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Boom oder Bubble: Wie groß ist Triathlon wirklich?

07. Oktober 2021


Triathlon Sportart

Triathlon ist mehr als ein Sport – was nicht nur an der Kombination von drei Ausdauersportarten liegt. Wir Triathleten wissen, was damit gemeint ist: Lebenseinstellung, Disziplin im Training, Materialfetische und nicht zuletzt ein Instagram-Feed voller Profis, Events und Szene. Aber wie „groß“ ist unser Sport denn nun tatsächlich?

Im letzten Jahr gab es laut Statista 60.071 registrierte Mitglieder in der Deutschen Triathlon Union (DTU). Zum Vergleich: Allein der Westdeutsche Fußballverband zählt rund 1,8 Millionen. Von 40 olympischen Spitzenverbänden im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gibt es nur 12, die kleiner sind als Triathlon: Base-/Softball, Bob und Schlitten, Curling, Eislaufen, Eishockey, Eisschnelllauf, Fechten, Gewichtheben, Rollsport, Rugby, Snowboard und Wellenreiten. 

Die Top 5 Sportverbände in Deutschland nach Mitgliedschaften (Stand 2020):

  1. Fußball: 7.169.327
  2. Turnen: 5.047.184 
  3. Tennis: 1.366.137
  4. Schützenbund: 1.352.036
  5. Alpenverein: 1.311.626

Von den oben genannten ca. 60.000 Mitgliedern besitzen 27.380 einen Startpass der DTU (Stand Januar 2021), sie sind quasi der harte Kern. Außerdem kursiert im Netz eine Zahl von 270.000 Teilnehmern, die es im Jahr 2019 insgesamt bei Triathlon-Veranstaltungen gab. Zieht man davon Athlet:innen aus dem Ausland ab und geht man davon aus, dass ein Startpassinhaber ca. 3 Wettkämpfe pro Saison bestreitet, mögen es am Ende +- 150.000 Menschen in Deutschland sein, die an Triathlon-Wettkämpfen teilnehmen. Ganz nüchtern betrachtet: Das ist nicht viel.

Triathlon: Ein Sport, ein Leben?

Ohne es wertend meinen zu wollen, aber sind wir doch mal ehrlich: Um Triathlon zu machen, muss man schon ein spezieller Typ Mensch sein. Damit möchte ich nun nicht schon wieder das Klischee des Finishershirts am Hotelbuffet bemühen, sondern die These aufstellen, dass Triathlon ein Sport ist, der den Aktiven immens viel abverlangt. Triathlon ist anspruchsvoll und weil er oftmals mit Kompromissen und viel Fokussierung einhergeht, spielt er mitunter eine wichtige Rolle im Alltag und Leben.

Oh Mann, klingt das abschreckend und spaßbefreit. So ist es natürlich nicht, denn gerade das Anspruchsvolle, das Herausfordernde kann den Reiz ja ausmachen. Außerdem ist es natürlich kein Muss, dass der Sport eine zentrale Position einnimmt. Im Gegenteil: Triathlon funktioniert auch ohne Ambitionen – das ist halt nur die Ausnahme. Es gibt sicherlich mehr Triathlet:innen, die sich bestimmte Ziele stecken und dementsprechend nicht nur ihr Training gestalten, sondern auch in anderen Bereichen nachziehen.

Ich glaube schon, dass Triathleten im Allgemeinen schnell unentspannt, vielleicht sogar verbissen oder verkrampft wirken. Ob das im Umkehrschluss gute Werbung für die Sportart ist, sei dahingestellt. Wahrscheinlich sehen Kollegen, Freunde oder Bekannte oftmals nur den Aufwand, der für das Erreichen des persönlichen Ziels betrieben wird, nicht aber den kurz- oder langfristigen Ertrag in Sachen Gesundheit, Fitness und ganz besonderen Erlebnissen.

Zurück zum Thema: Wie sind eure Erfahrungen?

