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Rookie-Report – Saisonplanung für Agegrouper: Ist mein Triathlon-Ziel noch realistisch?
Manchmal muss man ehrlich zu sich sein. Das gilt auch bei der Saisonplanung im Triathlon – und vor allem dann, wenn es nicht so läuft wie gedacht. Lenas Abrechnung mit den eigenen Plänen und warum genau darin die größte Chance für Agegrouper steckt.
Triathleten sind Meister der Flexibilität. Zumindest müssen sie es sein, insbesondere als Altersklassen-Sportler. Denn Hand aufs Herz: Mit 40-Stunden-Plus-Job im Nacken und so etwas wie Familienpflichten oder (ach, ja!) Partnerschaft muss man ein Hobby wie Triathlon flexibel gestalten und auch ein flexibles Verhältnis dazu entwickeln. Oder wie es so schön heißt: das Training dem Leben anpassen, statt das Leben dem Training. Soweit die Theorie.
Ich gebe zu, dass ich diesbezüglich in der Praxis in den letzten Wochen versagt habe. Setzen, Sechs – meine Tochter würde für so etwas einen Eintrag ins Hausaufgabenheft bekommen. Mit Unterschrift!
Ohne Training kein Triathlon
Denn dass ich fit genug für meine geplante erste Mitteldistanz sein werde, ist so unwahrscheinlich wie Jan Frodeno bei Burger King. Lustige Vorstellung, wird aber nicht passieren.
Man könnte auch sagen: Dafür, dass ich in 22 Wochen meine erste Mitteldistanz machen wollte, bin ich fünf Homeoffice-Kilos zu schwer, trainiere fünf Stunden pro Woche zu wenig, musste mindestens fünfmal zu häufig im Training in den letzten Monaten wieder von vorne anfangen und habe bei meiner Saisonplanung mindestens fünf Fehler zu viel gemacht. Welche genau? Hier eine kleine Auswahl:
- Ich habe mich zu früh für ein Rennen entschieden: Oder sagen wir es mal so, ich habe erst das Rennen gewählt, dann das Training geplant/ansatzweise umgesetzt. Umgekehrt wäre vermutlich besser gewesen.
- Ich habe unterschätzt, wie viel (und manchmal unmöglich) zehn Stunden Training pro Woche wirklich sind: Vernebelter Blick auf die Tatsachen aufgrund von maximaler Motivation – kann passieren.
- Ich habe „in einer perfekten Welt“ geplant: Und dabei kaum Spielraum für das Leben und den Job gelassen, der manchmal (wenn nicht sogar immer) eben Vorrang hat.
Saisonplanung, die erste
Auch wenn ich persönlich kein Fan vom Pochen auf derartige Weisheiten oder Theorien bin: Würde man meine Saisonplanung auf die Zielsetzung nach dem SMART-Prinzip (heißt: Ein Ziel muss spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert sein!) herunterbrechen, hätte ich beim R versagt. Auch wenn ich das beim Aufstellen des Ziels nicht ahnen konnte. Ich schwöre!
Denn eigentlich schien mir die Sache ja total realistisch – damals, im August 2021. Sonst hätte ich dafür ja nun auch nicht das Kärtchen gezückt. Kurz vor dem Start beim Allgäu Triathlon hatte ich mich noch schnell für die Challenge Kaiserwinkl-Walchsee angemeldet. Vor allem, um diese lähmende Frage „Was mache ich eigentlich nach Allgäu und Davos?“ für mich zu beantworten. So weit, so sinnvoll.
Dann explodierte das Leben – und zwar an allen Fronten, die so gar nichts mit Sport zu tun hatten. Die Folge: Der Fokus war weg und hatte die Motivation, die die Anmeldung für Walchsee in mir ausgelöst hatte, gleich mitgenommen. Ein neues Ziel musste her und so blechte ich 380 Euro für ein weiteres Ziel, nämlich die Premiere des Ironman 70.3 in Dresden. Ich hatte (und habe immer noch!) Bock. Echt. Und Premiere ist Premiere.
- Lese-Tipp
Auch die ganz Großen müssen mal umplanen – so wie Bocki kürzlich im Blog erläutert hat.
Saisonplanung, die zweite
Aber genug der Selbstkritik, zurück zur Ausgangsfrage des Blogs: Und wie realistisch ist die ganze Nummer jetzt noch? Die Rennen stehen nach wie vor im Kalender, die Wochenangabe bei Trainingpeaks wird stetig kleiner – und das Delta zur Form immer größer. Genau jetzt ist sie gefragt: besagte Flexibilität, die man als Agegrouper mitbringen muss. In meinem Fall bedeutete das, meine Saisonplanung noch einmal zu verändern. Ich verschob mein Highlight um eben die Wochen nach hinten, die mir auf das erste Ziel aktuell schlichtweg fehlen.
Es mag also vielleicht sein, dass ich am 26. Juni 2022 nicht fit genug für eine komplette Mitteldistanz bin. Aber definitiv bin ich fit genug dafür, mein Fahrrad einzuchecken, den Neo anzuziehen, 1,9 Kilometer schwimmen zu gehen, eine, vielleicht sogar zwei Runden auf einer wunderschönen Radstrecke zu cruisen und ganz, ganz, ganz vielleicht noch ein paar (Kilo-)Meter auszulaufen. Keine Ahnung, ob schon jemals jemand mit der Absicht, ihn nicht zu beenden, an den Start eines Triathlons gegangen ist. Aber schaden kann es ja nicht. Und bezahlt ist bezahlt.
- Lese-Tipp
Warum macht man noch gleich Triathlon? Carola liefert dazu die passenden Studienergebnisse.
Neue Ziele? Andere Ziele!
Und, ja, es könnte auch gut möglich sein, dass ich dieses Prozedere am 30. Juli 2022 wiederhole und einfach einen wunderbaren Tag mit diesem wunderbaren Sport habe – wie auch immer er ausgeht. Aber inzwischen viel realistischer ist, dass ich am 21. August 2022 noch einmal am großen Alpsee stehe. Nicht, weil ich völlig überambitionierte Bestzeiten aufstellen will, eine Rechnung oder sonstiges zu begleichen habe, sondern weil es einfach besser zu meiner aktuellen Situation passt. Und weil eines nun einmal feststeht: KULT ist Kult.
Warum ich euch hier diesen Einblick ins Um- und Neuplanen gebe? Weil ich darin eine Chance für jeden sehe, Freude an diesem Sport zu behalten – egal, was kommt.
Auch wenn man nicht die perfekten Voraussetzungen, die krasseste VO2max, die heftigsten Wattwerte und wahnsinnige Trainingsumfänge hat, kann man Triathlon lieben und sich persönliche Ziele in diesem Sport setzen. Das ist legitim und nicht weniger wert als alles, was Triathleten machen, die vielleicht mehr Ambitionen, Erfahrung, Möglichkeiten haben.
Triathlon ist das, was du draus machst – war es nicht das, wofür wir diesen Sport an jeder Ziellinie feiern?
Bis bald von der MD-Rookie-Front!
Lena
PS: Sollen im Rookie-Report künftig mehr spezifische Themen rund ums Mitteldistanz-Training stattfinden? Falls ja, lasst es uns wissen!
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