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Pro:blog #13 – Ziele formulieren und Orientierung finden

27. April 2022


Pro Blog Bocki Ziele

Vergangenen Montag bin ich – nach zwei Wochen ohne Sport – wieder ins Training eingestiegen. Nach dem verpatzten Rennen in Südafrika soll es nun über die Mitteldistanz beim Triathlon Ingolstadt zum Ironman Frankfurt gehen. Ein Blog über meine zukünftigen Ziele und was ich als Triathlonprofi erreichen möchte.

Obwohl sich ein Großteil meiner beruflichen Aktivität in der digitalen Welt abspielt, bin ich doch ein ziemlich analoger Typ. Jedenfalls hilft es mir, Dinge aufzumalen oder hinzuschreiben. Zuerst sind es wilde Kritzeleien oder kurzsilbige Notizen, in denen ich versuche, meine Gedanken auf Papier zu bringen – was meistens zu einem ziemlichen Wirrwarr führt. Manchmal wird daraus aber auch etwas konkretes. In den letzten Wochen hat mich verstärkt die Frage beschäftigt, was ich eigentlich erreichen möchte. Wobei es eigentlich einige Fragen mehr waren …

Welche Ziele verfolge ich mit meiner Arbeit rund um Pushing Limits? Und welche Ziele verfolge ich als Triathlet? Wie sieht meine Erwartungshaltung an mich aus? Wo soll die Reise – beruflich, wie sportlich – hingehen? Im Grunde genommen, lassen sich die ganzen Gedankengänge vielleicht so am besten zusammenfassen: Was möchte ich mit der Zeit, die ich ins Content machen und Profi sein investiere, erreichen?

Zurück in die Zukunft: Mein persönliches PRO:ject Learning

Bevor ich meine Antworten darauf mit euch teile, muss ich vielleicht noch kurz in eine andere Richtung ausholen und dafür etwas in der Zeit zurückspulen. Die zurückliegenden Monate haben mir gezeigt, dass es nicht reicht, nur große Ideen zu haben und diese in die Welt zu posaunen. Das PRO:ject war ein Vorhaben, mit dem ich persönlich nur mäßig zufrieden sein kann. Das heißt nicht, dass es nicht gut für Pushing Limits war – es haben sich neue Facetten im Blog und Themen für Podcast-Gespräche ergeben, die sonst sicher nicht aufgekommen wären. Die Transparenz, die wir versprochen hatten, wurde definitiv erfüllt.

Allerdings sind von vielen anderen Dingen, die wir uns vorgenommen hatten, die meisten im Sande verlaufen. Ich denke da zum Beispiel an Themen wie Nachhaltigkeit im Triathlon, Einblicke in die Zusammenarbeit mit Sponsoren, das begleitende YouTube-Format, die „Session der Woche“ auf Instagram oder Updates von unseren Trainern im Podcast. In Summe hat es an drei Dingen gefehlt: Konsequenz, realistische Ziele und einem konkreten Plan.

Müsste ich einen Strich unter meinem PRO:ject ziehen, würde ich sagen: Zu viel gewollt! Und weil ich mich daran messe, was ich mir am Anfang vorgenommen habe, bin ich, wie gesagt, nur in Teilen zufrieden. Gleichzeitig konnte ich dadurch aber Erkenntnisse gewinnen, die ich nun mit in die Zukunft nehme. Und damit können wir jetzt wieder an den obigen Fragen anknüpfen.

Von Zweifeln zu Zuversicht zu Zielen

Schon Anfang des Jahres kamen immer mal wieder Zweifel in mir hoch, ob ich mit dem, was ich da gerade tue (und wie ich es tue), überhaupt noch eine Bereicherung für Pushing Limits bin oder welchen Mehrwert ich für unsere Kanäle, aber auch unsere Partner eigentlich liefern kann. Je näher das Rennen in Südafrika kam und ganz besonders in der Zeit danach, als ich entschied weiter Profisport machen zu wollen, drängte sich die Sinnfrage immer stärker auf. Wenn mich jemand fragen würde, woran das lag, würde ich sagen: an fehlenden Zielen, die eindeutig und realistisch sind.

  • Logische Konsequenz: Ich brauche konkrete Ziele!

