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Rookie-Report – Wie muss man eigentlich ticken, um Triathlon zu machen?
Triathleten sind schon spezielle Typen. Mitunter auch ziemlich krasse. Das fällt besonders auf, wenn man neu in der Szene ist – so wie Triathlon-Einsteigerin Lena. Kein Wunder also, dass sie sich fragt: Habe ich überhaupt das Zeug dazu, diesen Sport zu treiben? Zeit für eine Antwortsuche bei sich selbst und in Profi-Kreisen …
Wer Triathlon machen will, braucht einen Trainingsplan, Equipment und wahnsinnig viel Zeit – schon klar. Aber eine der wichtigsten Voraussetzungen ist weniger eine Material-, als vielmehr eine Haltungsfrage: Vor der Ausstattung steht die bewusste Entscheidung für ausgerechnet diesen Sport. Und es gibt kaum eine Lebensentscheidung, die so lange reift, wie die für Triathlon. So war es jedenfalls bei mir.
Triathlon: (K)Eine Frage des Charakters
Für die Entscheidung, einen Halbmarathon zu laufen, habe ich ein paar Stunden gebraucht, die für den einen oder anderen Trailrun stand innerhalb von Minuten und die Entscheidung für mein Kind traf ich in dem Moment, als ich von der Schwangerschaft erfuhr. Unter uns: Folgenschwer und lebensverändernd waren diese Entscheidungen alle. Aber meine erste Reaktion auf Triathlon war deswegen keinesfalls ein routiniertes „Ja, das mach ich!“, sondern ein schockiertes „Krass, das schaff ich nie!“.
Vermutlich dachten das sogar die besten Athleten der Welt irgendwann mal von sich. Nur: Im Unterschied zu all denen, die das immer noch von sich denken, kommt bei Triathleten zeitnah die Neugier auf, ob sie es nicht doch schaffen könnten. Daraus wird ein „Wie kann ich es schaffen?“ (Training), relativ bald ein „Wann kann ich es schaffen?“ (Anmeldung zum ersten Event) und im besten Fall schließlich ein „Wie habe ich das bloß geschafft?“ (Finish). Man muss schon ganz speziell drauf sein, um daran Gefallen zu finden – ein Charaktertyp halt. Der eine Macher unter tausenden Zweiflern.
Was muss ich können, um Triathlon zu machen?
Das klingt natürlich total heroisch und als reiche es schon, sich selbst die richtigen Fragen zu stellen, um Triathlon zu machen. Ich wage allerdings zu bezweifeln, dass das jemals irgendwen an eine Finishline gebracht hat. Geschweige denn darüber hinaus. Aber welche Voraussetzungen gibt’s dann bitte? Muss ich zig (Halb-)Marathons, mindestens dreimal den Ötztaler und regelmäßig „100 x 100“ gefinished haben, um mit Triathlon anfangen zu können?
Ich frage bei Trainer, Ex-Profi, Experte und „Coaches Corner“-Stimme Nils Goerke nach. Seine Antwort: „Natürlich hilft es, als Rookie bereits Erfahrungen in einer der drei Disziplinen gemacht zu haben – es ist dann quasi kein komplettes Neuland mehr.“ Check! Bis aufs Schwimmen mache ich alles regelmäßig. Dann kann’s ja losgehen.
Innerlich ziehe ich mir also die Badekappe über den Kopf, schnappe mir mein geliebtes Rennrad, schnüre die Laufschuhe – und lande unsanft auf dem Boden der Tatsachen: „Einen kleinen Vorteil haben sicher diejenigen, die zumindest über Schwimmerfahrung verfügen. Es ist halt echt schwer, im gehobenen Alter, also jenseits des Teeniealters, das vielzitierte Wassergefühl zu erlangen.“ Moment … echt jetzt, Coach? „Es geht bis zu einem bestimmten Maß, erfordert aber sehr viel Motivation und Disziplin. Zudem ist Schwimmen ja ausgerechnet die Disziplin, die am meisten Aufwand bedarf. Und vom Sicherheitsgefühl beim Schwimmen im Wettkampf mit Massenstart (womöglich im Meer) wollen wir jetzt mal gar nicht sprechen.“
An dieser Stelle könnte meine Rookie-Karriere ein frühes Ende finden. Ich könnte beleidigt die Arme verschränken, eine Schnute ziehen und filmreif abdampfen. Vielleicht würde ich dazu noch ein schnippisches „Pfff, dann mach ich eben gar nichts!“ von mir geben – dann wär’s rund.
