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Laufschuhkauf: Anforderungen und Laufshops

04. Mai 2021


Laufschuhkauf

Das Gefühl mit einem neuen Laufschuh am Fuß in eine Laufeinheit zu starten, ist sicher immer wieder etwas Besonderes. Das perfekte Paar zu finden, ist allerdings gar nicht so einfach – bei den neuen Modellen und Innovationen muss man erst einmal durchblicken. Da stellt sich umso mehr die Frage: Lokal oder online kaufen? Gerade im letzten Jahr hat sich durch die Pandemie die Thematik verschärft. Ich habe mich dem Thema mal angenommen.

Meine erste Verbindung zu Laufschuhen entwickelte ich vor einigen Jahren als Aushilfe bei Runners Point. Nach den Vorlesungen ging es immer direkt in den Store. Das blaue Polo drüber gestreift und los ging das „Laufschuh-Verticken“. Nicht ohne Grund zog ich für einen langen Zeitraum den eher mäßig bezahlten Job als Aushilfe, den des Werkstudenten vor. Das war genau mein Ding und mit der Zeit hatte ich mir den Weg vom Laien zum Laufschuhkenner gebahnt. Ich schaue gern auf diese Zeit zurück und habe dabei stets ein Lächeln im Gesicht.

Als Runners Point Mitte des letzten Jahres seine Filialen schloss und es durch die Einflüsse von Corona für lokale Stores immer schwieriger wurde, machte ich mir so meine Gedanken. Wo geht aktuell die Reise hin? Welchen Herausforderungen müssen sich Laufshops stellen? Was wollen die Läufer überhaupt?

Anforderungen: Preis, Beratung oder Exklusivität

Im Reseller-Markt gibt es viel Bewegung und es wird immer spezieller. Zum einen wollen wir Läufer am liebsten den Laufschuh für den billigsten Preis kaufen, andererseits möchten wir auch auf eine entsprechende Beratung nicht verzichten. Falls der Schuh dann doch nicht passt, dann soll er zudem bequem getauscht werden können. Gar nicht so einfach unter einen Hut zu bekommen. Vielleicht etwas scharf formuliert, aber diese Thematik zieht sich durch alle Bereiche. Die Hersteller passen sich langsam dem Fußballschuhmarkt an und präsentieren in immer kürzer werdenden Abständen neue Colorways. Eine gut erzählte Marketing Story hält im besten Fall nur noch ein paar Wochen und „innovative“ Modelle erscheinen monatlich auf dem Markt.

Ganz klar, mit entsprechenden Laufschuhtests hier auf Pushing Limits und bei Keller Sports trage ich auch dazu bei, dass wir Läufer immer nach dem neusten Schuh streben. Für mich gehört das Ausprobieren von Equipment und vor allem das Sammeln von Erfahrungen gerade zum Training dazu. Es ist nicht verkehrt, wenn ich weiß, welcher Laufschuh für mich besonders gut geeignet ist.

Das Problem sehe ich viel eher im blinden Nachkaufen. Muss es unbedingt der High-End Laufschuh mit Carbon für die lockere LIT Einheit sein? Auch in vielen Foren oder Facebook-Gruppen sehe ich wilde Diskussionen über Laufschuhe. Sind Läufer überfordert mit der Auswahl oder vertraut man den Experten in den Shops nicht mehr?

Wie sieht es bei euch aus? Wo kauft ihr eure Laufschuhe und wie viel Wert legt ihr auf eine persönliche Beratung?

Im Talk mit dem Dresdner Laufsportladen

Genau solchen Herausforderungen müssen sich traditionelle Laufshops jeden Tag stellen. Noch dazu kommen die immer noch anhaltenden Beschränkungen durch Corona: Ein ständiges Auf und Ab mit geschlossenen Geschäften, Click & Meet oder Auslieferungen von Produkten mit dem Fahrrad. Mit Lutz Melzer, Geschäftsführer des Dresdner Laufsportladens, habe ich mich über das letzte Jahr unterhalten.

Wie kommt der Dresdner Laufsportladen aktuell mit der Situation klar?

