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Abenteuer Swimrun: Der Erlebnisbericht zum Öttilö im Engadin

16. September 2021



Schon wieder ein paar Wochen her, aber immer noch präsent als wäre es gestern gewesen: Der ÖttilÖ im Engadin war ein Erlebnis, das Nick und ich so schnell nicht vergessen werden. Ich erinnere mich immer noch die Schmerzensschreie und die vor Erschöpfung krümmenden Dehnübungen von Nick, wie er sich langsam aber stetig, über die vielen Lauf und Schwimmabschnitte, bei diesem verrückten Swimrun kämpfte. (Foto: Akunamatata)

Aber der Reihe nach. Alles begann mit einem wirklich schönen und vielversprechenden Morgen in den südlichen Alpen nahe St. Moritz am Maloja Pass, welcher sich über eine traumhafte Kulisse langsam bis zum Comer See schlängelt. Bereits viele Male habe ich diesen Anstieg mit dem Rad erklommen und war jedes mal froh endlich in Maloja angekommen zu sein. Dieses Mal war allerdings vieles anders. Denn vom eigentlichen Ziel meiner Träume sollte dieses mal erst die Herausforderung starten. Zu Fuß ging es um einiges höher zu einem Bergsee, der uns auf die erste Probe stellte. Mit gerade einmal 8 Grad war der See so kalt, dass es selbst in unseren speziellen Swimrun Neoprenanzügen etwas frisch werden könnte.

Video: Nick und Johnny berichten vom Swimrun Abenteuer

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Und das war nur der Anfang eines wahrscheinlich ziemlich langen Tages. Beim ÖtillÖ im Engadin waren an diesem sonnigen Tag knapp 40 Kilometer zu Fuß sowie 6 Kilometer schwimmend zu überwinden. Die Rennserie hat sich bereit einen Namen damit gemacht, die Strecke möglichst über Stock und Stein zu führen und zu einer echten Tortour zu machen. Dessen waren Nick und ich uns vorher nicht wirklich bewusst. Lediglich ein Schuhtest am vorherigen Tag war die spezifische Vorbereitung auf den Traillauf.

Als der Startschuss ertönte, starteten wir – direkt etwas zu ambitioniert – und liefen den ersten Kilometer in 4 Minuten. Im Nachhinein war das die erste Dummheit die sich schnell büßen sollte. Aber egal, wir waren hochmotiviert, als erste Frau am See oberhalb Malojas anzukommen. Auch wenn das nicht ganz gelang, kamen wir zumindest als erste Frau wieder aus dem Wasser. Die 300 Meter im See waren, im Vergleich zu dem was wir befürchteten, geradezu angenehm. Die Temperatur von 8 Grad fühlte sich aufgrund des vorherigen Schwellenlaufs eher erfrischend als kalt an. Das machte uns Mut für den Rest des Tages.

Direkt darauf folgend ging es über einen steinigen Aufstieg weitere 300 Meter bergauf was Nick bereits an seine Vo2max brachte. Seine 24-Stunden-Akklimatisierung und die „umfangreiche“ Vorbereitung hatte ihn bereits hier an sein Limit gebracht. Zudem brachte das Klettern im Neoprenanzug und mit Paddles in der Hand auch ungewollte Schwierigkeiten mit sich. Es wurde schon nach wenigen Metern tierisch warm und ans Abstützen an Felsen war nicht zu denken, da man ja die Paddles an der Hand trug.

Eiertanz bergab

Allerdings lernten wir schnell dazu und öffneten den speziellen Swimrun Neo maximal und stopften die Paddles in den Anzug. Diese Erkenntnis kam für mich allerdings etwas spät. Ohne mich abstützen zu können stürzte ich bereits nach den ersten wenigen Metern bergab und schlug mir etwas die Hände blutig. Glücklicherweise passierte nicht mehr, aber von dort an wurde das bergab Laufen für mich zum Eiertanz.

So kam es dann, dass wir auf so ziemlich jeder bergab Passage von anderen Teams überholt wurden, diese aber meist beim Schwimmen wieder einsammeln konnten. Nach knapp der Hälfte wurde aus dem Laufschritt schließlich auch im Flachen immer mehr ein behäbiges dahin wandern. Die Höhenmeter während jedes Laufes und die immer mehr fröstelnden Schwimmstationen zogen die Energie mit rasantem Tempo aus dem Körper.

