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Daniela Sämmler: „Mehr Fairness und Chancengleichheit für uns Profi-Frauen“

Daniela Sämmler ist zurzeit die beste deutsche Triathletin auf der Lang-Distanz. Und sie kämpft für mehr Fairness und Chancengleichheit bei den Rennen der Profi-Frauen. Ein Blog über die aktuellen Probleme, welche Verbesserungsvorschläge Danni mitbringt und welche Hoffnungen sie für die Zukunft hat.

Niclas Bock Ehrlich währt am längsten
  • Titelbild: Ingo Kutsche Sportfotografie

Zwei IRONMAN-Titel und ein Sieg beim Challenge Roth, das sind die bisher größten Erfolge von Daniela Sämmler. Trotz – oder gerade wegen dieser Erfolge – hat sich die Darmstädterin einen kritischen Blick auf die Szene bewahrt: „Die Rennen bei uns Profi-Frauen leiden immer wieder darunter, dass die Age Group-Männer zu dicht hinter uns ins Rennen geschickt werden. Ein geringer Startabstand führt dazu, dass sich die Felder sehr schnell vermischen. Die etwas langsameren Profi-Damen profitieren dann gezwungenermaßen davon. Und die schnelleren Frauen im Profifeld erleiden Nachteile, da sie ihre Stärken dann nicht ausspielen können.“

Der Weg zur Verbesserung: Kommunikation

Das Problem erscheint plausibel. Daher unternimmt Danni auch immer wieder Versuche, die Veranstalter von großen Rennen auf genau diese Problematik aufmerksam zu machen: „Beim IRONMAN Barcelona letztes Jahr sollten die ersten Age Grouper bereits vier Minuten hinter den Profi-Frauen ins Rennen geschickt werden. Mir war klar, dass das auf der Strecke relativ schnell dazu führen würde, dass wir kein faires Rennen – Frau gegen Frau – hätten machen können, weil sich immer wieder Gruppen mit Age Groupern um die Frauen gebildet hätten.“

Also hat Danni Kontakt zum Veranstalter aufgenommen, das Problem geschildert und darum gebeten, dass der Zeitplan nochmals angepasst wird. Damals hat es geklappt, IRONMAN reagierte und vergrößerte den Abstand zwischen dem Start der Profi-Frauen und dem mittlerweile bewährten Rolling Start der Age Grouper. Klasse!

Noch eine Stufe besser lief es in der Kommunikation mit den Veranstaltern der Challenge Roth. In Vorbereitung auf das diesjährige Event haben sich die Verantwortlichen aus Roth nämlich proaktiv bei Danni und ihren Profi-Kolleginnen Yvonne Van Vlerken und Laura Siddal gemeldet, mit der Bitte um deren Input und Hilfe für die Gestaltung eines optimalen Startprozederes. „Das hat mir gezeigt, dass Vieles möglich ist, wenn der Veranstalter an Veränderungen und Verbesserungen interessiert ist. Im Endeffekt haben davon ja nicht nur wir Profi-Frauen einen Vorteil, sondern auch die Veranstalter und der Sport insgesamt profitiert von faireren Rennen.“

Daniela-Sämmler-Challenge-Roth
Foto: Ingo Kutsche Sportfotografie

Aber es geht auch anders

Mit Blick auf ihr bevorstehendes Rennen beim IRONMAN Hamburg bekommt Danni allerdings aus zweierlei Gründen Bauchschmerzen. Der Startzeitpunkt des Age Group-Feldes ist mit nur acht Minuten hinter den Profi-Frauen geplant: „Das ist zu wenig, ganz besonders bei einem so flachen Radkurs wie in diesem Jahr“, findet Danni, die das Rennen in Hamburg im Vorjahr gewinnen konnte und nun ihren Titel verteidigen möchte.

Außerdem könnte die Wasser-Temperatur zum Problem werden. Je nachdem was das Thermometer der Kampfrichter am Morgen des Wettkampfs anzeigt, könnte es passieren, dass die Profis ohne Neopren-Anzug, die Age Grouper jedoch mit Neopren-Anzug schwimmen dürfen. Das würde das Problem mit dem geringen Startabstand nochmals extrem vergrößern. Ein faires Rennen der Profi-Frauen wäre dann fast unmöglich

Also hat sie erneut Kontakt zum Veranstalter aufgenommen und mit Lösungsvorschlägen darum gebeten, den Abstand zu vergrößern.

