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Golo bloggt: Mit Pleiten, Pech und Pannen zum IRONMAN Hawaii

Am Sonntag war es also mal wieder soweit: Der Wecker klingelt um 4:00 Uhr. Die sonst eher verschmähten Weissbrot-Brötchen werden mit Erdnussbutter beschmiert und in aller Hektik ohne viel Hunger heruntergewürgt. Und dann stehe ich auch schon um 6:30 Uhr mit allen anderen Verrückten an der Startlinie des IRONMAN Maastricht. Mein Wettkampf-Bericht über einen Tag, der ganz anders verlief, als ich es geplant hatte – und der zum Schluss doch mit der Quali für den IRONMAN Hawaii endete.

Golo Röhrken bei Pushing LimitsGolo Röhrken
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Nach dem Fiasko beim IRONMAN Lanzarote war ich dieses Mal nicht so richtig aufgeregt. Ich hatte gut trainiert. Die Woche vor dem Wettkampf war mit viel reisen etwas hektisch, aber ich dachte, dass ich mit einer einigermaßen guten Performance mein Hawaii-Ticket schon irgendwie sichern würde. Dass es am Ende ein ganz schön hartes Stück Arbeit werden sollte und es zunächst so gar nicht nach Hawaii-Quali aussah, ahnte ich am Beginn der Schwimmstrecke noch nicht.

Die frühe Erkenntnis: Man kann einen IRONMAN einfach nicht planen!

Die Maas hatte angenehme 26°C und so gab es zum Leidwesen vieler Teilnehmer Neoverbot. Nach dem Startschuss fand ich eine gute Gruppe, mit der ich mich gemeinsam durch die Maas wühlten. Das Tempo war zunächst relativ entspannt, ich konnte in etwas Entfernung die Spitzengruppe im Blick behalten und so machte ich mir keine Sorge den Anschluss zu verpassen. Nach 59 Minuten entstieg ich dem Fluss – eigentlich (für meine Verhältnisse) ziemlich langsam, jedoch war die Spitzengruppe mit einigen richtig schnellen Schwimmern wie Jan Bruns auch nur vier Minuten schneller unterwegs.

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Verkorkster… äh, verknoteter Start in den Tag!

Ich schnappte meinen Beutel und im Wechselzelt gab es dann die erste Überraschung des Tages: Ich hatte vergessen den Beutel vor dem Wettkampf zu entknoten. Am Tag vor dem Wettkampf, bei der Abgabe der Wettkampfbeutel und des Rades, schnüre ich die Beutel für die Lauf- und Radsachen immer relativ fest zu, um eventuellen Regenschauern vorzubeugen. Ich habe schon einige Rennen erlebt, bei denen es im Vorfeld nachts geregnet hatte. Und nichts ist unschöner als nach dem Radfahren in nasse Laufschuhe und Socken schlüpfen, da ist Blasenbildung quasi vorprogrammiert.

Am Wettkampfmorgen öffne ich dann jedoch eigentlich immer die Beutel und hänge sie ganz lose an den entsprechenden Platz. Das hatte ich an diesem Morgen jedoch komplett vergessen und so saß ich im Wechselzelt und bekam den verdammten Beutel mit dem Radhelm zunächst nicht auf. Ok, meine Schwimmgruppe war damit wohl futsch…

Die ersten Radkilometer fühlten sich dann auch gar nicht so gut an. Irgendwie wollte mein Körper nicht so richtig in Fahrt kommen. Jedenfalls probierte ich mir einzureden, dass wohl etwas an der Kalibration des Wattmessers nicht stimmt, da die Werte eher 15-20 Watt unter den Werten lagen, die ich im Vorfeld angepeilt hatte.

Aus der Traum vom IRONMAN Hawaii?

Die erste größere Gruppe kassierte mich dann nach 20 Kilometern. Ich vergrößerte den Abstand und so fuhren wir in einer 10-Mann großen Gruppe mit einem Abstand von je 12 Metern weiter. Nach weiteren fünf Kilometern hörte ich ein lautes Klatschen, konnte jedoch zuerst das Geräusch nicht zuordnen. Eine Minute Später sah ich jedoch, dass sich meine gesamte Verpflegungsbox (Fuel Cell) in Luft aufgelöst hatte. Ich schaute zurück und ja wirklich: Am Horizont konnte ich eine kleine schwarze Box auf dem Boden erkennen.