Aber da kommt wieder der Charakter ins Spiel. Und der ist keine Rookie-Illusion, sondern ein realer Antrieb, wie Nils bestätigt: „Auf der anderen Seite gibt es wohl kaum eine Sportart, die so sehr vom Fleiß lebt, wie der Triathlon. Wenn man heiß und motiviert ist, richtig Bock auf Training und Lust hat, sich reinzufuchsen, dann ist das unglaublich viel wert. Egal in welchem Alter man mit dem Sport anfängt: Man kann wirklich lange besser werden. Fleiß schlägt irgendwann immer Talent im Triathlon!“ Puh, Glück gehabt …
Profi-Check: Wie ticken Triathleten wirklich?

Daniela Bleymehl, Team ERDINGER Alkoholfrei
„Man muss vor allem Spaß an Bewegung und Bock auf kontinuierliches Training haben. Und man sollte sich im Klaren darüber sein, dass Triathlon sehr zeitintensiv ist – egal auf welchem Leistungsniveau man die Sportart betreiben möchte. Sprich: Man braucht nicht zwangsläufig einen eisernen Siegeswillen. Ein gewisses Maß an Disziplin und Ehrgeiz sollte aber vorhanden sein, schon allein um sich täglich für das Training zu motivieren. Umgekehrt lernt man durch den Sport schnell, sich und seinen Tagesablauf besser zu strukturieren und seine Zeit gut einzuteilen. Auch den eigenen Körper und sich selbst lernt man sehr gut kennen: Du kommst garantiert an deine Grenzen und merkst, was dir im Leben wichtig ist.“
Nils Goerke, Triathlon-Coach
„Ich würde sagen, dass nahezu alle Triathleten sehr, sehr gerne trainieren. Sie haben in der Regel alle einen großen Eigenantrieb und sind sehr konsequent. Zum Teil auch perfektionistisch. Leider werden einige dadurch ein wenig zu verbissen und mitunter auch zu verkrampft. Spannenderweise sind die meisten aber doch gesellige Typen, obwohl sie ja sehr viel Zeit im Training alleine verbringen müssen. Aber ‚der Triathlet‘ will natürlich gerne von seinen Heldentaten berichten – denn viele finden sich doch ziemlich lässig (mit einem breiten Grinsen) und sind auch ein bisschen eitel.“
Bocki
„Ein bisschen bekloppt muss man irgendwie schon sein, um so etwas zu machen, das gefühlt kein anderer macht. Als Triathlet bist du in einer ‚Bubble‘ unterwegs, der Sport ist nämlich verhältnismäßig klein. Du lernst erst mit der Zeit Leute kennen, die dann zu Trainingspartnern oder Vereinskollegen werden. Wenn man anfängt, hat man wahrscheinlich erstmal kein Netzwerk aus Triathleten – man ist auf sich allein gestellt. Da sollte man sich schon durchbeißen können und herausfinden wollen, wohin die Reise im Triathlon gehen kann.“
Halten wir fest: Die wichtigste Voraussetzung, um Triathlon zu machen, ist nicht das Leistungsvermögen, sondern die Leistungsbereitschaft. Anders ausgedrückt, wirst du nicht zum Triathleten, indem du in einer bestimmten Zeit über die Ziellinie läufst, sondern wenn du über die Startlinie überquerst, sobald der Startschuss fällt. Mag sein, dass auch das wieder romantisch klingt – aber ein bisschen zu träumen, gehört doch immer dazu.
Also, nächster Halt: Pushing Limits TT-Race auf Zwift am Sonntag. Irgendwo muss man ja anfangen, oder?
Lena
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