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Ist Triathlon ein Gamechanger fürs Leben?

10. Januar 2022


Laufen im Triathlon

Triathlon ist geil – davon sind vor allem Triathlet:innen überzeugt. Sonst würde das Training, die Investments in Equipment und der ganze Aufwand ja auch wenig Sinn ergeben. Aber macht Triathlon das Leben wirklich besser? Und wenn ja: Warum eigentlich?

„Mama, wenn ich kein Ballett mehr mache, dann möchte ich Triathlon machen!“ – da fiel er plötzlich, der Satz, den man sich als Triathletin mit Mama-Pflichten (oder eher Mama mit Triathlon-Pflichten?) wünscht. Na, also! Das Kind will diesen wunderbaren Sport aus vermeintlich eigenem Interesse auch betreiben. Alles richtig gemacht; ab jetzt kann ich mich zurücklehnen und mir sicher sein, dass meine Tochter einen guten, gesunden Lebensweg einschlägt. Aloha, mahalo – Shaka und #hangloose!

Triathlon: Lifechanging oder Lifechanger?

Nun muss man dazu sagen, dass meine Sechsjährige mir gut eine Woche später erklärte, dass sie nach Triathlon gerne mit Fußball anfangen möchte und die Glaubwürdigkeit ihrer ersten Aussage letztendlich fraglich bleibt. Dennoch treibt mich seitdem die Frage um: Was finde ich daran so erstrebenswert, Triathlon zu machen? Warum wünsche ich meinem Kind, dass es früher den Weg in diesen Sport findet? Und ist Triathlon wirklich das Beste, was einem sportlich und generell im Leben passieren kann?

Was auf jeden Fall auffällig ist, wenn man neu in diesem Sport ist: In kaum einer Szene, gehört so viel Heldenhaftigkeit („You are an Ironman!“) zum guten Ton. Triathlon macht Unmögliches möglich. Ist natürlich geil. Was sind schon Limits? Gepusht werden nicht nur Grenzen, sondern mit jeder Zielerreichung irgendwie auch das eigene Selbstbewusstsein.

Aber das ist nicht alles, was mich persönlich zu der Feststellung bringt, dass Triathlon das Leben verändert – meistens sogar positiv.

1. Triathlon macht lösungsorientierter.

Triathlon gilt gemeinhin als „Fehlervermeidungssport“. Und race-erfahrene Triathlet:innen dürften bestätigen können: Gerade bei mehrstündigen Belastungen ist man hauptsächlich damit beschäftigt, Fehler zu vermeiden. Oder eben damit, Lösungen zu finden, damit Fehler gar nicht erst passieren. Genau diese Eigenschaft beobachte ich inzwischen aber auch in anderen Situationen – von Job- bis Erziehungskrise.

Keine Ahnung, ob das am Sport liegt oder das in Anbetracht vom vom Älter- und Reifer-Werden mit Anfang 30 einfach normal ist/sein sollte. Fakt ist aber: Diese „Geht nicht, gibt’s nicht!“-Mentalität hat sich durch Triathlon verstärkt. Langfristig bringt das vermutlich weit(er) im Leben.

2. Schwimmen, Radfahren, Laufen sorgt für ein positives Mindset.

Man könnte auch sagen: Triathlon macht glücklich, aber nie zufrieden. Und das ist gut so. Zufriedenheit geht schließlich schnell mit Stillstand einher – und letzterer hat mit Triathlon so gar nichts zu tun. Sicher ist der den Sport nicht selten begleitende Optimierungswahn nicht zwangsläufig etwas Positives. Dass Sport und Bewegung grundsätzlich zu guter Laune beitragen, ist aber sogar wissenschaftlich belegt. Hallo, Serotonin-Ausschüttung! Und wer glücklich ist, geht auch positiver durchs Leben und in Richtung Zukunft. Jackpot und Gamechanger in einem!

3. Triathlon macht dich zum Teil einer tollen, ach was, der besten Community der Welt.

Die Triathlon-Welt ist klein – und großartig zugleich. Seit nunmehr einem Jahr darf ich Teil von Pushing Limits sein und genau das hautnah erleben. Ganz viele Good Vibes wabern in dieser Szene umher. Ein Flair, dem man sich nicht entziehen kann. Bei Races auf Leute zu treffen, die genauso bescheuert sind, ihr Herz an gleich drei Sportarten zu verschenken; als Agegrouper dieselben Rennen wie die Profis zu absolvieren; irgendwie mehr als „nur“ Radfahrer, Läufer oder Schwimmer zu sein – all das sorgt für eine einzigartige Atmosphäre in dieser Community. Sorry, das kann ich einfach nicht anders als so romantisiert beschreiben.

4. Triathlon ist etwas Besonderes.

Wir hatten’s auf Pushing Limits schon mal: Als Triathlet:in lebt man eher in einer Bubble, wie auch Bocki in einem Blog resümierte. Klar, die Szene wächst, ist aber im Vergleich zu anderen Sportarten deutlich kleiner. Das ist doch irgendwie auch angenehm. Noch kann man Leute damit vom Hocker hauen, Triathlon zu machen – ganz unabhängig von der Performance. Für viele ist es unvorstellbar, gleich drei Sportarten hintereinander zu absolvieren. Und noch fällt man damit auf.