Um nicht vollständig auf die eher spärliche Verpflegung des Veranstalters angewiesen zu sein, hatten wir zudem Energie-Gels dabei, die uns immer wieder für einige Kilometer etwas Kraft zurück brachten. Mit zunehmendem Verlauf des Rennens brachte das allerdings auch keine Wunderschübe mehr. Nick hatte außerdem immer mehr mit muskulären Problemen zu kämpfen, von denen ich hoffte, dass sie ihn nicht komplett aus dem Rennen nehmen würden.

Aber auch ich hatte zu kämpfen. Die immer wieder kalten Seen waren für mich wirklich zäh. Ziemlich entkräftet schafften wir es aber gemeinsam zur vorletzten Schwimmeinheit. Jetzt standen noch ein Schwimmen über etwas mehr als 1.000 Meter sowie ein Lauf über 7 Kilometer und der Schlussprint über 300 Meter Schwimmen und 2 Kilometer Laufen auf dem Programm.

Bioprene sorgt für Vorteile beim Swimrun

Das lange Schwimmen sollte zur Lektion werden. Ich wurde von Nick und der führenden Frauenmannschafft förmlich stehen gelassen und kam völlig durchgefroren aus dem Wasser. Nick hatte anscheinend etwas mehr Bioprene als ich…

Der anschließende Lauf war dann ein gefühltes Bergwandern, bei dem wir für die 7 Kilometer weit über eine Stunde benötigten. Durch das lange Schwimmen im See war ich so unterkühlt, dass es eine Stunde brauchte bis ich merkte, dass mein Neoprenanzug immer noch komplett geschlossen war. Jeder der einmal in einem Neopren in der Sonne steht, weiß wie heiß es darunter werden kann.

Immerhin konnte ich noch Gehen, was sich bei Nick zunehmend als Herausforderung erwies. Die Krämpfe kamen bei ihnen in Stößen und ließen ihn immer wieder stoppen. Das Bergablaufen war teilweise nur noch in einem 8 min/km Schnitt zu machen und zwei weitere Teams näherten sich von hinten.

Mein Ehrgeiz war gepackt und ich wollte diese Plätze partout nicht mehr einbüßen. Ich versuchte deshalb Nick zu motivieren und glücklicherweise kam sein Kämpferherz zum Vorschein und er mobilisierte zum letzten Schwimmen nochmal all seine Kräfte und wir konnten die Verfolger abschütteln. Eigentlich völlig übermotiviert, denn es ging uns ja eigentlich nur ums Finish. Wie sich später herausstellte war es aber der Kampf um das letzte Ticket zur ÖtillÖ-Weltmeisterschaft in Schweden.

Zielsprint im Schildkrötentempo

Mit knapp 30 Sekunden Vorsprung auf unsere nächsten Verfolger kamen wir aus dem Wasser und sprinteten die letzten Meter ins Ziel. Das Sprinten war allerdings etwas langsamer als angenommen. Währenddessen war nämlich mein Bruder, der als Supporter mitgekommen war, immer wieder vorgelaufen und machte von uns Bilder. Seinem Laufschritt nach zu urteilen, war er allerdings eher im Joggingtempo unterwegs und dennoch deutlich schneller als wir. Als ich auf meine Uhr schaute, wusste ich warum. Sie zeigte für den letzten Kilometer 5:30 Minuten an. Sprint im Schildkröten Tempo geht aber trotzdem durch, oder?

Nach 6,5 Stunden war es dennoch das Letzte was im Tank war und so war es umso befriedigender alles gegeben zu haben. Abschließend war es eine mega Erfahrung auch wenn ich mich beim nächsten mal besser darauf vorbereiten würde. Das wir Flachlandtiroler aus Köln ohne große Probleme durch die technischen Passagen kamen, war mehr Glück als Verstand. Auch als ehemaliger Triathlon-Profi ist ein Marathon in den Hochalpen dann doch nicht mal eben so zu bewältigen…

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