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Tagebuch

Best of Bocki #55 – Noch 5 Tage bis zum Marathon: Ein Spaßlauf

22.04.2020 · 4 Min. Lesezeit · von Niclas

Niclas Bock Blog Marathon Laufen

Eine Mission. Das ist es, was in den letzten Wochen gefehlt hat! Während ich Anfang Dezember mit einem sportlich ambitionierten Ziel in die Marathonvorbereitung gestartet bin, sind mir ab der ersten Märzwoche die Felle davon geschwommen. Der Weg zum Marathon war ein Irrlauf, der am Sonntag auf die letzte Etappe über 42,195 Kilometer einbiegt. Allerdings gab es kurz vor dem Finale noch eine entscheidende Kehrtwende.

Ich glaube, es gibt ihn. Den kleinen, aber feinen Unterschied beim Laufen – und dieser liegt in der Herangehensweise. Auf der einen Seite kann ich topfit sein, 100 Prozent motiviert und gewillt sein, wirklich alles richtig machen zu wollen. Diese Voraussetzungen sind vermutlich nötig, wenn ich mich auf die Jagd nach einer persönlichen Bestzeit mache oder ein anspruchsvolles Ziel erreichen will.

Dann gibt es aber auch die andere Seite. Wenn ich laufe und dabei das Erlebnis über das Ergebnis stelle. Vielleicht ist das eine emotionalere Art des Laufens, bei der es mehr um Gefühl und Spaß geht, weniger um Top-Leistung. Ich möchte damit nicht sagen, dass sportliche Leistung konträr zum Spaß am Sport steht. Nur glaube ich, dass es einen Punkt gibt, an dem sich die Wege von Läufern trennen.

Das Marathonziel: Von Top zu Flop?

Als ich im Dezember ins Lauftraining eingestiegen bin, hätte ich mich ohne zu zögern der ersten Gruppe zugeordnet. Mir war alles wichtig! Ich habe zu Beginn die Ernährung umgestellt, ihr erinnert euch vielleicht an die Beiträge zum intermittierenden Fasten.

Ich habe akribisch den Trainingsplan erfüllt, mich zu langsamen LIT-Läufen gezwungen (die mir keine Freude bereitet haben) und harte HIT-Sessions geballert (die auch nicht zu meinen Lieblingseinheiten zählen). Ich habe Lauf-ABC gemacht, Stabi- und Athletik, Physio und was nicht alles.

Ich wollte alles richtig machen und die Entwicklung von Form und Fitness hat bestätigt, dass es sich lohnt manche Dinge wider Willen durchzuziehen.

Hat sich gut angefühlt! Natürlich. Wenn Du etwas tust, das besonders zäh ist, wo Du dich durch kämpfen musst und das vielleicht sogar entgegen Deiner eigentlichen Lust – und Du dann Bestätigung und Fortschritt erfährst, dann ist das ein ganz besonderes und spezielles Gefühl. Schwer zu beschreiben irgendwie.

Es ist auch nicht unbedingt ein Gefühl, sondern mehr eine Erkenntnis: „Ach, okay! Es lohnt sich ja wirklich, wenn ich meine Spaß- und Komfortzone verlasse, den Arsch zusammenkneife und tue was nötig ist, um meinem Ziel näher zu kommen…“ Ihr wisst was ich meine.

Von Erleuchtung zu sprechen, wäre zu hoch gegriffen. Bei Zeiten möchte ich das aber nochmal mit genau diesem Drive angehen und schauen, worin das dann bei einem Rennen gipfeln kann. Wie ihr sicher nicht jetzt erst merkt, habe ich nämlich auf dem Weg zum Marathon an irgendeinem Punkt eine andere Abbiegung genommen und die Absage des geplanten Marathons hat dann ihr übriges getan.

Mein sportliches Ziel und meine Ambitionen sind mir aus den Händen geglitten. Und mit ihnen auch die Konsequenz, die Disziplin und das Durchhaltevermögen, was nötig gewesen wäre, um realistisch dazu in der Lage zu sein den Marathon in 2:40 Stunden oder schneller zu rennen.

Durch die Larifari-Einstellung in Sachen Marathonlauf, die mich in den letzten sechs Wochen begleitet hat, würde ich mir keinen Gefallen tun, wenn ich auf Teufel komm‘ raus an meinem Ziel festhalte, das ich mir vor fünf Monaten gesteckt habe. Um ehrlich zu sein fühlt sich das im ersten Moment bereits wie eine kleine Niederlage an und fast so, als müsste ich mir eingestehen, dass ich in den letzten Wochen den Weg des leichtesten Widerstands gegangen bin.

Im zweiten Moment wäre ich aber schön bescheuert, wenn ich mir durch falschen Stolz und Ehrgeiz den Spaß nehmen lassen würde. Denn was wäre die Option, wenn ich mich von der ersten Erkenntnis leiten lassen würde? Richtig, ich bräuchte am Sonntag gar nicht erst loslaufen. Das Ziel mag der Marathon in einer – für mich – schnellen und anspruchsvollen Zeit gewesen sein. Die Mission jedoch muss sein, dass ich dadurch nicht den Spaß und die Freude verliere.

Irgendwann letzte Woche hat sich diese Denkweise bei mir breit gemacht und im Podcast, den ich gestern mit Nick und Dr. Zeller von der Triathlon Crew aufgenommen habe, hat Nick es nochmal wunderbar in Worte gefasst: „Es ist doch eigentlich scheißegal wie schnell Du läufst. Hauptsache Du kannst nachher sagen, dass es ein geiler Sporttag war.“

Das Beste kommt zum Schluss?

Mich von einem ursprünglichen Ziel loszusagen fällt mir unglaublich schwer. Aber die Vorfreude auf Sonntag, auf den Marathon und auf die Aktion an sich überwiegt und stellt mein Ego weit in den Schatten. Meistens ergeben die Dinge erst am Ende einen Sinn. Und vielleicht war dieses Marathon-Projekt genau dafür da, um zu erkennen, dass man manchmal – gewollt oder ungewollt – vom geplanten Weg abkommt und trotzdem die Chance hat etwas anderes daraus zu formen.

Bei mir wird es nun also ein Marathonlauf unter der Prämisse „Spaß haben“! Umso gespannter bin ich, was am Ende dabei rauskommt und wofür das Training dann reichen wird. In Social Distance wird Nick übrigens mit der Kamera dabei sein, Chris kommt zum Fotos machen und wir werden es sicherlich auch hinbekommen via Instagram ein paar Updates während des Laufs rauszuhauen. Wenn ihr also vorbeischauen wollt, ich würde mich freuen!

Haut rein! Und wir hören uns nächste Woche mit dem Erfahrungsbericht.

Euer Bocki

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