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Rookie-Report – Triathlon-Training und Familie vereinbaren: Wie soll das bitte klappen?
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Wer sich für den Triathlon entscheidet, trifft damit eine Entscheidung für die ganze Familie. Ihren Partnern und Kindern muten Triathleten im Alltag enorm viel zu. Zu viel? Eine Frage, die sich auch Einsteigerin Lena stellt. Zeit für einen neuen Rookie-Report.
Das Idealbild ist klar: ein/e über das ganze Gesicht strahlende Athlet/in, der/die seine Familie unendlich stolz macht. Das ist der Stoff, aus dem im Triathlon Träume gemacht sind! Und es soll ja schon Rookies gegeben haben, die aus lauter Neugierde, wie sich das wohl anfühlen mag, überhaupt mit diesem fabelhaften Sport angefangen haben …
Dass zur Wahrheit allerdings auch weniger euphorische Szenerien gehören, gerät da schnell in Vergessenheit. Und doch spielen sie sich vermutlich hinter vielen verschlossenen Türen ab. In ihrem Werk „To The Finish Line“* (2017) widmet Ironman-Ikone Chrissie Wellington, selbst Mutter, dem Thema gar eine eigene Q&A-Session. Will heißen: Triathleten stehen immer wieder vor der Herausforderung, die Lust aufs Training sowie die eigenen Ambitionen irgendwie mit den Bedürfnissen des Umfelds in Einklang zu bringen. Das ist übrigens kein Frauen-Ding, sondern gilt für Männer ganz genauso. Und um ehrlich zu sein, gelingt mir das sicher nicht immer. Also: Laufschuhe, Helm, Paddles an den Nagel hängen und aufgeben? Never ever!
Finish-Line oder Familienfrieden? Das ist im Triathlon die Frage!
Gerne spricht darüber natürlich niemand, dass für den Traum vom Triathlon-Finish so manch anderer geopfert wird. Etwa der von einem harmonischen Familienleben. Ist die (Un-)Vereinbarkeit von Triathlon-Training und Familienleben also so etwas wie ein Tabu?
Es klingt eben verdammt unsexy, zugeben zu müssen, dass der Partner jedes Mal genervt mit den Augen rollt, wenn man „mal kurz“ laufen geht, eineinhalb Stunden später völlig ausgelaugt wieder zurückkommt und den Rest des Tages eigentlich nur auf der Couch verbringen möchte, pardon, „regenerieren muss“. Diese Realität passt nicht zu dem Insta-Lächeln auf dem Selfie, das man kurz vor dem Öffnen der Haustür noch von sich geteilt hat – wohlwissend, dass der Haussegen gleich schiefhängt. Aber: #isso.
Und dann wäre da ja noch das fiese schlechte Eltern-Gewissen, das uns nicht nur Steine, sondern ganze Felswände in den Weg stellt. Es meldet sich spätestens dann, wenn man sich verdeutlicht, wie viel Zeit fürs Training draufgeht – falls man für diese Reflexion überhaupt noch die Gelegenheit hat. Bei mir passierte es, als Bocki mich kürzlich fragte „Wie machst du das eigentlich so mit dem Training?“. Ich konnte ihm aus dem Stand sagen, wie viele Stunden ich pro Woche trainiere. Aber hätte er mich gefragt, wann ich das letzte Mal mit meiner Tochter ein Puzzle gemacht habe, hätte ich lange nachdenken müssen. Zu lange.
Training trotz Kind und Karriere: Kann das funktionieren?
Ich bin eben nicht nur eine Hobbysportlerin, die sich aus Versehen von einer zeitintensiven Disziplin hat begeistern lassen, sondern auch alleinerziehende Mutter, Partnerin und Vollzeitarbeitnehmerin. Willkommen auf dem Boden der Tatsachen! Mehr als vier bis sechs Stunden Training sind nicht drin, wenn ich noch schlafen möchte. Und das möchte ich. Diese vermeintlich wenigen Stunden sind für mich also viel wert – meine Highlights, die ich mir „gönne“. Und sie sind mit einem engen Zeitplan verbunden, bei dem nichts dazwischenkommen darf. Schätzungsweise sehen meine Trainingswochen also etwas anders aus als die von vogelfreien Thirty-Somethings:
Trainingsalltag vor Corona
Werktag: Kind zur Kita bringen. Arbeiten. Kind abholen. Mit Kind ins Fitnessstudio und es in die Kinderbetreuung geben.
