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Super League, EM & Co.: Warum die kurzen Rennen so wichtig für den Triathlon sind

20. September 2022


Super League Triathlon München

Es war der Sommer der kurzen Rennformate – und was für einer. Denn mit gleich mehreren sportlichen Highlight-Events betrieb der Triathlon 2022 damit vor allem beste Werbung für sich selbst. Zeit für ein Plädoyer für die ganz schnellen Nummern!

„Zu komplex!“, „Zu bunt!“, „Zu weit weg von dem, was Triathlon eigentlich ist!“ – huiuiui, ich erinnere mich noch gut an die Welle der Kritik, die im Vorfeld der ersten Super League-Austragung in München im September 2021 durch die Szene waberte. Die Skepsis war allgegenwärtig. Und so richtig wussten Basti und ich damals auch nicht, was auf uns zukommen würde, als wir uns mit einer gewissen Unbedarftheit als Content-B-Team für Pushing Limits im Olympiapark wiederfanden. Aber: Es dauerte nicht einmal 30 Minuten und ich für meinen Teil war angefixt. Begeistert von dieser rasanten Art von Triathlon, die ich als Rookie in der halben Corona-Saison so nicht kannte. Angeheizt von der Stimmung an einem ziemlich perfekten Race-Day. Mitgerissen von der Euphorie der Zuschauer, jeden Athleten zu feiern.

Je kürzer, desto zukunftsträchtiger im Triathlon?

Kurzum: Ich kann guten Gewissens sagen, Super League-Fan der ersten Stunde und generell der kurzen Distanzen zu sein – dazu stehe ich. Und inzwischen tun das auch immer mehr, spätestens dann, wenn sie sich das Spektakel einmal live gegeben haben (pssst: Sogar Bocki, der letztes Jahr noch recht skeptisch war, nach einem Mal Super League aber erklärter Fan ist!). Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und sage: All die so skeptisch beäugten Formate spielen tatsächlich eine entscheidende Rolle für die Zukunft unseres Sports.

Super League München

Aber Moment mal: Darf man das angesichts der Ehrfurcht vor Langdistanzen überhaupt sagen? Ist Triathlon nicht eigentlich nur dann Triathlon, wenn er ewig lang, ewig hart und ewig kräftezehrend ist? Zeit für einen Blick auf die Vorzüge der oftmals unterschätzten Kurzformate – und auf fünf Gründe, warum wir die schnellen, neuen und nicht immer normkonformen Races viel mehr feiern sollten!

1. Kurzdistanzen sind der Anfang jeder Triathlon-Geschichte.

Man kann von dem klassischen Rookie-Gedanken „1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren, 10 Kilometer Laufen – klingt doch alles machbar!“ ja halten, was man möchte (und auch gerne darüber schmunzeln). Fakt ist: Wenn es die kurzen Distanzen nicht geben würde, wären viele (Erfolgs-)Geschichten im Triathlon überhaupt nicht geschrieben worden.

Kurzdistanzen sind, entgegen ihres Images, nicht easy-peasy, aber sie klingen machbarer. Sie sind der Anfang jeder Begeisterung, jeder Story, jedes Finishs. Die steile These dahinter: Wenn überhaupt wird der Mythos auf der Langdistanz gemacht – der Triathlet allerdings auf der Kurzstrecke. Oder tatsächlich mythologisch ausgedrückt: Kurzdistanzen sind die Sirenen des Sports, Langdistanzen nur die Skylla.

Super League München Valentin Wernz

2. Kurzdistanzen sind zuschauerfreundlich(er).

Okay, Nachtrag zu Punkt 1: Der Legende nach soll der gesamte Triathlon ja auf die verrückte Idee einer Langdistanz zurückzuführen sein („… and we‘ll call him the Iron Man!“). Aber sein Überleben sichert er sich definitiv auf den kurzen Distanzen. Und zwar dank maximaler Zuschauerfreundlichkeit.

