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RECOVERY DIARY #2 | Akte Bocki: Phasenweise vorwärts

06. März 2018


niclas-bock-recovery-diary-tagebuch

Eine Woche mit Gips am Arm liegt hinter mir. Ganz, ganz selten habe ich in so kurzer Zeit so viel über mich und meinen Körper gelernt. Mittlerweile kann ich sagen: Ganz schön spannend. Ich versuche alles so bewusst wie möglich zu erleben und dann für euch aufzuschreiben. Manches ist eindeutig, andere Dinge dauern etwas länger bis ich sie begriffen habe. Am Ende hat aber alles einen Sinn. Anlass für Teil 2 meines Recovery Diary: Ein Phasenmodell.

Dieser Beitrag kann, glaube ich, aus vielerlei Hinsicht interessant sein: Entweder hast Du bereits ähnliche Erfahrungen gemacht und erkennst Dich wieder. Oder aber Du erinnerst Dich irgendwann an dieses Phasenmodell und kannst es Dir zu Nutze machen. Ich bin auf jeden Fall auf eure Meinung gespannt.

Auf einem langen Spaziergang am Wochenende habe ich die Tage nach meinem Trainingsunfall nochmal Revue passieren lassen. Und dabei sind mir einige Erkenntnisse gekommen, so zum Beispiel, dass ich die Zeit problemlos in unterschiedliche Phasen einteilen und differenzieren kann. Wie lange eine solche Phase anhält kann ich nicht sagen, vermutlich ist das abhängig von der Persönlichkeit und der individuellen Einstellung. Dass sich das Erlebte und das Empfinden aber sehr ähnlich sein kann, wenn man in ungewollt negativen Situationen steckt, da bin ich mir fast sicher. So war es also bei mir:

Phase I – Hoffen und bangen

Bitte kein Bruch. Bitte kein Bruch. Bitte kein Bruch. Mit diesem Stoßgebet bin ich letzte Woche ins Krankenhaus gefahren und habe bis zuletzt darauf gehofft, dass ich mit einer starken Prellung oder Stauchung davonkomme. Gewissheit brachte das Röntgenbild, die Gebete wurden nicht erhört. Und von jetzt auf gleich beginnt Phase II.

Phase II – Selbstbetrug

Überraschender Weise war ich im ersten Moment gar nicht so super niedergeschlagen (das folgt aber gleich noch). Im Gegenteil, ich war eher aufgekratzt. Wahrscheinlich eine Art Trotzreaktion, das Nicht-wahr-haben-wollen der bitteren Nachricht, den starken Typen markieren. Im Endeffekt war das aber nicht mehr als ein schlechter Versuch des Selbstbetrugs. Das ging nicht lange so und auf Hochmut folgt der tiefe Fall in Phase III.

Phase III – Das war’s

Allerspätestens nach der ersten Nacht mit Gips, die ich sitzend auf dem Sofa verbracht habe, drehte sich mein Gefühlskarrusel genau in die andere Richtung. Anstatt mir hilfreiche Gedanken zu machen, wie es nun bestmöglich weitergehen sollte, welche Therapieschritte ich unternehmen oder wie ich sportliche Alternativen schaffen könnte, erklärte ich alles für gescheitert: Die Saison war gelaufen. Kein Training, keine Wettkämpfe, keine Ergebnisse, keine Chance durch Leistung das Interesse von potentiellen Sponsoren zu gewinnen. War es letztes Jahr im Juni vielleicht doch der falsche Schritt es nochmal als Profi zu versuchen? Irgendwann stoppte das Gefühlschaos – und versank im Selbstmitleid. Phase IV.

Phase IV – Am Tiefpunkt klingelte das Telefon

Mitte letzter Woche prallte ich am Tiefpunkt auf. Ich saß stundenlang vor dem laufenden Fernseher auf dem Sofa und irgendwie starrte ich doch ins Leere. Ich saß eigentlich einfach nur noch so rum und machte mir weder Gedanken, noch Sorgen. Da war nix an das ich denken konnte. Ich hatte ja alle sportlichen Vorhaben schon innerlich begraben – und geistig habe ich mich direkt dazu gelegt. Und dann klingelte das Telefon. Faris. Die Botschaft seines ersten Satzes: Wir können Roth noch schaffen! Er erklärte mir wie es möglich sein könnte, dass ich am 1. Juli fit bei der Challenge Roth am Start stehen könnte. Und er erklärte mir was dafür nötig sein würde: „Du musst es wollen.“ Das hat gereicht, um mich wach zu rütteln. Junge! Nach vorne denken! Optimistisch, positiv, mutig! Meine Antwort lautete ohne jeglichen Zweifel: „Ich will in Roth starten, dafür gehe ich all in.“

Phase V – Akzeptanz führt zu Geduld führt zu Zuversicht

Ich legte auf, öffnete YouTube und schaute mir alle Wettkampf-Schnipsel der letzten Jahre vom Challenge Roth an, die ich finden konnte. In diesem Moment legte sich ein Schalter um, der Gips war nicht länger Feind, sondern ich erklärte ihn für die nächste Zeit zum Teil meines Alltags. Ein ungebetener Gast zwar, aber auch nicht für immer. Außer geduldig sein bleibt mir nicht viel übrig. Und ist man einmal geduldig, dann kommt ganz schnell die Zuversicht: Wenn ich jetzt keine Fehler mache, dann kann ich bald erste Sportversuche unternehmen. Wenn ich erste Sportversuche unternehmen kann, dann kann ich an ersten Baustellen arbeiten. Wenn bald der Gips durch die Schiene ersetzt wird, dann kann ich mit Krankengymnastik beginnen. Wenn ich mit Krankengymnastik beginnen kann, dann kann ich bald den Arm wieder vollständig bewegen. Wenn ich den Arm wieder vollständig bewegen kann, dann kann ich nach und nach wieder belasten. Wenn Ich den Arm wieder belasten kann, dann kann ich bald wieder trainieren. Mag sein, dass dieser Prozess Wochen in Anspruch nimmt. Aber es ist ein positiver Weg, mit ausschließlich Aussicht auf Erfolgserlebnisse. Rückschläge können passieren, dürfen passieren. Aber ich erwarte sie nicht!

Und genau an diesem Punkt stehe ich jetzt. Gestern habe ich bereits zwei Mal 30 Minuten auf der Rolle gesessen – einarmig ist das nicht bequem, aber es hat funktioniert. Heute versuche ich ein paar Übungen für die Beine im Kraftraum, mal sehen. Dazu werde ich im nächsten Blog mehr erzählen.

Und nächsten Montag bekomme ich die Schiene. Fortschritte erkennbar und mittlerweile sogar spürbar: Kann mir schon wieder selber Nutella-Brote schmieren, die Hose anziehen (und zu knöpfen) und auf die Schmerztabletten verzichten.

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