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Best of Bocki #49 – Noch 13 Wochen bis zum Marathon: „Nur Laufen“ ist auch Sport

Als Triathlet ist man schon irgendwie geschädigt. Das Verhältnis zum „normalen“ Leben ist abhanden gekommen und die Einordnung des sportlichen Tuns fällt mitunter nebst jegliches Raster. Als ich vor einigen Tagen auf die Frage „Was machst Du jetzt eigentlich sportlich so?“ mit „Ich laufe nur noch Marathon“ geantwortet habe, ist mir klar geworden: Nur Laufen ist auch Sport.

Niclas Bock Ehrlich währt am längsten
27. Januar 2020 Blog Laufen Motivation

Manch ein Triathlet mag meinen, dass wir uns als Dreikämpfer am Ende der sportlichen Evolutionskette befinden. Schwimmen, Radfahren, Laufen – wir können zwar nichts richtig, aber immerhin alles ein bisschen. Diese Einstellung hat ihre Tücken. Vor allem dann, wenn man schon etwas länger mit dem Triathlonsport verbunden ist und die besonderen Herausforderungen und der eigentliche Anspruch der Sportart, für einen selbst Realität und gewohnt geworden sind.

Als Keynote Speaker beim Jahres Kick-Off von Indeed Deutschland: Eine einfache Frage hat mich zum nachdenken gebracht. (Foto: Simon Thon)

Fast beiläufig ist mir das in den letzten Tagen bewusst geworden. Beim Jahres Kick-Off von Indeed Deutschland habe ich einen Vortrag über den Triathlonsport, und was man von Triathleten lernen kann, gehalten. Im Anschluss daran kam die Frage auf, was ich persönlich mittlerweile sportlich treibe. Meine Antwort hat nicht nur im Publikum, sondern auch bei mir selbst für eine Mischung aus Lachen und Kopfschütteln gesorgt: „Ich laufe dieses Jahr nur Marathon.“ Es war zwar irgendwie witzig, weil es eine gewisse Situationskomik gab.

Aber wie banal – und leider auch arrogant und fast respektlos – diese Antwort jedoch eigentlich ist, wurde mir erst danach klar.

Denkanstoß: Marathon ist kein leichtfertiges Unterfangen

Wenn man sich Tag ein, Tag aus mit Triathlon beschäftigt, dann wird dieser verrückte, harte und anspruchsvolle Sport irgendwann normal. Und ein bisschen nimmt ein erhabenes Gefühl überhand, das einem ins innere Ohr flüstert, dass es keine sportliche Herausforderung mehr gibt, die man nicht schaffen oder bewältigen kann. Ein gefährlicher Leichtsinn! Denn im Triathlon haben wir es vielleicht geschafft drei Sportarten miteinander zu kombinieren und sie hintereinander abzuspulen – aber an die jeweiligen Herausforderungen, die jede Disziplin für sich bereithält, kommen wir im Triathlon gar nicht heran.

Nur weil ich mal Triathlon auf einem anständigen Niveau betrieben habe, bin ich noch lange kein Athlet, der im Handumdrehen einen erfolgreichen Marathon läuft – so wie es dieses Jahr mein erklärtes Ziel ist. Und ich will ehrlich sein: Ich habe es mir anfangs sicherlich so einfach vorgestellt. Erst jetzt, im Prozess des Marathontrainings, spüre ich wie fahrlässig und kurz gedacht dieser Irrglaube ist.

Natürlich, ich trainiere nicht mehr drei, sondern „nur“ noch eine Sportart. Ich investiere nicht mehr 25 Stunden ins Training, sondern „nur“ acht bis zehn. Ist doch klar, dass es ein Kinderspiel wird… Bullshit! Übrigens: Auch dieser beschriebene Aufwand ist immer noch weit, weit entfernt von dem, was ein Großteil der Gesellschaft als „sportlich normal“ definieren würde.

Ein Marathon ist nach wie vor eine sportliche Leistung, die lange nicht selbstverständlich ist – und damit meine ich erstmal nur, die 42,195 Kilometer überhaupt zu schaffen.