Das war also der nächste Fauxpas! Ich hatte wohl vergessen die Fuel Cell richtig am Rahmen zu arretieren. Ok, langsam wurde es peinlich und richtig ärgerlich.

Also umgedreht, 200 Meter zurück gesprintet, Box aufgehoben und wieder zurück. Keine Frage, dass die nächste Gruppe damit auch futsch war.

Als ich dann fünf Kilometer später auch noch einen „Chainsuck“ hatte und nochmals vom Rad springen musste um die Kette wieder aufzulegen, dachte ich, dass der Kona-Zug damit wohl endgültig abgefahren war.

Die nächsten 140 Kilometer fuhr ich dann zum Großteil ganz alleine. Die Beine spielten zunächst noch nicht so ganz mit, zudem war es auch eine mentale Herausforderung, dass Rennen jetzt noch zu drehen. Ich wusste, dass ich nach dem Schwimmen auf dem 6. Platz in der Altersklasse lag… und so wirklich überholt hatte ich bisher eigentlich noch niemanden.

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Golo, die Dampflok

Nach 90 Kilometern auf dem Rad setze aber Gott sei Dank so langsam mein „Diesel“ ein. Zu meinen Tagen als Mountainbiker bekam ich bei den ganz langen Ausfahrten von mehr als vier oder fünf Stunden häufig nach drei Stunden nochmal eine zweite Luft und konnte anschließend über zwei bis drei Stunden meine Werte relativ konstant halten. Diese Diesel-Eigenschaft kann ich bis heute im Triathlon konservieren und ist vermutlich einer der Gründe, warum mir Langdistanzen einfach ein bisschen besser liegen als die „kurzen schnellen Dinger“.

Es fühlte sich nun das erste Mal so an, als würde ich Boden gegenüber den anderen Teilnehmer gut machen. Enthusiastisch stieg ich vom Rad, stellte es auf meinen Wechselplatz, öffnete den Helm und… „Pfiff“!

Zeitstrafe! What?! Weil ich den Helm zu früh geöffnet habe bzw. im Gehen bzw. nicht am Rad gelassen habe bzw. im Laufen weg vom Rad geöffnet habe. Ich kann es bis heute noch nicht ganz nachvollziehen. Ich hätte wohl mit geschlossenen Helm bis zum Wechselzeit rennen müssen, dann öffnen und dann ausziehen. Also nochmal eine Minute stehen bleiben. Dann den Helm in den wieder Mals verschlossenen Beutel quetschen, Socken und Laufschuhe an und los.

Ok, mein Enthusiasmus war dann erstmal wieder futsch.

Als Kimi, meine Freundin, mir dann zurief, dass ich auf Position sechs in der Altersklasse lag und ein fünf Minuten Loch zu den Top-3 habe und der Erstplatzierte 15 Minuten weg ist (nebenbei: Wahnsinn Performance, die Jan Bruns da auf dem Rad und im Schwimmen abgerissen hat!), wusste ich, dass es nur noch eine Chance gab um das Ding zu drehen: Lauf Golo!

Kopf besiegt Körper – es geht zum IRONMAN Hawaii

Das tat ich dann auch. Ziemlich verrückt lief ich die ersten zehn Kilometer in 40:30 Minuten an und der Abstand wurde kleiner. Bei Kilometer 14 hörte ich Kimi sagen, dass ich Dritter in der Altersklasse bin. WOW! Jetzt lief natürlich wieder das Kino im Kopf über die Möglichkeit der Hawaii Qualifikation.

Die abschließenden 28 Kilometer waren dann alles andere als einfach! Ich musste die Top-3-Platzierung verteidigen. Der Abstand zum Viertplatzierten bewegte sich immer zwischen 45 und 90 Sekunden. Dass ich dann fast noch Jan eingeholt hätte, der im Laufen einen ganz schwarzen Tag erwischt hatte, hätte ich nicht für möglich gehalten.

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Zusammenfassend bin ich mega happy mit der Platzierung und freue mich riesig über die erneute Quali für Hawaii. Es war sicherlich nicht meine beste Performance über die Langdistanz, mental war es aber wohl einer meiner stärksten Wettkämpfe der letzten Zeit und so hoffe ich, dass in Kona dieses Jahr vielleicht mal beides zusammenkommt.

Bis bald! Euer Golo

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