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Fe226-AeroForce-Triathlonanzug-Test

Fe226 AeroForce Tri Suit im Test: Luxus-Pelle oder Rohrkrepierer?

Die junge dänische Marke Fe226 hat sich ambitionierte Ziele gesteckt: Zur führenden Triathlon-Marke wolle man sich entwickeln und dabei vor allem die hohen und exklusiven Ansprüche der Athleten erfüllen – nein, sie sogar neu definieren. Solche Ansagen rufen mich immer auf den Plan und wecken mein kritisches Interesse. Wie viele Marken habe ich in über 12 Jahren Triathlon-Fanatismus mittlerweile mit Pauken und Trompeten kommen und dann sang- und klanglos wieder gehen sehen? Jede Menge. Nun habe ich den Fe226 AeroForce Tri Suit mal einem Härtetest unterzogen. Und bitte.

Niclas Bock Ehrlich währt am längsten
19. Juni 2018

Der Kontakt zu Fe226 kam über Nis zustande, er betreut und berät die Marke in Sachen Brand, Entwicklung und Marketing. Als Nis mir erstmals von der neuen Marke aus Dänemark erzählte, war ich – wie meistens bei neuen Dingen – eher zurückhaltend und fragte mich: Braucht der Triathlon-Markt wirklich noch eine weitere Bekleidungsmarke? Wir tauschten uns immer mal wieder aus, Nis hielt mich über die Entwicklungen und Pläne von Fe226 auf dem Laufenden und Anfang des Jahres bekam ich einen Einteiler der ersten Generation mit Bitte um Feedback.

Feedback? Könnt ihr haben!

 Als ich im Januar also das kleine Päckchen auspackte, war ich erstmal ziemlich baff vom Gewicht des Anzugs. In der Hand fühlte er sich federleicht an und die Haptik gefiel mir gut. Der verwendete Stoff wirkte stabil, hochwertig und es gab einige kleinere Details, die meine Aufmerksamkeit weckten. Dazu dann aber gleich mehr!

Ich wusste von Nis, dass dieser Anzug bereits extrem gute Aerodynamik-Ergebnisse in unterschiedlichen Testverfahren erzielt hatte. Andi Böcherer beispielsweise testete den ärmellosen Fe226-Anzug auf der Radbahn gegen ältere Modelle mit Ärmeln, die er in der Vergangenheit getragen hatte. Verblüffend: Der ärmellose Anzug von Fe226 schnitt sogar etwas besser ab als Andis alte Anzüge. Das Modell mit Ärmeln erzielte nochmals deutlich bessere Ergebnisse und so freute ich mich sehr darauf, meine eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse mit den Anzügen machen zu dürfen.

Trotzdem fielen mir einige Dinge auf, die ich selbst anders lösen würde und so schickte ich mein ungeschöntes Feedback nach Dänemark: Mir machten vor allem die Gel-Taschen, die seitlich auf Höhe der Hüfte angebracht waren, zu schaffen. Beim Anziehen des Anzugs knubbelten sie sich immer wieder unkomfortabel zusammen, rutschten und sorgten beim Fahren in Aeroposition sogar für aufgescheuerte Haut. Eine weitere Tasche war auf dem Rücken angebracht. Was mir nicht gefallen hat war, dass die Tasche keine Lasche oder keinen Verschluss besaß. Das würde beim Schwimmen möglicherweise dafür sorgen, dass sich ein Wasserballon in der Tasche sammelt oder dass mir später beim Radfahren nicht das Maximum an Aerodynamik geboten würde.

Knapp drei Monate später bekam ich erneut einen Einteiler zugeschickt, den neuen AeroForce sleeved Tri Suit. Die Taschen an den Hüften wurden verklebt und vernäht, sie störten also weder beim Anziehen noch beim Fahren, das Verrutschen wurde behoben und die Tasche konnte ich nun auch sinnvoll befüllen. Hier ist Platz für je ein Gel, viel mehr passt da nicht rein. Die Rückentasche kam nun mit einer extra Lasche daher, die zur Abdeckung und zum Sichern des Inhalts angebracht wurde. Wow, mein Feedback wurde ernst- und angenommen. Punktgewinn Fe226! Später erfuhr ich, dass Andi Böcherer und Nis bei ihren ersten Tests ähnliche Erfahrungen gemacht hatte und in etwa die gleichen Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge gemacht hatte.