Aber zurück zur Frage: Wie „groß“ ist Triathlon wirklich? Ich persönlich beschäftige mich seit Jahren zu 90 Prozent meiner Zeit mit diesem Sport, der Szene, den Events, den Sportlern, dem Markt und allem, was sonst noch dazu gehört. In meiner Wahrnehmung ist Triathlon riesig. Nüchtern betrachtet ist es allerdings eine kleine Welt. Eine Randsportart, eine ganz eigene Szene. Ich liebs.

Was mich in diesem Zusammenhang interessieren würde: Wie sind eure Erfahrungen? Wie sieht es in eurem Umfeld (abseits der Trainingsgruppe) mit Triathlon aus? Kennt ihr viele Leute, die sich für Triathlon interessieren und die sich damit beschäftigen? Was sagen Kollegen oder Freunde, wenn sie davon hören, dass ihr Triathlon macht? Ist es Bewunderung im Sinne von „wow, das würde ich auch gerne können“ oder „boah, wie kann man sich sowas bloß antun“?

15 Kommentare

  1. Hi, außerhalb der Triathlon Gemeinde kenne ich zwei weitere Triathleten. Wenn ich schätze dass ich im weiteren Umfeld 200 Leute kenne wären es genau 1% also auf zum Tätowierer um sich das 1% tatoo stechen zu lassen. 😜

  2. Die Reaktionen sind ganz unterschiedlich in meinem Umkreis. Meine Familie weiß,dass ich schon immer sportlich war und bewundert mehr meinen Ehrgeiz und findet es gut,dass ich den Sport mit vielen Reisen verbinde. Meine Arbeitskollegen finden eher ich mache zu viel Sport und fragen ständig ob ich auch noch andere Dinge in meiner Freizeit mache außer trainieren. Die können sich das überhaupt nicht vorstellen. Viele meiner Freunde finden Triathlon zu extrem und könnten sich nicht vorstellen drei Sportarten zu trainieren und finden es krass wieviel Geld ich für Triathlon ausgebe. Ein ständiger Kommentar lautet: Deine Räder kosten mehr als mein Auto

  3. Ich hab viele triathletInnen um mich herum. Das ist aber der Tatsache geschuldet, dass ich im Verein bin und seit 2015 die Gruppe Triathetinnen in Europa führe. Im privaten Umfeld gibt es wenige , bzw. keine TriathletInnen., aber wenn ich davon spreche, kennt immer jemand einen, der „sowas“ auch macht . Ich finde übrigens dir Kollegen, die am Tag vor dem Rennen schon mit dem Chip am Bein rumlaufen, schlimmer als die im finisher Shirt . 🤣

  4. Na das is ja echt ne kleine Bubble. Kam mir grösser vor. Wobei, im Münchner Süden Dutzende von Rennradlern auf 1-2 Zeitfahrer. Die Reaktion bei den Meisten: boah echt? Respect! Auch die krass langen? Näää nur VolksTri wg. Fitness. Ein kleiner Teil redet gern und lang darüber, dass sie das ja locker schaffen würden, aber grad keine Zeit haben, sich die Sinnfrage stellen oder sonstiges Geschwurbel. Ich sag immer, ich bin ein effizient hochgezüchtetes Rennpferdchen – und bei Schlechtwetter lass ich Rennen ausfallen. Btw kennt ihr den: Woran erkennt man eine:n Triathleten:in? Sie/er wirds Dir nach 30sec von selbst sagen 🤟

  5. Als ich einer Freundin erzählt habe, dass ich einen Ironman gemacht habe, hat sie sich zu ihrem Freund gedreht und nur gesagt “ Du hast doch auch schon mal so ein Tough Mudder gemacht“ 😀
    So viel zu der Bekanntheit unseres Sports;)
    Euer Podcast ist übrigens echt der Knaller! Authentisch, lustig und informativ. Macht weiter so!
    Grüße Till

  6. Triathlon ist wie Formel 1. Da gibt es auch nicht viele die es machen aber einige die daran interessiert sind und den Athleten auch viel Respekt geben.

