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Boom-Pause: Die größte Schwäche des Triathlonsports

11. Juni 2020


Köln Triathlon Schwimmen

Nach Jahren des Aufschwungs hat der Triathlonsport ein Problem: Der Boom macht Pause. Nicht alle können oder wollen sich damit abfinden. Es ist ein Eiertanz zwischen Veranstaltern und Sportlern, bei dem beide längst aus dem Takt gekommen sind. Die Professional Triathlon Organisation (PTO) gibt auf der Tanzfläche gerade eine besonders schlechte Figur ab.

Manchmal gibt es keinen Grund für Partystimmung. Wir Triathleten und Ausdauersportler können davon ein Liedchen trällern, so ganz ohne Wettkämpfe und Highlights in diesem Jahr. Die einzige Möglichkeit, die bleibt, sind Wettkämpfe in Eigenregie. Eine gute Sache, wenn sich gerade nichts anderes bietet und allemal eine neue Erfahrung und Herausforderung.

Am Ende ist diese Saison aber doch nicht mehr als eine Überraschungsparty, zu der niemand gekommen ist. Sagen wir, wie es ist: Natürlich behält man als einziger Gast gute Miene und versprüht Zuversicht im Überdruss.

Im Hinterkopf die ständige Hoffnung, dass die Farce bald ein Ende hat.

Das sind wir Triathleten nicht gewohnt. Die letzten Jahre waren fett. Immer mehr Wettkämpfe, immer mehr Show, immer mehr los. Und jetzt Nichts. Das trübt nicht nur die Stimmung unter den Sportlern, sondern stellt mitunter auch das Verhältnis zu den Veranstaltern vor eine Zerreißprobe – und das hing vorher schon in so manchem Fall am seidenen Faden.

Es gibt oft kein Richtig und kein Falsch im Leben. Und was im Leben gilt, gilt im Triathlon erst recht. Zumindest bei einem Blick aufs Stimmungsbild. Es gibt keinen Plan für das Szenario der diesjährigen Nicht-Saison. Es gilt: Wie Du’s machst, Du machst es verkehrt.

Der einzige Umgang, der den Veranstaltern in dieser Situation bleibt, lässt sich mit einem Wort beschreiben: Irgendwie.

Das ist es, was gerade jeder versucht. Irgendwie durchkommen, irgendwie was anbieten, irgendwie überleben. Nur eins ist sicher: Als Gewinner verlässt diese Party niemand.

PTO: Der Tritt ins Fettnäpfchen

Machmal gibt es diese Typen, die bewegen sich auf jeder Party wie ein Fisch im Wasser. Ganz egal, welche Situation sich gerade bietet, es folgt immer die richtige Reaktion. Allerdings gibt es auch solche Typen, die bewegen sich wie ein Elefant im Porzellanladen. Sie sind zwar ums vermeidlich Richtige bemüht, landen aber trotzdem im nächsten Fettnäpfchen.

Unlängst hat das die Professional Triathlon Organisation (PTO) im Paartanz mit der Challenge Family geschafft: Gestern wurde frohlockend verkündet, dass vom 26. bis 29. November ein Triathlon-Wochenende im brasilianischen Florianopolis ausgetragen wird. Für die Profis gibt es eine Preisgeldkasse von 60.000 Dollar. Alle anderen dürfen sich auf ein Wochenende mit „Entertainment, Sport und Freizeitmöglichkeiten“ am Jurerê Internacional Beach freuen.

Brasilien und Triathlon – Jetzt?

Aus mehreren Gründen klingt das befremdlich. Haben PTO und Challenge Family nicht mitbekommen, was los ist? In den letzten Tagen hat sich Brasilien zum Epizentrum der Coronapandemie entwickelt. Rund 750.000 Menschen sind dort aktuell infiziert, fast 40.000 Menschen daran gestorben – zuletzt mehr als 1.200 an einem Tag. Ein Ende? Nicht in Sicht. Außerdem wächst dort die politische Unruhe gerade von Tag zu Tag.

Just in diesem Moment halten es PTO und Challenge Family für eine gute Idee, ein fröhliches Triathlon-Wochenende in diesem Brasilien vorzustellen. Um weiterhin das Jargon der Partywelt zu bemühen: Das erscheint mindestens taktlos.

Dieses Jahr ist nicht die Zeit für höher, schneller, weiter.

Auch das angekündigte 60.000 Dollar-Preisgeld (wovon die Sieger*in jeweils 7.500 Dollar erhält) im Rahmen der Challenge Florianopolis wirkt wie unangebrachte Effekthascherei. Mit ihrem ständigen Bezug darauf, wie viel Geld die PTO in den professionellen Triathlonsport pumpt, nervt sie im Moment nur noch. Diese Tatsache verändert den Sport nicht – und das hatte die PTO ursprünglich mit großen Tönen angekündigt.

Verändert hat die PTO bisher gar nichts und nach wie vor ist nichts über die eigentliche Agenda bekannt – Stichworte Regeländerungen, Anti-Doping-Kampf und und und. Ob sich das noch ändert? In diesem Fall ist das Glas zumindest halb leer.

Es muss nicht immer Aufschwung sein

Man kennt das aus jedem Club, von jeder Party: Es gibt immer diese unangenehme Enge, die ungewollten schweißig-warmen Berührungen, den ekelhaft letzten Schluck des Drinks in der Hand, die schlechte Musik. Aber in der Sache ist man dennoch stets vereint: Gute Laune, Miteinander und Gemeinschaft, der dicke Kopp am nächsten Tag.

Im Triathlon ist es jetzt vielleicht auch so, dass vieles ungemütlich und ungut ist. Aber im Kern der Sache sind wir doch alle vereint – der Liebe zum Sport.

Was ich damit sagen will: Nicht jeder Moment muss immer toll sein, es muss auch nicht immer Superlativen geben, damit im Nachhinein trotzdem alles super ist. Die passenden Worte dazu steuert Comedian Bastian Bielendorfer bei: „Denkt dran, am Ende wird eh immer alles gut. Nur davor ist oft echt scheiße.“

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