Ich finde, das spricht immer für eine Marke, wenn sie tatsächlich mit den Profi-Athleten, die sie unter Vertrag haben, zusammenarbeitet – so wie in diesem Falle eben mit Andi Böcherer.

Der erste Eindruck zählt

Was schaue ich mir als erstes an, wenn ich einen Triathlon-Einteiler in den Händen halte? Im Wesentlichen sind es bei mir vier Dinge: Nähte, Sitzpolster, Reißverschluss, Taschen. All das kann ich auf den ersten Blick beurteilen, ohne den Anzug anziehen zu müssen.

Die Taschen-Thematik habe ich ja bereits beschrieben, sie wurden nach meinen Vorstellungen angepasst – es wäre also komisch, wenn ich da jetzt noch etwas zu meckern hätte. Auf den beiden Bildern könnt ihr sehen, wie die Tasche angebracht ist und wie sie sich an den Oberschenkel anschmiegt:

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Reißverschluss als Qualitätsmerkmal

Der Reißverschluss ist ein gutes Merkmal für Qualität. Wenn er hakt, schwer hoch und runter zu schieben ist oder in irgendeiner Weise instabil erscheint, dann ist das meist kein gutes Zeichen und spricht eher dafür, dass hier gespart wurde. Beim Zip des AeroForce konnte ich allerdings keine Mängel feststellen. Er ließ sich im wahrsten Sinne des Wortes reibungslos „bedienen“.

Fe226-AeroForce-Zip-open

Zusätzlich schaue ich mir immer noch das obere Ende des Reißverschlusses an, ob es möglicherweise später bei geschlossenem Anzug am Hals scheuern könnte. Fe226 hat da clever vorgesorgt und der Zipper verschwindet in einer kleinen Extralasche, die vor Scheuern schützt. Auch später im Wettkampf hatte ich damit keine Probleme.

Fe226-AeroForce-Zip-closed

Sitzpölsterchen? Fehlanzeige.

Das Polster im Schritt wirkt auf den ersten Eindruck fast etwas zu gut gemeint. Es könnte problemlos der kleine Bruder eines echten Sitzpolsters einer guten Radhose sein. Zwar nicht ganz so flächig und nicht ganz so ausgepolstert, aber auf jeden Fall hat man hier spürbar was unterm Hintern. Ich war sehr gespannt, wie sich das Polster später im Wettkampf schlägt. Weniger beim Radfahren – hier würde es definitiv punkten – als viel mehr beim Laufen und ob es möglicherweise stören könnte.

Nahtlos glücklich

Geklebte Nähte sind bei Triathlon-Bekleidung mittlerweile keine Seltenheit mehr. Die Vorteile liegen auf der Hand: Höherer Tragekomfort, weniger Risiko für aufgescheuerte Stellen, verbesserte Aerodynamik durch eine glattere Oberfläche. So wundert es nicht, dass auch der AeroForce-Anzug von geklebten Nähten zusammengehalten wird. Ein weiteres, augenscheinliches Qualitätsmerkmal. Interessant ist dabei immer der Blick auf Arm- und Beinabschlüsse. Die Ärmel kommen ohne zusätzliche Fixierung an den Abschlüssen aus und sind dort mit Laser geschnitten und brauchen keine Extra-Naht, die drücken oder im Wind stehen könnte. An den Beinabschlüssen fallen Silikon-Gummi-Noppen auf, die für einen festen Halt des Anzugs am Oberschenkel sorgen sollen. Sieht vielversprechend aus, überzeugen müssen sie mich aber erst noch im Wettkampf!

Den Blicktest hat der AeroForce von Fe226 also bestanden. Aber hält er auch im Wettkampf was er verspricht?

Beim Triathlon Ingolstadt habe ich den Anzug unter Wettkampf-Bedingungen getestet. Ich hatte den Anzug bereits beim Schwimmen komplett angezogen. Manche Athleten ziehen das Oberteil ja erst auf dem Weg in die Wechselzone an, ich trage ihn meistens von Beginn an und lasse nur den Reißverschluss geöffnet, um etwas mehr Bewegungsfreiheit im Oberkörper zu haben. Der Anzug saß straff, hat mich im Schulterbereich aber nicht eingeschränkt. Lediglich die Ärmel musste ich vor dem Schwimmstart deutlich Richtung Schulter/Achsel ziehen, sonst wäre die Beweglichkeit doch etwas knapp geworden. Das liegt vermutlich am engen Schnitt, der aber für den weiteren Rennverlauf nötig ist. Die Ärmel habe ich dann nach dem Schwimmen einfach wieder etwas herunter Richtung Ellbogen gezogen und in Position gebracht.

