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Auch Kritik aus der Szene: Austausch im Sinne der Zukunft

15. September 2020


IRONMAN 70.3 Men's World Championship

Ich will ehrlich sein: Dieses Blogthema habe ich nicht wirklich kommen sehen. Nach der Vorstellung des Pushing Limits Race gestern und der Bekanntgabe der Startlisten heute, folgte ein bombastisches Feedback. Alle haben Bock. Aber es erreichte uns auch Kritik. Der initiale Gedanke des Rennens liegt darin, Aufmerksamkeit für den Profisport zu schaffen. Daher sollen auch alle Perspektiven beleuchtet werden.

Nach dem aufregenden Start in die Woche und dem Rush der letzten Wochen sind wir offensichtlich in der Hektik der Race Week angekommen. Dass das Pushing Limits Race ein so großes Interesse weckt, hatten wir natürlich im Vorfeld gehofft. Wenn es dann aber auch so kommt und die Vorstellungen sogar übertroffen werden, dann fühlt man sich ein bisschen benebelt und dusselig. Ein herrliches Gefühl. Ein Hochgefühl!

Unter die große Freude über das Rennen, die Startlisten und den angekündigten Livestream, hat sich allerdings auch Kritik gemischt. Und schon immer liegt uns allen von Pushing Limits jeder kritische Kommentar schwerer im Magen als uns all die positiven beflügeln. Dementsprechend habe ich den Vormittag damit verbracht, das Telefon in die Hand zu nehmen und mich der Sache und den Kritikpunkten zu stellen.

Kritik zusammengefasst im Überblick

In den Telefonaten mit Christian Kramer, einem arrivierten Triathlon-Profi mit Ironman-Background; mit Lukas Krämer, einst schnellster Age Grouper auf Hawaii und mittlerweile in Doppelfunktion als berufstätiger Feuerwehrmann und Triathlon-Profi aktiv; und mit Torsten Neufeld, einem Szeneinsider des Triathlons, kamen schnell die Schlüsselstellen auf den Tisch.

Im Grunde genommen ging es vor allem um die Fragen, wie die Startfelder zustande gekommen sind, weshalb keine Möglichkeit für alle Profis bestand, um sich anzumelden oder zu qualifizieren, warum wir nicht mehr Athleten oder mehr Startgruppen zulassen oder nicht eine andere Location wählen, wo das möglich wäre. Kritikpunkte, die ich nachvollziehen kann und die wir selbstverständlich ernst nehmen. Und was hilft in so einem Falle besser als das persönliche Gespräch und der Versuch von Aufklärung?

Einordnung zu den genannten Punkten

Also los: Es ist etwa sechs Wochen her, da wurde klar, dass die Aktion mit so einem Rennen möglich wird. Wir haben darin die Chance gesehen, um dem Profisport – und dementsprechend einigen Profis – eine Bühne geben zu können, um zu racen. Anfangs war die Maßgabe, dass maximal acht Teilnehmer dabei sein können. Dann konnte Platz für 16 Athleten geschaffen werden und in letzter Instanz und wirklich mit größter Hingabe aller Beteiligten sogar möglich gemacht werden, dass 40 Athleten (24 Männer, 16 Frauen) starten können.

Zum Zeitpunkt der Entstehung hätten wir nirgendwo anders das Rennen in dieser Form umsetzen können, als an der Location und dem Support der involvierten Personen vor Ort, wo wir nun sind. Es ist schön zu sehen, dass die Idee und das Konzept offensichtlich so interessant ist, dass man daraus noch mehr machen könnte, aber auch da wollen wir ehrlich sein: Ohne jegliche Erfahrung in diesem Bereich (vor allem in Sachen Live-Coverage) hätten wir uns mehr als das, was jetzt in dieser Woche und am Sonntag passiert, auch schlicht und einfach gar nicht zugetraut. Unter diesem Gesichtspunkt – und ohne überheblich klingen zu wollen – sind wir eigentlich schon mächtig stolz darauf, dass so ein Rennen dieses Jahr noch passiert.

