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IRONMAN World Championship

Was fehlt dem Triathlon? | TV und Media: State of the art

Triathlon ist eine Sportart voller Trendsetter, Technik-Nerds und Material-Junkies. Hersteller tüfteln, testen und entwickeln neue Produkte was das Zeug hält. Neopren-Anzüge werden komfortabler, Räder aerodynamischer und Laufschuhe technologischer. Nur die Medien- und Berichterstattung von den Wettkämpfen bekommt es nicht gebacken, mindestens zufriedenstellend zu sein. Was ist da los? Ein Wunschkonzert.

Niclas Bock Ehrlich währt am längsten
14. März 2018 Fail Ironman

Ich liebe Triathlon. Und gerne würde ich mehr Menschen dazu begeistern, sich das mal anzuschauen, wie sich die Athleten beim IRONMAN Hawaii schinden und quälen und welche Emotionen in so einem Rennen durchgestanden werden müssen. So wie ein Vegetarier versucht andere Menschen dazu zu bekehren, kein Fleisch mehr zu essen. Aber es gibt einen Unterschied zwischen mir und dem Vegetarier: Er hat Argumente, ich nicht.

Der IRONMAN Hawaii ist das Paradebeispiel dafür, wie schlecht die Live-Berichterstattung im Triathlon ist. Stellt euch das mal vor: Finale der Fußball WM, Deutschland gegen irgendwen – und die Kamera filmt die ganze Zeit den Linienrichter. Oder die Spieler auf der Ersatzbank. Da wäre was los.

Wenn sich die besten Lang-Distanz-Athleten der Welt treffen, um auf Hawaii ihre Meister zu küren, dann sieht man oftmals nur den gelben Markierungsstreifen des Queen K-Highways oder eine Nahaufnahme von irgendwelchen Beinen, die sich einen abstrampeln. Bei aller Liebe, aber das langweilt sogar mich.

Aus Langeweile wird Ärger und irgendwann stellt man sich die Frage: Ist es denn so schwer das besser zu machen?

Okay, gut. Jetzt erstmal wieder die Gemüter beruhigen und die Schärfe aus den Worten streichen. Ich denke, die meisten von euch verstehen mich und haben selbst schon die Erfahrung gemacht, dass die Berichterstattung von den großen und interessanten Triathlon-Events eher bescheiden ist.

Wahrscheinlich ist es wirklich kein Kinderspiel, einen sportlichen Wettkampf, der über acht Stunden dauert, in ein spannendes TV- oder sogar Live-Format zu verpacken. Aber man könnte es versuchen. In den 90er Jahren saßen die Menschen schließlich auch stundelang vor dem Bildschirm und haben sich komplette Tour de France Etappen reingezogen. Und die Charaktere, um so eine Übertragung spannend zu gestalten, haben wir doch in Deutschland: Frodo, Kienle, Lange an der Front, dahinter Böcherer, Stein, Frommhold und Co. Ganz davon zu schweigen, dass Lionel Sanders ein herrlicher Side Kick wäre.

Gibt es die perfekte Berichterstattung?

Wie müsste die „perfekte“ Übertragung einer Lang-Distanz aussehen? Ich mache mal einen Vorschlag: Die Übertragung beginnt mit einer kurzen Zusammenfassung des Schwimmens. Eine Einblendung der Zwischenergebnisse ist die Überleitung zum Radfahren.

Dort werden in zehn minütigem Abstand die aktuellen Splitzeiten und Abstände eingeblendet. Auf der Strecke müssten (jeweils bei den Männern und Frauen) mindestens drei Motorräder im Einsatz sein: Eins an der Spitze, eins bei den direkten Verfolgern und eins um besondere Momente einzufangen (Defekt am Streckenrand, Warten im Penalty-Zelt, usw.). Die Kameras sollten dabei den Athleten, sein Gesicht und seine Gestik im Fokus haben. Die gleiche Aufteilung gilt fürs Laufen.

Schwierigkeit: Die Rennen von Männern und Frauen laufen parallel und nur mit leichter Zeitverschiebung (Ausnahme war die IRONMAN 70.3 WM in Chattanooga letztes Jahr, als die Frauen samstags, die Männer sonntags gestartet sind). Hat man aber von beiden Rennen gute Bilder, dann muss das nicht zwingend ein Nachteil sein. Ich sehe es viel mehr als Chance, denn wenn in dem einen Rennen gerade etwas weniger passiert, geht im anderen Rennen vielleicht gerade die Post ab. Es muss nur jemanden geben, der die Bilder lesen und deuten kann und dann die richtige Entscheidung trifft, welche Bilder gesendet werden.

Gut moderiert ist halb gewonnen

Zwei Typen, die verstanden haben, wie man Triathlon im TV spannend, interessant und unterhaltsam in Worte packen und moderieren kann, sind Ralf Scholt und Hartwig Thöne. Hier trifft Kompetenz, auf eigene Erfahrung, Kenntnis der Szene und obendrein das oftmals gute persönliche Verhältnis zu den Profis. So entstehen gute Kommentare, die mich als Zuschauer weiterbringen. Wenn ich ein Wunsch-Moderatoren-Team für Hawaii hätte, dann sähe das so aus: Hartwig Thöne sitzt mit Thomas Hellriegel vor den Bildschirmen und moderiert die TV-Bilder. Rald Scholt und Faris Al-Sultan sind als rasende Reporter an der Strecke unterwegs und liefern Live-Eindrücke vom Highway und aus dem Energy Lab. Mir würden nicht ein einziges Mal die Augen zufallen.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Kleine Anmerkung, damit es keine Missverständnisse gibt: Bei meinem Beitrag geht es um die Berichterstattung von Triathlon Lang-Distanzen. Die Wettkämpfe der Kurzdistanz, zum Beispiel der World Triathlon Series oder des Super League Triathlons, setzen Maßstäbe und zeigen, dass es funktioniert Triathlon anschaulich und spannend in ein TV-Format zu bringen.

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