Aha-Effekt beim Sprung aufs Rad

Natürlich bin ich im Wettkampf mit den Gedanken eher bei mir, meinem Körper und meiner Leistung – über das Material denke ich meistens erst im Nachhinein nach und überlege, ob alles gepasst hat oder was ich optimieren kann. In Ingolstadt jedoch bin ich nach der Wechselzone aufs Rad gesprungen und irgendwas war komisch: Ich war beinahe komplett trocken. Normalerweise waren meine Anzüge nach dem Schwimmen immer erstmal patschnass und vor allem beim Radfahren auf den ersten Metern haben sich die Textilien durch den kalten Wind nochmal extra stark an den Körper gesaugt. Dieses Mal nicht, wie gesagt war der Anzug beim Start der Radstrecke bereits komplett trocken. Nicht schlecht.

Wenig überrascht war ich vom Sitzpolster, es hielt meinen Erwartungen als „kleiner Bruder eines echten Sitzpolsters“ stand. Allerdings gibt es zwei andere wesentliche Dinge, die mir aufgefallen sind: Die Beinabschlüsse haben einen extremen Grip und sind nicht einen Zentimeter von der Stelle gerutscht, an der ich sie vor dem Rennen positioniert hatte. Da ich tendenziell eher schmale Oberschenkel habe, kam es schon vor, dass die Beinteile eines Anzugs während des Rennens hochgerutscht sind, was ich immer als sehr störend und nervig empfunden habe. Die Silikon-Gummi-Noppen erfüllen also ihren Zweck und sorgen für sicheren Halt. Ohne, dass sie die Haut oder den Muskel einschnüren oder irgendwie drücken.

Fe226-AeroForce-Beinabschluss-

Der zweite Punkt, den ich als Unterschied zu anderen Anzügen ausgemacht habe, war die Kühlung. Am seitlichen Oberkörper befinden sich viele kleine (mit dem Laser geschnittene) Löcher, im Rückenteil wurde der sonst sehr dichte und eher feste Stoff durch Mesh-Material ersetzt. Der Fahrtwind gelangt an diesen beiden Stellen also in direkten Kontakt mit der Haut.

Fe226-AeroForce-Tri-Suit-Side-Panel

Fe226-AeroForce-Back-Panel

In Ingolstadt habe ich beim Radfahren an den Verpflegungsstellen zusätzlich Wasser über den Rücken laufen lassen, was nochmals einen kühlenden Effekt hatte. Natürlich nicht allzu lange, da der Anzug wie oben erwähnt super schnell wieder trocken war, aber immerhin!

Haltung bewahren: Das Laufen

Zu guter Letzt habe ich es auch irgendwann auf die Laufstrecke geschafft und konnte mir also auch Gedanken zur Performance des Anzugs in der dritten Disziplin machen. Vorweg: Das Polster im Schritt hat überhaupt nicht gestört, ich habe es beim Laufen nicht gemerkt und hatte auch nach dem Rennen keine Scheuerstellen, womit ich bisher zwar nicht regelmäßig, aber immer mal wieder zu kämpfen hatte. Meistens fällt es mir im Rennen nicht auf, aber vor allem nachher ist es natürlich super unangenehm. Beim AeroForce bin ich davon verschont geblieben.

Ich hatte es schon geschrieben, der Anzug sitzt bei mir (187cm Körpergröße, 74kg Körpergewicht) in Größe M relativ straff. Allerdings nicht so, dass er zu kurz geschnitten wäre und mich „runterzieht“. Sondern eher, dass er sich wie eine zweite Haut über den Körper legt und sich wie eine Art angenehme Kompression anfühlt. Ich persönlich glaube nicht wirklich an Compression, ich trage auch keine hohen Kompressionsstrümpfe oder sonstiges. Aber diesen engen Sitz des Anzugs empfand ich als Unterstützung und hatte das Gefühl, ständig stabil und aufrecht zu bleiben. Das mag zum einen an meinem guten Trainingszustand liegen, zum anderen trägt der AeroForce dazu aber sicher seinen Teil bei.