  7. Ich würd als Traithleten schon nur die bezeichnen, die das Ganze halbwegs regelmäßig machen. Nur weil ich einmal einen Volkstriathlon mitgemacht habe, bin ich kein Triathlet. Genausowenig bin ich Läufer wenn ich einmal im Jahr beim Firmenlauf dabei und einmal die Woche 5 km joggen gehe oder bin ich Fußballer, weil ich mit meinem Kind am Abend ne halbe Stunde gegen den Ball trete?
    Die anzahl der etwas Ambitionierteren, die im Frühjar auf einen Triathlon im Sommer hintrainieren, ist schon sehr übersichtlich. Von daher: Wir leben natürlich in einer Blase, auch wenn wir jetzt endlich ein wenig mehr Öffentlichkeit abbekommen, als das in meiner Anfangszeit vor 25 Jahren war.

  8. Definitiv ist das eine Blase.
    Schnuppere erst seit zwei Jahren Triahlonluft.
    In der Blase vermischen sich Spaß, Lockerheit mit Verbissenheit, Sportsucht usw.
    Außerhalb dieser Blase ist man oft mit Vorurteilen (Sport Verrückten), und um wenig Wissen um diese tolle Sportart konfrontiert, wie andere schon schreiben.
    Ich freue mich immer, wenn ich in der Tageszeitung nicht nur 4 Seiten Fußball finde 🙂

  9. Ja wir leben gerade in einer gut gefüllten Blase, wenn ein Jan und Patrick nicht mehr regelmäßig gewinnen und wir „Deutsche“ nur noch als 10ter oder gar noch schlechter plaziert in Kona sind, spricht keiner mehr von unserem Sport, nur wir selber.
    Schaut euch die Leichtathletik oder andere Sportarten an die gerade keine Zugpferde haben . Die existieren in der breiten Öffentlichkeit nicht.
    Oder kennt ihr zwei drei Namen aus dem Ultratraillauf (Flo ausgenommen) oder von Gravelrennen, und was ist MTB etc. …
    Grüße an alle da draußen auf der Straße

  10. Vielleicht haben Sie jahrelang diesen Punkt gegrübelt, vielleicht war es aber auch ein spontaner Entschluss. Und egal, ob Sie körperlich bereits auf einem guten Weg sind oder ob Sie noch einige harte Monate vor sich haben: Den entscheidenen Mausklick zu machen, der bestätigt, dass Sie sich auf das Abenteuer Langdistanz eingelassen haben, ist ein Akt, den man sich als Triathlet nicht entgehen lassen sollte. Klar: Eine Langdistanz anzugehen, gehört zu den am schwierigsten zu verwirklichen Dingen auf dieser Liste. Aber es ist auch eines der intensivsten Erlebnisse, die unser Sport bietet. Sich zu einer Langdistanz anmelden, bedeutet, sich einer Sache zu verschreiben, die Opfer verlangt. Hartes Training über Monate. Vernachlässigung sozialer Kontakte und schlimme Schmerzen. Im Training wie im Rennen. Doch wenn Sie dann, nach wie vielen Stunden auch immer, über die Ziellinie laufen, werden Sie einen Moment erleben, vom dem Sie unweigerlich wissen, dass Sie ihn niemals vergessen werden. Dieses Gefühl beim Zieleinlauf nach der Langdistanz oder die Worte „You are an Ironman“ Unbeschreiblich und immer wieder gern.

  11. Ich mache zwischenzeitlich seit über 20 Jahren Triathlon. Aus meiner Sicht hat sich die „Allgemeinbildung“ in der Bevölkerung durchaus verändert und die übliche Frage „Ist-das-das-mit-Schiessen“ habe ich lange nicht mehr gestellt bekommen. Bedingt im Übrigen durch eine gewisse Medienpräsenz unserer Sportart (Frodo und Konsorten sei Dank). Nichtsdestotrotz kennen selbst die Sportinteressierten neben einem Jan Frodeno und vielleicht Kienle nicht viele. Von Details wie, was muss man tun um auf Hawaii zu starten ganz zu schweigen. Ist ja auch nicht schlimm! Ich persönlich finde, dass es wichtig ist, dass der Freundes- und Bekanntenkreis nicht nur aus Triathleten:innen besteht, sich mit seinen sportlichen Erfolgen „über andere zu stellen“ oder unseren Sport zu wichtig zu nehmen – wozu Triathleten gerne mal neigen – um auch die Bubble mal zu verlassen. Triathlonnerds, die sich ausschließlich über ein Thema unterhalten können und im Alltag zu 90% mit Finishershirts rumlaufen, sind weniger mein Fall.

