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Christian bloggt – Ein Date im Trainingsplan

Christian bloggt – Langdistanz zu zweit: Ein Date im Trainingsplan

Wer kennt sie nicht, diese Gespräche am Frühstück: “Du, ich muss dir was sagen… Ich möchte nächstes Jahr eine Langdistanz machen.” – “Achso? Ich eigentlich auch. Lass uns das zusammen machen!”

Christian Siedler von Pushing Limits
Christian Siedler Fotograf & Hobby-Athlet
05. November 2018 Ziele

Sowas wie Überstunden, nur anders

Wie viele Stunden muss man als Altersklassen-Athlet für eine Langdistanz aufbringen? Irgendwas zwischen 10-20h pro Woche, je nach Ziel und Zeitpunkt in der in der Vorbereitung, so habe ich gehört. Andere machen das an Überstunden auf der Arbeit, müssen dafür aber nicht noch zum Schwimmbad fahren, danach auf die Blackroll und auch noch regenerieren. Somit ist die Stundenangabe nur die halbe Wahrheit. Das neben dem Job unter einen Hut zu bekommen, neben Familie und anderen Verpflichtungen, kann schnell zur Zerreißprobe für das Sozialleben werden. Verständnis und Unterstützung aus dem Umfeld sind ein wichtiger Baustein, um am Tag X gut abzuliefern.

Was aber, wenn in einer Beziehung beide Partner den Wunsch hegen, eine Langdistanz anzugehen? Im selben Jahr? Neben einem Vollzeitjob! Ist dies vielleicht die Traumkonstellation oder wird es zur Zerreißprobe? Bestehen gemeinsame Aktivitäten dann nur noch aus Zwift-Ausfahrten und der Reise ins Trainingslager, während der Haushalt komplett brach liegt? Drehen sich Gespräche nur noch um Training und Material und ein candle light dinner muss erst im Trainingsplan abgestimmt werden? Noch kann ich euch das nicht verraten, aber in Kürze, denn meiner Freundin Sarah und mir steht genau dies bevor. Und wenn das noch nicht genug ist, so haben wir noch ein paar mehr Stolpersteine zu bewältigen.

Was bringen wir mit

Betrachten wir den Status Quo: Wir sind voll berufstätig und haben beide schon einen kleinen sportlichen Werdegang vorzuweisen.

Sarah arbeitet als Krankenschwester auf einer Intensivstation im Schichtdienst. Wenn unsereins ins Büro fährt, kommt sie erst nach Hause, das oft ein paar Tage hintereinander. Und in der nächsten Woche kann dies schon wieder ganz anders sein. Ihre Stärke ist das Laufen. Marathon unter 3.30h, kein Problem und auf den Punkt! Ultramarathon? Auch das mussten ihre Laufschuhe schon mitmachen. Obwohl sie noch nicht so lange auf zwei Rädern unterwegs ist, sammelt sie in dieser Disziplin bereits regelmäßig Strava Pokale und hat natürlich auch im Dreikampf bereits ein wenig Erfahrung gesammelt. Außerdem ist sie eine Wettkampfsau und würde am liebsten jedes Wochenende an einer Veranstaltung teilnehmen. Trainingspläne sind dagegen nicht ihre bevorzugte Art, um die Leistung nach oben zu schrauben.

Sarah auf dem Rad

Ich dagegen sitze 8 Stunden am Tag im Büro einer Online Agentur, dies aber ziemlich geregelt. Dafür habe ich bekanntlich noch den Nebenjob eines Fotografen inne. In diesem Jahr konnte ich zwei solide Mitteldistanzen vorweisen, in Kraichgau und auf Rügen, und einen für mich ziemlich zufriedenstellenden Marathon abliefern. Im Gegensatz zu Sarah bin ich der kontrollierte Typ und Trainingsplan-hörig. Ein Wettkampf außer der Reihe? Das muss ich erst abstimmen! Wenn im Plan 30km auf der Tartanbahn-Bahn laufen stehen würde, ich würde es nicht in Frage stellen.

Christian beim Köln Marathon
Foto: sf_photo_sports

Die Wahl des Schlachtfeldes

Die möglichen Schlachtfelder waren schnell ausgemacht. Wenn man sich schon in Grund und Boden schwimmt, radelt und läuft, dann bitte auf einer großen Bühne. Challenge Roth und Ironman Frankfurt wurden deswegen heiß und hoch gehandelt.
An dieser Stelle gab es dann die erste ernste Meinungsverschiedenheit, was tatsächlich zu längeren Debatten führte und die hatten nichts mit der der Standortwahl zu tun.

Die Frage, welche im Raum stand: Machen wir unsere Premiere gemeinsam oder auf getrennten Veranstaltungen? Sarah hatte den Wunsch, an der gleichen Startlinie zu stehen, während ich für einen getrennten Start plädierte.

Unsere Gründe:

Christian:

Ich bin für einen getrennten Start und habe dafür genau zwei Gründe.

