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Christian bloggt – Ironman Frankfurt? Wir wären dann soweit… theoretisch

Die letzten Wochen haben es uns ordentlich gegeben, der Wettkampf kann wahrscheinlich nicht härter werden. Naja, wahrscheinlich doch. Mehr als 20 Stunden Training pro Woche haben wir in den letzten eineinhalb Monaten teils runtergerockt. Pragmatisch wird man da und ich kann mir erklären, warum “Stumpf ist Trumpf” kein so schlechter Ansatz für das Training ist.

Christian Siedler von Pushing Limits
Christian Siedler Fotograf & Hobby-Athlet

Einen Halbmarathon auf einer Stadionbahn? Natürlich. Ist gut zu erreichen und man kann kontrolliert seine Runden ziehen. Wenn dann auf dem Fußballplatz in der Mitte ein Studentenfussballturnier stattfindet, wird es noch nicht mal langweilig.

50 Runden bis zum Drehwurm.

Keine Zeit verlieren bei den Vorbereitungen und kontrolliert nach Wattwert fahren? Dann müssen es eben vier Stunden auf der Rolle sein. Ist ja nicht die einzige Trainingseinheit heute und einkaufen muss ich auch noch. So ist es zumindest bei mir, auch weil ich ein angespanntes Verhältnis zum Straßenverkehr und Autofahrern habe. Sarah ist da eher ein Sonnenkind und sie zieht es bei gutem Wetter automatisch vor die Tür. Ich habe immerhin Netflix durch. Gemeinsame Ausfahrten sind leider etwas auf der Strecke geblieben.

Insgesamt war es für mich zum Ende mehr ein Abarbeiten der Einheiten. Ich war ehrlich gesagt trainingsmüde und die Zündschnur war bei uns beiden nicht mehr die Längste. Wie bekomme ich die fünf Stunden heute am effektivsten rum?, war eine Frage, die ich mir an den Wochenenden öfters gestellt habe.

Christians Halbmarathon auf der Bahn als Heatmap. Da brennt das Tartan!

Die Generalprobe in Heilbronn

Kurzfassung: Heilbronn war für uns ein Vorbereitungsrennen, nicht mit den frischesten Beinen, aber auch nicht komplett müde, stehen wir am Start. Spätestens beim Sprung in den 16 Grad kühlen Neckar war das letzte Quäntchen Müdigkeit weg. Ein hoch auf den Erfinder des Neoprenanzugs!

Die Wechselzone, … ich möchte nicht darüber reden. Schaut euch das Recap-Video von Sebi Kienle an, er findet die passenden Worte.

Das Radfahren eher defensiv, in einer Windjacke und immer den Blick auf die Wattwerte. Trotz oder gerade wegen der 1.100 Höhenmeter konnte man gut durchrollen. Am Berg immer verloren, auf den Geraden immer gut aufgeholt. Sowohl bei mir als auch bei Sarah, man sieht also, wo unsere Stärken liegen.

Und das Laufen? Natürlich zu schnell los, natürlich. Einbrechen tun wir aber beide nicht. Etwas Nachkorrektur des Tempos ab etwa der Hälfte der Strecke. Nach dem Wendepunkt sehe ich das erste Mal Sarah wieder und ich bin erleichtert, dass sie das Schwimmen und Radfahren gut gemeistert hat und nun in ihrer Paradedisziplin unterwegs ist. Ich erwartete nun minütlich von ihr überholt zu werden. Passierte aber bis zum Zieleinlauf nicht. Trotzdem hatte sie die schnellere Gesamtzeit und ich dafür die Möglichkeit, ihr im Ziel die Finishermedaille umzuhängen.

Was nehmen wir mit?

Das Feedback der Trainer ist positiv. Wir haben die erwartete Leistung gebracht, sind nicht eingebrochen oder in Probleme gelaufen. Ernährungstechnisch haben wir uns alles reingehauen was ging, um auch das zu testen. Sarah hat ein schwieriges Schwimmen mental gut gemeistert und geht mit daraus gewonnenem Selbstvertrauen nach Frankfurt. Ich für meinen Teil werde Isodrinks aus meinem Trinksystem verbannen, um auf der Laufstrecke nicht nach der Hälfte die Arschbacken mehr als nötig zusammenkneifen zu müssen. Und wir beide müssen auf den ersten Kilometern der Laufstrecke mehr auf die Bremse treten. Das war es auch schon.

  • Sarah: Zur Challenge Heilbronn schließe ich mich Christian an. Nur… So „gut“ wie das Schwimmen für mich dort lief, lief es im Anschluss daran dann leider gar nicht mehr. Kein einziges Training im Wasser konnte nach Plan ausgeführt werden. Weder vom Umfang, noch vom Inhalt her. Weil beim Schwimmen ständig wieder diese altbekannte Luftnot einsetze… Nach einem dann ganz desolaten Versuch des Freiwasser-Schwimmens, ganz ewig langsam, kurz vorm untergehen und des Anwendens jeglicher Atem- und Mentalstrategien hatte ich dann die Faxen dicke und habe einen Termin beim Pulmologen gemacht. Nach einigen Lungenfunktions-Tests stellte sich dann heraus: allergisches, bzw. Belastungs-Asthma. Plötzlich erklärten sich auch meine Atem- und Sekret-Beschwerden des vergangenen Winters. Na klar, ist doof. Aber wenigstens weiß ich nun, dass es nicht allein der Kopf ist, der beim Schwimmen nicht mitspielt. Und ich habe nun auch den Ansatz einer (symptomatischen) Problemlösung in Form eines kleinen Dosier-Aerosols erhalten. Das erste Schwimmen damit gestaltete sich schon mal etwas angenehmer.
  • Ansonsten ist das Training mit dem momentanen Umfang zwar schon aufwändig, hat sich aber ganz in meine Abläufe integriert. Ich freue mich inzwischen aber auch schon ziemlich darauf, demnächst dann wieder mehr Zeit mit meinen an-anderen-Dingen-als-nur-Sport-interessierten Freunden zu verbringen.
  • Im Gegensatz zu Christian hält mich derzeit bei dem kleinsten Sonnenstrahl nichts mehr in der Wohnung und ich absolviere aktuell alle Radfahrten draußen. So dann zwar etwas „unkontrollierter“, aber für mich persönlich steht nicht nur das Durchziehen eines bestimmten Trainings im Vordergrund, sondern auch der Gedanke, warum ich das Ganze überhaupt mache – weil ich eben gerne draußen bin und mich noch lieber draußen bewege.

