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Portrait | Marco Sommer und sein Triathlon-Podcast: Das Original

Wie kommt jemand, quasi einfach so, auf die Idee einen Triathlon-Podcast ins Leben zu rufen? Marco Sommer, der schon 2013 begonnen hat Interviews mit Profi-Triathleten in Form von Podcasts zu veröffentlichen, findet darauf eine ziemlich aussagekräftige Antwort: „Der Grund war nicht, dass ich reich, sexy und erfolgreich werden wollte, sondern purer Idealismus.“ Es wird höchste Zeit den Mann vorzustellen, von dem die meisten Triathleten bisher nur seine Stimme kennen. Den Mann, der als One-Man-Show hinter Triathlon-Podcast steckt: Marco Sommer.

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  • Titelbild: Ingo Kutsche / www.sportfotografie.biz

Über 150 Episoden umfasst das Archiv von Triathlon-Podcast mittlerweile. Klar, in über fünf produktiven Jahren kommt eine ganze Menge zusammen. Entsprechend viele Erinnerungen hat Marco natürlich an seine Gespräche – verständlicherweise ist es da auch gar nicht so leicht festzulegen, welches ihm denn am meisten im Gedächtnis geblieben ist. „Jede Unterhaltung“, gibt sich Marco diplomatisch, „hat für mich etwas Besonderes. Jede Persönlichkeit, mit der ich mich bisher unterhalten habe, hat bei mir einen Eindruck hinterlassen und dafür bin ich natürlich dankbar.“ Glücklicherweise gibt es dann aber doch zwei Podcasts, die er mit außergewöhnlichen Eindrücken für sich abgespeichert hat.

Michi Ralaert und Sebi Kienle – „Das werde ich nie vergessen“

Langen, am Tag der Sailfish Night 2013. Wenige Stunden bevor die Stadthalle ihre Türen für den festlichen Abend öffnet, bereitet sich ein nervöser Marco Sommer auf eine bevorstehende Aufnahme vor. Er hat dafür extra ein Hotelzimmer gemietet, das er kurzerhand zum Tonstudio umgebaut hat. Nervös ist er deshalb, weil sein nächster Gast zu den größten Triathlon-Stars zählt, die es zu dieser Zeit in Deutschland und der Welt gab: Michael Raelert. „Michi war zu dem Zeitpunkt bereits zweifacher IRONMAN 70.3-Weltmeister und ein echter Super-Star der Szene. Ich erinnere mich noch daran, wie wir uns in der Hotel-Lobby getroffen haben und er wirklich von jedem persönlich begrüßt oder angesprochen wurde. Und ich dachte nur:

Oh mein Gott! Jetzt nimmt sich so ein Top-Star die Zeit um mit so einer Wurst wie mir ein Interview aufzunehmen.

Michael Raelert spürte schnell, wie angespannt Marco war. Aber: Marco spürte auch, wie aufgeregt Michael war. Offensichtlich schien die Chemie zwischen beiden zu stimmen – eine ganz wichtige Voraussetzung, damit ein Podcast so interessant und intensiv wird, wie es bei Marco eigentlich immer der Fall ist. So saßen sich Top-Athlet und Podcaster gegenüber und machten erstmal tabula rasa:

Michi und ich haben nach ein paar Minuten gesagt: Jetzt machen wir uns mal beide locker! Danach wurde es ein unvergessliches Gespräch.

Ungefähr ein Jahr später traf Marco – mittlerweile etwas erfahrener, aber immer noch gleichermaßen nervös – den nächsten Triathlon-Star. Nur wenige Wochen nach dessen Sieg bei der IRONMAN-Weltmeisterschaft auf Hawaii war nämlich Sebastian Kienle zu Gast bei seinem Podcast. „Ich weiß noch genau, dass während der Aufnahme Sebis heutige Frau Tine mit im Raum war und uns zuhörte – der erste Podcast mit Publikum sozusagen. Nach der Aufnahme meinte Sebi zu mir, dass ich ja eigentlich ungefähr so etwas wäre, wie die deutsche Version von Bob Babbit. Das war ein tolles Gefühl!“

Die Frage nach dem Warum

Jetzt aber zurück zur Eingangsfrage: Wie kommt jemand darauf einen Triathlon-Podcast zu starten? Heute wäre die Frage relativ schnell beantwortet: Weil es jeder macht. Aber 2012? „Die Idee kam mir damals, als ich im Auto auf dem Weg zur Arbeit war“, erzählt Marco. „Als ich abends nach Hause kam habe ich ein bisschen recherchiert und dann die Web-Adresse registriert.“ So weit, so logisch. Aber warum? „Mir hat damals etwas gefehlt, wo es nicht nur um Ergebnisse und Wettkämpfe geht. Ich dachte mir, dass doch jeder Profi eine spannende Geschichte zu erzählen haben muss und, dass man von ihnen viel mehr lernen kann, wenn man ihnen eine Bühne bietet, auf der sie mal ganz in Ruhe erzählen können. Die Lösung war meiner Meinung nach ein eigener Podcast.“ Goldrichtig, wie sich in den folgenden Jahren mehr und mehr herausstellen sollte. Aber dazu später mehr.