Plan: Swim/Bike/Run/Athletik – und schnell wieder raus; Kind versorgen, kuscheln, ins Bett bringen.
Realität: Swim/Bike/Run/Athletik – aber vor dem Duschen verquatschen; bemerken, dass keine „Brezn“ mehr für abends da ist, schnell beim Bäcker reinhetzen, Kind versorgen, kurz kuscheln, viel zu spät ins Bett bringen. Arbeiten.
Trainingsalltag seit Corona
Werktag: Kind zur Kita bringen. Arbeiten.
Plan: mittags laufen/auf die Rolle gehen/Athletik-Training im Homeoffice machen.
Umsetzung: mittags laufen/auf die Rolle gehen/Athletik-Training im Homeoffice machen wollen – aber dann in zu langen Terminen festhängen, das Frühstück oder die Zeit vergessen, oder „auf besseres Wetter warten“, das allerdings leider gegen 17 Uhr eintritt. Kind von der Kita abholen und versorgen. Haushalt vom Wochenende nachholen. Kind ins Bett bringen. Arbeiten.
Training am Wochenende (vor, aber auch seit Corona)
Plan: Nicht zu spät aufstehen, Haushalt machen, lange Trainingseinheiten absolvieren, etwas unternehmen, abends Zeit füreinander genießen.
Real: Viel zu lang liegen bleiben (weil seltsamerweise die Woche stressig war), mittags das Training dazwischen quetschen, Haushalt auf die Woche schieben, abends diskutieren, wann eigentlich mal Zeit für die Beziehung ist.
Man muss kein Genie sein, um zu erkennen: Sobald irgendetwas in diesem System nicht wie geplant läuft, kommt man als Age Grouper in die Bredouille – und als Mutter oder Vater sowieso. Es bleibt nur, Strategien zu entwickeln, mit denen man den Wahnsinn tolerierbar macht. Wer darin richtig gut ist, bemerkt nicht einmal, was man so auf sich nimmt, um Triathlon betreiben zu können. Die Leidenschaft vernebelt den Blick. Ist vielleicht auch ganz gut so, sonst gäbe es vermutlich keine Age Grouper mehr.
Aber Hürden hin, Stress her: In irgendeiner Weise scheint es mir hin und wieder zu gelingen, zu trainieren. Und obwohl ich bei diesem höchstpersönlichen Thema wahrlich keine „Tipps“ oder „Ratschläge“ geben kann und möchte, teile ich gerne die Strategien, die ich für mich, mein Kind, meine Familie im Laufe der Zeit entwickelt habe. Dank diesen Strategien mache ich vielleicht nicht alles, aber doch schon eine ganze Menge möglich. Ob sie auch anderen helfen? Keine Ahnung! Aber besser als das lähmende Gefühl, man sei mit diesen Problemen alleine, sind sie allemal …
5 Strategien, die mir helfen, das Triathlon-Training und die Familie irgendwie zu vereinbaren
1. Das Zeitguthaben realistisch einschätzen
Ja, acht bis zehn Stunden Training klingen machbar – in meinem Fall sind sie es (Stand heute) aber nicht. Egal, wie groß meine Motivation auch ist. Um hier eben nicht in die Frustfalle zu tappen, wenn die Einheiten in der Trainings-App mehr rot als grün sind, bevorzuge ich, auf Pläne mit geringeren, dafür aber realistischeren Zeitumfängen zu setzen. Und das sind erfahrungsgemäß eben nur vier bis sechs Stunden. In Wochen, in denen der Nachwuchs plötzlich krank und der Job fordernd ist, sind es vielleicht auch nur drei Stunden. So, what? In der nächsten sind ja vielleicht völlig überraschend auch mal sieben drin …
2. Das schlechte Gewissen stillstellen
„Triathlon sollte eine Aktivität sein, die eher positive als negative Gefühle auslöst“, schreibt Chrissie Wellington. Stimmt! Man muss eben üben, es sich zu „erlauben“, Sport zu machen. Die Trainingszeit gehört nur mir – in diesem kleinen Tagesabschnitt kann ich die Welt nicht ändern, mir aber sicher sein, dass diese Zeit mich ändert. Stichwort: Endorphine und Runner’s High. Da geht so einiges.