Heißt natürlich nicht, dass jeder Triathlet heiß darauf ist, aufzufallen. Im Gegenteil, in seiner Bubble fühlt man sich immer noch am wohlsten. Aber ein 0815-Hobbysportler ist man eben auch nicht. Bringt mehr Abwechslung ins Leben.

5. Der Sport lässt dich (meistens) gesünder leben.

Klar, der Punkt ist angreifbar. Denn: Es ist nicht zu leugnen, dass nicht alles, was man für Triathlon zu leisten bereit ist, wirklich gesund ist. Allerdings merken Triathlet:innen ebenso schnell, dass sie mit einem insgesamt gesünderen Lebensstil auch leistungsfähiger werden. Die Motivation, auf eine gesunde Ernährung, eine bessere Schlafqualität, verringerten Alkohol- und Zuckerkonsum zu achten, ist also eine ganz andere. Und solange all das den Alltagsstress nicht zusätzlich schürt, profitiert davon auch die Gesundheit.

Zweifelsohne hätte ich viele lustige Abende, Nächte, Zeiten im Leben nicht gehabt, wenn ich schon 10 Jahre eher mit einem Bewusstsein dafür durch die Gegend gelaufen wäre. Für meine Tochter kann ich mir an der Stelle aber nur wünschen, dass sie etwas früher als ich auf die Idee kommt, mehr Sport zu treiben – wofür Triathlon ja nun die besten Voraussetzungen mitbringen. Wie war das noch mit dem Altern und der Reife …?

Bleibt mir als nur noch, folgende Frage in die Runde zu werfen: Wie sieht das bei euch aus? Hat Triathlon euch, euer Leben, euren Alltag in irgendeiner Hinsicht verändert? Ist Triathlon ein Gamechanger? Oder spricht bei dieser Glorifizierung einfach nur der pure Hype aus mir? Lasst mal hören/lesen …

5 Kommentare

  1. Danke für den Beitrag. Alles auf den Punkt gebracht.
    Bei mir nach 2 Jahren Tristesse der Ausschlag wieder voll ins Training einzusteigen.
    Sportliche Grüße Stefan

  2. Ich kann das nur 1:1 unterschreiben. Ich gehe mittlerweile in meine 6 Triathlonsaison und kann nur sagen, dass dieser geile Sport eine Lücke in meinem Leben gefüllt hat. Ich bin neben den, von dir beschriebenen Effekten, auch deutlich gelassener und ausgeglichner geworden. Auch ich hätte mir für meinen Körper und für meine Leistung gewünscht etwas früher zu dem Sport gefunden zu haben. Aber mit Anfang 30 (dazu zähle ich mich mit 32 auch ;-)) stehen zumindest auf den längeren Distanzen noch alle Türen offen auch leistungsabhängige Ziele zu erreichen. Ein Hoch auf den Sport!

  3. Ich hab 1995 und 1996 vier Langdistanzen gemacht und drei gefinisht. Dann hab ich bis 2016 dem Triathlon den Rücken gekehrt. In dieser Zeit lebte ich auch sehr gut, angenehm und ausgeglichen. Mit Corona hab ich wieder andere sportliche Dinge gemacht, die durch leistungsorientierten Triathlon zwangsläufig zu kurz kommen. Dieses Jahr nun wieder Roth. Leute, es schadet nicht, über den Tellerrand zu schauen.

  4. Ganz klare Sache, mein Leben hat der Triathlon auch verändert. Auch, wenn vor dem Triathlondasein erstmal eine Krebserkrankung gestanden hat. Zumindest gibt mir das Training einen guten Sinn, Halt und viel Struktur in meinem Leben, nachdem ich durch die Krankheit fast alles verloren habe und auch noch die Covid- Katastrophe dazukam. Wettkämpfe müssen dafür überhaupt nicht sein finde ich, der Maßstab zu einem selbst genügt um Fortschritte und Erfolgserlebnisse zu sehen.
    Alkohol? Was ist das? Ach ja, früher mal… Eine gute Ernährung ist seit den Anfängen des Triathlon Sports ebenfalls Pflicht geworden.
    Auch wenn schon etwas Sucht beim Training mit dabei ist, macht es mich trotzdem zu einem besseren Menschen, als ich vorher war.

  5. Mega Lena! Ich finde mich absolut wieder! Bin jetzt in meiner 2. Saison. Hab 2020 mit Triathlon angefangen und August 2020 meinen ersten echten Triathlon absolviert. Was für ein Fest! Jetzt bin ich einfach angefixt und will mehr. Ich will es freiwillig!!! Noch 2019 war Laufen ein Sport, den ich gehasst habe und nur mal aus Vernunftsgründen mehr schlecht als recht probiert habe. Jetzt hab ich einen Trainingsplan und kann das super gut in meinen Alltag integrieren! So verrückt ist das! Und ich liebe diesen Sport, weil er einfach Spaß macht! Du willst selbst immer besser werden und wenn es nur kleine Schritte sind. „Unzufrieden“ sein trifft es ganz gut, wobei ich durchaus zufrieden bin, wie mein Leben mit Vollzeitjob im Einzelhandel und zusätzlich 6-7h Training die Woche klappt. Richtig gut!

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