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Jan-Raphael

Kleines dickes Keule – Jan Raphael macht Schluss

Eine zwölf Jahre lange IRONMAN-Karriere findet am Sonntag beim Maschsee Triathlon in Hannover ihr Ende. Eigentlich sind seine IRONMAN-Siege in Florida (2006) und in Schweden (2014), die beiden IRONMAN Vize-Europameistertitel von Frankfurt, sowie die Erfolge bei der Challenge Regensburg sowie der Challenge Amsterdam schon Gründe genug für eine ausführliche Verabschiedung. Aber Jan „Keule“ Raphael war nicht einfach nur ein sehr erfolgreicher Triathlet. Er ist vor allem eine richtig coole Sau. Keule, die folgenden Zeilen sind für Dich – Du Sackgesicht.

Niclas Bock Ehrlich währt am längsten
06. September 2018

Frühjahr 2011, im Norden Fuerteventuras

Aus Zufall bin ich zur gleichen Zeit am selben Ort wie Jan Raphael, der gemeinsam mit Timo Bracht, Horst Reichel und Georg Potrebitsch ebenfalls zum Trainieren auf die Kanareninsel gekommen ist. Er findet die Insel allerdings „sowas von scheiße fürs Training“, wie ich später noch lernen werde. Genauso wie ich ohnehin noch viele Weisheiten von ihm lerne, die mich bis heute begleiten. Das war also unsere erste Begegnung. Und vorerst sollte das auch unsere letzte bleiben.

Frühjahr 2013, im Club La Santa auf Lanzarote

Erstmals treffe ich erneut auf Keule, der wieder mit Timo, Horst und Georg im Trainingslager steckt. Dieses Mal bin ich in offizieller Mission unterwegs. Es war ein Kennenlernen des damals in den Startlöchern stehenden POWER HORSE Triathlon Teams, das ich in Sachen PR und Kommunikation begleiten durfte. Es lag also in der Natur der Sache, dass ich ab nun auch mit Keule regelmäßiger Kontakt haben sollte.

Sommer 2013, IRONMAN Frankfurt

Es sollte das bis dato intensivste Rennen werden, das ich je am Streckenrand erlebt hatte. Auf der Laufstrecke zündet Keules Dieselmotor und er rennt (das unterstelle ich einfach mal), den Marathon seines Lebens und landet am Ende auf dem 2. Platz auf dem Frankfurter Römer. Als einer von vielen Keule-Fans war ich wie elektrisiert am Streckenrand. Die Freude über dieses Ergebnis war allen Beteiligten anzumerken, allen voran natürlich dem kleinen dicken Keule.

Herbst 2013, Mallorca

Ein romantischer Ausflug lässt Keule und mich zusammenrücken. Am Ende eines Trainingslagers des Teams – das ich nur mit Hängen und Würgen überlebt habe – entschließt Keule bei einer Mitteldistanz auf der Nachbarinsel Menorca zu starten. Ich schließe mich an und das Abenteuer beginnt. Mit Nichts außer unseren Rädern und einem Rucksack, in dem das Nötigste für den Wettkampf steckt, rollen wir in Richtung Fähre und schippern gen Menorca. Dort angekommen radeln wir 40 Kilometer quer über die Insel und beziehen dort unser Quartier. Nach einem „spanischen“ Abendessen verbringt Keule die Nacht lauthals auf der Toilette und kann am nächsten Tag entkräftet nicht an den Start gehen. Das Eis zwischen uns ist endgültig gebrochen.

Winter 2013/2014, Mallorca

Dieses Trainingslager werde ich nicht vergessen. In einer Ferienwohnung hausen Nils Frommhold, Marcus „Kalle“ Herbst, Christian Kramer, Christian Brader, Keule und ich. Sechs Kerle, zwei Wochen, Training und Selbstverpflegung. Logisch, dass das nicht lange gut gehen kann. Bei Keule kippt die Laune als erstes, jeder bekommt sein Fett weg – nur einer ganz besonders: Braderman. Immer wieder entstehen leidenschaftliche Diskussionen zwischen den beiden, vor allem zum Thema Ernährung.