Während das Training gut lief, der Plan in Trainingpeaks Woche für Woche grün erstrahlte, hatte ich also das Gefühl, irgendwie hinterherzuhinken. Aus diesem Gefühl wurden Gedanken und daraus wiederum Fragen (siehe Einleitung oben). Dadurch, dass dieser Prozess eingesetzt hat, ist Zuversicht entstanden. Ich habe mehr und mehr verstanden: mich selbst und dass ich Ziele brauche.

Meine Ziele als Triathlet und für Pushing Limits

1. Sportliche Ziele: In dieser Saison will ich Selbstvertrauen tanken (bspw. über die Mitteldistanzen beim Triathlon Ingolstadt und Allgäu Triathlon) und Erfahrungen sammeln (bspw. über die Langdistanz beim Ironman Frankfurt), die mir dabei helfen, mich langfristig weiterzuentwickeln.

Mittelfristig werde ich meine Rennen über die Mittel- und Langdistanz so auswählen, dass sie meinen Stärken entsprechen. Bei den ausgewählten Wettkämpfen will ich sportlich dazu in der Lage sein, mit dem mir zur Verfügung stehenden Potenzial, um Top 5-Platzierungen zu kämpfen.

2. Kommunikative Ziele: Als Triathlonprofi werde ich weiterhin in Blogs und Podcasts über meinen sportlichen Weg berichten, transparent mit allen Bereichen umgehen und Meinung preisgeben.

Durch das Teilen von Erfahrungen, offene und ehrliche Einblicke in mein Leben als Sportler und den Umgang mit Herausforderungen will ich motivieren, inspirieren und Denkanstöße geben. Darüberhinaus soll durch das Offenlegen von Trainings-, Diagnostik- sowie Wettkampfdaten ein ganzheitliches und vor allem individuelles Bild von Profisport gezeichnet werden. Für Kritik und Feedback will ich stets offen bleiben. Ich strebe somit nach einem interaktiven Austausch mit den Lesern, Hörern und Zuschauern von Pushing Limits.

3. Nachhaltige Ziele: Am Ende der Saison 2022 werde ich eine CO2-Bilanz meines Profiseins erstellen. Das entsprechende Ergebnis bildet die Grundlage für die Saison 2023, mit dem erklärten Ziel diese persönliche Bilanz aus dem Jahr 2022 um 50 Prozent zu reduzieren. Um dieses Ziel zu erreichen, werde ich entsprechende Maßnahmen ergreifen, die Einfluss auf Trainingslager im Ausland und die Wettkampfplanung haben werden.

Des Weiteren arbeite ich bereits an einem Triathlon-Workshop, der sich an Triathlonvereine und deren Nachwuchsarbeit richtet. Es geht dabei um ein Programm, dass Kinder und Jugendliche dazu motiviert, langfristig im Triathlon (oder Ausdauersport) aktiv zu bleiben, Spaß am Training zu haben, sich Ziele zu stecken und sportliche Träume zu haben. Konkret möchte ich damit – kostenfrei – ab dem Winter 2022 in Vereine gehen, um das Konzept dort mit den Sportler:innen und Trainer:innen umzusetzen. Sollte da bei jemandem spontan Interesse entstehen, dann könnt ihr euch gerne jetzt schon per Mail an niclas@pushing-limits.de wenden!

4. Partnerschaftliche Ziele: Insgesamt soll durch die genannten Ziele ein Umfeld gestärkt werden, in dem sich die Partner von Pushing Limits langfristig wohlfühlen. Vor allem in den Bereichen Kommunikation und Nachhaltigkeit will ich enger mit unseren Ansprechpartnern zusammenarbeiten, um die Ziele unserer Sponsoren bestmöglich unterstützen zu können.

Weiter geht’s: Wir sehen uns draußen!

So. Und jetzt muss ich zum Training. Der nächste Wettkampf rückt näher. Außerdem haben wir im Mai einige Community-Aktionen geplant, bei denen wir uns dann hoffentlich mal in natura über den Weg laufen. Die Infos dazu kommen in den nächsten Tagen hier auf pushing-limits.de!

Bis in Kürze, euer Bocki

6 Kommentare

  1. Geiler Blog! Ohne konkretes Ziel kann es keinen genauen Plan geben! Absolut nachvollziehbar auch das auf drei Ziele zu formulieren. Mach weiter so und danke für jede geteilte und transparente Einheit und Meinung! Wenn jemand ehrlich mit dem umgeht was er macht, macht es auch Spaß zu folgen!