  • Vorschlag eins // Das Startprozedere anpassen und eine größere Lücke zwischen Age Groupern und Profi-Frauen herstellen. Eine weitere Überlegung, die von Dannis Team ERDINGER Alkoholfrei-Managerin Wenke Kujala stammt, wäre es, ob die Profi-Frauen nicht auch 20 oder sogar 30 Minuten VOR den Profi-Männern starten könnten. Dieses System würde das Problem mit einer Vermischung zwischen Profi-Frauen und schnellen Age Groupern vermutlich komplett eliminieren.
  • Vorschlag zwei // Eine 20-Meter-Windschattenregel für die Rennen der Profis einführen. Das könnte immerhin dazu führen, dass die positiven Effekte im Rahmen gehalten würden, sobald Profi-Frauen von Age Groupern eingeholt werden. Denn bisher gilt auch hier die Windschatten-Regel und dem einzuhaltenden Abstand von 12 Metern von Vorderrad zu Vorderrad.

Faktor Zeit und internationale Regeln verhindern Veränderung

Ihr Unterfangen war dieses Mal nicht von Erfolg gekrönt. Eine Anpassung des Startprozederes sei so kurzfristig vor dem Start nicht mehr möglich, hieß es seitens IRONMAN. „Das verstehe ich absolut. Andererseits handelt es sich um ein bereits bekanntes Problem, weshalb ich natürlich die Hoffnung hatte, dass man noch etwas verändern oder anpassen kann, aber vielleicht war es dieses Mal einfach etwas zu kurzfristig. Dennoch könnte mein Anliegen ja ein Denkanstoß für die Zukunft sein, sodass IRONMAN dieses Thema mit in die Rennplanung einfließen lassen kann. Wenn das so wäre, dann wäre meine Kontaktaufnahme auf jeden Fall ein Erfolg!“

Der Vorschlag der 20-Meter-Regel für die Profi-Rennen wurde ebenfalls abgesagt. Begründung: Man arbeite in den letzten Jahren verstärkt daran, dass sich die Regularien der World Triathlon Corperation (WTC), sprich der IRONMAN-Events, und der International Triathlon Union (ITU) annähern. Auch deswegen, damit ein Austausch von Kampfrichter-Personal einfacher funktioniert. Ein nachvollziehbares Argument, dennoch sicherlich ein Punkt der in Zukunft diskutiert werden kann.

Zu der unterschiedlichen Regelung für Profis und Age Grouper, die das Tragen des Neoprenanzugs erlaubt beziehungsweise verbietet, hat Danni ebenfalls eine klare Meinung: „Es ergibt keinen Sinn, bei dieser Regelung einen Unterschied zwischen Age Groupern und Profis zu machen. Am sinnvollsten wäre es doch, wenn entweder alle oder niemand einen Neopren-Anzug tragen dürfte.“

Was denkt ihr?

Schreibt uns eure Meinung gerne in die Kommentare auf unserer Facebook-Seite oder direkt hier unter den Beitrag. Wir sind gespannt über eure Gedanken. Und vielleicht habt ihr ja noch weitere Vorschläge für Veränderungen?

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2 Kommentare

  1. Ich die Sichtweise von Daniela sehr gut verstehen und auch ihre Argumente und Vorschläge im Großen und Ganzen nachvollziehen.
    In einem Punkt muss ich ihr aber widersprechen:
    Ich finde sehr wohl, dass es Sinn macht, dass es für das Tragen eines Neoprens für Profis und Agegrouper unterschiedliche Regelungen gibt. Denn bei den Agegroupern ist die Spanne der Schwimmzeit zwischen den langsamen und schnellen Schwimmern ja gewaltig (1h und mehr). Das bedeutet also, wenn ein langsamer Schwimmer eine Stunde länger im Wasser ohne Neo bleiben muss, könnte dieser stark auskühlen.

    Man könnte ja dann das Argument anführen, dass man dann die Grenzwerte für die Profis anhebt und an die Agegrouper anpasst, was wiederum schneller zum Überhitzen der Profis führt…

    Schwieriges Thema =)

  2. Mir hat sich noch nie erschlossen, warum Profis weniger frieren sollten als Agegrouper. Wenn ich zu kalt angezogen bin, dann macht es kaum eine Unterschied, ob ich 50 Minuten oder zwei Stunden unterwegs bin. Der langsame Agegrouper strengt sich genauso an und produziert wahrscheinlich genauso viel eigene Körperwärme. Dazu hat er meist noch mehr Eigenisolation. Wer erinnert sich noch an Im Frankfurt vor zwei Jahren, als Daniela Ryf unterkühlt nach ein paar Kilometern am Rad ausstieg? Da war auch nur für die Profis Neoverbot. Von daher einfach die Temperaturen an die Agegouper anpassen und gut.

    Die 20 Meter Windschatten machen auch Sinn. Ich war jetzt zweimal in Samorin dabei und das hat sich echt bewährt. Denn sind wir uns mal ehrlich. Bei 12 Meter Abstand merkt man den Windschatteneffekt noch deutlich.

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