Lutz Melzer: Als vor einem Jahr alles losging, war es natürlich ungewiss wie es weiter gehen würde. Im ersten Lockdown habe ich mich alleine um unsere Kunden gekümmert und die Laufschuhe mit dem Fahrrad ausgeliefert. Als es in den zweiten Lockdown ging, wollte ich meine Mitarbeiter nicht wieder komplett in die in Kurzarbeit schicken. Daher haben meine Kollegen alles im Laden koordiniert, Anrufe entgegengenommen und Beratungen durchgeführt, während ich mich wieder um die Auslieferungen mit dem Rad gekümmert habe. Beim Umsatz sieht man natürlich einen großen Einbruch gegenüber den letzten Jahren.

Wie habt ihr auf die Situation reagiert?

Lutz Melzer: Über die Pandemie Zeit haben wir, je nach aktueller Lage, verschiedene Optionen angeboten. Im Idealfall konnten wir unsere Kunden via Klick & Meet beraten. Als das noch nicht möglich war, hatte der Kunden die Möglichkeit bei uns anzurufen. Nach einem erfolgreichen Beratungsgespräch haben wir dem Kunden dann den passenden Laufschuh nach Hause geliefert. Dabei hatten wir in der Regel ein, zwei weitere Modelle zum Anprobieren im Rucksack. Die Auswahl erfolgte im besten Fall anhand vorliegender Kundendaten. Außerdem bieten wir eine Laufstilanalyse at Home an. Die passenden Schritte hierzu sind auf unserer Website beschrieben. Somit konnten wir neben den Vorlieben unserer Kunden auch auf die individuellen Laufstile eingehen. Das ist besonders bei dem ersten Kundenkontakt sehr hilfreich.

Welche Kunden nehmen diese Services in Anspruch?

Lutz Melzer: Unter den Läufern, die die beschriebenen Möglichkeiten bisher in Anspruch genommen haben, waren viele neue Kunden dabei. Läufer, die bei ihrem ersten Laufschuh nicht auf eine Beratung verzichten wollten. Darunter sind auch einige Kunden, die momentan nicht ihren gewohnten Sportarten nachgehen können und das Laufen neu für sich entdeckt haben. Durch die Schließungen von 21Run und Runners Point haben weitere Kunden den Weg zu uns gefunden, die gern das Angebot in Form einer persönlichen Beratung in Anspruch nehmen.

Lutz Melzer vom Dresdner Laufsportladen

Wie haben sich die Bedürfnisse der Kunden verändert?

Lutz Melzer: Der Großteil unserer Kundschaft kommt zu uns ins Geschäft und möchten den passenden Laufschuh für sich finden. Vorinformiert sind diese eher weniger. Sie vertrauen uns bei der Beratung. Natürlich gibt es Läufer, die nach einem bestimmten Modell suchen und sich vorher damit befasst haben. Aber das macht eher ein kleinen Teil unserer Kunden aus.

Ein besonderes Thema ist beispielsweise die große Farbpalette bei den Laufschuhen. Hier sehen wir klar, dass dies immer wichtiger zu werden scheint. Wir versuchen da natürlich stets die gewünschte Variante für den Kunden zu bestellen, vorausgesetzt der Colorway ist lieferbar. Die Marken bieten auch Colorways an, die sie ausschließlich in ihren eigenen Online-Shops vertreiben. An diese Modelle kommen wir leider gar nicht ran. Das bedeutet, dass wir in der Beratung den Fokus insbesondere auf die Funktion des Laufschuhs setzten, um den Kunden zu überzeugen.

