Blog
Rookie-Report – Ausgebremst durch Corona: War’s das jetzt mit der Saison?
Okay, okay, es war ein bisschen ruhig im Rookie-Report in den vergangenen Wochen. Aber das hatte einen Grund – und der fing mit Corona an und hörte mit der Frage auf: War’s das jetzt mit sämtlichen Zielen in dieser Triathlon-Saison? Eine Frage, vor der aktuell viele stehen dürften …
Rückblende: Wehmütig scrolle ich durch meinen Insta-Feed. Die einen sind im Trainingslager, die anderen zeigen sich fröhlich pedalierend in der Frühlingssonne, wieder andere feiern die erste Race-Week der Saison. Alles voller Triathlon – nur bei mir nicht. Mit einer Extraportion Zuversicht nehme ich einen Schluck aus meiner Kaffeetasse und rede mir innerlich zu, da auch irgendwann wieder hinzukommen. Zurück zu so etwas wie Triathlon. Nur eben nach Corona.
Nimm das, Corona!
Immerhin: Heute ist Tag zwei ohne positiven Corona-Test. Das ist doch was! Ich darf wieder mein Kind umarmen, vor die Tür gehen, am Leben teilhaben. Und doch fehlt da etwas, das einen großen Teil in meinem Leben ausmacht: dieses Schwimmenradfahrenlaufen-Ding; die heilige Dreifaltigkeit; der Dreiklang, der mich in Balance bringt, mir Ziele, Antrieb, Sinn gibt; der Sport, der mich wirklich fasziniert – nennt es, wie ihr wollt. Triathlon eben.
Mit einem Ruck ziehe ich die Schnürsenkel meiner „guten“ Laufschuhe zusammen. Ihr wisst schon, dieses eine Paar, das man an Tagen anzieht, an denen man in Race-Stimmung kommen will. Bei mir also das Paar, das ich mir als letzten Motivations-Push vor dem ersten Triathlon gekauft hatte und das mich über die Ziellinie beim Allgäu Triathlon trug. Ein symbolischer Akt!
„Vielleicht bringt’s ja was!“, murmele ich und lasse die Tür hinter mir ins Schloss fallen. Auf geht’s – zu einem 20-minütigen Spaziergang. Denn genau das steht in meinem Trainingsplan. Obwohl in 12 Wochen meine erste Mitteldistanz anstehen sollte …
Rechenspiele und andere Agegrouper-Sorgen
Diese Szene ist jetzt fünf Wochen her. Fünf Wochen, in denen ich zwischen Motivation, Desillusion und Ratlosigkeit getaumelt bin. Aber auch fünf Wochen, in denen mir mehr denn je bewusst geworden ist, wie wichtig mir Triathlon ist – oder ganz generell: sportlich aktiv sein zu können.
Aber auch fünf Wochen, in denen ich Geduld beweisen musste. Geduld, die ich eigentlich nicht habe und die durch so manche Rechnerei auf die Probe gestellt wurde. Denn der eine (durchaus legendäre) Corona-Infektions-Abend hätte für mich als Agegrouper teuer werden können. En detail: ein halbes Jahr Trainingsbetreuung, drei Mitteldistanz-Meldungen – und, zack, sind knapp 3.000 Euro weg. Blöd. Welcome to Agegrouper reality!
- Zum Thema Motivation
Warum es sich lohnen kann, einfach mehr zu fluchen, verrät Carola hier!
Schwimmen, Radfahren, Laufen – und die Herzfrequenz fährt Achterbahn
Im Klartext: Es dauerte keine drei Tage und aus der Freude, das Zeug endlich wieder aus meinem Körper herauszuhaben, wurde ein großes Fragezeichen. Denn so groß meine Motivation auch war, bloß mein Leben und meinen Sport wieder genießen zu können, so deutlich waren die Zeichen meines Körpers.
Selbst bei einer 7er-Run-Pace driftete meine Herzfrequenz in ungeahnte Sphären gen 180 ab – und, ja, das ist selbst für mich nicht normal. Beim kleinsten Anstieg auf dem Bike hechelte ich bei einer Radtour meiner Begleitung hinterher. Und beim Schwimmen mit einer durchschnittlichen HF von 170 aus dem Wasser zu steigen, machte dann auch mir deutlich: Verdammt, der Weg wird lang. Ausgerechnet bei mir, die eben keine Wahnsinns-Grundlage mitbringt! Die ganze Mitteldistanz-Nummer war ohnehin und von Anfang an ein knappes Höschen gewesen. Und die Zeit, die mich Corona gerade kostete, tat ihr Übriges. Fazit: ausgebremst.