  2. Es war ein richtiges Projekt im abgelaufenen Jahr. Am Reisbrett ein Plan entworfen und in der Realität mussten aus diversen Gründen Anpassungen getroffen werden, die dazu geführt haben, dass nicht alle Ziele erreicht worden sind. In der Wirtschaft wird sowas oft mit Projektverlängerungen und/oder mehr Geld aufgefangen, siehe Stuttgart 21, Elbphilharmonie…

    Ich denke von einer Aufteilung für das/die kommende(n) Jahr(e) mit einer PL-Kraft, die mehr Fokus auf den Sport legt und eine PL-Kraft, die mehr Zeit für Content hat, wird auch PL mehr von profitieren, was Abwechslung und Möglichkeiten an Inhalt betrifft. Ich bin gespannt, was ihr euch separat, aber auch gemeinsam einfallen lasst.

    Top-5-Platzierungen als Profi anzugreifen finde ich ein starkes Statement. Gefühlt hätte ich gesagt, dass sowas nur beim Ironman Taiwan, Ironman Argentinien, Ironman Australien (starten nur ca. 10 Profis…) derzeit möglich ist. Eben einfach exotischeren Destinationen, bei denen Triathlon in der Gesellschaft noch nicht so verankert ist und nicht so viele Profis des Kaliber Kona/Hawaii den weiten Weg für eine Quali auf sich nehmen. Dies widerspricht aber dem Ziel der Nachhaltigkeit, für ein Rennen so weit in die Ferne zu fahren. In Europa ist die Dichte bei den Profirennen sehr hoch und das Ziel nur sehr schwer zu erreichen. Wenn man es aber schafft, kann und darf man sich zurecht dafür feiern lassen. Ich wünsche viel Erfolg.

  3. Danke für deinen Einblick in deine Gedanken. Super, dass du das Thema Nachhaltigkeit anpackst. Ich lese/höre/sehe Pushing-Limits sehr gerne, da es mit Inspiration, Information und Motivation gibt. Danke dafür. Ich wünsche Dir bei der Zielerreichung viel Erfolg….weiter so

  4. Hi Harald und vielen Dank für deinen Kommentar! Ich würde tatsächlich in allen Punkten mitgehen. Zum letzten Abschnitt bzgl. potentiellen Rennen, die für eine Saisonplanung in Frage kommen könnten und gleichzeitig meiner Zielvorstellung entsprechen würden: Neben den großen Ironman und Challenge Rennen denke ich vor allem auch an Rennen wie zum Beispiel den Triathlon Ingolstadt, den Allgäu Triathlon oder – um zu unseren Nachbarn zu schauen – den Austria Triathlon in Podersdorf und den neuen Triathlon in Heilbronn würde ich auch noch in den Kreis von interessanten Mitteldistanzen aufnehmen. Eine Langdistanz, die in Frage kommen würden, wären dann möglicherweise der OstseeMan. Aber ich möchte mich natürlich sportlich auch insofern verbessern, dass ich den Kreis der möglichen Rennen in Zukunft auch erweitern kann 😉

    Viele Grüße, Bocki

  5. Zugegebenermaßen hatte ich tatsächlich mehr „content“ nach eurer Vorstellung des Projektes erhofft, erwartet… was auch immer. Das dies aber dann einfach aufgrund der Trainingsumfänge nicht immer möglich war, ist nachvollziehbar. Eure Videos machen aber soviel Spaß, dass du keine Zweifel haben brauchst, welchen Zugewinn es für PL und eben uns als Leser, Zuhörer und Zuschauer gibt. Alles was ihr auf die Beine stellt ist großartig und von enorm hoher Qualität. Ich freue mich auf mehr und hoffe, dass es neben dem hoch spannenden Insiderwissen als Profitriathleten auch wieder die genial kommentierten Rennen von euch gibt. Und schön, dass die Frage der Nachhaltigkeit nicht auf der Strecke bleibt. Mach/macht weiter so und vielen Dank für eure Veröffentlichungen

  6. Dafür dass du oft unstrukturiert wirkst, eine erstaunlich strukturierte Analyse. Top5 hätte ich auch lieber in Top10 geändert, aber muss sich ja für dich gut anfühlen. Einziger Nervpunkt ist, dass ihr auch dieses omnipräsente Nachhaltigsthema durchs Dorf treiben wollt. Da haben andere Leute deutlich mehr Verantwortung und Einfluss. Die Welt interessiert nicht ob ein Triathlet seinen CO2 Footprint halbiert…