Großbaustelle Kopf – immer noch

Sind wir gut vorbereitet? Ziemlich! Sind wir unsicher: Ziemlich! DNF, Einbrechen, trotz der massiven Vorbereitungen und guten Vorzeichen sind diese Wörter omnipräsent. Ein schlechtes Training? Schon wird alles in Zweifel gezogen. Ein gutes Training? Schon kalkuliert man seine möglichen Zeiten neu.

Es ist ein Wechselbad der Gefühle. Ein Hauch von Selbstvertrauen und eine Brise Zweifel pusten im Kopf ständig die eigenen Erwartungen wie ein Blatt hin und her.

Typisch für Frankfurt wird es uns das Wetter voraussichtlich auch nicht leicht machen – da werden Salzstangen und Chips schon fast eine Option bei der Verpflegung. Auch kann ich nicht leugnen, dass ich einen gewissen Druck verspüre. Es werden viele Personen am Rand stehen oder schauen daheim gespannt in den Ticker, die uns lange begleitet haben. Diese Menschen möchte man nicht enttäuschen und irgendwie vergesse ich in diesen Momenten, für wen und warum ich das eigentlich mache und dies kann ich ziemlich genau definieren. Selbst schuld, wenn man sein Vorhaben öffentlich macht? #SchöneNeueWelt.

Ironman Frankfurt? Let’s dance

Trotz der Zweifel und negativen Gedanken, gleichzeitig freue ich mich tierisch darauf, all unsere Freunde am Streckenrand zu sehen und natürlich auf den Pushing Limits Hexenkessel. Party am Main mit Anlauf quasi.

Mein erklärtes Minimalziel: Noch in der Lage sein tanzen zu können, wenn ich am Hotspot vorbei komme. High Fives geben und vor Freude lachen. Abriss statt Einbruch.

Sogar den Zieleinlauf habe ich im Kopf schon ein paar mal durchgespielt, was mir jedes mal feuchte Augen bereitet hat. Ich werde die letzten Meter nicht laufen, ich werde über die Ziellinie schreiten.

Wir wären dann soweit

Man kann uns nachts wecken und wir können Pace-, Wattwerte und Herzfrequenzdaten für alle Distanzen und Trainingsintensitäten runterbeten. Die Strecke in Frankfurt sind wir zusammen mit unseren Trainern und anderen Teilnehmern abgefahren und den Paketboten habe ich auch schon ein paar Tage nicht mehr begrüßen müssen. Sogar die Ernährung für den Tag ist komplett durchgeplant und das Hotel wurde nochmal schnell gewechselt, ganz Wettkampf-romantisch mit zwei Einzelbetten zur Förderung der Schlafqualität.

Das Tapering ist im Kopf gar nicht als ernsthaftes Training vermerkt, die Tage sind sportlicher Firlefanz und gedanklich bin ich schon beim Carboloading – was ich alles essen werde! Dass wir das Trainingsfinale so gut über die Bühne bekommen haben, ist ganz sicher auch den Monaten strukturierter Vorbereitung geschuldet. Abgesehen von meinem selbstverschuldeten Fußproblem, war keiner von uns beiden verletzt. Keiner von uns beiden hat auch je ein so intensives Athletiktraining oder Dehnprogramm absolviert. Blackroll und Krafttraining kommen auch noch dazu. Wenn es aber nun mal im Plan steht, dann tut man es meist auch. Wo wir gerade beim Plan sind: Keiner von uns ist je 180 Kilometer Rad gefahren und insgesamt hatten wir nur drei Läufe über 30 Kilometer…

Im Tapering werden wir aufgehen wie ein Hefekloß – in der Form, nicht im Gewicht. Apropos Gewicht: Wer denkt, dass man im Ironmantraining unweigerlich abnimmt, den muss ich enttäuschen. Was rausgeht, muss auch wieder rein, sonst ist schnell tote Hose in der Leistungskurve. Eine persönliche Einschätzung unserer Form ist trotzdem nur schwerlich möglich. Die Statistiken aus den gesammelten Daten zeigen zwar alle nach oben.

Aber wenn man mich im letzten Monat gefragt hätte, wo ich leistungstechnisch stehe, wäre meine Antwort: Einen halben Meter neben mir.

Der 30. Juni wird der erste Tag seit sechs  Monaten sein, an dem wir vollkommen erholt sein werden. Wir werden vor Kraft und Frische kaum einen klaren Gedanken fassen können, so zumindest der Plan.

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