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Hate statt Hang Loose: Es weht ein anderer Wind durch die Triathlonszene

04.08.2022 · 4 Min. Lesezeit · von Niclas

Hate statt hang Loose

Drei Wochen Sommerferien: ganz viel Zeit offline und den Triathlon mal Triathlon sein lassen. Tat gut. Mittlerweile bin ich wieder online – und irgendwie enttäuscht. Steckt unser guter Freund Triathlon in einer handfesten Krise? Ein Kommentar über Hate statt Hang Loose und Leistungssport-Luxus.

Okay. Natürlich habe ich die letzten drei Wochen nicht komplett verschlafen. Da ich mir über die Sommerpause jedoch Funkstille verordnet hatte, ließ ich Dinge unkommentiert, die ich sonst wahrscheinlich im Blog längst aufgegriffen oder im Podcast mit Nick diskutiert hätte.

Ich weiß nicht, ob ich damit alleine bin, aber irgendwie vermisse ich die Leichtigkeit, die gute Laune und diese Alle-Haben-Bock-Auf-Triathlon-Stimmung. Mit wenigen Ausnahmen, wird zur Zeit gefühlt vor allem Trübsal durch die Triathlonwelt geblasen. Der Coronaschleier liegt zwar (aktuell) nicht mehr über der Szene, aber haben die letzten zwei Jahre doch mehr Spuren hinterlassen?

Braucht der Triathlon gerade Werbung in eigener Sache?

Wir Triathleten sind schon immer anspruchsvoll, meinungsstark und selten zurückhaltend mit Kritik gewesen. Das macht die Szene aus und war stets Zeichen dafür, wie wichtig uns der Sport ist und wie sehr er uns am Herzen liegt. Allerdings habe ich das Gefühl, dass sich einige dieser Eigenschaften zuletzt so sehr verstärkt und verschärft haben, dass es dem Triathlonsport nicht unbedingt gut zu Gesichte steht. Wie soll Werbung für den Sport funktionieren, wenn die ganze Szene meckert?

Aber sprechen wir nicht über Werbung für den Sport. Ich finde, dass die Absicht im Moment gar nicht sein muss, dass die Triathlonszene wachsen und boomen soll. Erstmal müssen wieder alle Beteiligten zufrieden werden und Spaß an der Sache haben. Und nochmal: Korrigiert mich gerne, wenn ich mit meiner Annahme falsch liege.

Was ist eigentlich aus Hang Loose geworden?

Hang Loose war mal der Inbegriff des Triathlons. Eine lässige Geste, die ihren Weg von Hawaii zu dem Symbol unter Triathleten gemacht hat. Hang Loose, das bedeutet so viel wie: „Alles cool“ oder „bleib locker“. Ein Überbleibsel alter Triathlon-Tage, das kaum noch zu dem Wind passt, der mittlerweile durch die Szene weht.

Hawaii war eines dieser Aufregerthemen der letzten Wochen. Ein hartes Fazit all der Diskussionen könnte so lauten: Glanz und Gloria alter Tage sind verspielt, der Mythos dahin.

Worauf müssen wir uns zukünftig einstellen? Zwei Renntage mit doppelt so vielen Teilnehmer:innen wie bisher, eine komplett überlastete Infrastruktur auf Big Island und nicht zu letzt die Annahme, dass sich die horrend gestiegenen Preise für den Traum von Hawaii manifestieren dürften.

Warum es egal ist, was wir von Ironman halten

Die Triathlonszene findet das blöd. Jedenfalls größtenteils. Und das kann ich gut verstehen, schließlich bin ich auch kein Fan dieser Entwicklung. Ganz besonders stört mich daran aber vor allem ein Aspekt: Es ist völlig egal, wie wir es finden. Und ja, es mag sein, dass die guten alten Zeiten vorbei sind. Dass der Punkt der maximalen Kommerzialisierung des Hawaii-Mythos gekommen ist. Oder, dass das Konzept einer Age Group-Ironman-Weltmeisterschaft zunehmend die Akzeptanz verliert.

Denn: Es ist ein Geschäft, dass sich für Ironman lohnt und aufgehen wird – genau so lange nämlich, wie: 1. Alle Kona-Slots über den Tresen wandern. Und 2. Sich nicht nur die komplette Szene dafür interessiert, welche Profis den Ironman Hawaii gewinnen, sondern explizit eine breitere Öffentlichkeit damit erreicht wird. All denjenigen, die mit Triathlon das ganze Jahr nichts am Hut haben, aber schwer beeindruckt von den zweifelsohne beeindruckenden Leistungen der Profis auf Hawaii sind, ist es nämlich vollkommen Wurst, was „die Szene“ davon hält, was Ironman so anstellt. Die ganze (berechtigte) Aufregung ist für die allerwenigsten nachvollziehbar, die einfach nur über den Ironman Hawaii staunen – sonst aber überhaupt nichts mit dem Sport und der Historie zu tun haben. So bitter es klingt, aber: Funktionieren Punkt 1 und 2, funktioniert das Konzept.

Das nächste Buzz-Word: Dresden. Diese Büchse der Pandora möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst aufmachen. Lena hat dazu bereits einen hervorragenden Agegrouper-Blog geschrieben: Ironman 70.3 Dresden – Anything is possible.

Schaut euch um: Es gibt was zu entdecken

Nun stehen wir da. Der größte Triathlonveranstalter macht was er will und sorgt für viel Ärger. Was tun? Wie wäre es mit: Hang loose? Ironman soll machen, was Ironman machen möchte. Ist doch egal. Schaut nach rechts und links, dort gibt es verdammt viel zu entdecken. Vielleicht findet ihr dort Veranstaltungen, die nicht ganz so viel Brimborium und Klimbim bieten, dafür aber liebevoll organisierte Wettkämpfe. Habt Spaß! Manchmal lohnt es sich nicht, sich aufzuregen, sondern gut gelaunt und mit viel Bock auf Triathlon einfach die Richtung zu ändern.

In diesem Sinne. Bis in Kürze, euer Bocki

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