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Zukunft von Ironman: Die Hoffnung stirbt zuletzt

31.03.2020 · 4 Min. Lesezeit · von Niclas

Ironman 70.3 WM Nizza Blog

Wohin geht die Reise von Ironman? So heiß diskutiert, wie im Moment, wurde darüber vermutlich schon lange nicht mehr. Morgen wird mit dem „Ironman Virtual Club“ eine neue digitale Plattform vorgestellt, die mit dem Format „Ironman Virtual Racing“ auch eine Möglichkeit für sportlichen Wettkampf bieten soll. Zwischen dem Verkauf des Ironman-Business von der chinesischen Wanda Sports Group an zwei amerikanische Investment-Unternehmen, türmen sich aber auch die Fragen, wie mit der Coronakrise, Rennverschiebungen und -absagen umgegangen wird und natürlich: Was ist eigentlich mit der Kona-Quali?

Morgen ist es soweit, dann erfahren wir mehr über den neuen Ironman Virtual Club und das dazugehörige Race-Format. Und obwohl bisher kaum etwas über die neue App und das entsprechende Angebot bekannt ist, wird unter Triathleten schon recht zuverlässig gemeckert. Das zeigt den schweren Stand, den Ironman mittlerweile hat. Es scheint kaum noch möglich, überhaupt etwas machen zu können, das auf Akzeptanz oder Zustimmung stößt.

Entsprechend gespannt dürfen die Reaktionen auf den Vorstoß von Ironman in virtuelle Welten erwartet werden. Mir geht es da auch nicht anders, allerdings möchte ich nicht vorab etwas bewerten, das ich noch gar nicht kenne. Allerdings – und das hat schon die Runde gemacht – sollen über die App auch Slots für die Ironman 70.3-WM, die dieses Jahr in Neuseeland stattfindet, vergeben werden.

Das würde ich seltsam finden. Aber lassen wir uns mal überraschen!

Jedenfalls soll es eine komplett neue App/Plattform werden und nicht eine Kombination aus Zwift, Strava oder anderen Anbietern von bereits existierenden und funktionierenden Programmen mit virtuellen Competition-Varianten oder Tools zur Trainingsauswertung. Bei allen Sympathien oder Antipathien gegenüber Ironman, sollte man aber davon ausgehen, dass die App sicherlich das ein oder andere interessante Asset zu bieten haben wird. Interessant wird es allemal, wenn es morgen dann mehr Details darüber gibt.

Anderes Thema: Der Ironman-Sommer

Niemand glaubt mehr so wirklich daran, dass in diesem Sommer Triathlons in Hamburg, Frankfurt, Klagenfurt oder Thun stattfinden werden. Und wenn doch, dann dürfte den Teilnehmern mittlerweile bereits der Schweiß auf der Stirn stehen: In den vergangenen Wochen war kein normales Training möglich und das wird auch erstmal noch so bleiben. Entsprechend ungeduldig wartet man auf eine klare Message von Ironman, zur Not auch vor einer behördlichen Anordnung.

Ich denke, dass die meisten Athleten damit leben könnten, wenn die Rennen von Ironman abgesagt werden würden. Nie war das Verständnis für solche Entscheidungen so groß, wie jetzt. Aber die Frage ist, ob Ironman damit leben könnte. Das Eis dürfte ziemlich dünn werden, wenn auf einen Schlag alle eingenommenen (und wahrscheinlich bereits schon wieder investierten) Teilnahmegebühren zurückerstattet werden müssten. Auch deshalb werden die Rennen von Ironman auf Alternativ-Termine verschoben und eben nicht abgesagt.

Die sperrigen Fragen zur Kona-Quali

Ganz unabhängig davon, wie Ironman mit den Rennen umgeht, die nicht wie geplant stattfinden können, ergeben sich daraus weitere Fragen, die ganz wesentlich für das Businessmodell sind.

Denn Stand heute dürften noch 600-800 Startplätze für den Ironman Hawaii nicht vergeben sein, für die Ironman 70.3 WM in Neuseeland sind es meiner Schätzung zufolge noch etwa 2.000 offene Slots.

Einige Fragen dazu habe ich bereits an Ironman geschickt und wahrscheinlich wird es nicht mehr allzu lange dauern, bis es Antworten gibt. Wie sollen die Slots für Kona und die 70.3-WM noch unters Triathlonvolk gebracht werden? Wie sollen sich die Profis für Hawaii qualifizieren?

Wie wird die Slotvergabe für 2021 gehandhabt, wenn Quali-Rennen von diesem Jahr (Frühjahr, Sommer) auf Herbst verschoben werden? Schließlich müssen sie nächstes Jahr wieder zum „normalen“ Termin stattfinden. Werden dann zwei Mal Slots für Hawaii 2021 vergeben? Ein Beispiel, um diesen Fall zu verdeutlichen, wäre der Ironman Südafrika. Ursprünglich hätten dort im März Slots für den Ironman Hawaii 2020 vergeben werden sollen. Allerdings wurde das Rennen auf November verschoben und fällt somit bereits in die Quali-Phase für Hawaii 2021. Der „normale“ Ironman Südafrika dürfte jedoch wie gewohnt im März oder April 2021 stattfinden, denn sonst wäre es ein Jahr ohne Einnahmen durch Teilnahmegebühren.

Wie man sieht: Die Situation ist viel komplexer, als es sich auf den ersten Blick vermuten lässt. Wer mich und meine Meinung kennt – und das sind vermutlich die meisten von euch – der wird wissen, dass ich nicht unbedingt in die erste Reihe der Ironman-Fans gehöre und schnell dabei bin, kritische Worte zu verlieren. Jetzt allerdings wäre das nicht angebracht und ich weiß, wie wichtig es für den gesamten Triathlonsport ist, dass Ironman irgendwie und möglichst schadenfrei durch die Coronakrise kommt. Deshalb wünsche ich mir auch, dass die Präsentation der neuen Ironman Virtual Geschichte ein Erfolg wird und sich die richtigen Antworten auf die Kona- und Slot-Fragen finden lassen.

Man muss es ja nicht sofort abfeiern, wenn es Dinge gibt, die man selbst nicht besonders gut findet, aber man sollte es auch nicht auf Biegen und Brechen verteufeln. Gerade jetzt nicht.

 

 

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