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Episode 1: Meinungsdauerbrenner | Dopingsünder

Ja, im Triathlon (und anderen Sportarten) gibt es Sportler, die des Dopings überführt wurden und nach absitzen ihrer Strafe wieder in den Rennzirkus zurückgekehrt sind. Im Triathlon sind die beiden bekanntesten Beispiele Michael Weiss und Lisa Hütthaler aus Österreich. In der ganzen Dopingsünder-Thematik gibt es drei Lager, die teilweise kontrovers diskutieren. Eine Übersicht mit Erklärungsversuchen.

Niclas Bock Pushing Limits Niclas Bock
Ehrlich währt am längsten

06. Dezember 2017 Doping Meinungsmacher Triathlon

Ladies first. Lisa Hütthaler wurde 2008 des Dopings überführt und verurteilt, EPO. Sie hatte im gleichen Jahr die Qualifikation für die olympischen Spiele verpasst. Zu diesem Zeitpunkt war sie 25 Jahre alt – in einem Interview mit dem österreichischen Sportportal Sport24 gab sie außerdem zu, dass sie bereits seit ihrem 18 Lebensjahr Doping einnahm. Bis 2008 waren ihre Erfolge, bis auf einige sehr gute Duathlonrennen, unspektakulär. Ihre Ergebnisse seit 2012 lesen sich deutlich beeindruckender: 2012 gewann sie unter anderem drei Rennen der TriStar111-Serie. Es folgten Doppelsiege bei den IRONMAN 70.3 auf Mallorca und in St. Pölten 2013 und 2014, der Gewinn des IRONMAN 70.3 Luxemburgs 2014, sowie der Titel der ETU-Europameisterin über die Mitteldistanz im Rahmen der Challenge Peguera-Mallorca im selben Jahr. In 2016 und 2017 war Hütthaler bei den folgenden IRONMAN 70.3-Rennen siegreich: Budapest, Lanzarote, St. Pölten, Pescara, Jönköping und Gdynia. Von 20 Rennen über die Triathlon Mittel-Distanz in der Zeit von 2012 bis heute gewann sie 12 und stand weitere vier Mal auf dem Podium.

Gentlemen next. Michael Weiss erhielt 2007 aufgrund seiner erhöhten Hämatokrit-Werte eine sogenannte Schutzsperre. 2009 kamen neue Dopingvorwürfe gegen Weiss auf und es wurde 2010 ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, was allerdings noch im selben Jahr mit einem Freispruch beendet wurde. Etwas klarer war hingegen das Ergebnis eines Prozesses am Ende des Jahres 2011: Die österreichische NADA verhängte eine zweijährige Dopingsperre, nachdem Weiss bereits 2005 verbotene Methoden verwendet haben soll. Die Sperre endete am 29. November 2013. Am 1. Dezember 2013 kehrte Weiss beim IRONMAN Cozumel auf die Wettkampfbühne zurück und gewann das Rennen in 7:55 Stunden. 2014 gewann er an gleicher Stelle erneut und fügte seinen Palmares 2017 beim IRONMAN Maastricht einen weiteren Sieg hinzu. Bei weiteren drei IRONMAN-Rennen stand er auf dem Podium, beim IRONMAN 70.3 Santa Cruz gelang ihm 2016 der bisher einzige Sieg über die Mittel-Distanz.

Einmal Dopingsünder, immer Dopingsünder?

Nun ja. Es wird diskutiert, wenn diese beiden Athleten erfolgreich sind. Eigentlich wird schon diskutiert, wenn sie überhaupt auftauchen. Die Athleten haben ihre Strafe bekommen und sie haben sie abgesessen. Leicht haben sie es trotzdem nicht: Zuschauer hören auf zu klatschen, bei der Siegerehrung verweigern Profi-Kollegen den Handschlag, auf Social Media scheiden sich die Geister. Gibt es ein Richtig oder Falsch im Umgang mit Dopingsündern, die nach ihrer Strafe in den Sport zurückkommen? Diese Frage kann nur individuell beantwortet werden und hängt stark von den eigenen Werten ab.

Fakt ist, dass beide Athleten starten dürfen. Manche Sportfans finden das gut, manche okay und manche finden es richtig mies.

Es gibt diejenigen, die sagen: „Jeder hat eine zweite Chance verdient.“ Oder: „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ Generell finde ich Bibelzitate immer schwierig als Diskussionsgrundlage. Und: Ab wann gilt eine zweite Chance eben nicht mehr? Ist es Glück, dass Lisa Hütthaler sieben Jahre lang dopen konnte und erst im Alter von 25 erwischt wird? Und wäre bei so viel Glück die zweite Chance dann immer noch angebracht? Bei welcher Chance ist Michael Weiss nach einer Schutzsperre, einem Freispruch, obwohl er Kunde im Labor von Humanplasma war und einer rechtskräftigen Sperre, angelangt?

Dann gibt es diejenigen, die sagen: „Sie haben ihre Strafe bekommen und abgesessen. Jetzt dürfen sie wieder.“ Richtig. Hier dagegen zu argumentieren ohne emotional zu werden fällt durchaus schwer. Es ist eine verdammt einfache Haltung, die aber leider auch so verdammt wahr ist. Diese Einstellung ruft so eine Mischung aus wortlosem Kopfnicken und -schütteln hervor.

Und dann gibt es die Fundamentalisten: Doping? Ist scheiße. Und zwar ohne Ausnahme. Ich gebe es ja zu: Rechtlich mag dieser Standpunkt schwierig zu vertreten sein. Aber Sportler haben Herz, Leidenschaft und verdammt nochmal Anstand und Respekt ihrer Konkurrenz gegenüber. Und wo gelten schon emotionale Argumente, wenn nicht im Sport?

Ein spannendes Thema, das mit den beiden Österreichern zwei prominente Bauernopfer gefunden hat. Wie steht ihr zu dem Thema und zu welchem Lager zählt ihr euch?

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