  12. Die Leute wissen, was Triathlon ist. Sie wissen, was ein Ironman ist und es wird einem viel Respekt entgegengebracht. Auch als bald 60jähriger kriegt man gar nicht selten Kommentare für den durchtrainierten Körper, hätte ich so nicht erwartet. Aber Bekannte, die den Sport auch ausüben, habe ich sehr wenige

  13. Servus , ich kenne in meinem weiteren Umfeld niemand der Triathlon macht. Genau genommen, wenn ich jetzt so darüber nachdenke fällt mir nicht einmal auch im erweiterten Bekanntenkreis niemand ein der wirklich regelmäßig Trainiert. Ich selbst habe auch in der Familie dafür zu kämpfen das der Sport und das damit verbundene Training seinen Stellenwert bekommt. Da machen wir uns nichts vor, ein Grossteil der Trainingszeit geht auch zur Lasten der Familienzeit wenn man Vollzeit arbeitet. Viele Grüße

  14. Nein keine Blase eher eine interessante Sportart mit Potential
    Selbst bin ich vor 3 Jahren mit 3 Mädels über eine Wette zum Triathlon gekommen
    Völlig unerfahren haben wir uns ins Abenteuer Triathlon gestürzt und am Ende stand für uns ungeübte Sportler ein Volkstriathlon vo denen wir heute mehrere absolviert haben.
    Nur uns war das nicht genug .
    Da wir aus einem kleinen Dorf kommen mit 1200 Einwohnern haben wir uns Entschlossen einen Eigenen Triathlon im Dorf zu veranstalten.

    Da wir keine eigene Triathlon Abteilung im
    Sortvetein hatten und außerdem keinen See
    Sind wir nur Müde belächelt worden.
    Was tun.
    Also wurde aus Strohballen und Silofolie ein Becken gebaut und wir haben den ersten Strohbeckentriathlon in Deutschland Organisiert
    Der Erfolg war überwältigend und das ganze Dorf war begeistert und es war keine Spaß Veranstaltung auch Bundeslugasportler haben Teil genommen und sogar Sportler die schon in Hawai waren
    Die Strecke und das Becken gelten mittlerweile bei den Sportlern als Anspruchsvoll.

    Bei der 2 Veranstaltung dieses Jahr nahmen 40 Teilnehmer aus dem eigenen Dorf Teil
    Und ein ganzes Dorf tickt sozusagen Triathlon.
    Nach dem sportlichen wurde kräftig gefeiert

    Bei Interesse
    Unter http://www.erfundaus.de

    Unter strohbeckentriathlon
    Suchen

    Nächstesmal voraussichtlich August 23

  15. Fragt mal jemanden, der*die aus Roth kommt…
    Da kommst du zum ersten mal zu einem Triathlon, der nicht der Challenge Roth ist und denkst dir: „Ähm…okay… ja… also… hm…Ich dachte Triathlon ist überall so groß wie bei uns. Anscheinend wohl nicht.“ 🙂
    In der eigenen Blase bzw. Vorstellung und Wahrnehmung ist der Sport wahnsinnig groß – eben weil er so viel Passion erfordert. Weil man ihn eben nicht „einfach so ein bisschen nebenbei“ machen kann. (Zumindest nicht, wenn man auf Dauer gesund die langen Kanten absolvieren möchte.) Weil er so große Emotionen hervorruft und ermöglicht.

    Außerhalb der aktiven Triathlet*innen ist der Sport eine Randsportart. Aber warum ist das wichtig? Wenn ich liebe was ich tue, liebe ich es egal ob 5 oder 5 Millionen das sonst auch noch gut finden. 🙂

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