Irgendwann setzt Keule einen gekonnten Schlusspunkt, der jegliche Gesprächsversuche im Keim erstickt: „Brader, Extreme sind immer scheiße. Aber Dein Extrem ist extrem Scheiße.“ Ein echter Raphael!

Sommer 2014, Fuschl am See

In der Vorbereitung auf die Sommer-Langdistanzen haben sich Nils, Sean Donnelly, Keule und ich im Hotel Mohrenwirt einquartiert. Zwar hat Keule ein paar Probleme mit der Achillessehne, trainiert aber trotzdem alles und jeden Kilometer mit. Zwischen den Einheiten verschwindet er plötzlich im Baumarkt und kommt wenig später mit einer Schraubzwinge zurück, mit der er seine Beschwerden in den Griff bekommen möchte. Glaubt es mir oder nicht, aber ich habe mir dann auch eine Schraubzwinge angeschafft, die ich bis heute dazu nutze, um meine Waden ab und zu mal wieder frisch zu machen. Schmerzhaft, aber es hilft. Echt.

Immer noch Sommer 2014, Roth

Vor der Challenge Roth, bei der ich am Start stehen sollte, beziehen Keule und ich einen kurzfristig organisierten Homestay. Positiv ausgedrückt: Wohl haben wir uns dort nicht gefühlt. Wir packen kurzentschlossen wieder unsere Sachen zusammen, nutzen die Gunst der Stunde und ergreifen wortwörtlich die Flucht. Wir sitzen also erstmal ohne Übernachtungsmöglichkeit beim Abendessen, ein netter Kellner hilft uns aber auch der Patsche und ein paar Telefonate später bekommen wir doch noch ein Gästezimmer. Zwei Nächte später, am Race Day, klingelt Keules Wecker, stilecht, mit der Motivationshymne von EMINEM „Lose yourself“.

Nach 24 Jahren Triathlon is’ auch mal gut

Das waren einige Auszüge unserer gemeinsamen Erlebnisse. Für Keule ist jetzt Schluss. Mit 38 Jahren kann er auf eine Karriere zurückblicken, die bereits auf der Kurzdistanz in den 90er Jahren begonnen hat. Seine gesammelten Erfolge können sich sehen lassen:

  • 1. Platz IRONMAN Florida, USA (2006)
  • 1. Platz IRONMAN Kalmar, SWE (2012)
  • 1. Platz Challenge Regensburg, GER (2016 und 2017)
  • 1. Platz Challenge Amsterdam, NED (2016)
  • 2. Platz IRONMAN European Championship Frankfurt (2011 und 2013)
  • 2. Platz IRONMAN Florida (2012)

Jan Raphael Coaching – Erfahrung und Wissen weitergeben

Keule ist ein echter Typ mit Ecken und Kanten. Aber auch mit extrem viel Wissen und einem unfassbar großen Erfahrungsschatz – und einem guten Gespür, was Athleten wirklich brauchen um sich zu verbessern, ganz egal welcher Leistungsklasse. In seiner Karriere hat er nicht nur mit herausragenden Trainern zusammengearbeitet, sondern auch mit den weltbesten Triathleten, zum Beispiel in der Zeit als Athlet im Commerzbank Triathlon Team um Normann Stadler und Timo Bracht, trainiert. All das wird Keule zukünftig als Coach weitergeben. Als wir vor kurzem über seine neuen Pläne gesprochen haben, hat er mir noch erklärt: „Das Wichtigste ist mir die persönliche und individuelle Betreuung der Athleten, mit denen ich zusammenarbeite.“ Dass diese Aufgabe genau das Richtige für Keule ist, daran habe ich keinen Zweifel!

  • Lieber Keule, ich drücke Dir die Daumen für Deine Zukunft als Triathlon-Coach. Ich danke Dir aber auch für die vielen gemeinsamen Trainingsstunden, Wettkampf-Abenteuer und vor allem die geilen Sprüche, mit denen Du immer für beste Stimmung gesorgt hast. Wenn Du mal wieder Bock hast den Arsch versohlt zu bekommen, dann meld’ Dich einfach. Du Sackgesicht.

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