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Die Liebe zum Triathlon: Belastungsprobe für die Beziehung?

25.10.2021 · 6 Min. Lesezeit · von Lena

Triathlon Liebe

Sie leiden, reisen, jubeln mit – und das auch, wenn sie selbst dem Triathlon nichts abgewinnen können: Partner sind oft Leidtragende unserer Sport-Begeisterung. Das birgt Streitpotenzial. Und es wirft die Frage auf: Brauchen Triathleten als Partner eigentlich Triathleten?

Jan Frodeno hat seine Emma, Lucy Charles-Barclay ihren Reece und beim Challenge Roth 2021 gab es am späten Nachmittag an der Finishline glatt noch einen Heiratsantrag eines Agegrouper-Paares – kurzum: Triathlon verbindet und schreibt mitunter die schönsten Liebesgeschichten. Vor allem unter Triathleten. Klingt romantisch. Und gerade in Profi-Kreisen ist auffällig, dass Liebende nicht selten auch die Liebe zum Triathlon oder zumindest die zum Sport eint.

Aber was, wenn der Partner eben nicht selbst auch Triathlet ist? Und wenn für jede Trainingseinheit der Familienfrieden oder das Liebesglück riskiert wird? Tja, dann … scheitert mitunter auch der Traum von der Finishline.

Und das alles aus Liebe (zum Sport)?

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Mir ist völlig klar, dass manch einer an dieser Stelle nun augenrollend mit einem genervten „Frauenthema!“ abwinken dürfte. Aber geben wir der Sache mal eine Chance. Fakt ist: Selbst der begabteste, testosterongetränkte Triathlet weiß nur zu gut, dass der geliebte Sport den Haussegen nicht nur schiefhängen, sondern zu Boden krachen lassen kann. Das gilt vor allem dann, wenn die eigene Freude am Schwimm-Rad-Lauf-Dreiklang stetig größer wird – was mit der Zeit zwangsläufig passiert. Im besten Fall.

Als Beispiel führe ich gerne die Story einer Kollegin an, deren Mann sich dazu entschieden hatte, sein Herz nicht nur ihr, sondern auch dem Triathlon zu schenken: Erst trainierte er für die Olympische, dann für die Mitteldistanz. Aber als er überlegte, auf die Langdistanz zu switchen, legte besagte Kollegin, also seine Frau, ein Veto ein. „Sorry, aber bei Langdistanz bin ich raus!“, erklärte sie mir ihr Gegenhalten. Zur Erinnerung: Nicht sie, sondern ihr Mann hatte das Ganze angedacht. Auch auf die Gefahr hin, als „die böse Ehefrau, die alles verbietet“ aus der Nummer herauszugehen, war das schlichtweg ihre Grenze. Die der zwei gemeinsamen Kinder übrigens auch.

Triathleten bleiben besser unter sich? Quatsch!

Was das zeigt: Lebenspartner schwitzen bei dem „Once in a Lifetime“-Projekt Triathlon zwar nicht unbedingt mit. Doch auch sie absolvieren so etwas wie eine Langdistanz in Form einer ziemlich langen Durststrecke. Das gilt gerade dann, wenn sie selbst so gar nichts an dem Sport finden können. Sollten Triathleten also bestenfalls an andere Triathleten ihr Herz verschenken – um auf mehr Verständnis und weniger Stress hoffen zu können?

Dass das nicht sein muss, beweist eine aus dem Profi-Zirkus bekannte Beziehung. Nämlich die von Lionel Sanders und seiner Frau Erin. Nein, sie betreibt keinen Triathlon, ist dennoch maßgeblich für den Erfolg ihres Mannes verantwortlich. Das gestand letzterer selbst beim After-Race-Interview im Rahmen des Tri Battle Royale ein: „Ohne sie würde ich an keiner Startline stehen – zumindest nicht pünktlich.“ Chapeau! Scheint so, als hätte nicht nur Lionel, sondern die gesamte Szene der sympathischen Erin einiges zu verdanken.

Kompromissbereitschaft als vierte Disziplin

Allerdings: Auf dem Profiparkett lässt sich der Support und die gelebte Beziehungsharmonie mit dem Absichern des Lebensunterhalts verargumentieren. Im Altersklassenbereich sieht das anders aus. Um jede Trainingsminute muss gefeilscht werden, jede Ausfahrt wird eingerahmt von „Mama!“ hier und „Schatz!“ da. Und nach dem Laufen kann sich kaum ein Altersklassen-Athlet, der seine Beziehung langfristig weiterführen möchte, erst einmal den halben Samstag auf der Couch ausruhen und „regenerieren“. Fair point: Profis mit Familienpflichten können das auch nicht.