Beim Produktsortiment bieten wir Modelle an, die es nur bei den Laufspezialisten gibt. Somit ist in dem Fall der Vergleich zum Onlinehändler nicht gegeben. Diese Modelle zielen auf die Anstiegs- bzw. Daily Runner Kategorie ab – somit genau die Laufschuhe für die eben beschriebene Zielgruppe. Auch wir haben unser Sortiment der Marktsituation etwas angepasst. Wettkampfschuhe sind durch die aktuelle Lage eher weniger gefragt, vielmehr die Laufschuhe für das tägliche Training. Bei klassischen Modellen ist der Preis ein entscheidender Faktor. Hier können wir natürlich nicht mit den Preisen von Onlinehändlern mitgehen, aber wir versuchen mit dem Kunden stets eine passende Lösung zu finden. Aktuell ist diese Thematik etwas entspannter, denn die meisten Kunden sind froh durch unsere individuelle Beratung den passenden Laufschuh zu finden. Hier muss man sagen, dass ein guter Service nicht für umsonst stattfinden kann.

Wie schaust du in die Zukunft?

Lutz Melzer: Was die Zukunft betrifft, bin ich öfters etwas hin- und hergerissen. Aktuell schaue ich optimistisch nach vorn. Hier geben mir unsere Kunden und Marktexperten die Sicherheit, dass der stationäre Handel weiterhin seine Bedeutung haben wird. Natürlich unter der Voraussetzung, dass sich die Pandemie entspannt und wir wieder normal öffnen können. Wir müssen ganz klar Lösungen finden, um mit der Situation leben zu können. Hoffentlich verstehen das auch die Politiker und wir können weiterhin unsere Läufer in Dresden passend beraten.

Bilder: Carsten Beier

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2 Kommentare

  1. Ja, schwieriges Thema. Ich hatte eine Phase vor ca. 3-4 Jahren als ich verstärkt ins Laufen eingestiegen bin. Da habe ich Schuhe oft nach der Optik gekauft, fast ohne Beratung, bissi Stütze für den Senk-Spreitz-Spitzfuß. Aus basta.
    Nach einigen Problemchen (Hauptsächlich blaue Nägel durch zu kleine Schuhe. Wer weiß denn schon, dass man Laufschuhe NICHT in der normalen Größe seiner Sneakers kauft??) habe ich beschlossen, keinen Laufschuh mehr ohne Beratung zu kaufen. Zum Glück habe ich mittlerweile den Laufladen meines Vertrauens gefunden (Achtung Werbung: Laufstil in Würzburg). Die Beratung dort ist so perfekt, dass ich hier gerne den ein oder anderen Euro mehr ausgebe als online oder beim Schnapper im Schlussverkauf. Die Schuhe passen einfach zu mir und meinem Fuß und meinem Laufstil. Und da in dem Laden Farbe durchaus gut ankommt, bekomme ich auch bunte Schuhe (was ich bei Laufschuhen einfach geil finde). Generell bin ich der Meinung, dass gute Beratung sich am Ende immer auszahlt. Für den Kunden, der dadurch keinen Scheiß kauft und den Händler, weil der Kunde einfach wieder kommt und wieder kauft.
    Das Problem sind Läden, die schlecht beraten. Beispiele gibt es hier, jedenfalls aus anderen Branchen, genug: Wenn mir der Verkäufer einfach nur das Datenblatt vom neuen Laptop vorliest, fühle ich mich einfach beleidigt. Lesen kann ich zum Glück selbst 🙂
    Daher wünsche ich allen „vernünftigen“ Händlern, dass sie die Pandemie mit Kreativität und Durchhaltevermögen überstehen und die Kunden danach ihr versäumten Käufe alle nachholen! Bleibt dran! Haltet durch! #keeppushing

  2. Kein Schuh ohne Analyse vom Fachmann! Dieser Grundsatz bedeutet für den Fachhandel eine sehr gute Chance sich gegen Online Shops durchzusetzen. Auch wenn der Weg nur mit der Analyse der online gekauften Schuhe beginnt, kann man den Kunden von seinem KnowHow überzeugen und beim nächsten Kauf die erste Anlaufstelle werden. Und wenn das Traumpaar nicht local verfügbar ist, besteht die Möglichkeit Umsatz mit der Analyse zu machen – besser als nichts. Wenn Du dann als Kunde noch das Glück hast, dass Dein Laufschuh Fachhändler gleichzeitig Orthopädie Meister und damit als systemrelevanter Händler auch in Corona Zeiten öffnen darf, muss man dankbar sein.

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