3. Den Sport als Kraftquelle verstehen
Puh, es klingt so esoterisch, aber anders kann ich es nicht beschreiben. Fakt ist: Wer beim Sport Endorphine tankt, neue Reize setzt, Me-Time genießt, wird davon auch im Alltag profitieren. Mir geht’s jedenfalls so. Nach jedem Lauf, jeder Einheit auf dem Bike (ähm, was war noch gleich dieses Schwimmen?) kann ich wieder klare Gedanken fassen, bin ruhiger, ausgeglichener. Im besten Fall macht mich das dann auch resistenter gegenüber Trotzphasen- und Vorschulalter-Dramen. Fazit fürs Umfeld: Lasst Muddi lieber mal laufen gehen …
4. Kompromisse machen und Ansprüche runterfahren
Tatsache ist: Ich werde nie das Zeitvermögen haben, das so manch anderer hat – zumindest nicht in den nächsten 10 Jahren. Schlimm? Nö! Nur eine Frage der Einstellung. Damit geht nämlich die Akzeptanz des tatsächlichen Leistungsvermögens einher, das bekanntlich nicht nur eine Frage des Talents ist, wie auch Nils Goerke bereits betonte. Zu verzweifeln, dass andere geschmeidiger schwimmen, schneller auf dem Bike unterwegs sind oder eine Wahnsinns-Pace hinlegen, lohnt sich nicht. Wie war das noch gleich mit den Äpfeln und den Birnen …?
5. Sich die richtigen (Frauen-)Communitys suchen
In Communitys ist die Chance besonders groß, dass man auf Age Grouper mit ähnlichen Alltagshürden trifft. Mir hat das zum Start ins Triathlon-Training sehr geholfen. Gemeinsam wird nicht nur Sport gemacht, auch der Austausch ist ein ganz besonderer. Das motiviert und zeigt, dass viel mehr möglich ist, als man im stillen Kämmerlein so vor sich hin denkt. Für sportwillige Frauen ist die Auswahl im Event-, Zwift-Ride-, Verein- und Community-Bereich inzwischen riesig. Hier mal ein paar Beispiele:
Teaser: Auf das Thema Frauen-Communitys gehen wir bei Pushing Limits in Kürze noch ausführlicher ein. Stay tuned!
Profi-Check: Wir sorgt man für eine gute Work-Life-Tri-Balance?
Tatsächlich prallen beim Thema Vereinbarung mit der Familie zwei Welten aufeinander: die der Profis und die der Age Grouper. Die eine Lebensrealität lässt sich wohl kaum mit der anderen vergleichen. Denn während der Job der Profis das Training ist, machen Age Grouper das Training zusätzlich zum Job.
Man muss also ein wenig suchen, um Ratschläge zu finden – und wird, wie bereits oben erwähnt, unter anderem in dem Buch von Chrissie Wellington fündig. Drei essentielle Impulse der mehrfachen Weltmeisterin:
1. „Die tausenden von Age Groupern, die die Finish-Line überqueren, beweisen, dass es möglich ist, eine Vielzahl von Aktivitäten miteinander zu kombinieren – mit Planung, Zeit-Management, Organisation und Flexibilität. Genau das ist, was ich so inspirierend finde.“
2. „Es wird immer die geben, die mehr machen (oder zumindest sagen, dass sie es tun). Das ist dein Leben und solange du es in vollen Zügen genießt, ist das alles, worauf es ankommt.“
3. „Definiere jährliche, monatliche und wöchentliche Ziele und stelle sicher, dass die nicht-verhandelbaren Aktivitäten dabei berücksichtigt sind.“
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Rookie-Report: Was bisher geschah …
- Intro: Wie es sich anfühlt, Triathlon-Anfänger zu sein
- Blog 1: Wie muss man eigentlich ticken, um Triathlon zu machen?
- Blog 2: 9 Anfänger-Fehler, die ich mir auch hätte sparen können
- Blog 3: Trainiere ich zu viel, zu wenig oder genau richtig?
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