Blog
Rookie-Report: Immer nur Arbeit und Training – macht das wirklich glücklich?
„Train. Eat. Sleep. Repeat.“ – ein Credo, das im Triathlon durchaus als erstrebenswert gilt. Aber ist es wirklich so erfüllend? Brauchen wir nicht doch etwas mehr? Und was tun, wenn du feststellst, dass dir bei all dem Training das Privatleben flöten geht?
Es gab eine Zeit, da war die Antwort auf die Frage nach meinem größten Wunsch klar: „Ich möchte einfach mal in Ruhe trainieren können – ohne morgens ein Schulbrot schmieren zu müssen oder für jede lange Radausfahrt Beziehungsstress zu riskieren.“ Zahlreiche Schulbrote, eine Beziehung und einige Trainingsstunden später ist meine Sicht der Dinge jedoch eine andere.
Denn obwohl ich dank Homeoffice, einem beeindruckend selbstständigen Kind und neuer Unabhängigkeit mein Training einigermaßen gut zur vollen Arbeitswoche durchziehen kann, treibt mich seit einigen Tagen ein Gedanke um: Erfüllt mich dieses Wechselspiel aus Arbeit und Training wirklich so sehr, wie ich immer dachte?
- Lese-Tipp
Apropos erfüllend: Was hat Wohlbefinden mit der Leistungsfähigkeit zu tun?
Eskalation im Hamsterrad
Dass Triathlon und das dazugehörige Training vereinnahmend sein können, ist kein Geheimnis. Das stellt spätestens fest, wer einige Wochen in diesem Modus unterwegs ist. Fazit: drei Sportarten, drei Optimierungsbereiche und damit drei Möglichkeiten, völlig im Hamsterrad durchzudrehen. Spaß macht es trotzdem, sich diesem großartigen Sport und der noch großartigeren Szene hinzugeben. Sonst würden wir es schließlich nicht machen und der Club der Triathleten würde nicht stetig wachsen. Genau darin liegt allerdings die Crux.
Denn an ebendieser Club-Mitgliedschaft sind schon Beziehungen und Freundschaften zerbrochen. Das ist kein Mythos, sondern die logische Konsequenz, wenn man als Agegrouper mit begrenztem Zeitkontingent in einen derart zeitaufwendigen Sport eintaucht. Plötzlich dreht sich alles nur noch darum, weil man für anderes ohnehin keine freie Zeit mehr hat. Für Mitmenschen wird es umso schwerer, die Begeisterung dafür mit wohlwollend interessiertem Nachfragen zu füttern. Anders ausgedrückt: Plötzlich verstehen nur noch Triathleten, wovon Triathleten eigentlich die ganze Zeit labern. Und es kann ganz schön erschreckend sein, genau das selbst festzustellen. Da bleibt man doch lieber unter Seinesgleichen. Der Club wird somit noch exklusiver, als er ohnehin schon ist. Schwierig.
- Persönlichkeit und Triathlon
Intro- oder extrovertiert: Was hat das mit der Triathlon-Performance zu tun?
Triathlon ist nicht alles – aber ein guter Anfang!
Dass das nicht glücklich macht, erklärt sich von selbst. Der Mensch – ja, auch der Triathlet – ist schließlich ein soziales Wesen. Umso mehr frage ich mich allerdings, woher dieses „Work. Train. Eat. Sleep. Repeat.“-Ding kommt? Und vor allem: Warum es sich über Generationen, offensichtlich bis hin zu meiner, so wacker halten kann? Denn wenn es doch gar nicht glücklich macht, warum sehnen wir uns so danach?
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Triathlon und das vorangehende Training machen durchaus glücklich. Ein paar Stunden auf dem Rad, lange Züge durch das kühle Nass oder ein Lauf genügen und der Kopf ist frei, die Stimmung besser, der Blick aufs Leben ein anderer. Ein Hoch auf Endorphine, Adrenalin & Co. – lieb’s! Aber ist das wirklich nachhaltig? Der ewiggesuchte Schlüssel zur Zufriedenheit, die auch dann anhält, wenn man gerade nicht auf dem Rad, im Wasser oder in den Laufschuhen unterwegs sein kann …? Leider nein!
Balance is key!
Dass das vermeintliche Ideal gar nicht so ideal ist, fiel mir kürzlich auf, als ich abends gefragt wurde, wie mein Tag eigentlich so gewesen sei. Ich antwortete „War unspektakulär … Arbeit, Training und Kind halt.“ – und bemerkte, dass ich das Gleiche vermutlich auch am nächsten, übernächsten und überübernächsten Tag antworten würde. Klar, ein ganz solider Tagesverlauf, aber: laaangweiliiig! Außer Spesen, ähm, Pacen nichts gewesen?
Und apropos „Work“ und „Train“: Wie sehen das eigentlich diejenigen, bei denen das Training tatsächlich die Arbeit ist? Ich frage bei der vierfachen Ironman-Siegerin Daniela Bleymehl nach: „Natürlich ist es toll, sich beispielsweise in einem Trainingslager voll und ganz aufs Training konzentrieren zu können – also, ausschließlich auf ‚Work‘ und ‚Train‘. Aber eben auch nur phasenweise. Dauerhaft ohne Privat- oder Familienleben wäre für mich keine Option!“ Ist das Geheimnis von Top-Leistungen im Triathlon also schlichtweg, die Balance gefunden zu haben – und eben auch noch andere Lebensinhalte als Triathlon zu haben?
Ich lasse die Frage mal so stehen. Fakt ist, beantwortet habe ich sie für mich persönlich noch nicht. Aber vielleicht kommt mir die Antwort ja demnächst – zum Beispiel beim Schwimmen, Radfahren oder Laufen. Dabei hat man als Triathlet nämlich endlich mal Zeit, genau darüber ausgiebig nachzudenken …
In diesem Sinne: Stay balanced!
Lena
Weiterlesen
Noch mehr zum Thema

Triathlon
Endlich Bestzeit: Checkliste für deinen perfekten Triathlon-Plan

Blog
Training in und nach der Schwangerschaft: 5 Fragen und Antworten rund um den Beckenboden

Anzeige Triathlon
Die beste Triathlon-App? Warum der Pushing Limits Club alles verändert

Blog
Neues Triathlon-Buch: Die Kunst des Triathlons