Der sportliche Anspruch: Marathon ist nicht Triathlon

Mein Trainingspensum hat seit Anfang Januar zugenommen. Nach zwei Wochen mit knapp 90-Laufkilometern, habe ich gerade eine Entlastungswoche hinter mir, in der ich „nur“ 56 Kilometer gelaufen bin. In diesen drei Wochen habe ich festgestellt, dass ich mein aktuelles Training, meinen Aufwand für den Marathon, überhaupt nicht mit der Herangehensweise und Einstellung meiner Triathlon-Zeit vergleichen kann.

Aber genau das habe ich immer wieder gemacht und ich glaube, dass ich diesen Vergleich in den nächsten Wochen loswerden muss, möchte ich einen erfolgreichen Marathon rennen.

Unter anderem arbeite ich daran, meinen Laufstil umzustellen. Mein Training hat sich generell verändert – mittlerweile trainiere ich, um ein besserer Läufer zu werden und nicht mehr, um im Triathlon nach der Belastung des Schwimmens und Radfahrens noch irgendwie laufen zu können. Die Anforderungen sind andere.

Warum dann nicht auch die Einstellung anpassen? Meine Zeit als Triathlet war gut und aus meinen Möglichkeiten habe ich vermutlich das Beste gemacht. Es geht nicht darum, diese Zeit zu vergessen, aber jetzt eine neue Denke zu entwickeln, bei der es sich ums Laufen dreht. Und mit dieser Einstellung weiß ich auch, dass es noch jede Menge zu lernen gibt.

Denn „nur Laufen“ ist auch Sport. Und zwar ein anderer als Triathlon. Der Weg vom Triathlon zum Marathon ist ein spannender Prozess, nicht nur mit Blick auf die Leistungsentwicklung im Training, sondern auch, wie sich mein Blick auf die beiden Sportarten – Triathlon und Marathon – verändert. Es ist eine Art von neu gewonnenem Respekt, auch vor dem Triathlon!

 

4 Kommentare

  1. Alles Gute! Ich beschreite gerade den umgekehrten Weg. Von der recht guten Marathonläufern (2:45 mit 42 Jahren) zur hoffentlich guten Triathletin. Im Juni gibts nach einem Jahr in Frankfurt direkt die erste Langdistanz. Trainingstechnisch sind das Welten und Marathontraining kann sehr brutal sein.

  2. Lieber Niclas. Wahre Worte und große Gedanken! Trotzdem und aber hoffe ich, daß dein Ansatz nicht nach hinten los geht. Zu viele Leute haben sich, teils um Schwächen auszumerzen, aber auch um vermeintliche Stärken zu stärken auf „Einzeldisziplinen“ konzentriert. Am Ende sind viele (wieder) im Triathlon gelandet. Ganz liebe Grüße, Peter (Triathlon-Afocionado. Barcelona)

  3. Wie die Gedankengänge sich bei den Sportlern wiederholen. Interessant dargestellt. Habe Radsport (Str/Cross/MTB) betrieben, dann Triathlon und bin jetzt beim Trai-Runnuing, mittlerweile 57 Jahre alt. Habe auch als Multisporti viele andere Sportarten probiert. Man kann jede Sportart bis zum Exzess betreiben und jeder Spezialist hat ein vortgeschrittenes Stadium. Die Anforderungs-/Belastungsstrukturen sind halt unterschiedlich, aber die Grenze nach oben erweiterbar, wobei jeder unterschiedliche Talente dafür mitbringt. Die Diskussion welche Sportart denn nun die schwerste ist habe ich auch schon tausend Mal gehört. Um ein hohes Niveau erreichen zu können benötig man immer viele Jahre. Aber du hast Recht, in seiner Sportart kommt man sich manchmal toll vor, was man kann h d auf welchem Niveau man sich befindet. Man sollte aber immer auf dem Teppich bleiben, denn es bleibt immer die schönste Nebensache der Welt und inner halb der Ausdauersportarten bleibt man ein Ausdauerathlet. Mit machen fast alle Sportarten Spaß. So long Pushin the Limits

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