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Best of Bocki #57 – Ungeheures Abenteuer

14. Juli 2020



Mein Streak Run fand nach 18 Tagen ein jähes Ende. Wobei… so jäh war es gar nicht. Ich hatte es an Tag 16 einfach nur übertrieben und dann die Quittung dafür erhalten. Wie dem auch sei, die Beine sind wieder frisch. Und da ich mittlerweile meine Aufmerksamkeitsspanne für sportliche Ziele kenne, ist das nächste Unterfangen bereits in greifbarer und gleichzeitig unerreichbarer Nähe. Ein Update.

An Tag 16 hatte ich noch einen Blog veröffentlicht und damit geliebäugelt 100 Tage lang nacheinander 10 Kilometer unter 40 Minuten zu rennen. Wäre auch vielleicht gar nicht so blauäugig gewesen, wäre da nicht dieser verdammte Sonntag gewesen.

Ich hatte mich mit meinem Schwager verabredet und so wollten wir den 10er des Tages gemeinsam absolvieren. Wie das eben so ist, wenn man sich darauf einlässt mit Schwager, Trainingskollege oder sonstiger Begleitung Sport zu treiben, wurde nicht lange gefackelt und in den fünften Gang geschaltet. Unnötigerweise natürlich. Vollkommen unnötig. Schließlich wollte ich ja eigentlich nur meine Serie beibehalten und unter 40 Minuten bleiben.

Die 15 Tage zuvor steckten mir zwar in den Knochen, aber ich fühlte mich gut. Und mein Schwager sich auch. An der Ruhr entlang schraubten wir das Tempo (im Vergleich zu allen anderen 10 Kilometer-Läufen der letzten Tage) hoch und stellten den Tempomat auf 3:45 Minuten pro Kilometer.

Dass 10 Sekunden Unterschied pro Kilometer einen solchen Unterschied in der Belastung machen können, war mir nicht bewusst.

Verdammt nochmal lief das gut! Freudestrahlend kamen wir zurück und berichteten von den zurückliegenden 37 Minuten und 28 Sekunden. Dass Tamara wenig Verständnis zeigte und die Begeisterung nicht wirklich mit uns teilte, wunderte mich nur kurz. Es muss der verletzte Stolz gewesen sein, da ich immer noch lief und nicht wie von ihr prognostiziert nach dem dritten Tag verletzt war. Plötzlich fühlte es sich noch besser an.

Bis zum nächsten Tag. Ich kam kaum aus den Federn, Beine schwer wie Blei und ein Körpergefühl wie eine Bratwurst. Mir war nach allem zumute, nur nicht nach nochmal 10 Kilometer laufen. Als ich mich aus dem Zimmer stehlen wollte, grinste Tamara mir hinterher und fragte ungewöhnlich fröhlich: „Na, alles gut?“ Spätestens jetzt war klar, dass ich doch nochmal die Laufschuhe schnüren würde.

Der verhängnisvolle letzte Lauf

Mit Ach und Krach schaffte ich Tag 17. Und für Tag 18 kündigte sich erneut mein Schwager zur Begleitung an. Es herrschte unausgesprochene Einigkeit darüber, dass heute Waffenruhe herrschen sollte. Wir verloren kein Wort mehr über den Lauf von Sonntag und den Leichtsinn, der uns trug. Recht solide schleppten wir uns bis Kilometer 7, doch dann bröckelte unser erlaufenes Zeitkonto.

Bei Kilometer 9 sah es so aus, als könnten wir das Ding sicher über die Bühne bringen. Allerdings verkrampfte 500 Meter vor Schluss meine Wade. Halb laufend, halb hinkend (also ich) brachten wir die 10 Kilometer hinter uns. Nochmal geschafft. Aber es war der letzte Lauf des Streak Runs. 18 Tage in Folge unter 40 Minuten über 10 Kilometer habe ich geschafft, das soll es damit erstmal gewesen sein.

Kann ich das schaffen?

Ein paar Tage später hörte ich mich zu Tamara sagen: „War doch bestimmt ein ganz gutes Training!“ Sie antwortete mit einer Gegenfrage: „Wofür?“ Auf diese Frage hatte ich gehofft: „100 Kilometer laufen, das wollte ich dieses Jahr auf jeden Fall noch ausprobieren.“ Sie antwortete irgendwas mit „mach‘ doch was Du willst“ und ich war zufrieden.

Kurz darauf waren wir im Allgäu und blöderweise kam dort eines zum anderen. Ich glaube, dass Tamara inzwischen verstanden hat, wie ich funktioniere und so lachte sie sich halb kaputt, als sie Freunden bei einem Treffen davon berichtete, dass ich 100 Kilometer laufen will. Was sollte das jetzt? Ich fühlte mich provoziert.

Leider haben sich Anna und Stefan ziemlich interessiert an diesem Vorhaben gezeigt und im Handumdrehen drehte sich das Gespräch um mögliche Strecken für den 100 Kilometer-Lauf. „Oberstdorf wäre doch ein cooles Ziel!“ Mit diesen Worten begann das Dilemma in dem ich heute stecke.

Denn in Oberstdorf entspringt die Iller, ein Fluss der durchs Allgäu bis nach Ulm und dort in die Donau fließt. Als wir im Allgäu gewohnt haben, führte mich eigentlich jeder Lauf am Illerufer entlang und plötzlich stand die Frage im Raum: Wie lang ist eigentlich die Iller? Stefan hatte so schnell Wikipedia zur Hand, dass ich das Unheil gar nicht kommen sah: „146 Kilometer.“

Tamara guckte mich an. Ihr Blick war ein Mix aus „bitte nicht“ und „das schaffst du nicht“. In diesem Moment ergänzte Stefan seine Recherche: „Und es gibt sogar einen Weg!“ Na dann.

Ich war mir sicher, dass eh niemand dieses Gespräch ernst nahm und so sagte ich etwas lapidar: „Ach, die paar Kilometer sind dann auch nicht mehr so schlimm. Kann ich ja im August mal ausprobieren.“ Alle schmunzelten nochmal und dann war das Thema damit beendet. Eigentlich.

Zwei Tage später waren Stefan und Anna nämlich plötzlich mit der Bahn und ihren Rädern auf dem Weg nach Ulm, um die Strecke zu erkunden. Tamara lachte sich kaputt, während sie mir die Nachricht vorlas und ein Beweisfoto zeigte. Mein Urteil war beschlossen: Aus der Nummer komme ich nicht mehr raus!

Ich werde also Mitte August versuchen vom Ulmer Münster, an der Iller entlang, nach Oberstdorf zu laufen. 146 Kilometer. Ob ich das schaffe? Die Chancen stehen schlecht! Also nutzen wir sie. Es ist definitiv ein sportliches Unterfangen, bei dem ich vorher tatsächlich mehr ans Scheitern als ans Schaffen glaube. Und deshalb reizt es mich so.

Etwas zu schaffen, an das man selbst nicht glaubt. Der Gedanke fühlt sich gut an und ich freue mich auf den Lauf und alles was ich an diesem Tag erlebe und über mich lerne.

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