Es gibt noch zwei weitere Antworten auf die Frage nach dem Warum. Die eine beschreibt Marco als eigennützig: „Als Vater und Triathlet wollte ich immer wissen: Wie machen das die Profis? Es gibt ja einige erfolgreiche und prominente Beispiele von Athleten, die Triathlon auf höchstem Niveau und Familienleben unter einen Hut bekommen. Das hat mich interessiert und durch den Podcast hatte ich die Chance genau darüber etwas zu erfahren.“ Aber nicht nur das Thema Familie interessierte Marco: „Als ich mich auf meine Langdistanz vorbereitet habe, habe ich auch Rat bei erfahrenen Athleten gesucht. In den Podcasts verraten die Athleten – Profis, wie Age Grouper – viele spannende Einblicke, die der ein oder andere bestimmt auch für sich, sein Training oder Wettkampf gebrauchen kann. Das hoffe ich jedenfalls!“

Mit Herz und Seele

Die dritte Antwort kommt ihm allerdings nicht so leicht und wortgewandt über die Lippen, wie die ersten beiden. „Als das alles angefangen hat mit Triathlon-Podcast habe ich durch meine Arbeit einen Kollegen kennengelernt, der in kurzer Zeit zu einem guten und wichtigen Freund geworden ist. Er hat auch ein bisschen Triathlon gemacht und immer gespannt zugehört, wenn ich ihm von meinen Podcast-Ideen erzählt habe. Dass das etwas wäre, das ich neben der Arbeit in einem großen Konzern, mein Eigen nennen könnte. Etwas, wo ich kreativ sein und mich verwirklichen könnte.“

Als Marco in Elternzeit geht wird sein Kollege und Freund, der gerade einmal 29 Jahre alt war, schwer krank und kommt ins Krankenhaus. Diagnose: Bauchspeicheldrüsen-Krebs. „Diese ganze Situation und die Gespräche mit ihm haben viel in mir wachgerüttelt. Ich habe darüber nachgedacht und mich genau gefragt, in welche Dinge ich meine Zeit investieren möchte“, erzählt Marco. „Der Triathlon-Podcast existiert auch deshalb, weil ich das Gefühl habe, dass die Zeit, die ich in die Gespräche und die Organisation stecke, sinnvoll genutzt ist und ich etwas tue, das mich erfüllt und von dem sogar andere Menschen noch etwas haben.“

Definitiv. Nicht nur die vielen treuen und immer neuen Hörer sind dankbar, dass es den Triathlon-Podcast von Marco gibt. Auch die Profis sind froh, dass sie bei ihm die Chance haben ausführlich, ohne Zeitdruck und vor allem formlos aus ihrem Leben berichten zu können. Marco weiß das, weil er dieses Feedback bereits mehrfach gehört hat: „Manche Profis haben mir schon erzählt, dass sie in meinem Podcast etwas über ihre Kollegen erfahren haben, das sie vorher selbst noch nicht wussten.“ Reinhören lohnt sich also.

Immer weiter: Neue Podcast-Formate braucht das Land

Unumstritten ist Marcos Triathlon-Podcast das Original in Deutschland. Jahrelang war er der einzige Podcaster der Szene, mittlerweile ist die Landschaft bunter geworden: Gregor Buchholz und Matthias Knossalla mit ihrem BewegungsARTen Podcast beispielsweise, die Jungs von der Triathlon Crew Cologne oder – da nehmen wir uns nicht aus – unser hauseigener Endurance Nerd Talk. Marcos Meinung dazu? „Ich finde diese Entwicklung klasse! Missgunst oder ähnliches empfinde ich überhaupt nicht. Wenn es sich ergibt, dann feature ich auch gerne die anderen Jungs. Mit Jan habe ich zum Beispiel auch schon ein tolles Gespräch gehabt und veröffentlicht! Die meisten anderen Podcasts höre ich ja auch selbst wirklich gerne. Und am Ende wird ohnehin der Hörer entscheiden, was ihm besonders gut gefällt und welchem Podcast er seine Zeit schenkt.“

Auch bei Marco und seinem Triathlon-Podcast geht die Entwicklung immer weiter. Er bietet nicht nur die Talks mit Profis und interessanten Age Groupern an, sondern auch weitere unterhaltsame und wissenswerte Formate. Zum Beispiel gibt es bei ihm den Rookie-Talk, in dem er sich mit Triathlon-Anfängern über die besonderen Herausforderungen unterhält und wie jeder einzelne von ihnen die Hürden zum Einstieg in den Sport gemeistert hat. Im Newsflash berichtet er kurz und bündig über die aktuellsten Geschehnisse der Szene. Und erst vor kurzem hat er den Race Check gelauncht, ein Format um einzelne Rennen zu präsentieren und über ihre Besonderheiten zu informieren. Hier sucht Marco übrigens noch nach Input und Hilfe: Wenn ihr von einem bestimmten Wettkampf berichten wollt, dann schreibt Marco einfach per Facebook!

Stellvertretend für viele andere möchte ich die Gelegenheit nutzen und mich bei Marco für sein Engagement bedanken. Das ganze Ding als One-Man-Show zu stemmen ist Wahnsinn! Marco, bleib so wie Du bist und mach weiter so mit Deinem Triathlon-Podcast.

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3 Kommentare

  1. Pingback: Blog #01 2019 - Triathlon-Podcast

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