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Sanders, Wurf, McNamee & Co – Die internationalen Top-Favoriten

04. Oktober 2018


Lionel-Sanders-Ironman-Hawaii

Welche internationalen Top-Athleten können am 13. Oktober ein Wörtchen im Kampf um die IRONMAN Weltmeisterschaft auf Hawaii mitsprechen? Natürlich ist die Liste lang. Wir haben uns die besonders vielversprechenden Kandidaten angeschaut und stellen sie euch in einem gesammelten Überblick vor. Und los.

  • Titelbild: Talbot Cox / www.talbotcox.com

Lionel Sanders – Brechstange vs. Sinn und Verstand

Wir lieben Lionel Sanders! Und das tun ganz viele andere Triathlon-Fans ebenfalls. Dieser Typ aus Kanada ist einfach ein sympathischer Hund und sollte er den IRONMAN Hawaii dieses Jahr oder in Zukunft einmal gewinnen, dann dürfte es kaum jemanden geben, der sich nicht für ihn freut. Seine unkonventionelle Art begeistert. Aber ist damit auch der Sieg bei der Weltmeisterschaft in Kailua-Kona möglich? Gegenfrage: Warum nicht?

Der 2. Platz im Vorjahr war sicherlich einer der größten Erfolge von Lionel. Und es war das Ergebnis mit dem er sich selbst bewiesen hat: Junge, dieses Rennen kannst Du gewinnen!

Deshalb hat er angefangen noch härter zu trainieren. Und gemäß seinem Motto #nolimits hat er begonnen an vielen Stellschrauben gleichzeitig zu drehen. Körpergewicht, Wettkampfverpflegung, Sitzposition, solche Dinge. Von Erfolg gekrönt waren seine Veränderungen bisher allerdings nicht. Schaut man sich seine Wettkampf-Ergebnisse der Saison 2018 an, dann muss man sie ehrlicherweise so einordnen, dass sie ihn nicht automatisch zum Top-Favoriten auf den Sieg machen.

Zwar hat er die Challenge The Championship in Samorin gewonnen, aber dominiert hat er in dieser Saison eigentlich nicht. Aber: Auch kaum einer seiner Konkurrenten hatte eine absolute Bilderbuch-Saison. Für den IRONMAN Hawaii 2018 sehen wir in Lionel Sanders einen echten „Top-oder-Flop“-Kandidaten. Entweder er kämpft um den Sieg und gewinnt – oder er verliert knapp und wird Zweiter. Aber möglicherweise treibt ihn seine Experimentierfreude auch in die Ecke und er spielt eine kleinere Rolle, als sich das viele Fans wünschen würden.

Mehr über Lionel Sanders?

David McNamee – Der Dritte des Vorjahres

IRONMAN World Championship
Grund zum jubeln gab es beim IRONMAN Hawaii 2017 für David McNamee. Einen 3. Platz hatte ihm im Vorfeld niemand zugetraut, vor allem, weil er auf keinem Zettel der Experten stand. (Foto: Sean M. Haffey/Getty Images for IRONMAN)

Mit einem 15. Platz beim IRONMAN Klagenfurt sichert sich David McNamee seinen Platz für den IRONMAN Hawaii 2018. Sein Punktekonto im Kona Pro Ranking ist Dank des dritten Platzes auf Hawaii im Oktober 2017 und dem Sieg beim IRONMAN 70.3 Marbella im April dieses Jahres ohnehin prall gefüllt. Aber klar: Wer in Hawaii auf dem Podium stand, der möchte in der Folgesaison mehr als einen 15. Platz bei seinem Quali-Rennen.

Aber David nur anhand des Ergebnisses in Klagenfurt zu bewerten wäre mehr als fahrlässig. Das Rennen auf Big Island liegt dem 30-jährigen Briten, der in Deutschland nicht unbedingt zu den super bekannten Athleten gehört. Letztes Jahr rannte er mit einer Marathonzeit von 2:45:30 Stunden die zweitschnellste Zeit hinter Patrick Lange. Davids Möglichkeiten sind auch durchaus vergleichbar mit denen von Patrick: Mit nur 69 Kilogramm Körpergewicht gehört David eher zu den leichten Athleten. Beim Schwimmen ist er in der Lage mit der Spitzengruppe mitzufahren, auf dem Rad geht es für ihn darum erstens nicht zu früh abgeschüttelt zu werden und zweitens nicht zu viel Zeit auf die Spitzen-Radfahrer einzubüßen. Wenn es ihm gelingt sein cleveres Rennen aus dem Vorjahr zu wiederholen, dann kann er sein sehr gutes Ergebnis sicher bestätigen. Allerdings, so unsere Vermutung, reicht es dieses Jahr nicht für den Sprung aufs Podium. Ein Platz unter den ersten sechs ist jedoch durchaus denkbar.

