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Schmerzmittel-Sponsor: Ironman gibt neuen Partner bekannt
„All day long. All day strong.“ Das ist der Claim, mit dem der neue Ironman-Partner Aleve auf seiner Website wirbt. Aleve ist ein begehrtes Schmerzmittel in den USA. In einer Pressemeldung verkündet Ironman nun hocherfreut die Zusammenarbeit im Rahmen der Weltmeisterschaft auf Big Island. Ironman als Ausdauersport-Aushängeschild Hand in Hand mit einem Schmerzmittel? Eine gefährliche Beziehung.
- Titelbild: Getty Images for Ironman
Die Pressemeldung von Ironman, über die jüngst abgeschlossene Partnerschaft mit dem Schmerzmittel Aleve, liest sich ein bisschen so, als wolle man die Athleten auf die Schippe nehmen. Chief Revenue Officer (verantwortlich für Umsätze und Erträge bei Ironman) Matthieu Van Veen lässt verlauten: „Es ist eine aufregende Zeit für Ironman und die Partnerschaft mit Aleve ist eine großartige Gelegenheit. Aleve gehört zu den Leadern im Gebiet der Schmerzmittel und ist eine Marke, die unsere Athleten verwenden – ob Profi, Weekend Warrior oder Alltags-Sportler.“
Erstens frage ich mich, woher Herr Van Veen weiß, dass alle Triathleten – inklusive Profis, wie er behauptet – Schmerzmittel nutzen? Und zweitens: Wenn dem so ist, dann ist das ein besorgniserregendes Zeichen, das Ironman eher zum Anlass hätte nehmen müssen, Aufklärungsarbeit zu leisten. Mit dieser Partnerschaft und den damit verbundenen und ausgesendeten Signalen beweist Ironman, dass die Beziehung zu den Athleten und zum Sport längst jegliche Grundlage verloren hat.
Die Argumentation von Ironman, wie versucht wird die Partnerschaft zu rechtfertigen, ist ein schlechter Witz.
Matthieu Van Veen weiter: „Wir sind stolz Aleve als Partner bei unserem Event begrüßen zu dürfen. Ob im Training oder nach einem großen Event, diese Athleten brauchen sichere und effektive Lösungen, die ihnen erlauben Muskelschmerzen und Gelenkschmerzen zu behandeln, die sie davon abhalten ihr Bestes zu geben. Das ist der Grund, warum die Partnerschaft mit Aleve für die Ironman Weltmeisterschaft ein Perfect Match ist.“ Das klingt wie gesagt schon alles komisch-ironisch, aber Einen haut Herr Van Veen noch raus:
Aleve wird nämlich Partner der „No Pain, No Gain Mile Challenge“. Wirklich wahr.
Dieses Jahr gibt es beim Ironman Hawaii nämlich einen extra Aleve-Preis, für den Athleten, der diese bestimmte Mile als schnellster bewältigt. Was für ein wahnsinniger Mehrwert für die Sportler. Toll! Oder? Bei dem härtesten Rennen des Jahres, bei dem die Athleten um die Weltmeistertitel in ihren Altersklassen über 3.800 Meter Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer laufen kämpfen – genau dort gibt es einen Preis für die „No Pain, No Gain Mile“. Eine geniale Parodie! Achso, war ja gar kein Scherz.
Spaß beiseite: Aleve, eine gefährliche Partnerschaft
So witzig, wie ich das hier geschrieben habe, ist die Partnerschaft mit Aleve, also einem Schmerzmittel, eigentlich gar nicht. Das weiß auch Profi-Triathletin und Sportmedizinerin Astrid Stienen: „Meines Erachtens ist die Kooperation von Ironman mit Aleve über das höchste verwerflich. Schmerzmittel im Sport sind ein absolutes no Go.“ Damit ist schon vieles gesagt, aber Astrid erklärt die Risiken eindringlich, die Ironman eigentlich hätte bedenken müssen.
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Das sagt Sportmedizinerin Astrid Stienen zu dem Thema:
- „Vor allem der „blind“ Einsatz dieser Schmerzmittel ist ein No Go. Bei Problemen oder gar Schmerzen ist eine Sportpause oder eine entsprechende Reduktion von Umfang und Intensität angeraten, wenn nicht gar Sportpause. Ausdauersportarten stellen eine erhebliche Belastung (durch z.B. Dehydratation, Salzverlust und mechanische Einwirkungen) für den Körper, insbesondere des Herz-Kreislauf-Systems, Magen-Darm-Trakt und Niere, dar. Es kommt teilweise auch zu Schäden an den Organen. Da die Muskulatur vermehrt durchblutet wird, werden Magen-Darm und Niere weniger durchblutet.
- Durch NSAID (Nichtsteroidale Antiinflammatory Drugs, z.B. Naproxen, siehe Aleve) wird die Durchlässigkeit des Magen-Darm-Traktes erhöht, wodurch Bakterien und bakterielle Toxine vermehrt ins Blut übertreten können. Dies belastet den Organismus und insbesondere die Niere vermehrt. Blutungen im Magen-Darm-Trakt und der Niere, sind oft Nebenwirkungen. Es gibt zahlreiche Hinweise und Veröffentlichungen zu den gravierenden Nebenwirkungen und Risiken der Einnahme von Schmerzmitteln im Sport. Wenn scheinbar gesunde Sportler, auch junge, plötzlich sterben bzw. schwere Komplikationen davon tragen (Herz- Kreislauf-versagen, Darmdurchbruch, Nierenversagen) sind es oft die Folgen der Einnahme von Schmerzmitteln.“
Fazit: Eine Partnerschaft als blanker Hohn
Die Aussage von Herrn Van Veen, der bei Ironman wie gesagt für Erträge und Umsätze verantwortlich ist, in Verbindung mit der Schmerzmittel-Partnerschaft ist ein bedenkliches Signal. Konkret die Aussage: „[…] diese Athleten brauchen sichere und effektive Lösungen, die ihnen erlauben Muskelschmerzen und Gelenkschmerzen zu behandeln, die sie davon abhalten ihr Bestes zu geben.“, ist anmaßend, falsch und gefährlich. Ironman ist sicherlich ein Unternehmen, das Geld verdienen muss. Aber um jeden Preis? Wenn es dabei um die Gesundheit von Sportlern geht, dann wirft Ironman mit dieser Partnerschaft und der genannten Argumentation jegliche Verantwortung, die es gegenüber den Athleten geben muss, über Board.
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