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Ironman Virtual Club und Racing Series: Die neue digitale Welt von Ironman

02. April 2020



Es sickern langsam weitere Infos und Details rund um den neuen Virtual Club von Ironman durch. Außerdem startet bereits am Freitag – also morgen – das erste Virtual Race. Die Ankündigung lässt vermuten, dass die virtuellen Rennen auf kurz oder lang eine Teilnahmegebühr kosten werden, die Premiere jedoch ist kostenlos. Insgesamt bleiben noch viele Punkte offen, die sich vielleicht in einem Learning-by-doing-Prozess von selbst erklären. Der Ironman Virtual Club: Ein erster Eindruck.

Wider erwarten setzt der Ironman Virtual Club doch auf eine Anbindung zu den bestehenden Software-Programmen, über die Trainingsdaten verarbeitet werden. So bedarf es beispielsweise eine Verbindung zu STRAVA oder Garmin Connect, worüber die erbrachten Trainings- und Wettkampfleistungen in die Ironman-Plattform eingespeist werden – die SUUNTO- und Polar-Konten können ebenfalls connected werden. Im Ironman Virtual Club werden diese Leistungen dann verarbeitet: Die Athleten sammeln Punkte, es werden Rankings erstellt, Benefits verteilt und noch einiges mehr.

Der Login erfolgt über einen Mail-Account, Facebook oder Google-Konto. Es kann auch ein bestehender Ironman-Account verwendet werden, um sich ins neue soziale Netzwerk der Ironman-Welt einzuloggen. Nachdem dann die entsprechende Training-App verbunden wurde, kann es losgehen. Die Entdeckungsreise beginnt.

Ironman VC: Willkommen im Club!

Auf meinem Dashboard kann ich noch ein Bild hochladen, direkt darunter werden dann „Points“ und „Credits“ angezeigt, die ich über den Upload von meinen Trainingsdaten verdiene. Mit den Credits wiederum kann ich im Reward-Programm viele Vergünstigungen auf Partner-Angebote von Ironman freischalten. Mit 315 Credit-Punkten bekomme ich 25 Prozent auf einen Schuh von Hoka, 100 Dollar Nachlass für 1.000 Credit-Punkte auf einen Roka-Neoprenanzug, und so weiter. Das Angebot ist mit neun Produkten allerdings super überschaubar und wirkt auf den ersten Blick nur halbfertig. Besonders premium ist das jedenfalls erstmal nicht.

Ich klicke mich zu den Events. Das Ironman VR1 startet schon morgen, reichlich wenig Vorlaufzeit für interessierte Athleten. Das Format für dieses Wochenende: 5 Kilometer Laufen, 90 Kilometer Radfahren, 21 Kilometer Laufen. In welcher Reihenfolge die Disziplinen und Distanzen erledigt werden, spielt keine Rolle. Wichtig ist nur, dass die Leistungen von Freitag (3. April) bis Sonntag (5. April) erbracht. Die Teilnahme ist erstmal kostenlos.

Allerdings lassen einige Kommentare von Ironman unter entsprechenden Instagram-Postings vermuten, dass es schon bald ein bezahlter Spaß wird, an den virtuellen Rennen teilzunehmen.

Ich versuche das Rennformat besser zu verstehen und durchzusteigen. Die Anmeldung ist über einen Button „Register Now“ möglich, easy. Auch der Upload und die Zuordnung der Leistungen, im entsprechenden Event-Zeitraum, scheint vollkommen automatisch zu laufen, auch easy. Als virtuelle Finishermedaille erhalten alle Teilnehmer nach dem Rennen einen Badge, der im persönlichen Profil angezeigt wird. Mal schauen, vielleicht ist so ein Ding in ein paar Jahren ein echtes Status-Symbol: „Schaut her, ich war von Anfang an dabei“. Eine nette Idee erstmal.

Allerdings, und das finde ich beachtlich, haben sich bereits jetzt weit über 3.000 Teilnehmer für das VR1 angemeldet. Bäm!

Ich suche nach Regeln, Vorgaben, Einschränkungen, Verhaltenshinweisen, irgendwas rund ums Rennen. Und ich werde etwas stutzig, denn es scheint so zu sein, dass die Teilnehmer vogelfrei sind. Das Laufen kann draußen im Wald oder auf dem Laufband erledigt werden, das Radfahren auf der Rolle oder auf der Straße. Einzige Voraussetzung ist, dass die Leistung getrackt wird, um sie später hochladen zu können.

Und das finde ich irgendwie strange und sogar verantwortungslos: Triathleten im Race Mode sind Anarchisten.

Mit diesen virtuellen Rennen – die ganz sicher wieder von ausreichend vielen Athleten sehr ernst genommen werden – werden Sportler angestiftet im Straßenverkehr zu ballern. Jeder, der sein Intervalltraining auf der Straße absolviert, weiß, wie nervig und gefährlich das sein kann. Vor allem dann, wenn aufgrund der Anstrengung die Konzentration nachlässt und man dusselig wird.

Außerdem, und das ist leider so, gibt es immer irgendwelche Lappen, die es nötig haben, bei solchen Möglichkeiten zu bescheißen. Auch hier finde ich keine Regularien, wie nachher eine realistische Einschätzung oder Bewertung der Leistungen passieren soll. Wenn ich also ein „ganz cleverer“ (Achtung, Ironie) Athlet bin, dann absolviere ich das Radfahren mit Rückenwind auf einer Straße, die leicht abschüssig ist, ohne Ampeln und auf bestem Straßenbelag. Und das Laufen am besten auch bergab. Entweder habe ich irgendwas übersehen oder nicht verstanden – oder es ist wirklich nirgendwo bedacht. Bei weit über 3.000 Sportlern nur auf fairen Sportsgeist zu hoffen, ist hanebüchen.

Ironman VR Pro Challenge: Die Profi-Rennen

Die Profis sind auch dabei. Vermutlich werden die Profis stationär auf Laufband und Rolle und per Live-Schaltung gegeneinander antreten. Bei der Premiere diesen Samstag (Frauen) und Sonntag (Männer) werden jeweils vier Profis gegeneinander antreten und bei „Rouvy“ ein Radrennen auf der Strecke des Ironman 70.3 Boulder fahren. Die Aktion kann live bei Ironman Now via Facebook verfolgt werden. In einer älteren Ankündigung hieß es, dass Profis über diese Rennen sogar Preisgelder verdienen können. Auch dazu fehlen aber erstmal nähere Angaben.

Ironman+ und Coaching

Es gibt noch mehr zu entdecken. Unter Ironman+ lassen sich einige Tutorials rund ums Schwimmen, Radfahren und Laufen finden. Auch gibt es dort Informationen und Beiträge über Ernährung, allgemeine Fitness und andere Themen. Eine Art Wissensdatenbank, die mit Sicherheit noch weiter befüllt werden dürfte – denn auch hier ist die erste Auswahl durchaus überschaubar. Ich klicke auf den Reiter „Coaching“. Dort werden Angebote zur Nutzung von Ironman Training-Apps gemacht, die man sicherlich separat nochmal im Blog betrachten kann.

Schon fertig oder erst der Anfang?

Der Ironman Virtual Club ist jetzt da, ein Anfang ist gemacht. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Club an sich auf reges Interesse stößt und von Ironman-Fans und Triathleten gerne und gut genutzt wird. Dieser Teil ist aber auch nicht wirklich re- oder evolutionär. Am Ende ist es ein nettes CRM-System, in dem sich die zahlende oder potentielle Kundschaft von Ironman tummeln kann. Das ist nicht wertend gemeint, sondern unternehmerisch nachvollziehbar und vollkommen legitim.

Gleichzeitig bietet Ironman den Partnern über das Reward-Programm eine weitere Einbindung und Platzierung, sowie direkten Kontakt zur Zielgruppe. Auch das erscheint sinnvoll und wenn die Athleten sich ein paar Rabatte ersporteln können, die sie nutzen können, dann ist auch das eine nette Sache. Ob und wie dieses Programm angenommen wird, muss sich zeigen. Aber es tut niemandem weh.

Die Ironman Virtual Race Series betrachte ich sehr kritisch. Zum einen fehlt es an Regeln und Vorschriften, zum anderen wird es kaum möglich sein, für eine Vergleichbarkeit der erbrachten Leistungen Sorge tragen zu können. Es mag im Individualfall vielleicht eine Motivation sein, dennoch wird es nie und nimmer, auch nicht ansatzweise, ein Triathlonerlebnis schaffen. Es fehlt eigentlich alles, was unseren Sport ausmacht: Die Emotionen, das Flair, die Zuschauer, der Zieleinlauf, und, und, und. Hinzu kommt der vielleicht wichtigste Punkt und zwar, dass die Athleten im Wettkampf-Modus in die freie Wildbahn geschickt werden. Meiner Meinung nach ist das fahrlässig und hier sollte man die Verantwortung nicht einfach so dem Athleten überlassen – auch wenn das die einfachste Argumentation sein mag.

Ich bin gespannt, wie sich der Ironman Virtual Club und die Virtual Race Series entwickeln wird. Ich werde mir am Wochenende bestimmt mal anschauen, wie die Profis gegeneinander racen! Und mit über 3.000 Teilnehmern am ersten „Wettkampf-Wochenende“ ist definitiv ein erfolgreicher Start gelungen. Auch meine kritischen Worte über die Race Series sollen nicht heißen, dass das Unterfangen schlecht ist. Es gibt halt nur noch einige Punkte, die mir nicht ganz fertig gedacht erscheinen.

2 Kommentare

  1. Tach, wollte euch mental unterstützen und euch auf einen neuen Song aufmerksam machen, vergesst Eye of the Tiger, „LPT“ hat euch mit „Iron Man“ eine neue Hymne auf den Leib geschneidert, hört mal rein, dürfte bei alen Online Plattformen zu finden sein!
    Macht weiter so!

  2. Mich würde interessieren ob auch Koppeltraining Aufzeichnungen funktionieren, oder erkennt das Ironmansystem das ganze dann als eine Einheit an ? 🤔

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