Cameron Wurf – Der Überbiker unter den Überbikern

IRONMAN World Championship
Wenn er aufs Pedal drückt, dann kann keiner mehr folgen: Cameron Wurf. Der ehemalige Radsport-Profi ist mittlerweile in der Triathlon-Weltspitze angekommen. Radrekorde sammelt er nach Belieben und auch seine vermeidlichen Schwächen im Schwimmen und Laufen scheint er langsam aber sicher in den Griff zu bekommen. (Foto: Sean M. Haffey/Getty Images for IRONMAN)

Ja, Cameron Wurf ist ehemaliger Profi-Radsportler – er war aber auch schon bei den olympischen Spielen. Und zwar 2004 in Athen. Als Ruderer. Und jetzt halt Triathlon. Der 35-jährige, gebürtige Australier mischt seit etwa zwei Jahren gehörige die Bude auf. Besonders interessant wird es, wenn man einen Blick auf seinen Wettkampf-Kalender 2018 wirft: Sage und schreibe sechs Langdistanzen hat er in diesem Jahr bereits bestritten, die Challenge-Rennen in Venedig, Roth und Amsterdam, sowie die IRONMAN-Rennen in Südafrika, Nizza und Zürich. Puh.

Bei den meisten dieser Rennen hat er die Streckenrekorde auf dem Rad pulverisiert. So zum Beispiel in Roth wo die neue Bestmarke nun bei 4:05:37 Stunden liegt.

Dass „Cam“ in Kona als Erster vom Rad steigt scheint so sicher wie das Amen in der Kirche. Es gibt schlicht und einfach niemanden, der auf dem Niveau Radfahren kann wie er. Beim Schwimmen kassiert er sicherlich ein paar Minuten auf die Spitze, aber den Rückstand dürfte er nach 40, 50, vielleicht 60 Minuten egalisiert haben. Genauso sicher wie dieses Szenario ist allerdings auch, dass aus dem Australier kein Wunderläufer mehr wird. Wenn er, als augenscheinliches Kraftpaket, einen Marathon knapp unter drei Stunden läuft, dann wäre das für ihn absolut herausragend. Zuzutrauen ist es ihm. Allerdings fällt es schwer an einen Sieg von ihm zu glauben, Hawaii wird seine siebte Langdistanz binnen sieben Monaten. Come on. Daher: Nachdem er als Führender auf die Laufstrecke wechselt, kann er im weiteren Verlauf nicht ernsthaft um die Podiumsplatzierungen mitsprechen, landet am Ende aber dennoch in den Top-10.

Und was ist mit Gomez? Currie? Und O’Donnell?

Javier Gomez. Diesen Namen kennt in der Triathlon-Szene jeder. Der Spanier hat – mit Ausnahme von Olympia – eigentlich alles gewonnen, was der Triathlon zu bieten hat. In dieser Saison hat er sich erstmals auf die Langdistanz gewagt: Beim IRONMAN Cairns erreicht er nach 7:56:38 Stunden das Ziel, rennt den Marathon in sagenhaften 2:41:02 Stunden – und wird damit trotzdem nur Zweiter, geschlagen von Braden Currie. Der Neuseeländer rennt die 42,195 Kilometer in 2:39:59 Stunden noch schneller als Gomez. Dieses Rennen befördert beide(!) in den engen Favoriten-Kreis für den IRONMAN Hawaii. Trotz seines Namens und seiner herausragenden sportlichen Fähigkeiten, ist Gomez ein Dark Horse. Auch er muss auf Hawaii erstmal mit dem Rennen und den besonderen Anforderungen klarkommen. Allerdings wäre es leichtsinnig, ihm keine Siegchancen zu zurechnen. Und ja, gleiches gilt für Braden Currie. Übrigens: Currie war auch letztes Jahr schon auf Hawaii am Start und lag extrem gut im Rennen, bevor er von einem Materialdefekt gestoppt wurde.

Und dann ist da noch der US-Amerikaner Tim O’Donnell. Eine Bank für solide Ergebnisse beim IRONMAN Hawaii. Vier Mal hat er es bei seinen fünf Starts in die Top-10 geschafft, einmal sogar als Dritter aufs Podium. Seine Vorleistungen in diesem Jahr, vor allem über die IRONMAN 70.3-Distanz, waren extrem gut. Eine Platzierung in den Top-10 wäre für ihn keine Überraschung, der Sprung in die Top-5 scheint möglich!

Der IRONMAN Hawaii ist der härteste Triathlon des Jahres

Ihr merkt schon, eigentlich ist es aussichtslos eine umfassende Auflistung und Vorstellung der Top-Favoriten für den IRONMAN Hawaii zu erstellen. Es gibt dermaßen viele Athleten, die nicht nur Chancen auf einen Platz unter den besten zehn haben, sondern auch gleichzeitig in die Top-5 rutschen können. Der IRONMAN Hawaii ist das härteste Rennen des Jahres und der einzige Wettkampf, bei dem sich die besten der Welt miteinander messen. Hier geht niemand dem anderen aus dem Weg, wie es vielleicht viele übe das Jahr hinweg tun. Es wird spannend. Es wird Überraschungen geben. Es werden neue Helden geboren und alte werden scheitern. Es wird die IRONMAN Weltmeisterschaft auf Hawaii!

Die Athletenportraits der deutschen Profi-Männer: