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Ruben Zepuntke im Portrait – Demut kommt vor dem Knall

Ruben Zepuntke stürmt ohne Umwege zum neuen Publikumsliebling in Triathlon-Deutschland. Seinen Raketenstart im Triathlon jedoch auf seine Erfahrung als ehemaliger Profi-Radsportler zu degradieren wäre zu einfach. Deshalb wollte ich mehr erfahren. Wer ist der Typ? Wie tickt er? Und wie viel Watt stecken in seinen Beinen?

Niclas Bock Bocki Pushing Limits
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22. Mai 2019 Personality
  • Titelbild: Marcel Hilger

Machen wir mal eben tabula rasa: Ruben ist 26 Jahre alt, lebt in Düsseldorf und absolviert gerade eine Ausbildung zum Physiotherapeuten. Seine Sportliche Vergangenheit: Als Profi-Radsportler stand er bereits im Dienste der großen Rennställe von Rabobank, Cannondale Pro Cycling und dem Team Sunweb.

Bei den Junioren wurde er 2011 Deutscher Meister, 2014 gewann er eine Etappe bei der prestigeträchtigen Tour of Alberta, war bei Klassikern wie Paris-Roubaix oder der Ronde van Vlaanderen am Start. Bei einem schweren Sturz 2016 zerbricht allerdings nicht nur sein Arm, sondern auch seine Karriere als Radsportler. 2017 versucht er sich zurück zu kämpfen und seinen größten Traum vom Start bei der Tour De France irgendwie wahr zu machen, aber das Vorhaben scheitert.

Bis dahin war es mein größter Traum beim Prolog der Tour in Düsseldorf als Fahrer dabei zu sein.

Volle Kraft voraus: Neue Ziele, neuer Mut! (Foto: Marcel Hilger)

Im Rheinland sagt man: Heute sind das alte Kamelle! Die alten Zeiten als Radsportler sind vorbei. Die schwierigen Zeiten nach dem Tour-Trauma sind abgehakt. Jetzt sind Kopf und Körper bereit für neue Zeiten, für gute Zeiten: „Damals als Radsportler hatte ich kaum Mitspracherecht, wenn es um meine Renn- oder Saisonplanung ging“, erzählt Ruben. „Als Team-Fahrer wurde ich sozusagen durch die Gegend kutschiert und musste dort an den Start gehen, wo es die Teamleitung vorsah. Im Triathlon ist das anders, hier entscheide ich selbst wann und wo ich Rennen bestreiten möchte. Diese Freiheit tut mir gut und das genieße ich.“ Kurz darauf fasst er diesen Gedankengang so zusammen:

Damals war das Motto: Ich muss. Heute ist es: Ich möchte.

Jetzt sind wir auf dem Boden der Tatsachen. Hier lebt Ruben Zepuntke. Er ist ein charismatischer und unaufgeregter Typ. Mit großem Respekt spricht er über den Triathlon: „Irgendwie waren Triathleten in meinen Augen immer schon die krasseren Athleten. Der Sport wirkt auf mich wie ein Extrem und das finde ich anziehend, mich motiviert so etwas.“

Neue Herausforderung

Also fängt er an zu trainieren, beschäftigt sich mit Schwimmen und Laufen, schließt sich im April 2018 dem Triathlonteam Düsseldorf an, startet bei ersten Wettkämpfen – und beendet sie mit Achtungserfolgen: Sieg beim Duathlon Mettmann, Platz zwei hinter einem erfahrenen Patrick Dirksmeier über die Mitteldistanz in Bocholt und dem Sieg in seiner Alterklasse beim Ironman Hamburg, der letztes Jahr als Duathlon ausgetragen werden musste.

Als er sich im Herbst vergangenen Jahres auf Trainersuche begibt, muss er die Karten auf den Tisch legen. Auf der einen Seite demonstrieren seine bisherigen Leistungen eine brachiale Gewalt, die in ihm steckt: Seinen besten 20 Minuten-Test auf dem Rad absolvierte Ruben mit einer durchschnittlichen Leistung von 457 Watt bei einem Körpergewicht von 74 Kilogramm. In einem Radrennen liegt seine beste Durchschnittsleistung über vier Stunden bei 340 Watt. Auf der anderen Seite stehen da aber auch mickrige 18 Lauf-Kilometer, die er im Jahr 2018 als wöchentlichen Durchschnitt zu Stande gebracht hat. Der Kommentar seines heutigen Trainers:

Du läufst so viel wie die Mädchen in der Jugend B!

Wie viel Potential in ihm steckt wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass Ruben im Januar bei einem 10 Kilometer Lauf bereits eine Zeit von 33 Minuten auf den Asphalt gezaubert hat. Noch phänomenaler ist jedoch seine Schwimmerei: Bei der Challenge Heilbronn am vergangenen Sonntag sorgte er in der Verfolgergruppe hinter dem enteilten Florian Angert fürs Tempo. Nochmal, erst im vergangenen Jahr hat Ruben mit dem Schwimmen angefangen. Mittlerweile trainiert er vier Mal pro Woche unter Aufsicht eines professionellen Schwimmcoaches.

„Letztes Jahr beim Aasee Triathlon in Bocholt bin ich zum ersten Mal im Freiwasser geschwommen. Ich hatte wirklich keine Ahnung“, schmunzelt Ruben und erzählt: „Ich habe mir vor dem Rennen einen Nass- und Tauchanzug für 100 Euro im Internet bestellt. Ich dachte das wäre so ein Neoprenanzug, wie ich ihn bräuchte.“ Nun ja, heute weiß er es besser. Aber auch das zeigt, wie steil seine Lernkurve aktuell noch ist.

Genatzt! Damit hatte Sebi Kienle sicher nicht gerechnet: Ruben schwimmt bereits von Anfang an der Spitze mit und macht ihm von Beginn an das Leben auf dem Rad zur Hölle. (Foto: Marcel Hilger)

Als er beim Triathlon Buschhütten Dritter wurde, hatte er den Überraschungsmoment auf seiner Seite, weil ihn niemand auf der Rechnung hatte. In Heilbronn schockte er Kienle und Co dann damit, dass er bereits beim Schwimmen mehr als konkurrenzfähig war. Sicherlich werden diese Überraschungen nun seltener. Den nächsten großen Schritt wird Ruben mit seiner Lauf-Performance machen, denn mit einem Halbmarathon in 1:18 Stunden, wie in Heilbronn, ist hier noch viel Spielraum für Verbesserung.

Wie geht es jetzt weiter?

Anders als man es vielleicht erwarten könnte, wird Ruben in den nächsten zwei bis drei Jahren nicht auf der Langdistanz zu finden sein. Aktuell liebäugelt er mit einem Start beim Bonn Triathlon und wird dann am 23. Juni beim Heimrennen in Düsseldorf für das Kölner Triathlon Team 01 in der 1. Triathlon Bundesliga an den Start gehen. Ruben erklärt: „Ich will die Schule der kurzen Strecken mitnehmen und mich Schritt für Schritt in Richtung Langdistanz entwickeln.“ Auch das zeichnet ihn aus: Analytisches und kluges Vorgehen.

Meiner Meinung nach ist Ruben ein Athlet, von dem es bisher im Triathlon nur sehr wenige gibt. Er weiß was er kann und er hat keine Probleme damit auszusprechen, dass er wirklich richtig was auf dem Kasten hat. Er besitzt ein extremes Vertrauen in seine sportlichen Fähigkeiten. Das unterscheidet ihn von vielen anderen Triathleten. Sein Respekt gegenüber dem Sport und den Athleten bildet dazu das perfekte Gegenstück, das bringt ihn ins Gleichgewicht. All das dürfte dazu führen, dass er nicht nur der nächste Publikumsliebling ist, sondern in Zukunft noch viel mehr erreicht…

Damals war mein Traum die Tour de France. Jetzt ist es der IRONMAN Hawaii!

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