  1. Bei meiner ersten Langdistanz möchte ich gerne, dass es sich um mich dreht. Dies ist nicht egoistisch gemeint, ich will nur vieles an Überlegungen und Logistik abgeben und bei Zweifeln und Sorgen jemanden haben, dem ich mich anvertrauen kann. Außerdem freue ich mich darauf, wenn ein wichtiger Mensch am Streckenrand steht. Das ist Anker und Ansporn zugleich.
  2. Die Gedanken bei einer Langdistanz möchte ich gerne bei mir haben. Mich auf mich konzentrieren, alles bewusst wahrnehmen und wenn es schwer wird, noch einen gedankliches Ass aus dem Ärmel ziehen können. Was passiert aber in meinem Kopf, wenn ich Sarah auf der Strecke sehe und ihr geht es nicht gut, ich unterwegs darüber nachdenke, ob sie gut aus dem Wasser gekommen ist und auf dem Rad keine Probleme hat. Dies sind Überlegungen, mit denen ich mich ungern auf der Strecke befassen möchte.

Sarah:

Mein Wunsch nach einem gemeinsamen Start war hauptsächlich das Gefühl, etwas so „Großes“ als dann gemeinsame Erfahrung haben zu wollen.

  • Klar ist es auch schön, wenn der Andere zum Supporten mit dabei ist. Aber in meinem Empfinden erschien es mir nicht ganz erfüllend, wenn ich Christian oder er mir von meinen/seinen Erlebnissen eines WK erzählt, bei dem der Gegenüber nur Statist war. So, als würde man dem Anderen von einem Kinofilm, von dem man selber total begeistert ist, den der Andere jedoch selber nicht gesehen hat, erzählen. Ich möchte meine Emotionen so teilen, dass Christian genau weiß, von was, sei es ein bestimmter Punkt an der Strecke oder einem sonstigen Erlebnis des Tages, ich gerade erzähle. Einfach „auf einem Level sein“.

Kompromiss heißt nicht, dass alle Parteien es gut finden, sondern keiner mehr Kacke.

Das Ergebnis unserer Differenz? Wir starten gemeinsam! In dem Fall war es mir aber wichtig, dass es Frankfurt wird. Wenn wir uns selbst schon nicht wirklich unterstützen können, weil wir vor Anspannung Nerven dünner als Klingeldraht haben, dann soll es wenigstens für unsere Freunde einfach sein, uns zu supporten. Frankfurt ist bequem zu erreichen und jeder Zweite kennt dort jemanden. So kann ich meine Probleme doch noch outsourcen (Freiwillige vor!), Sarah und ich bekommen ein gemeinsames Finisherfoto und wir können uns auf bekannte Gesichter am Streckenrand freuen.

Der Start des Ironman Frankfurt

Die Einkaufsliste ist lang

Das Ziel steht, nun geht es “nur” noch um den Weg bis zum Zieleinlauf auf dem Frankfurter Römer. Bis auf die passenden Räder ist die Shoppingliste lang und eine Langdistanz liefert viele gute Gründe, sich neues Spielzeug zuzulegen. Passende, übertrieben nerdige Multifunktionsuhren, die auch die Akkuleistung für eine Langdistanz mitbringen, und Powermeter fürs Rad benötigen wir beide. Eine Leistungsdiagnostik muss gemacht werden und Sarah ordentlich auf das Rad gesetzt werden. Die Frage nach Urlaub stellt sich quasi nicht mehr: 1 bis 2 Wochen auf einer Insel im Süden. Nur Sport, Essen und Schlafen – das wird geil!

Neben dem Material benötigen wir noch eine wichtige Person: einen Trainer. Das Training wird umfangreich werden und keiner möchte mehr als nötig machen. Effektiv soll es sein und aufeinander abgestimmt, deswegen sollte es für uns beide auch der gleiche Ansprechpartner werden. Wenn einer von uns zu einer langen Einheit aufbricht, sollte der andere nicht unbedingt gerade seinen Ruhetag haben. Sarahs Schichtdienst verlangt außerdem nach einem besonderen Fingerspitzengefühl und wenn ich am Wochenenden doch Kamera gegen Rennrad tausche, dann muss ebenfalls intelligent im Plan geschoben werden.

Wir machen uns auf den Weg, gehen shoppen und trainieren, werden mit Trainern sprechen und Rennen zur Vorbereitung suchen. Weniger als 8 Monate, bis wir im Neoprenanzug am Langener Waldsee stehen werden.

7 Kommentare

  1. Ich bin sehr gespannt wie sich alles unter einen Hut bringen lässt. Als Familienvater stehe ich vor der gleichen Herausforderung und freue mich über Inspiration, wie die knappe Zeit gut genutzt werden kann.

  2. Spannend,interessant und persönlich, Euch alles Gute! Du weißt ja, Christian, ich hätte da noch einen Fotografen-Job, der Dir einen Samstag klauen würde :-p Ich würde mich freuen

  3. Super Story!

    Mein Freund André und ich haben das gleiche im Jahr 2016 in Frankfurt durchgezogen.
    Bei uns hat es glücklicherweise zum Erfolg geführt – 2x finish und eine Fortführung im kommenden Jahr 2019 😉

    Viel Spaß auf eurer Reise!

    Marina

  4. Pingback: “…if I should ever recover…” – radflamingos

  5. Sandra und ich haben es erfolgreich mit einem superemotionalen Zieleinlauf
    in Zürich gemacht. Es war so schön, dass wir im 2019 wieder gemeinsam an der Startlinie stehen werden.

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