Corona-Chaos: Aus der Traum von der Mitteldistanz?
Die Nachricht an meine Trainerin ließ nicht lange auf sich warten. Schluchzend tippte ich die eine Frage, die mir tagelang im Kopf herumgespukt hatte, in die Tasten: „Ganz ehrlich: War’s das jetzt mit der Saison?“. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten und war wohl die Beste, die man einem Agegrouper im emotionalen Tief nur geben kann: „Ganz ehrlich: War’s das jetzt mit der Saison?“. Denn die Message war klar: Lena, es liegt an dir, wie und ob wir aus der Nummer wieder rauskommen! Mein Ehrgeiz war geweckt, die Lust, meinen Körper wieder in die Spur zu bringen auch – #fckcorona.
Der eine oder andere mag mich zwar dafür belächeln, finanziell viel in Triathlon investiert und mir auch ohne krasse Wattzahlen, Pace und Top-Performance eine Trainerin zur Seite geholt zu haben. Aber zur Wahrheit gehört auch: In genau dieser Situation zeigte sich „the beauty of coaching“ nicht nur, sie zahlte sich auch aus. Denn dass etwas mit meinem Körper nicht stimmte, das konnte selbst mein kölsches Gemüt nicht schönreden. Ich hätte es aber sicher überhört, wenn ich damit allein gewesen wäre. Ich kenn mich, bin schließlich Anfang 30 und weiß, dass ich zu Übermut neige. Gerade dann, wenn’s um Triathlon geht.
- Zum Thema
Diese Eigenschaften bringen dich im Triathlon als Agegrouper (vermutlich) weiter!
Zurück zum Training nach Corona – oder: „Ohne EKG keine Intervalle!“
Aber spätestens, als der Satz „Ohne EKG keine Intervalle!“ fiel, realisierte eben auch ich: Die Sache würde ernster und langwieriger werden. Denn die Ansage war klar, mit einigen Wochen Abstand zur Infektion beim Hausarzt vorstellig zu werden und einen Check-up samt EKG und Blutbild machen zu lassen. Ohne ärztliche Freigabe konnten weder Intervalle, noch ansatzweise leistungsfördernde Maßnahmen im Plan stehen. Es wäre also bei den Spaziergangs-Sessions geblieben. Und, nein, dafür brauche sogar ich keinen Coach. Also füllte ich erst einmal einen Bewerbungsbogen (kein Witz!) beim potenziellen neuen und chronisch ausgebuchten Hausarzt aus, wartete brav den Termin ab und ließ mich checken. Vorbildlich, aber – ich geb’s ja zu – irgendwie auch nervig.
Machen wir’s kurz: Letzte Woche hielt ich es dann endlich in den Händen, das langersehnte Attest. Noch viel schöner war allerdings der Moment, beim Blick in Trainingpeaks. Denn da stand in großen Lettern endlich wieder eine Session-Bezeichnung, die ich absurderweise wirklich vermisst hatte: Rolle GA 1/2 mit 2x4x30 sec. VO2max 90%. Amen.
Yes, I’m back on track – und der Rookie-Report damit auch! Denn auch wenn Corona einiges auf den Kopf gestellt hat, an einer Tatsache hat sich nichts verändert: Es sind noch 45 Tage bis zur Challenge Kaiserwinkl-Walchsee. Klingt verrückt und unmöglich machbar. Aber Übermut kann auch Gutes haben.
Mehr dazu in Kürze …
Eure Lena
Weiterlesen
Noch mehr zum Thema

Triathlon
Endlich Bestzeit: Checkliste für deinen perfekten Triathlon-Plan

Blog
Training in und nach der Schwangerschaft: 5 Fragen und Antworten rund um den Beckenboden

Anzeige Triathlon
Die beste Triathlon-App? Warum der Pushing Limits Club alles verändert

Blog
Neues Triathlon-Buch: Die Kunst des Triathlons