaben (gesteuertes Fahren im ERG-Modus).

4. Überblick verschaffen

Ha! Ich bin drin! Plötzlich erwacht der kleine Junge in mir, der wie damals mit dem Game Boy in der Hand zum ersten Pokèmon zocken durfte, gebannt und interessiert auf den Bildschirm starrt. Also mache ich mich auf Entdeckungstour und tippe jeden Button, der mir angezeigt wird. Auf Anhieb erschließt sich mir die volle Bandbreite des Angebots von Zwift: Ganz oben sehe ich die unterschiedlichen Welten, in denen ich diverse Strecken fahren kann. Darunter kann ich über den Punkt „Training“ fertige Programme auswählen und einfach abtrainieren, Trainingspläne kann ich auch absolvieren und sogar mein eigenes Programm erstellen.

Was mir bei meinen ersten Minuten auf Zwift allerdings am Besten gefällt, ist die Tatsache, dass ich eigentlich gar kein Vorwissen benötige. Also klar, wenn ich tief einsteigen will und alle Funktionen komplett ausschöpfen möchte, dann gibt es noch viel zu lernen. Aber für den Anfang reicht die intuitive Bedienung vollkommen aus, um mich weder abzuschrecken, noch zu überfordern, sondern mich mit Spaß zur ersten Trainingseinheit zu leiten. Meine anfängliche Skepsis war also schnell vergessen und die wichtigste Erkenntnis zum Anfang meiner digitalen Triathlon- und Radsportkarriere lautet: Zwift ist einfach. Man muss es einfach mal probieren, auch wegen der 7-tägigen Probezeit gibt es eigentlich nichts zu verlieren.

Zwift: Wie ich es fürs Training nutze

Warum ich Zwift nach insgesamt 15:30 Stunden Training wirklich super finde, es als den Heilsbringer fürs Rollefahren und Revolutionär in Sachen Indoortraining sehe, verrate ich euch in einem nächsten Blog. Übrigens: Zur Beziehung zwischen meinem Avatar und mir, werde ich auch noch berichten.

2 Kommentare

  1. Hallo,

    Ich habe mir jetzt die Seite zum Thema Zwift durchgelesen und es hat mich mehr neugierig und interessant gemacht ☺️
    Wie kann ich dieses Thema weiter lesen? Würde mich über eine Antwort sehr freuen!

  2. Ich bin primär HM, Marathonläufer und hier mit 7-8 Einheiten pro Woche auch durchaus ambitioniert.

    Dennoch schätze ich das Radfahren und insbesondere die Rolle SEHR! Sie macht mich unabhängig von Zeit/ Wetter usw.

    Auch Zwift habe ich im vergangenen Winter sehr intensiv genutzt. ABER mir fehlt die Abwechslung. Es gibt streng genommen 4-5 Strecken die sich IMMER WIEDER WIEDERHOLEN. Es gibt quasi NULL Weiterentwicklung / Veränderung. Und das bei monatlich hohen Gebühren (für was eigentlich!?)

    Die Konkurrenz, insbesondere FulGaz, kann quasi alles was Zwift auch kann. Meine Trainingspläne kommen von meiner Trainerin über TP nach FulGaz und ich fahre jeden Tag ob im ErgMode oder einfach so eine neue traumhafte Strecke!

    Abschließend möchte ich Zwift nicht schlechtreden… es funktioniert! Mehr aber auch nicht. Ich empfinde es als Stillstand/ Innovationslos auf hohem Niveau…