Zu gern würde ich wissen, wie viele der Menschen, die sich bei den European Championships in München an den Strecken der drei Triathlon-Rennen drängten, zuvor noch nie einen Triathlon gesehen, geschweige denn verstanden haben. Wetten, dass der Gedanke „Ach, so geil ist Triathlon?“ häufiger aufkam, als wir es uns als Triathleten vorstellen können …? Die Begeisterung, das Mitfiebern, das Zujubeln – mir geht nach wie vor das Herz auf, wenn ich an diesen Support denke, der den jungen Athleten in München entgegengebracht wurde. Ausgerechnet den Athleten, die im Langdistanz-Hype der Szene oftmals in Vergessenheit geraten oder gar ein Schattendasein fristen.

Dabei sind sie mittlerweile so derbe konkurrenzfähig, dass sie eine viel größere Plattform verdient hätten. Hallo, Staffel- und Damen-Vize-Europameister-Titel für Laura Lindemann! Hallo, Top-10-Ergebnisse für Valentin Wernz bei der Super League! Hallo, Power-Performance von Lena Meißner, Anabel Knoll und Justus Nieschlag bei den Arena Games! Ja, es gibt noch so viele Erfolge mehr zu feiern, aber ich mache hier mal einen Punkt. Fakt ist: Die deutschen Kurzdistanzler mischen vorne mit – und umso mehr Freude hat es 2022 bereitet, zu sehen, dass sie dafür von großem Publikum gefeiert wurden. Weil die Formate auf den kurzen Strecken so spannend sind, dass sie ein breites Publikum begeistern können.

3. Kurzdistanzen bieten Raum für neue Konzepte.

Hier kommt Grund Nummer 1.039, warum ich Triathlon liebe: weil er so viel Spielraum gibt, sich weiterzuentwickeln. Ich will jetzt nicht den altbekannten Fußballvergleich … ach, doch, eigentlich schon. Also: Fußball wird immer irgendwie Fußball bleiben, aber Triathlon kann so viel Varianz aufweisen und hat enormes Entwicklungspotenzial. Die XTerra-Wettkämpfe sind da so ein Beispiel: Sie sind immer noch Triathlon und trotzdem irgendwie eine ganz andere Nummer als jede aalglatte Challenge- oder Ironman-Veranstaltung. Ist doch geil. Selbst unter den Individualisten kann man sich noch mehr individualisieren.

Super League Triathlon München Laura Lindemann

Gerade bei den neuen Formaten zeigt sich auch die „Beauty of Short-Distance-Racing“, also der Grund, warum ich vor jedem Kurzdistanzler mindestens so den Hut ziehe wie vor jedem Langdistanzler: Formate wie die der Super League Triathlon zeigen, wie brutal es ist, all-out zu gehen; welche neuen Geschichten entstehen, wenn aus der Individualsportart schlechthin plötzlich eine Team-Nummer wird; dass man Respekt vor der technischen Raffinesse und dem Speed der Athletinnen und Athleten haben muss; dass Triathlon eben nicht gleich Triathlon ist.

Und all diese neuen Formate sind auch der Grund, warum ich persönlich es kaum erwarten kann, Triathlon auch in Zukunft zu verfolgen: Sie verhindern jede Art des Stillstands sowie der Genügsamkeit mit dem Ist-Zustand – und ist es nicht genau das, was uns alle am Triathlon so fasziniert …?

European Championships München Triathlon

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3 Kommentare

  1. Die Rennen der Super League Triathlon gibt es aber sogar schon seit 2017. Zumindest habe ich da die ersten bei YouTube live verfolgt ✌🏼

  2. Finde dem Team Aspekt auf den Kurzen Distanzen mega interessant ( Team relay, Bundesliga, SLT,…), es ist einfach nochmal ganz was anderes nur für sich selber zu kämpfen oder zu wissen das noch 3/4/5 andere Leute im selben Boot mit dir sitzen. Gerade die Team Vormate der Bundesliga die nicht nur „normale“ Triathlons mit Team Wertung sind finde ich mega.