So, und wie minimiert man den Stress nun? Einfach ausblenden, den Ego-Trip weiterfahren und sich mit einem „Wird schon gutgehen!“ in die nächste Einheit schmeißen? Oder gleich das ganze Projekt „Triathlon“ ad acta legen? Weder noch! Wer sowohl einen Triathlon ins Ziel bringen als auch danach noch ein funktionierendes Familienleben haben möchte, muss, darf und kann Kompromisse machen. Und das nicht nur auf Kosten der einen und zugunsten der anderen Liebe. Es geht vor allem um die Erwartungen an die eigene Leistung.

Lieber langsam als gar nicht?

Nicht, dass ich wüsste, was das im Einzelfall bei jedem hier bedeutet. Aber dass die innere „Ich kann das alles gleich gut schaffen!“-Haltung für mich persönlich mehr Selbstbetrug als sinnvolles Mantra ist, bemerkte ich, als ich das erste Mal auf andere Triathleten im Rahmen eines Trainingslagers traf. Mit meinen 4 bis 5 Stunden wöchentlicher Trainingszeit hatte ich mich vorher wie eine Superheldin gefühlt. Zwischen all den 10-Stunden-Abreißern kam ich mir hingegen lächerlich vor.

Zum Glück hatte ich mir unbewusst realistisch das entsprechende Rookie-Ziel gesetzt – nämlich, überhaupt anzukommen, statt völlig utopisch von Bestzeiten zu träumen. Mit meiner zu diesem Zeitpunkt 4-jährigen Tochter und einem Vollzeitjob im Schlepptau wäre letzteres vermessen gewesen. Mehr Trainingszeit war bei mir im Gegensatz zu vogelfreien anderen Athleten eben nicht drin, wenn ich nicht gerade nachts hätte trainieren wollen. Wobei … Nein, nicht ernsthaft!

Neue Triathlon-Ziele – und neue Chancen für die Beziehung?

Mit dem Kompromiss, unter diesen Umständen zwar den ersten Triathlon machen zu können, aber eben erst einmal auf der kürzeren Distanz und mit dem kleinsten nur möglichen Ziel unterwegs zu sein, hatte ich meinen Schlüssel zur Motivation gefunden. Nicht nur zur Motivation für das Training, sondern auch dafür, Zeit auszuhandeln und dieses ganze Familiending zu organisieren. Immerhin.

Jetzt, etwas mehr als ein Jahr später, ist meine Tochter ein stolzes Schulkind, das sich nach mehr Selbstständigkeit sehnt (O-Ton: „Mama, geh mal laufen!“), und mein Job lässt etwas mehr Flexibilität zu. Mit diesen geänderten Umständen kann man sich doch auch mal an gesteigerte wöchentliche Trainingsumfänge für die Mitteldistanz wagen. Glaube ich. Was mein Partner (übrigens kein Triathlet) dazu sagt? Ich habe ihm jedenfalls versichert, dass die Langdistanz für mich nie eine Option sein wird. Jetzt ist er beruhigt – für 2022.

Momente für Kompromisse aus Liebe (zum Triathlon)

  1. Saisonplanung: Wettkämpfe wählen, die nicht den Familienurlaub crashen
  2. Trainingsplanung: Flexibel bleiben und Routinen nicht an Tagen festmachen („Jeden Donnerstag lange laufen gehen“ scheitert spätestens dann, wenn nächsten Donnerstag die Kita/Schule anruft, weil das Kind herumrotzt und abgeholt werden muss – und den Frust kann man sich sparen!)
  3. Training: Lange Einheiten nicht nur auf die Wochenenden legen, denn auch die anderen Familienmitglieder haben hauptsächlich am Wochenende Zeit für Gemeinsames
  4. Kommunikation: Wochenpläne und Ziele transparent machen
  5. Haltung: Unterstützung nicht als selbstverständlich ansehen (und dafür bestenfalls auch mal Danke sagen)
  6. Fairness: Partner ebenso beim Verfolgen seiner Ziele unterstützen

Und bei euch so?

Welche Kompromisse habt ihr zuletzt aus Liebe zur Familie und zum Triathlon gemacht? Teilt doch mal in den Kommentaren eure Erfahrungen – wer weiß, vielleicht hilft das ja anderen, die gerade vor der Mammutaufgabe stehen, alles unter einen Hut bringen zu müssen. Dass das eine der größten Challenges bei der ganzen Nummer ist, bemerkt nämlich selbst der krasseste Triathlet irgendwann.

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