Die Idee einer öffentlichen Anmeldung oder sogar einer Qualifikation für das Pushing Limits Race ist cool und vielleicht sogar sinnvoll – in Zukunft. So weit haben wir am Anfang jedoch nicht gedacht und wahrscheinlich wäre auch hier der gewählte Modus am Ende der falsche gewesen. Denn eines haben wir mittlerweile gelernt: Man wird es nie allen Recht machen können. Ganz sicher wollten wir niemanden ausgrenzen, ausschließen oder vor den Kopf stoßen.

Wir möchten einfach, dass die Bühne des professionellen Triathlonsports endlich wieder bespielt wird.

Für dieses Rennen erschien es uns als einzige Möglichkeit, über Netzwerk, Kontakte und direkten Austausch zu den Athleten die Startplätze zu vergeben. Nicht ohne Grund haben wir bis zur letzten Minute die Füße still gehalten und gehofft, dass dieses Unterfangen mit dem Rennen nicht die Runde macht oder an die große Glocke gehangen wird, bevor wir selbst einigermaßen Klarheit darüber hatten, was und wie das alles überhaupt laufen soll. Dieses beknackte Jahr macht schließlich vor nichts Halt.

Als irgendwann die vorläufigen Startfelder  voll waren, waren wir unbeschreiblich glücklich. Einfach weil wir so viel Bock auf Race Action haben und es eine richtig geile Mischung aus Top-Athleten geworden ist, die wir für die Sache begeistern konnten und es in der Szene doch noch ein Highlight für Triathlonfans geben kann. Aus Idealismus übrigens: Denn zu diesem Zeitpunkt stand für die Athleten kein Preisgeld zur Verfügung, keine Prämien, gar nichts. Es gab nichts, außer der Chance endlich wieder zu racen. Dass die PTO die beiden Profi-Rennen der Frauen und Männer mit Preisgeld unterstützt oder dass wir noch weitere Prämien- oder Bonuszahlungen vergeben können, hat sich alles erst ergeben, als der Drops gelutscht war.

Jetzt schon Learnings für die Zukunft

Das nehmen wir jetzt also schonmal mit in die Zukunft: Sollte sich das Pushing Limits Race wiederholen – was wir natürlich hoffen, wenn diese Woche erfolgreich verlaufen ist – dann müssen wir über die Kapazitäten und die Größe des Teilnehmerfelds nachdenken. Außerdem müssen wir eine Möglichkeit schaffen, dass interessierte Athleten die Chance haben, sich für eine Teilnahme zu bewerben oder zu qualifizieren. Gleichzeitig verstehen wir die Kritik überhaupt nicht als Kritik an der Sache, sondern an einzelnen Komponenten und Dingen, bei denen wir versuchen werden, sie einfließen zu lassen und besser zu machen.

Spot on: Lasst uns die Woche genießen!

Hoffentlich hilft das, um ein bisschen Verständnis bei denjenigen Athleten zu schaffen, die das Ganze kritisch betrachtet haben. Wie gesagt werden wir im Laufe der nächsten Woche noch viele Details zur Entstehungsgeschichte, den involvierten Personen, den Bedingungen des Rennens und vielem mehr erzählen. Fürs Erste wollen wir uns jetzt aber auf das Rennen konzentrieren und die Chance nutzen, um die Aufmerksamkeit bestmöglich mitzunehmen und richtig fette Wettkämpfe zu erleben und euch per Live-Coverage nach Hause zu bringen.

Wir freuen uns auf ein Rennen mit zwei extrem starken Profifeldern. Auf eine knackige Mischung aus jungen Wilden und erfahrener Spitzenklasse, Kurzdistanz gegen Langdistanz, offene Kämpfe um die Top-Platzierungen und natürlich sind wir extrem gespannt, welche Athleten am Ende als Siegerin und Sieger in den Zielkanal einbiegen werden.