Ihr merkt schon: Der Anzug hat mich überzeugt. Ich finde es vermessen, über einen Triathlon-Anzug zu sagen, es sei der beste am Markt. Besonders, wenn man nicht alle Modelle kennt. Außerdem ist der „beste“ Anzug immer etwas Individuelles. Es gibt viele extrem gute Triathlon-Einteiler – und meiner Meinung nach gehört auch der AeroForce Tri Suit von Fe226 in die Champions League.

Die alles entscheidende Frage: Was kostet das Teil?

Satte 399 Euro verlangt Fe226 für den AeroForce sleeved Tri Suit. Auf den ersten Blick finde ich das viel, auf den zweiten Blick frage ich mich: Warum kostet der Anzug denn so viel? Also habe ich mich erkundigt und bin nun schlauer. Ja, 399 Euro ist viel Geld, allerdings – das sage ich jetzt nach meinem Test aus Überzeugung – ist es der AeroForce auch wert. Und nun erkläre ich euch, warum. Denn in dem Anzug stecken jede Menge krasse Features, die ich auf mein Nachfragen genau erläutert bekommen habe.

In insgesamt sieben Durchgängen wird der Stoff des AeroForce Anzugs immer wieder behandelt. Jede Behandlung verfolgt ein anderes Ziel und verpasst dem Stoff eine weitere Eigenschaft. Ein Veredelungsprozess sozusagen. Beispielsweise entsteht dadurch die Fähigkeit des Anzugs so extrem schnell zu trocknen, Fe226 nennt das Ultra-Fast Dry. Ich gebe euch hier mal einen Überblick über die weiteren Eigenschaften des Anzugs:

ColdBlack, UVA und UVB Schutz

Das verwendete ColdBlack Material soll für eine Regulierung der Körperkerntemperatur sorgen und verhindern, dass man in dem Anzug „heißläuft“. Darüber hinaus besitzt das verwendete Material einen Sonnenschutz mit dem Faktor 50, was sogar an den lichtdurchlässigen Stellen wie dem Rücken-Meshteil vor Sonnenbrand schützt.

Swimskin Technology

Diese Technologie verspricht eine extrem gute hydro- und aerodynamische Performance des Anzugs. Neben einer maximalen Atmungsfähigkeit des Stoffes soll sie garantieren, dass sowohl Wasser als auch Luft nahezu reibungslos abströmen können.

Second Skin

Das verwendete Material, welches laut Fe226 bis zu 20 Prozent stretch- und dehnfähiger ist als vergleichbare Stoffe, soll für ein Gefühl von zweiter Haut sorgen. Aus meiner Erfahrung heraus, wie ihr oben gelesen habt, kann ich das bestätigen.

Energy Return

Der AeroForce Anzug wurde aus Material gefertigt, dass sich durch einen sogenannten 4-Wege-Stretch auszeichnet. Diese Eigenschaft sorgt für extreme Beweglichkeit des Anzugs bei gleichzeitiger Stabilisation und Kompressionseffekt. Was erstmal widersprüchlich klingt, wird in der Praxis nachvollziehbar. Eine Eigenschaft, die relativ schwer in Worte zu fassen ist, die aber spürbar wird, wenn man den Anzug in den Händen hält und ihn anprobiert.

Super-Lightweight

Das Gewicht spielt bei Triathleten ja immer eine Rolle. Ob das Gewicht eines Wettkampf-Anzugs allerdings ein entscheidendes Kaufkriterium ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Allerdings ist es tatsächlich auffällig, wie leicht der AeroForce ist. Ich halte die schnelltrocknende Eigenschaft in Kombination mit dem leichten Gewicht tatsächlich für eine Stärke, denn der Anzug fühlt sich nie als würde man einen Sack umhertragen.

Core Temperature Regulation

Das AeroForce Material transportiert den auf der Haut gebildeten Schweiß nach außen und lässt ihn dort verdampfen. Dieser Vorgang führt zu einer natürlichen Kühlung, was laut Fe226 vor Überhitzung schützen soll. Unter Einbeziehung der beschriebenen ColdBlack Technologie, des Rückenteils aus Mesh und der Löcher am seitlichen Oberkörper halte ich es für ein realistisches Versprechen.

Laser-Cut Side Ventilation

Die „Löcher“ am seitlichen Oberkörper sind ziemlich filigran gearbeitet. Durch Laser-Cut werden sie nachträglich in den Anzug eingearbeitet und sollen gleich zwei Aufgaben erfüllen. Einerseits soll die oben genannte Kühlung dadurch positiv beeinflusst werden, anderseits sollen sie zu verbesserter Aerodynamik führen.

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